Die Geschichte der Rainbow Warrior

18. Oktober 2011

Die Schauspielerin Jule Ronstedt liest die Geschichte der Rainbow Warrior.

Im Frühjahr 1978 kommt die Rainbow Warrior zum ersten Mal zum Einsatz – für eine Kampagne gegen den isländischen Walfang. Vor 26 Jahren dann der verheerende Anschlag des französischen Geheimdienstes auf das Schiff, bei dem ein Greenpeacer stirbt und das Flaggschiff der Organisation sinkt. Doch die Legende lebt in der Rainbow Warrior II weiter und wird mit der Rainbow Warrior III weitergeschrieben werden. In drei Podcasts erzählt die Schauspielerin Jule Ronstedt die Geschichte der drei Schiffe. Hier Teil 1 und 2.

Teil 1: Die erste Rainbow Warrior

Aus einem alten Fischereiforschungsschiff baut Greenpeace die Rainbow Warrior, um Protestfahrten gegen Walfang, Robbenschlachten und Atombombentests zu unternehmen. Am 10. Juli 1985 versenkt der französiche Geheimdienst das Schiff durch ein Bombenattentat. Dabei kommt der Greenpeace-Fotograf Fernando Perreira ums Leben.

Die Rainbow Warrior, Teil 1 by GreenpeaceDe

Die Rainbow Warrior II auf ihrer "Nuclear-Free Korea"-Tour im Jahre 2011.

Rainbow Warrior II

Mit einem zum Dreimaster umgebauten Hochseetrawler bekämpft Greenpeace ab 1989 weiter Umweltverbrechen in aller Welt, hilft Tsunami-Opfern und liefert Hilfsgüter nach Beirut. Nach 22 Jahren geht die Rainbow Warrior II in den Ruhestand. Am 16. August 2011 wird das Regenbogenschiff an die Nichtregierungsorganisation “Friendship” übergeben. In Bangladesch soll das in Rongdhonu (Regenbogen) umbenannte Schiff in schwer zugängliche Gebiete vordringen und den Menschen medizinische Hilfe bringen.

Die Rainbow Warrior II by GreenpeaceDe

Rainbow Warrior III

Das neue Greenpeace-Flaggschiff ist ein hochseetaugliches Segelschiff und das erste Schiff, Greenpeace mit Hilfe von Spenden komplett neu bauen ließ. Die Rainbow Warrior III setzt als neues Aktionsschiff den Kampf ihrer Vorgängerinnen für eine bessere Welt fort.

Die Rainbow Warrior III by GreenpeaceDe

Das neue Flaggschiff

Zur GroßansichtDie Rainbow Warrior III wird auch für Besucher offen sein. Die Termine finden Sie unten.

Eine Legende wird weitergebaut

04. Juli 2011


Zuerst sehe ich die Rainbow Warrior III von der anderen Seite der Weser. Sie ist schon mit der weißen Taube und dem Regenbogen geschmückt. Heute – kurz vor dem Jahrestag der Versenkung der Rainbow Warrior – ist der sogenannte Stapelhub des neuen Flagschiffs von Greenpeace. Das bedeutet, dass die Rainbow Warrior vom Land aufs Wasser wechselt. Ein bedeutender Moment während das Baus eines Schiffes.

Es ist das erste Mal, dass Greenpeace ein Schiff bauen lässt. Das neue Flagschiff wird mit der umweltfreundlichsten Technik ausgerüstet und ist so konstruiert, dass es hauptsächlich als Segelschiff verwendet werden kann. Die Masten im A-Rahmen-Design und die Segel sind auf höchste Effizienz ausgerichtet. Das Schiff verfügt sogar über eine biologische Abwasseraufbereitungsanlage – und natürlich einen Hubschrauberlandeplatz.

Noch ist es ruhig auf der Fassmer Werft. Doch langsam trudeln die ersten BesucherInnen und Journalisten ein, um an der Zeremonie teilzunehmen. Ich bin ein wenig aufgeregt und freue mich, diesen besonderen Augenblick miterleben zu können. Sobald sie im Wasser ist, können die beiden über 50 Meter langen Masten installiert werden. Die neue Rainbow Warrior III soll bis Oktober fertig gebaut werden.

