Karla und die surfenden Pinguine

11. Februar 2011

Greenpeace Film- und TV-Redaktion beendet Staffel von Filmen für Zehn- bis Vierzehnjährige

Karla

Sie sind im Kasten, die vier Themenfilme und ein Imagefilm für 10-14-Jährige, die sich über Umweltschutz informieren wollen. Wir, das Team, sind auch nach dem 20. Mal gucken, noch immer haltlos verknallt in diesen Mix aus Fotos, Bewegtbild, digitalen Illustrationen, Animationen, Inszenierungen und seriösen O-Tönen. Das ist Eigenlob und stinkt gewaltig, aber es gilt nicht uns, sondern eigentlich nur unserem 3d-Artist: Er läßt darin Tomaten torkeln, Pinguine surfen und Rentiere tanzen. Und das alles vor Freude über die 100.000 Hektar Wald, die unsere Waldkampaigner gerade in Finnland vor der Säge gerettet haben. Kleine Gimmicks für die youtube-Generation, die sehnsüchtig wartet auf den Relaunch der Greenpeace-Kidsseite im Frühjahr, um noch schöner und übersichtlicher verpackt, ihre grünen Infos abzugreifen.

Sie sind im Kasten, aber noch nackt, gewissermaßen. Ohne Ton. Und in zwei Minuten kommt Karla, mit deren Stimme die Pinguinie, Rentiere und Tomaten zum Leben erweckt werden sollen. Karla hat mich früher als TV-Journalistin regelmäßig begleitet. Erst ihre Stimme hat einem Haufen Frames, kunstvoll von wiederum schrecklich begabten Cuttern zusammenmontiert, echte Persönlichkeit verliehen. Egal ob meine Polylux-Beiträge über junge Türkinnen, die vom Ehrenmord bedroht waren; die ZDF-Doku über spanische Umweltschützer, die lieber 5 Jahre in den Knast gingen, als einen Stausee im Naturschutzgebiet zu dulden oder den Arte-Beitrag über 400 Musiker in San Franciso, die in Haight-Ashbury gegen den Verkauf ihrer Proberäume an ein Internet-start-Up demonstrierten – Karlas Stimme gab dem Kommentartext genau die Portion Revolution, Mut oder Kreativität, für die die Interviewpartner täglich eintraten.

Ariane und Karla

Karla war immer präsent, war sensibel, hip, cool und ernst zugleich.
Gesehen habe ich Karla nie, in all der Zeit.
Heute stand ich ihr zum ersten Mal gegenüber. Karla, the voice, wird unsere tanzenden Rentiere gleich in Richtung Grimme-Preis veredeln. Wie unwirklich.

Dann sitze ich in unserer nichtvorhandenen Sprecherkabine, die wir demnächst wenigstens mit Eierkartons ausstatten wollen, falls das ökologisch unbedenklich ist, und Karlas Stimme hat gerade die tanzenden Rentiere erreicht. Dann…Schnitt…Pathos hat in coolen Blogs nüscht zu suchen.

 

Müll-Doku erobert Berlinale

24. Januar 2011

Heute kam die offizielle Meldung: 18 Monate Recherche, 70 Drehtage und 120 im Schnitt haben sich gelohnt – Valentin Thurns schockierende Dokumentation über weltweite Lebensmittelverschwendung und deren Folgen ist zur Berlinale zugelassen! “Taste the waste” wird in der von Publikum und Kritikern gleichermaßen heiß geliebten Sektion “Kulinarisches Kino” seine Uraufführung erleben.
Valentin Thurn sagt dazu:

Ich bin glücklich, dass das Thema nun so einem internationalen Publikum nahe gebracht werden kann und hoffentlich eine gesellschaftliche Debatte initiert.

Worum gehts?

“Taste the Waste” zeigt den skandalösen Umgang mit Lebensmittelabfällen beim Anbau, bei der Verarbeitung und im Handel ebenso wie Alternativen dazu auf. Er dokumentiert die Ungerechtigkeit an Mensch und Kultur: Unser verschwenderischer Umgang mit Lebensmitteln nimmt nicht nur anderen die Möglichkeit, sich zu ernähren, sondern belastet auch unsere Umwelt und unser Klima.

„Frisch auf den Müll“ – Der Trailer from tastethewaste.com on Vimeo.

Direktor Thomas Struck zeigt in der Berlinale Sektion “Kulinarisches Kino” Filme über den Genuss am Essen. Doch im Programm sind auch immer Filme, die einem den Appetit bewusst verderben wollen und aufklären über unhaltbare Zustände in der Lebensmittelbranche.

