Elgin Wellhead: Flug zur Unglücksplattform

29. März 2012

Blogreihe zur havarierten Gas-Plattform in der Nordsee
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Die Ansage der Flugsicherung aus Schottland ist klar und deutlich: „Halten Sie einen Sicherheitsabstand von drei nautischen Meilen im Umkreis und 4000 Fuss in der Höhe ein. Bitte bestätigen Sie!“ Über das Intercom an Bord des zweimotorigen Flugzeugs kann ich hören, wie der schottische Fluglotse von unserem Piloten beruhigt wird. Mit seinem brandenburgischem Akzent bestätigt er die Ansage und zehn Flugminuten später taucht die Elgin-Plattform aus dem Dunst vor uns auf.

Björn Jettka (links) und Kai Britt

Björn Jettka (links) und Teamleiter Kai Britt - (c) Martin Langer

Am Mittwochmorgen sind wir früh in Hamburg gestartet. Wir, das ist das sog. Rapid Response-Team von Greenpeace, Teamleiter Kai Britt und ich, Pressesprecher, unser Fotograf und ein Ingenieur aus Nordrhein-Westfalen. Er hat eine Mittelwellen-Infrarotkamera dabei, mit der wir hoffen, auch durch Dunst und Wolken hindurch mehr Klarheit über den Gasunfall auf der Plattform des Total-Konzerns zu bekommen.

Kaum haben wir den Rand der Sicherheitszone erreicht, kommt erneut die Stimme aus Schottland und erinnert uns über Funk eindringlich: „Denken Sie an den Sicherheitsabstand. Sie haben gesagt, dass Sie den Abstand einhalten werden. Bitte bestätigen Sie!“. Unser Pilot bestätigt abermals, dass wir uns auf keinen Fall näher als fünf Kilometer an die Gas speiende Plattform wagen werden. Im selbem Moment kann ich direkt unter uns ein erstes Versorgungsschiff sehen. Es liegt mit dem Heck zur Plattform und gehört offenbar zu einer Flotte von mehreren Schiffen des Ölkonzerns, die rund um den Unglücksort den Sicherheitsbereich überwachen.

Die Elgin Wellhead aus der Ferne

Die Elgin Wellhead aus der Ferne - (c) martin Langer / Greenpeace

In der Nordsee stehen über 400 Plattformen. Das Meer ist ein riesiges Industriegebiet. Überall wird gebohrt und gefördert. Dabei ereignen sich jedes Jahr mehrere hundert Unfälle. Nur selten erreicht eine Leckage die Dimension der Elgin. In der Summe aber ist die stete Verschmutzung der Nordsee über Jahrzehnte ein gigantisches und ungelöstes Problem.

Wir beginnen mit unserer Arbeit. Es gibt nur eine winzige Stelle im Flugzeug von der Größe einer Konservendose, die wir dafür nutzen können. Direkt vorn neben dem Piloten ist das kleine Fenster durch das wir in den kommenden Minuten mit drei verschiedenen Kameras filmen werden. Als erstes ist unser Fotograf Martin an der Reihe. Nach zwei Vorbeiflügen hat er seine Bilder gemacht. Dann assistiert er dem Ingenieur mit der Wärmebildkamera. Martin hält das schuhkartongroße Gerät mit der Optik vor das kleine Fenster und versucht die fünf Kilometer entfernte Plattform zu erwischen. Die Kamera hat keinen Sucher, ist dafür aber über ein zwei Meter langes Kabel mit dem Rechner des Ingenieurs Thomas verbunden. Er sitzt hinten in der Maschine, kämpft gegen seine Luftkrankheit, sieht die Bilder auf seinem Laptop und versucht, den Fotografen zu dirigieren. Diesmal dauert es etwas länger bis wir die Bilder haben.

Infrarotaufnahmen von der Elgin Wellhead

Infrarotaufnahmen von der Elgin Wellhead. Zu sehen ist auch die noch brennende Fackel an der Spitze der Förderplattform. (c) TIB / Greenpeace.

Der Ölkonzern Total ist von dem Unfall offenbar kalt erwischt worden. In ersten Pressemeldungen heißt es, dass niemand genau wisse, wie lange eine Reparatur der Leckage dauere. Dann bricht der Börsenkurs des Unternehmens ein und innerhalb weniger Stunden verliert Total neun Milliarden Euro an Wert. Da sind die Kosten, die an Umweltschäden entstanden sind und künftig entstehen werden, nicht mit eingerechnet. Einmal mehr zeigt sich, dass Offshore-Bohrung und –förderung von Gas und Öl mit hohen Risiken verbunden ist. Eigentlich unglaublich, dass Konzerne wie Shell sogar in entlegenen Gebieten wie der Arktis künftig fördern wollen (hier klicken, um etwas dagegen zu unternehmen!).