Die erste Rainbow Warrior kam zum ersten Mal 1978 für eine Kampagne gegen den isländischen Walfang zum Einsatz. In den folgenden Jahren hatte die Crew mit vielen Unwägbarkeiten zu kämpfen. Sie wurden mit Harpunen beschossen, widerrechtlich in Gewahrsam genommen, von einem französischen Marineschiff gerammt. Zu trauriger Berühmtheit gelangte die Rainbow Warrior 1985 durch einen Anschlag des französischen Geheimdienstes. Das Schiff wurde zerstört und der Greenpeace-Fotograf Fernando Perreira dabei getötet.

Ab 1989 konnte Greenpeace mit der Rainbow Warrior II aktiv werden. Auch sie kam in Kampagnen gegen die französischen Atomtest zum Einsatz. Dabei wird sie von der französischen Marine gerammt und wird unter Einsatz von Tränengas und Gewalt geentert. Bis heute ist sie auf den Weltmeeren unterwegs. Dabei protestiert die Crew nicht nur, sondern transportiert auch Nahrung und Hilfsgüter für Hilfsorganisationen in Katastrophengebiete, wie beispielsweise nach dem Tsunami in Südostasien. Die Rainbow Warrior III tritt ein Schweres Erbe an.

Ab 15.00 Uhr am 4. Juli gibt es einen Livestream vom Stapelhub. Es dauert knapp eine Stunde bis die Rainbow Warrior im Wasser ist.

Kapitel 6: Die verbotene Rückkehr

05. Mai 2011

Im Rahmen unserer Arbeit zum 25. Jahrestages des Super-GAUs in Tschernobyl haben wir mit den Mitmacher/inne/n unserer Online-Community GreenAction eine Weiterschreib- und Erinnerungsgeschichte initiiert. Sie soll die Verantwortlichen mahnen, endlich zu den Erneuerbaren Energien zu wechseln. Nun ist die Geschichte fertig geschrieben und Anike Hage hat die sechs Kapitel mit sehr schönen Zeichnungen abgerundet. Weil uns die Geschichte so gut gefällt, wollen wir sie euch hier im Blog vorstellen.

Zeichnung von Anike Hage zu Kapitel 6: Die verbotene Rückkehr

Ich schluckte, nahm mir dennoch schnell ein Herz und platzte heraus: “Wann kann ich zurück nach Hause? Wann kann ich zurück nach Bartolomäi? Wann kann ich zurück in meine Heimat? Können Sie mir helfen?” Der Mann betrachtet mich verwundert. Er hat sicher nicht mit einem solchen Überfall gerechnet. Ich sah ihn um eine Antwort bittend an und legte dabei meine Hände auf mein Herz. Brummig raunte mir der Uniformierte zu: “Nie wieder. Du kannst nie wieder zurück! Deine Heimat ist verloren.”

Ich wurde weiß wie Schnee im Gesicht und taumelte. Der Fremde schaute mich mitleidig aus seiner Gasmaske an und stützte mich kurz. “Brauchst du einen Arzt?” Ich schüttelte nur leicht den Kopf und lehnte mich an die Flurwand im Krankenhaus. Dabei drückte ich Vladi so fest an mich, so dass er anfing sich zu wehren und leicht zu fiepen. Schnell nahm ich ihn sanfter und er kuschelte sich wohlig an mich. Ich sah den Mann mit der Gasmaske nocheinmal an, drehte mich dann um und ging hoffnunglos zurück in die neue, kalt wirkende Wohnung.

Dort angekommen, musste ich heftig weinen. Unter Tränen gab ich Vladi etwas zu essen. Ich weiß nicht wie lange ich dann in der Küche gesessen habe und weinte. Alles war verloren. Alles! Aber ich sehnte mich so sehr nach der Wärme des kleinen Dorfes, der Schönheit der Natur und nach meinem Haus, meinem Wohnzimmer, meinem Garten und meinen Freunden. Ich weinte solange bis ich keine Tränen mehr hatte.

