Greenpeace gewinnt Publikumspreis beim Viral Video Award 2011

19. November 2011

Letzes Jahr gab’s den Preis der Jury für unseren Nestlé-Spot gegen Urwaldzerstörung,  gestern entschieden die Netizens: der Publikumspreis des Viral Video Awards 2011 geht an unseren VW-Spot: “The Dark Side”. Der Spot ist Teil der Klimakampagne gegen VW und eine Parodie auf die VW-Werbung für den neuen Passat. Seit Juni wurde die Parodie, die VW auffordert, auf die helle Seite der Macht zu wechseln und sich für strengere Emissionsziele und schärfere CO2-Grenzwerte für Autos einzusetzen, allein in der englischsprachigen Version über 1 Millionen Mal auf youtube geklickt.  Dazu sind fast 500.000 Online-Jedis der Rebellion gegen VW beigetreten und kämpfen auf unserer Seite www.vwdarkside.com für wirksamen Klimaschutz.

Fast 500 Virals wurden dieses Jahr für den Viral Video Award eingereicht, 21 waren schließlich nominiert. Die Konkurrenz war beachtlich: von der Nespresso-Parodie, die George Clooney sehr drastisch zu besseren Konditionen für Plantagenarbeiter auffordert über ein sehr bewegendes Handyvideo der Revolution in Ägypten im Januar bis hin zum spooky Exorzistenspot, der sich als Staubsaugerwerbung entpuppt – bis zuletzt war es ein spannendes Kopf-an-Kopf- Rennen mit dem sehr aufwändig gemachten Jubiläums-Viral “50 Jahre Amnesty International”.

Nicht zuletzt dank des von der Heinrich-Böll-Stiftung verliehenen Preises für das Beste Politische Viral, setzt der Viral Video Award 2011 auch im vierten Jahr nicht nur ein Spotlight auf außergewöhnlich schräge kommerzielle Virals, sondern beweist wieder, welch mächtiges Tool 30 Sekunden Bewegtbild im Kampf für die gute Sache sein kann.

Der Viral Video Award wird verliehen im Rahmen des Internationalen Kurzfilmfestivals  Interfilm in Berlin, das dieses Jahr zum 27. Mal stattfindet und nach Oberhausen die älteste und wichtigste  Plattform für Kurzfilme in Deutschland und international darstellt. Festivalschwerpunkt ist dieses Jahr Fokus Umwelt, der sich gleich in drei unterschiedlichen Programmen dem Dilemma zwischen Mensch und Natur annimmt: Atom/Energie, Essen/Konsum und Stadt/Vision.

Wir danken dem Interfilm-Festival  und vor allem allen Netizens fürs Abstimmen.

Sei die Macht nun mit VW:-)

NICHT VERGESSEN: heute und morgen gibts noch jede Menge superspannende Kurzfilme zu sehen in Berlin, Genaueres unter www.interfilm.de.

Greencamp TV: Fernsehen von Ehrenamtlichen für Ehrenamtliche

22. Februar 2011

Die Schulung von angehenden Videojournalisten in den ehrenamtlichen Greenpeace-Gruppen geht in die zweite Runde:

Ehrenamtliche beim Dreh.

Eva ist 16, Schülerin und kommt aus Köln. Sie ist seit 1,5 Jahren in der Greenpeace-Jugendgruppe vor Ort aktiv und Öffko. Öffko steht für Öffentlichkeitsarbeitskoordinatorin. Ein Öffko ist verantwortlich für die Medienarbeit, baut Kontakte zu Journalisten auf, schreibt Pressemitteilungen, gibt Interviews und organisiert mit anderen zusammen Infostände und Informationsveranstaltungen. Ca. 3000 Ehrenamtliche wie Eva gibt es bundesweit, die sich in über 95 regionalen Gruppen für den Umweltschutz engagieren. Um die Menschen in ihrer Region noch besser über Klimawandel, Erneuerbare Energien und Urwaldschutz aufzuklären, lässt sich Eva schulen – als Videojournalistin. Die dann erstellten Webfilme will sie auf ihre Gruppen-Homepage stellen.

Beim Schnitt des Spots "Kampf der Giganten ...". Copyright: Ariane Hildebrandt

Beim Schnitt des Spots "Kampf der Giganten ...".

Vom 21. bis zum 23. Januar fand bei Greenpeace in Hamburg das erste Video-Einsteigerseminar für Ehrenamtliche statt. An drei Tagen gab es Grundlagen zu Kameratechnik, Storytelling: “Wie erzähle ich eine Geschichte in Bildern”, Einstellungsgrößen, Praxisübungen, “Wie produzieren Profis Greenpeace-Webfilme” und vieles mehr.

Die große Praxisübung fand am 11. und 12. Februar auf dem “Greencamp” statt, dem jährlichen Treffen aller Greenpeace-Ehrenamtlichen in der Nähe von Berlin. Aufgabe war, das sogenannte “Greencamp TV” zu erstellen. Eine extra produzierte Sendung mit aktueller Berichterstattung vom Camp, den alle Teilnehmer als eines der Highlights am letzten Abend zusammen angucken. Das Praxis-Seminar wurde von mir – Ariane Hildebrandt, Film- und TV-Redaktion bei Greenpeace – geleitet.

