Abschied von Moskau

25. Mai 2010
Die Beluga in Moskau © Greenpeace/Wolf Wichmann

Die Beluga in Moskau

Moskau ist eine riesig große Stadt mit ca. 10-12 Millionen Einwohnern. Dafür braucht es ganz viele Hochhäuser, damit sie darin wohnen können. In der Innenstadt gibt es so viele Zwiebeltürmchen und monumentale Bauwerke zu sehen, dass ich schon auf unserer Rundfahrt auf der Mockwa, der Fluss in Moskau, davon genug habe. Nachdem die Verpflegung an Bord sichergestellt ist, kann ich mir für den nächsten Tag ein paar Stunden Freizeit aushandeln. Um 10:00 Uhr beginnt “Open Ship”, aber fern vom Getümmel ruhe ich mich auf einer Parkbank aus. Eigentlich wollte ich schwimmen gehen, aber dazu hätte ich ein ärztliches Attest vorlegen müssen. So habe ich es erst gar nicht versucht, sondern mich gleich der russischen Lethargie hingegeben.

open ship day moskau © Greenpeace/Wolf Wichmann

Entspanner Open Ship Day

Die Beluga II liegt am Gorki Park, der mit mehreren Achterbahnen, Wildwasserbahn und Spaceshuttle viel Gekreische und Gegröhle zu bieten hat. Auch die Ausflugsdampfer mögen nur laute Musik. Wir amüsieren uns über die westlichen und russischen Schnulzen. Kitschige Romantik ist auch bei den Moskauer Pärchen sehr beliebt. Die Männer sind vorwiegend für’s Händchenhalten und Handtaschenhalten im Einsatz. Auch der Fotoapparat wird in erster Linie auf die Frauen gerichtet, die sich in Filmstarposen ganz gut machen, da sie auffällige Kleidung wie Cocktailkleider und Stöckelschuhe bevorzugen. Dies gilt aber nicht für den Herren, der auch schon mal in Schlabberunterhose auf der Promenade flaniert. Meist liebäugelt er mit der kreativen 2mm Kurzhaarfrisur, Bierbauch und legerer Tarnkleidung.

Protest auf der Mockwa © Greenpeace/Wolf Wichmann

Greenpeace-Protest auf der Mockwa

Am Montag können Uwe und ich bei 25°C ganz alleine die Masten legen. Normalerweise bestellen wir uns für diese Plackerei mit dem Jütbaum ein paar kräftige Kollegen, aber die trudeln viel zu spät ein. Wir sind aber ganz stolz, dass wir mal wieder mit viel Geschick die schweren Arbeiten von unseren Drahtfallen erledigen lassen.

Ich weine keine Träne, als wir die Leinen am Montag gegen 22:00 Uhr loswerfen können. Dann folgen gleich 5 Schleusen, die jeweils fast eine Stunde benötigen und so können wir um 03:30 Uhr an einer Wassertankstelle festmachen.

Die Verpflegungsfrage

23. Mai 2010
Schiff-Kombüse © Greenpeace/Wolf Wichmann

Schiff-Kombüse

In einem der letzten Blogs wurden ja einige Fragen zum Essen an Bord gestellt…

Hier in Moskau konnten wir zum Einkauf von Lebensmitteln erst gegen 22:00 Uhr losfahren, da wir sonst vier Stunden im Stau stecken würden. Sergej, der Geschäftsführer von Greenpeace Russland, führt mich durch die Stadt und ich kann die Wohnsilos und die vierspurigen Straßen an mir vorbeiziehen lassen.

Vorbereitung auf Open Ship © Greenpeace/Wolf Wichmann

Verpflegung für den Open Ship

Biolebensmittel sind nicht erhältlich, also versuche ich möglichst regionales Gemüse einzukaufen, aber schon bei den Äpfeln aus Deutschland werde ich schwach. Immer noch besser als die geschmacklosen Äpfel, die dann nicht gegessen werden. Vegetarische Gerichte dominieren unsere Bordkombüse, aber da die russischen Lotsen so gerne Würstchen essen, soll ich auch Fleisch einkaufen. Mit der russischen Wurst kann ich mich gar nicht anfreunden. Irgendwann gegen 01:00 Uhr verlassen wir den Supermarkt und die Nachtwache hilft mir beim Verstauen der Lebensmittel, sodass ich gegen 02:00 Uhr endlich in die Koje fallen kann.

Eintopf © Greenpeace/Wolf Wichmann

Eintopf-Tag

Sergej hat zu Sowjetzeiten andere Probleme gehabt, die Expeditionen auszustatten. Die benötigte Astronautennahrung konnte nicht einfach so gekauft werden, denn ohne die erforderlichen Papiere bewegte sich da nichts. Da gefällt mir die Geschichte von den Bären, die im Basis Camp alles aufgegessen haben, sodass es 3 Wochen lang nur Pilze aus dem Wald zu essen gab, schon besser.

Russendisko

17. Mai 2010
Skyline von Cherepovetz © Greenpeace/Wolf Wichmann

Skyline von Cherepovetz

In Cherepovetz haben wir direkt vor der großen Brücke den Anker geworfen. Unsere Lotsen wurden von einem Lotsenboot abgeholt, da ihr Streckenpatent hier endet. Die Maschine ist aus und es ist ganz ruhig an unserem gut geputzten Bord, sodass wir der Techno-Musik an Land lauschen können. Igor, unser Chemielaborant, testet die Wasserqualität mit einem Sprung ins kalte Nass. Über unser Rettungsboot kann ich ihn aber wieder an Bord ziehen.
Die neuen Lotsen müssen nachts um 01:00 Uhr mit dem Schlauchboot von Land abgeholt werden. Warum sind die nicht auch mit dem Lotsenboot gekommen? Das bleibt ein Geheimnis.

An Land hängen die jungen Menschen von Cherepovetz vor ihren Autos rum und hören Musik und tanzen. Heißt das Russendisco? Junge Frauen in kurzen Röcken und Highheels sitzen auf den Rücksitzen und steigen zum Rauchen aus. Endlich bringt Alexey, unser russischer Toxic Campaigner, mit seinem Auto die neuen Lotsen, und wir können zurück zur Beluga II fahren. Per Funk “Beluga für Gummi” informiere ich Uwe, den Kapitän, über die Abläufe an Land.

Industrie in Cherepovetz © Greenpeace/Wolf Wichmann

Industrie in Cherepovetz

Kaum an Bord stellen die Lotsen fest, dass unsere Flusskarten, die wir vom Agenten erhalten haben, nicht korrigiert sind und wir Bilgenwasser und Fäkalienwasser abpumpen müssen, weil das so vorgeschrieben ist.

Wie lösen wir jetzt wieder diese Probleme? Die Korrekturen können wir mit den Lotsen während der Fahrt auf den Karten vornehmen und ein anderer Experte versiegelt morgens um 04:00 Uhr unseren Tank, als Nachweis für die Behörden in Moskau, dass wir leer sind. In Russland ist eben alles möglich.