Zurück aus Tokio – mit den Gedanken noch dort

17. Dezember 2008

Eine knappe Woche bin ich jetzt zurück aus Tokio. Aber trotz Jetlag und einer Menge liegen gebliebener Arbeit – meine Gedanken sind immer noch dort:

Fünf Tage Tokio, abseits der Touristenpfade. Für mich vor allem eine intensive Erfahrung einer ganz anderen Kultur, die ich auch über Treffen mit vielen interessanten Menschen kennenlernen konnte.

In erster Linie war ich dort, um mich für unsere beiden japanischen Kollegen Junichi und Toru einzusetzen und ihnen Mut zu machen. Gemeinsam mit sechs anderen Geschäftsführern von Greenpeace haben wir ein klares Zeichen gesetzt: Es darf kein Verbrechen sein, ein Verbrechen aufzudecken. Junichi und Toru haben das Walfleisch nicht genommen, um sich persönlich daran zu bereichern, sondern um einen Skandal aufzudecken, um eine bedrohte Art zu retten. Es war mir wichtig, mich vor die beiden zu stellen und zu sagen: Walschutz ist kein Verbrechen! Wenn Walschutz ein Verbrechen ist, müsst ihr auch mich einsperren! Freiheit für Junichi und Toru!

Trotz der großen Wahrscheinlichkeit, dass Junichi und Toru ins Gefängnis müssen, sind die beiden froh, dass sie den Kampf um das Überleben der Wale so geführt haben, wie sie es für richtig gehalten haben: gewaltfrei, und durch gezieltes Aufdecken illegaler Machenschaften.

Die Zeit in Japan hat mich in meiner Ansicht weiter gestärkt, dass man für seine Überzeugung einstehen muss. Ich habe Menschen getroffen, die für den Walschutz ins Gefängnis gehen würden. Und viele Menschen, die Junichi und Toru helfen wollen.

Das alles macht mir Mut! Mut mich weiter gegen den Walfang zu engagieren. Weiter das Unrecht aufzuzeigen und für die Natur zu kämpfen.

Ich hoffe, dass sich viele Menschen daran ein Beispiel nehmen. Wenn Unrecht vor unseren Augen geschieht, wenn man erkennt, dass es am Respekt vor Mensch und Natur mangelt, dann sollte sich jeder engagieren und Zivilcourage zeigen.

Danke auch an dieser Stelle, dass Sie uns bei der Arbeit gegen den Walfang und für die Freilassung von Junichi und Toru so zahlreich unterstützen. Allein auf der Homepage von Greenpeace International haben sich bis heute schon 32.000 Menschen mit den beiden Aktivisten solidarisch erklärt.

Herzlichst

Brigitte Behrens

Gemeinsamer Protest vor dem Parlament

09. Dezember 2008

Heute war der wichtigste Tag meiner Reise nach Japan. Gemeinsam mit Greenpeace-Kollegen von vier Kontinenten habe ich für die Einstellung des Verfahrens gegen meine zwei japanischen Kollegen protestiert. Jeder von uns hielt ein Schild in seiner Landessprache in die Höhe: “Walschutz ist kein Verbrechen. Freiheit für Junichi und Toru!”, “Arrest me too!”, “Whaling on trial!”. Unterstützt wurden wir noch von einem ehemaligen Kapitän eines Walfangschiffes, der sich heute für den Walschutz einsetzt.

Bei unserer Protestaktion vor dem Parlamentsgebäude war alles voll mit Polizei und Sicherheitskräften. Passanten wurden von der Polizei auf den Gehweg zwischen uns und den Journalisten dirigiert. Alle gingen eilig vorbei, es gab keinen Menschenauflauf – obwohl uns fünf Kamerateams filmten. Aber durch die Medien werden hoffentlich viele Menschen in Japan von unserem Protest erfahren.

Protest vor dem japanischen Parlament

Protest vor dem japanischen Parlament

Unseren Protest haben wir bewusst heute durchgeführt. Denn morgen wird weltweit an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vor 60 Jahren erinnert. Eine Verurteilung der beiden Greenpeace-Aktivisten wäre unserer Meinung nach ein Verstoß gegen elementare Menschenrechte, da die beiden ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen haben. Und dieses Recht schließt das Recht auf Informationsbeschaffung ein. Das darf nicht mit Gefängnis bestraft werden.

