“Unsere Energie ist nicht eure Kohle” – Klimacamp mit großer Demo

10. August 2011

Ein Sonntag im August, die Sonne scheint, wir fahren durch die weite, schöne brandenburgische Landschaft und kommen am späten Nachmittag beim “Klima- und Energiecamp” im Lausitzer Braunkohlerevier an. Es wirkt sehr idyllisch, mehrere Dutzend Zelte stehen auf einer Wiese. Mittelpunkt ist ein buntes Zirkuszelt. Überall werkeln Menschen – kochen, bauen, reparieren und stellen Zelte auf.

Das Klima- und Energiecamp liegt direkt am Kohlekraftwerk Jänschwalde.

Das Klima- und Energiecamp liegt direkt am Kohlekraftwerk Jänschwalde.

Gestört wird die Szenerie einzig von den Rauchschwaden im Hintergrund. Das Kohlekraftwerk Jänschwalde, in Deutschland auf Platz zwei der klimaschädlichen Kohlekraftwerke, ist in Sichtweite. Über neun gigantische Kühltürme bläst das Kraftwerk riesige Mengen an Wasserdampf in die Luft. Unsichtbarer Begleiter des Wasserdampfes ist das Klimagas CO2. Im brandenburgischen Jänschwalde, nahe der polnischen Grenze, wird Braunkohle abgebaut und verfeuert.

Für den Abbau werden ganze Dörfer abgebaggert, ihre Bewohner umgesiedelt. Landschaft, Heimat, Geschichte – alles weg, wie ausradiert. Und das für den Abbau des klimaschädlichsten aller Energieträger. Braunkohle setzt pro erzeugter Kilowattstunde Strom etwa drei Mal so viel CO2 frei wie Erdgas.

Um gegen diese Form der Energieerzeugung zu protestieren, sich zu vernetzen und gemeinsam Ansätze für eine andere Zukunft zu entwickeln, treffen sich vom 7. bis 14. August Klima-Aktivistinnen und Umweltgruppen aus der Region, ganz Deutschland, aber auch Polen, England und der ganzen Welt in Jänschwalde. Dort diskutieren sie mit Anwohnern und Betroffenen, lernen die Gegebenheiten der Lausitz kennen, solidarisieren sich mit dem lokalen Widerstand und informieren die Öffentlichkeit über die Folgen von Braunkohlenutzung, CO2-Endlagern und die Chancen der Energiewende.

Zwischen dem 7. und 14. August treffen sich Klima-Aktivisten und Umweltgruppen in Jänschwalde.

Zwischen dem 7. und 14. August treffen sich Klima-Aktivisten und Umweltgruppen in Jänschwalde.

Während in den Medien über eine Laufzeitverlängerung für Kohlekraftwerke diskutiert wird, wird einem in der Lausitz schnell klar: Die Verstromung von Kohle muss so bald wie möglich ein Ende haben. Weder die direkten Folgen des Braunkohleabbaus für die Region, wie zum Beispiel die Absenkung des Grundwasserspiegels, noch die globalen Folgen des Klimawandels lassen es zu, an dieser Form der Energieerzeugung festzuhalten. Auch die Endlagerung von CO2 ist keine Lösung. Sie birgt unkalkulierbare Risiken und führt in eine Sackgasse. Unter dem Deckmantel der vermeintlich “klimafreundlichen” Stromproduktion durch CCS planen Energiekonzerne wie Vattenfall den Neubau von 21 neuen Kohlekraftwerken in ganz Deutschland.

Dass wir auf diese Kohlekraftwerke verzichten und bis 2040 endgültig aus der Kohleverstromung aussteigen können, zeigt das Greenpeace-Energieszenario “Der Plan”.

In der Lausitz werden noch die ganze Woche täglich weitere Aktivisten anreisen. Anwohner und Menschen aus der Region kommen zum Meinungs- und Wissensaustausch vorbei, Kamerateams machen Aufnahmen, um das Thema auch über die Region hinaus in die Öffentlichkeit zu bringen.

Höhepunkt ist am Samstag, 13. August, eine Demonstration in Cottbus. Um 14 Uhr geht’s am Cottbusser Hauptbahnhof los. Das Motto “Unsere Energie ist nicht eure Kohle“.

RWE ruft das Ende des Kohlezeitalters aus

18. Juni 2010

Dass Umweltschützer den Neubau von Kohlekraftwerken für eine Fehlinvestition halten, ist bekannt. Wenn aber der größte Kohleverstromer Europas den Abgesang auf den Klimakiller anstimmt, sollte man doch genauer hinschauen. RWE-Strategievorstand Leonhard Birnbaum äußerte sich in einem Interview mit der Berliner Zeitung:

Unter den jetzigen Rahmenbedingungen ist es derzeit in der EU nicht wirtschaftlich, neue Kohlekraftwerke in Angriff zu nehmen.

Laut Birnbaum plane RWE lediglich die Fertigstellung bereits begonnener Projekte. Das Unternehmen – bisher größter europäischer Einzelemittent von CO2 – will seinen Kohleanteil von aktuell 67 Prozent auf 25 Prozent im Jahr 2025 verringern. Neue Kraftwerke sollen nur noch auf Basis von Erdgas oder mit Erneuerbaren Energien betrieben werden.