Termine

  • „Taste the waste“ läuft am 18. Februar um 9.30 Uhr im Berliner Martin-Gropius-Bau, zunächst im Rahmen des „Young Culinary Cinema“ vor ausgewählten Schulklassen , die anschließend mit einem passenden Menü verköstigt werden. Dieses wird zubereitet aus Lebensmitteln der Berliner Tafel von Sternekoch Michael Hoffmann, vom Magazin „Der Feinschmecker“ zum Koch des Jahres gekürt. Anschließend diskutieren sie unter anderem mit Greenpeace-Experten über das Thema.
  • Am 19. Februar 2010 um 10.30 Uhr findet im Haus der Kulturen der Welt die Wiederholung statt.
  • Der Film wird wahrscheinlich im Herbst in die Kinos kommen.

Im 20. Oktober des Vorjahres war die Dokumentation als Vorläuferprojekt bereits während der ARD Themenwoche Ernährung zu sehen und erlebte eine Riesenresonanz. Zahllose Interviews in TV, Radio und Print hatte “Mister Müll”, wie Thurn sich mittlerweile scherzhaft selber nennt, nach der Fernsehausstrahlung gegeben.

Aufreger Mindesthaltbarkeitsdatum
Dazu Greenpeace-Konsum-Experte Jürgen Knirsch:

Insbesondere die Festlegung des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) ist ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang, das keiner anspricht. Das MHD wird nicht etwa gesetzlich festgelegt, sondern von der Lebensmittelbranche selbst. Somit kreiert die Branche die Nachfrage für sich selber und produziert dabei noch mehr Müll.

Jürgen Knirsch hofft, dass so endlich Bewegung in das lange vernachlässigte und vielschichtige Thema kommt und fordert insbesondere von Ministerin Aigner, Taten folgen zu lassen:

Zunächst muss erst einmal das Ausmaß der Lebensmittelabfälle und Verschwendung erfasst werden. Wenn die konkreten Zahlen vorliegen, lassen sich die konkreten Stellschrauben bei der Lebensmittelproduktion, beim Handel und bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern identifizieren, um der Lebensmittelverschwendung ein Ende zu bereiten.

Teilnehmer am Parlamentarischen Abend (c)Ariane Hildebrand/Greenpeace

Teilnehmer am Parlamentarischen Abend

Rückblick: Greenpeace-Veranstaltung zur Lebensmittelverschwendung
Greenpeace hatte bereits am 28. Oktober 2010 zum Thema “Lebensmittelverschwendung” einen Parlamentarischen Abend in Berlin veranstaltet.

  • Valentin Thurn eingeladen, einen Ausschnitt seines Filmes vorzuführen.
  • Schirmherr war der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Michael Goldmann.
  • Auch die Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Eva Bulling-Schröter der Greenpeace-Einladung gefolgt.
  • Dazu referierte die Abfallwissenschaftlerin Felicitas Schneider über die von ihr erhobenen Zahlen in Österreich und übertrug sie auf Deutschland.
  • Greenpeace-Konsum-Experte Jürgen Knirsch kritisiert insbesondere, dass in Deutschland bisher keinerlei aktuelle und konkrete Zahlen zum Abfallaufkommen vorliegen – entgegen der Absichtserklärung von Landwirtschaftsministerin Aigner!

Schnittchen 2.0

Ernährungsschulung der besonderen Art (c) Greenpeace/Ariane Hildebrandt

Ernährungsschulung der besonderen Art

Das Catering zum Parlamentarische Abend lieferte Alf Wagenzink, Küchendirektor des Hotel Intercontinental Berlin. Aber Alf Wagenzink kann nicht nur nachhaltig Schmackhaftes zaubern, sondern hat auch das Abfallaufkommen in seinem Hotel in den letzten vier Jahren um 40 Prozent reduziert. Beim Parlamentarischen Abend ging es nicht darum, die MdBs besonders luxuriös zu verköstigen. Seine “Schnittchen 2.0″ waren  vielmehr eine kleine Schulung, die erneut bewies, dass die vom Handel vorgeschriebenen optischen Vorgaben sich nicht automatisch im Geschmack und der Qualität eines Produktes widerspiegeln:

Ur-Karotte vs. Dicount-Möhre (c)Greenpeace/Ariane Hildebrandt

Ur-Karotte vs. Dicount-Möhre

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  • Die eher gräuliche Biosalami überzeugte mit Abstand gegenüber der farbenfrohen Discount-Salami.
  • Der Apfelcrumble aus Rubinetten, einer alten Apfelsorte aus dem 18. Jahrhundert schlug den schinbar makellosen Granny Smith.
  • Die lila Urkarotte wurde begeistert der nur orangefarbenen Normalkarotte vorgezogen.