Der Spot "Greencamp fashion TV" entsteht.

Filme entstehen

11 angehende Videojournalisten, die von Sylt bis München aus allen Teilen der Republik klimafreundlich angereist waren, hatten 1,5 Tage Zeit, um 20 Minuten “Greencamp TV” zu produzieren. Wolfgang, 64 Jahre, pensionierter Lehrer aus Winslaken am Niederrhein: “War unheimlich anstrengend, hat aber auch unheimlich viel Spaß gemacht. Das Führen von Interviews ging viel besser als erwartet. Ich war erstaunt, wie gut ich auf unerwartete Reaktionen der Befragten reagieren konnte.”

Fünf spannende und witzige Reportagen wurden schließlich von den Nachwuchsreportern und -kameramännern erstellt – davor gab es eine Redaktionssitzung, Konzepterstellung, Dreh und Schnitt mit Proficuttern. Alles in nur 1,5 Tagen.

"Greencamp fashion TV" fügt sich zusammen. Copyright: Ariane Hildebrandt

"Greencamp fashion TV" fügt sich zusammen.

Die Themen reichten von “Kampf der Giganten: Wurststand versus veganer Waffelstand” über Greenpeace Kids TV hin zu Impressionen der Party-Outfits bei der “Anderen Schwarz-Gelb-Party”. Weiter ging es mit Beiträgen zur Wahl des Ehrenamtlichenbeirats und zum Catwalk der Teams 50+: Ehrenamtliche über 50 Jahre hatten aus Bannerresten schicke Taschen genäht, die sie zugunsten des Rechtshilfefonds vor Ort versteigerten. Mit vorheriger Präsentation der Modelle auf dem “Catwalk”, die unter lautem Beifall gezeigt wurden.

“Was mir am meisten gebracht hat, war zu sehen, wie man eine Idee für einen Beitrag entwickelt und sie dann versucht, in der Praxis durchzuführen”, sagt Teilnehmerin Eva. “Man muss sie immer wieder überarbeiten und anpassen. Geholfen hat mir, dass ich eine begeisterte Fotografin bin – auch ganz schön perfektionistisch. Ich probiere dann so lange rum für eine Einstellung mit der Videokamera, bis ich sicher bin, dass mir der Bildausschnitt richtig gut gefällt.”

Ehrenamtliche sichten Material.

Am Abend erlebten circa 500 Ehrenamtliche und Hauptamtliche von Greenpeace auf der großen Leinwand das “Greencamp TV”, das immerhin 30 Minuten vor Schluss fertig geworden war. Doch dabei wurde nur noch an Übergängen gebastelt. Die Beiträge der angehenden Videojournalisten waren schon pünktlich zwei Stunden vorher geschnitten im Kasten.

Beim nächsten Seminar wird es wahrscheinlich um Tipps und Tricks der Schnittechnik gehen. Eva und Wolfgang wollen auf jeden Fall wieder dabei sein. Und bald sogar einen ganzen Beitrag komplett alleine produzieren.

Mehr über die Filmproduktion bei Geenpeace erfährst du auch im Blogbeitrag “Karla und die surfenden Pinguine”.

Sternemenü aus Ernteresten

21. Februar 2011

Der Abfallthriller “Taste the waste” begeistert Publikum und Kritiker auf der Berlinale: Gleich dreimal konnte der Kinofilm von Valentin Thurn am vergangenen Wochenende auf den Internationalen Filmfestspielen punkten – bei ganz unterschiedlichem Publikum. Am 19. Februar um 10.30 Uhr, dem Tag der Weltpremiere, waren circa 800 Zuschauer in den großen Saal des “Haus der Kulturen der Welt” gepilgert. Sie wollten sich über den skandalösen Umgang mit Lebensmittelabfällen beim Anbau, bei der Verarbeitung und im Handel sowie über Alternativen dazu zu informieren.

Valentin Thurn im Gespräch mit Schulklassen.

Valentin Thurn auf der Berlinale.

Nach der Vorführung beantwortete der Regisseur noch so lange Fragen, bis der Saal geleert werden musste, um die nächste Veranstaltung vorzubereiten. Im Foyer führte Valentin Thrun dann noch eine volle Stunde Einzelgespräche mit begeisterten, tief beeindruckten und teilweise auch erschütterten Zuschauern. Eine Dame drückte ihm 10 Euro in die Hand, um damit direkt eine der afrikanischen Interviewpartnerinnen, Véronique,  zu unterstützen.

Véronique, die bei einer französischen Version der “Tafel” in Paris gearbeitet hatte, verlor Monate nach den Dreharbeiten ihren Job. Grund: Zu oft hatte sie sich dafür eingesetzt, Lebensmittel doch noch zu retten, während ihr Chef sie lieber im Müll liegen lassen wollte. Mit den geretteten Schätzen hatte Véronique zum Teil ihre siebenköpfige Familie ernährt.