Unsere Idee heute ist: Wir stehen in Tokio für viele tausend Menschen weltweit, die sich für die Freilassung von Junichi und Toru einsetzen. Sollten die beiden für den Schutz der Wale verurteilt werden – ihnen drohen drei bis zehn Jahre Haft – müssten wir und diese vielen Menschen weltweit ebenso angeklagt werden.

Ich bin gespannt auf die Reaktionen und die Berichterstattung. Heute morgen hatten wir noch gemeinsam beim Kabinett des Premierministers ein Schreiben an den Premier überreicht. Darin haben wir ihn aufgefordert, eine unabhängige Untersuchung des von Greenpeace bekannt gemachten Walfleischschmuggel-Skandals einzuleiten. Denn die Ermittlungen gegen die Walfleisch-Schmuggler wurden bereits nach vier Wochen ohne Nennung von Gründen wieder eingestellt. Stattdessen wurden dann Junichi und Toru verhaftet und das Büro von Greenpeace durchsucht.

Ich möchte Euch auch noch einmal bitten, unseren Protest zu unterstützen. Bitte versucht auch Eure Familie, Freunde und Bekannte zum Mitmachen zu bewegen, damit der Druck auf die japanische Regierung nicht nachlässt.

Herzlichen Dank dafür aus Tokio
Brigitte Behrens

Wenn Fische nur noch Ware sind

08. Dezember 2008

Weltweit ist einer der größten Raubfische akut gefährdet, vielerorts sogar komplett verschwunden: der Tunfisch. Die Überfischung der Meere – man muss eigentlich von Plünderung sprechen – hat den Tunfischschwärmen massiv zugesetzt.
Heute am frühen Morgen haben wir mitten in Tokio einen Ort besucht, der zu den tunfischreichsten Orten der Welt gehört. Allerdings sind alle Exemplare dort tot. Das ist der Tsukiji-Fischmarkt, der größte Fischmarkt der Welt und der größte Umschlagplatz für Tunfisch aus aller Welt.

Tunfische auf dem Tokioter Fischmarkt Tsukiji

Tunfische auf dem Tokioter Fischmarkt Tsukiji

An jedem Handelstag werden hier rund 200 Tonnen Tunfisch im Wert von gut 20 Millionen Dollar versteigert. Ein einzelner Tunfisch kann einen Wert von 25.000 Dollar haben. In einer der Hallen gingen die Händler mit Taschenlampe und Fischhaken umher und prüften die Qualität der Fische. Um 5.30 Uhr kommt der Auktionator – und dann dauert es keine 40 Minuten, bis über 1000 Tunfische versteigert sind. Die Fische werden sofort zu den Ständen der Käufer gebracht und dort verarbeitet.

Der Tsukiji Markt hat uns heute den ganzen Irrsinn der Überfischung der Meere gezeigt. Da der Tunfisch weltweit massiv überfischt ist, liegen hier in Tokio Exemplare aus den USA, der Türkei, Mexiko und den japanischen Küstengewässern nebeneinander.

Walfleisch auf dem Tokioter Fischmarkt Tsukiji

Walfleisch auf dem Tokioter Fischmarkt Tsukiji

Auch importiertes Walfleisch aus Island ist hier auf dem Markt zu finden und erinnert uns an den Grund unserer Reise nach Japan. Die Anklage gegen unsere beiden japanischen Greenpeace-Kollegen. Morgen wird der wichtigste Tag unseres Aufenthaltes hier, wenn wir mit unseren Kollegen aus Japan, Australien, Brasilien, Holland, der Schweiz und den USA eine Pressekonferenz durchführen, um die Einstellung des politischen Verfahrens gegen Junichi und Toru zu fordern.

Wir hoffen auf großes Medieninteresse, damit möglichst viele Menschen über die Umstände der Anklage informiert werden. Deshalb werden wir auch heute noch Journalisten treffen, die für deutsche Medien arbeiten. Nach dem frühen Aufstehen wird es noch ein langer Tag werden.

Herzlichen Gruß aus Tokio
Brigitte Behrens