Mal angenommen, Herr Birnbaum meint es ernst. Welche Konsequenzen könnten sich daraus ableiten?
RWE ist mit Sicherheit nicht der einzige Energieversorger, der rechnen kann. Die besagten europäischen Rahmenbedingungen gelten nicht nur für RWE, sondern auch für die anderen Kohleverstromer. Das heißt: Der Neubau von Kohlekraftwerken lohnt sich für keinen Energieversorger mehr.

RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaussem © Paul Langrock/Zenit/Greenpeace

RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaussem

Konsequenterweise sollte daher die Bundesregierung in ihrer für Spätsommer angekündigten Energiestrategie gleich festschreiben, dass in Deutschland keine neuen Kohlekraftwerke mehr gebaut werden dürfen. Das würde dann auch die Energieversorger, die doch nicht rechnen können, vor weiteren Fehlinvestitionen schützen. Dass der gleichzeitige Ausstieg aus Kohle und Atom technisch machbar ist, hat Greenpeace in der Studie Plan B  belegt. Jetzt muss die Politik die Rahmenbedingungen so setzen, dass der Systemwechsel bei der Energieversorgung auch engagiert vorangetrieben wird.

Oder ist die Ankündigung doch eher als versteckte Aufforderung an die Bundesregierung zu verstehen, RWE optimale Bedingungen zu schaffen, damit sie ihre alten Schrottreaktoren noch Jahrzehnte weiter laufen lassen können? Will der Energiekonzern wirklich voRWEggehen, muss er die Antwort auf diese Frage möglichst schnell nachliefern.

Mit einem Energiekonzept, das weiterhin einen Zubau von Kohlekraftwerken und eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten enthält, würde die Regierung auf jeden Fall den Weg über den Berg von Atommüll direkt ins Klimachaos einschlagen.

Klimakiller Vattenfall jetzt aufrichtig?

03. Juni 2010
Klimaunterschriften-Kampagne von Vattenfall

Klimaunterschriften-Kampagne von Vattenfall

Richtig bekannt geworden ist der schwedische Staatskonzern Vattenfall in Deutschland vor allem durch die Pannen in seinem Atomkraftwerk Krümmel und seine unverantwortlichen umwelt- und klimaschädlichen Pläne für neue Kohlekraftwerke. Die Schlagzeilen, die der Konzern in Sachen Umwelt bisher machte, waren zu Recht negativ. Seinen Kritikern begegnete der schwedische Konzern in der Vergangenheit vor allem mit Versuchen, sich ein Image als Umwelt- und Klimaschützer zu geben. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Vattenfall-Klimaunterschriften-Kampagne, die Greenpeace mit einer Gegenkampagne entlarvte.

Solche Greenwashing-Versuche scheinen sich für die Schweden nicht mehr zu rechnen.

Gegenkampagne von Greenpeace

Gegenkampagne von Greenpeace

Jedenfalls hat der neue Vattenfall-Chef Öystein Löseth letzte Woche in Schwedens auflagenstärkster Tageszeitung ‘Dagens Nyheter’ angekündigt, dass Vattenfall sich selbst nicht länger als ‘führend im Umweltschutz’ vermarkten möchte. In Zukunft werde man sich vor allem darauf konzentrieren Profit zu machen.

Nach dem Wechsel in der Chefetage ist es Vattenfall plötzlich wichtig, ‘aufrichtig’ zu sein und zu dem zu stehen, was sie machen. In Deutschland ist dies vor allem die Stromerzeugung aus klimaschädlicher Kohle und in risikoreichen Atomkraftwerken.

Doch was bezweckt Vattenfall mit seinem Vorstoß? Glaubt der Konzern, wenn er offen zu seinen Schandtaten steht, dann stört es keinen mehr, dass er Deutschlands Stromanbieter mit dem höchsten CO2-Ausstoß pro erzeugter Kilowattstunde ist? Sollen wir Vattenfall jetzt dafür loben, dass die Unternehmensführung endlich ehrlich ist? Der Umwelt ist damit nicht geholfen. Meine schwedischen Kollegen schreiben in ihrem Blog zu Recht:

Vattenfall ist und bleibt eine Schande für Schweden.

Dass dem Energiekonzernen Profit wichtiger ist als Nachhaltigkeit, das ist auch außerhalb Schwedens nichts Neues. In Deutschland und Polen will der Konzern sogar noch über Jahrzehnte an der besonders zerstörerischen und klimaschädlichen Stromerzeugung aus Braunkohle festhalten. So laufen derzeit auf Antrag der Schweden drei Genehmigungsverfahren für den Aufschluss neuer Braunkohletagebaue in der Lausitz, jener Region in Brandenburg und Sachsen, deren Braunkohlevorkommen schon zu DDR-Zeiten rücksichtslos ausgebeutet wurde. Nun stehen Menschen aus der Region erneut vor dem Schicksal, ihre Heimat zu verlieren. Ganze Dörfer sollen dem Abbau des klimaschädlichsten aller Energieträger weichen. Doch der Widerstand in der Bevölkerung und bei den Umweltverbänden ist groß. Und gemeinsam werden wir alles daran setzen, Vattenfalls Pläne zu verhindern! Von einer Neuigkeit, dass Vattenfall & Co. endlich anfangen klimafreundlich und vorbildlich zu Handeln, davon können wir wohl weiterhin nur träumen. Damit diese Träume aber irgendwann Wirklichkeit werden, dafür werden wir weiter kämpfen…