Eine sechsjährige Zuschauerin empörte sich: “Was ich besonders gemein finde, ist, dass wir afrikanischen Bauern ihr Land wegnehmen, damit wir Bananen essen können, die wir dann vorher sogar wegwerfen!” Selbst Autogramme musste der Filmemacher geben, zum ersten Mal in seinem Leben.

Am Nachmittag fand im Berliner Eiszeit-Kino eine Sondervorführung von “Taste the waste” statt, organisiert von Greenpeace in Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe und dem EED. Die zwei Kinosäle reichten nicht aus – erst ein dritter Abspielort wurde der Nachfrage der Zuschauer gerecht. Danach diskutierten in einer Expertenrunde in der nahe gelegenen Markthalle Greenpeace-Konsumexperte Jürgen Knirsch, Vertreter der Berliner Tafel, des EED, von Slow Food, der Verbraucherinitiative, ein Bäcker aus dem Film und sogar Kai Falk vom Handelsverband Deutschland (HDE).

Szene-Koch Wam Kat kocht auf der Berlinale.

“Demo-Koch” Wam Kat (“Mit einem Burger im Bauch kann man keine Revolution machen!”) zauberte dazu fast schon ein Sternemnü aus Erntereste seiner Landwirtschafts-Kooperative im Berliner Umland, die wegen leichter optischer Fehler nicht vermarktet werden konnten: Kartoffelstampf mit Gemüse-Carpaccio und einem feinen Kräuterpesto. Die brasilianische DJane Grace Kelly sorgte für fetzige Rhytmen bis spät in die Nacht.

Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens und Festivaldirektor Dieter Kosslick beim Kulinarischen Kino.

Schon am Vortag war “Taste the waste” im Rahmen der Berlinale-Sektion “Kulinarisches Kino” als Avant-Weltpremiere beim “Youth Culinary Cinema” vor drei Schulklassen und Pressevertretern gelaufen. Danach gab es ein Menü und Fragen an Experten im historischen Spiegelzelt. Unter den Experten war auch Greenpeace-Konsumexperte Jürgen Knirsch. Das Menü stammte von Michael Hoffmann, dem Feinschmecker-Koch des Jahres 2010.

Hoffmann serviert in seinem Gourmetrestaurant in der Friedrichstrasse explizit sehr wenig Fisch und Fleisch, dafür viel Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Berliner Tafel lieferte Zutaten, die von Supermärkten aussortiert wurden, und der Spitzenkoch zauberte daraus mit Hilfe von acht Schulkindern ein Überraschungsmenü. Auch hier hätten die Jugendlichen die anwesenden Experten gerne noch Stunden länger mit Fragen gelöchert. Eine Vierzehnjährige verriet am Süßspeisen-Buffet: “Ich bin ja genau aus der Fastfood-Generation und normalerweise esse ich solche Sachen wie hier gar nicht, aber heute hat es mir super geschmeckt.”

Warum unterstützt Greenpeace diesen Film?

Jürgen Knirsch, Konsum-Experte von Greenpeace, bei einer Podiumsdiskussion zum Film "Taste the waste".

Auf diese Frage liefert der Greenpeace Konsumexperte Jürgen Knirsch zwei Antworten: “Wie kaum ein anderer Film berührt ‘Taste the Waste’ fast alle unsere Themen. Ob der Beifang bei Fischen, das Abholzen von Regenwäldern für Palmölplantagen, der massive Pestizideinsatz oder der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen: All dies lässt sich reduzieren, wenn wir der Verschwendung von Lebensmitteln einen Riegel vorschieben. Zudem zeigt der Film verschiedene Handlungsebenen auf. Ich kann und muss bei mir anfangen und gleichzeitig den Gesetzgeber und die internationalen Organisationen in die Pflicht nehmen, den Rahmen für die Verschwendung deutlich enger zu stecken.”

Wer sich regelmäßig informieren möchte über die Auswirkungen des Konsums auf Umwelt und Klima, der kann jetzt den neuen Greenpeace-Newsletter per Klick abonnieren. Der Newsletter berichtet über das aktuelle Geschehen hinter den Kulissen von Politik und Wirtschaft, stellt Greepeace-Aktivitäten und Aktionsmöglichkeiten vor.
Ihr könnt ihn unter dem folgenden Link abonnieren: https://service.greenpeace.de/mitmachen/konsum_newsletter_registrieren/

Im Herbst soll “Taste the waste” bundesweit in die Kinos kommen. Sogar ein saudischer Produzent hatte dem Regisseur auf der Berlinale dafür bereits seine Unterstützung zugesagt. Presseberichte gab es sogar in spanischen Medien. Infos über den genauen Kinostart findest du über das Greenpeace Blog und/oder  die www.tastethewaste.com.

„Taste the Waste“ — Der Trailer from tastethewaste.com on Vimeo.