Vladi versuchte mich zu trösten und umspielte ständig meine Beine. Schließlich sprang er auf meinen Schoss und leckte mir die Tränen vom Gesicht. Darüber musste ich dann doch lächeln. So ein lieber Zwerg, dachte ich. Spät am Abend ging ich Schlafen und nahm mir vor meine ehemaligen Nachbarn zu suchen. Ich wollte in dieser kalten Stadt nicht allein sein. Nein, ganz bestimmt nicht. Lieber ginge ich zurück nach Bartolomäi!

In der Nacht träumte ich unruhig und wachte am nächsten Morgen zerschlagen auf. Dennoch machte ich mich nach einem Tee mit Vladi auf den Weg zu den Behörden. Sie mussten wissen wo ich meine Nachbarn finden kann. Dort angekommen traf ich nur auf wenig hilfreiche Beamte. Unfreundlich wurde ich abgewiesen mit dem Hinweis, ich solle mich um meine neuen Nachbarn kümmern.

Aber so schnell gab ich nicht auf. Ich setzte mich in den Bus und fuhr in andere Stadtrandsiedlungen. Ich hoffte so sehr, andere Dorfbewohner zu finden. Jeden Tag schnappte ich mir Vladi, setzte mich in den Bus und fuhr in eine andere Ecke der Stadt. Nach einer Woche wollte ich schon aufgeben, als ich traurig durch eine Grünanlage eines Vorstadtviertels ging. “Faina, Faina bist du das?” Es dauerte etwas bis die Worte mich erreichten. “Faina!” Ich schaute auf und sah Eva vor mir. “Eva”, stammelte ich.

Ich muss sie wie einen Geist angeschaut haben. Sie lachte und hakte sich unter. Eva war eine fröhliche, junge Frau, die einige Häuser weiter gewohnt hat. Sie plapperte gleich los: “Faina, mein Mann und ich gehen zurück nach Bartolomäi. Wir halten es in der Stadt nicht aus. In spätestens drei Monaten sind wir wieder zu Hause!” Als sie das sagte, strahlten ihre Augen voller Glück. “Nehmt ihr mich mit? Ich will auch Heim, bitte!” “Hast du keine Angst?” “Doch,” sagte ich ihr etwas bedrückt, “aber ich kann hier nicht leben.” “Dann kommst du mit uns!” Ihr Strahlen wurde noch schöner und steckte mich an.

Wir blieben in engem Kontakt und planten unsere Reise zurück nach Hause. Wir trafen uns fast täglich, fassten Hoffung und freuten uns jeden Tag mehr. Doch wir wussten, es würde nicht einfach werden. Aber das war uns egal und nach nicht allzulanger Zeit waren wir schon zu siebt. Wir hatten weitere Dorfbewohner getroffen und ihnen von unserem Entschluß erzählt. Alle wollte mit uns kommen. Wir träumten gemeinsam von unserem Dorf. Das gab uns jeden Tag neue Kraft.

Mit der Zeit schafften wir es sogar in Gomel im gleichen Stadtviertel zu wohnen. So hatten wir uns eine neue kleine Dorfnachbarschaft geschaffen. Es tat gut und brachte etwas Wärme in die Stadt. Aber aus den drei Monaten war schon fast ein Jahr geworden. Täglich trafen wir uns nach der Arbeit zum Tee, redeten und träumten von unserem Dorf. Überlegten was wir machen würden, wenn wir wieder zu Hause wären.

So ging es Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr. Nie gaben wir unsere Träume auf und trafen uns täglich. Doch unser Dorf lag in der verbotenen Zone. Wir durften nicht zurück, noch kontrollierte die Regierung streng. Aber wir warten auf den Moment, wo sie unaufmerksam wird. Dann gehen wir gemeinsam zurück. Und der Tag kam, als wir alles packten und die Stadt verließen.

Heute bin ich 86 Jahre alt. Und ich bin wieder zu Hause, zu Hause in Bartolomäi. Manch einer fragt sich, wie es denn sein kann, dass ich so alt geworden bin. Ich muss sagen, ich weiß es wirklich nicht. Wahrscheinlich wollte es der liebe Gott so oder es liegt daran, dass ich es einfach nicht einsehe, aufzugeben. Ich habe viel Glück gehabt in meinem Leben und kann es, wenn der Tag kommt, voller Freude verlassen. Wer kann das schon von sich sagen.

(Autorin: Pixelmaid)