Ein Sonntag im August, die Sonne scheint, wir fahren durch die weite, schöne brandenburgische Landschaft und kommen am späten Nachmittag beim “Klima- und Energiecamp” im Lausitzer Braunkohlerevier an. Es wirkt sehr idyllisch, mehrere Dutzend Zelte stehen auf einer Wiese. Mittelpunkt ist ein buntes Zirkuszelt. Überall werkeln Menschen – kochen, bauen, reparieren und stellen Zelte auf.
Gestört wird die Szenerie einzig von den Rauchschwaden im Hintergrund. Das Kohlekraftwerk Jänschwalde, in Deutschland auf Platz zwei der klimaschädlichen Kohlekraftwerke, ist in Sichtweite. Über neun gigantische Kühltürme bläst das Kraftwerk riesige Mengen an Wasserdampf in die Luft. Unsichtbarer Begleiter des Wasserdampfes ist das Klimagas CO2. Im brandenburgischen Jänschwalde, nahe der polnischen Grenze, wird Braunkohle abgebaut und verfeuert.
Für den Abbau werden ganze Dörfer abgebaggert, ihre Bewohner umgesiedelt. Landschaft, Heimat, Geschichte – alles weg, wie ausradiert. Und das für den Abbau des klimaschädlichsten aller Energieträger. Braunkohle setzt pro erzeugter Kilowattstunde Strom etwa drei Mal so viel CO2 frei wie Erdgas.
Um gegen diese Form der Energieerzeugung zu protestieren, sich zu vernetzen und gemeinsam Ansätze für eine andere Zukunft zu entwickeln, treffen sich vom 7. bis 14. August Klima-Aktivistinnen und Umweltgruppen aus der Region, ganz Deutschland, aber auch Polen, England und der ganzen Welt in Jänschwalde. Dort diskutieren sie mit Anwohnern und Betroffenen, lernen die Gegebenheiten der Lausitz kennen, solidarisieren sich mit dem lokalen Widerstand und informieren die Öffentlichkeit über die Folgen von Braunkohlenutzung, CO2-Endlagern und die Chancen der Energiewende.
Während in den Medien über eine Laufzeitverlängerung für Kohlekraftwerke diskutiert wird, wird einem in der Lausitz schnell klar: Die Verstromung von Kohle muss so bald wie möglich ein Ende haben. Weder die direkten Folgen des Braunkohleabbaus für die Region, wie zum Beispiel die Absenkung des Grundwasserspiegels, noch die globalen Folgen des Klimawandels lassen es zu, an dieser Form der Energieerzeugung festzuhalten. Auch die Endlagerung von CO2 ist keine Lösung. Sie birgt unkalkulierbare Risiken und führt in eine Sackgasse. Unter dem Deckmantel der vermeintlich “klimafreundlichen” Stromproduktion durch CCS planen Energiekonzerne wie Vattenfall den Neubau von 21 neuen Kohlekraftwerken in ganz Deutschland.
Dass wir auf diese Kohlekraftwerke verzichten und bis 2040 endgültig aus der Kohleverstromung aussteigen können, zeigt das Greenpeace-Energieszenario “Der Plan”.
In der Lausitz werden noch die ganze Woche täglich weitere Aktivisten anreisen. Anwohner und Menschen aus der Region kommen zum Meinungs- und Wissensaustausch vorbei, Kamerateams machen Aufnahmen, um das Thema auch über die Region hinaus in die Öffentlichkeit zu bringen.
Höhepunkt ist am Samstag, 13. August, eine Demonstration in Cottbus. Um 14 Uhr geht’s am Cottbusser Hauptbahnhof los. Das Motto “Unsere Energie ist nicht eure Kohle“.