In unserem Flugzeug über der Elgin Plattform ist es unglaublich eng. Soeben ist Martin vom Sitz des Co-Piloten an mir vorbei nach hinten geklettert. Jetzt zwänge ich mich neben den Piloten und öffne das kleine Fenster. Uns fehlen noch Videoaufnahmen der Plattform. Mir bleibt ein Vorbeiflug oder rund fünf Minuten, um aus der wackelnden Maschine heraus ein fünf Kilometer entferntes Ziel zu filmen. Um halbwegs sehen zu können, ob ich die Elgin richtig im Bild habe, muss ich mich dabei unserem Piloten fast auf die Knie setzen. Aber irgendwie funktioniert es dann doch. Insgesamt haben wir die dreißig Minuten über der Unglücksstelle gut nutzen können. Jetzt drängt der Pilot auf die Rückkehr. Das gelbe zusammengefaltete Schlauchboot im Heck der Maschine soll bleiben, wo es ist.

Eine Zwischenlandung in Esbjerg und vier Flugstunden später setzen wir in Hamburg auf und fahren ins Büro. Nun werden wir das Material so schnell es geht auswerten und dann veröffentlichen. Um 23 Uhr falle ich ins Bett.

Webzine #01: Afrika ernährt Europa

12. Juli 2011

Morgen zeigt sich, ob der EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki ein großer Wurf gelingt.

Denn morgen stellt die 59-jährige Griechin ihre Reform der Gemeinsamen Europäischen Fischereipolitik (GFP) vor. Eine Politik, die bislang für Überfischung, zerstörte Meere, Korruption und zunehmende Armut beispielsweise vor Westafrika steht. Damanaki hat sich also einiges vorgenommen. Greenpeace arbeitet seit Jahren zur GFP. Teil dieser Arbeit ist es auch, dass wir die Auswirkungen Europäischer Politik auf andere Staaten betrachten. Im Senegal gibt es deshalb seit einigen Monaten ein Greenpeace-Büro. Dort arbeiten meine Kollegen Oumy, Prudence und Raoul zum Schutz der Meere auch mit einheimischen Fischern zusammen.


>>>Direkt zur Multimedia-Version mit Videos

Die EU-Fangflotten vor der westafrikanischen Küste haben eine fatale Auswirkung.

Riesige Fabrikschiffe fischen Hering, Sardine, Anchovis, Thunfisch, Shrimps etc.. Die EU hat eine lange Historie von Fischereiabkommen mit westafrikanischen Staaten, wie Mauretanien oder den Kap Verden. Die Abkommen sind weder nachhaltig noch fair. Oft bekommen die Staaten unter zehn Prozent des Wertes des verarbeiteten Fisches für die Vergabe der Fischereilizenz. Selbst dieser geringe Betrag landet meist nicht dort wofür er laut Abkommen bestimmt sein sollte. Wie zum Beispiel in der Modernisierung der lokalen Flotte oder Förderung der Fischerei/Meereswissenschaften.

Die Folgen für die Fischer und Bevölkerung der Küstenstaaten sind dramatisch.

Die lokalen Fischer konkurrieren mit den fremden Flotten in einem ungleichen Kampf. Denn ihre Pirogen sind längst nicht so effektiv wie die großen Trawler der EU. So fehlt den lokalen afrikanischen Fischern zunehmend der Fisch im Netz. Sie verlieren immer mehr Einkommen und Nahrung. Die (artisinale) Fischerei mit kleinen Booten ist ein Hauptarbeitgeber in West-Afrika und die Basis der traditionellen maritimen Wirtschaft. Neben rund 1,5 Millionen artisinalen Fischern, sind Millionen von Menschen in der Fischverarbeitung, Transport, Schiffsinstandhaltung etc. beschäftigt.

In unserem Online-Magazin zeigen wir, wie unsere Kollegen in Afrika arbeiten und begleiten Oumy und Fischer aus Senegal, Kap Verde und Mauretanien auf einer Reise nach Europa.  Blättern Sie weiter oben durch die pdf-Version oder schauen Sie sich das Fischereimagazin mit Video-Elementen an!!

Web-Demo vor Nestlé-Zentrale

15. April 2010
Greenpeace-Banner an der Nestlé Deutschlandzentrale in Frankfurt/Main.

Greenpeace-Banner an der Nestlé Deutschlandzentrale in Frankfurt/Main.

Um kurz vor sechs Uhr hängt das Banner an der Fassade des Gebäudes. Direkt unter dem Nestlé-Logo, für jeden sichtbar. Ein paar Minuten später ist auch die Twitterwall in Funktion. Jeder, der bei Nestlé seinen Fensterarbeitsplatz zur Lyoner Straße hinaus hat, sieht die einlaufenden Tweets und damit die Wünsche der Verbraucher.

Erstmals können sich Menschen von überall an einer Greenpeace-Aktivität direkt beteiligen und ihre persönliche Botschaft senden. Wenn ihr mitmachen wollt, denkt nicht nur an Orang-Utans und Kitkat, sondern auch an den hashtag: #nestle. Dann kommt eure Botschaft beim Konzern direkt in Frankfurt/Main an.