Im Rahmen unserer Arbeit zum 25. Jahrestages des Super-GAUs in Tschernobyl haben wir mit den Mitmacher/inne/n unserer Online-Community GreenAction eine Weiterschreib- und Erinnerungsgeschichte initiiert. Sie soll die Verantwortlichen mahnen, endlich zu den Erneuerbaren Energien zu wechseln. Nun ist die Geschichte fertig geschrieben und Anike Hage hat die sechs Kapitel mit sehr schönen Zeichnungen abgerundet. Weil uns die Geschichte so gut gefällt, wollen wir sie euch hier im Blog vorstellen.
Einige der Männer kamen auf mich zu und schienen mich hinter ihren Schutzmasken zu mustern. Kurz bekam ich es mit der Angst zu tun. Sollten wir etwa wieder auf Lastwagen verfrachtet werden? Aber die Männer gingen an mir vorbei und verschwanden im Krankenhaus. Ich überlegte, ob ich auch wieder herein gehen sollte. Vielleicht hatten sie ja ein Medikament oder wir würden untersucht werden oder sonst irgendwas.
Aber einige andere Gestalten in Schutzanzügen in dem kleinen Park gegenüber machten mich auf einmal neugierig. Sie hatten einen kleinen Stand aufgebaut und einer rief etwas mit einem Megafon. Aber ich konnte das verzerrte Gekrächze nicht verstehen. Während ich also langsam in Richtung Park ging, Vladi mir immer auf den Fersen, sah ich wie sich dort eine Schlange bildete. Jetzt konnte ich auch so langsam verstehen, was der Megafonträger rief. Es ging darum, Freiwillige für die Aufräumarbeiten in der Sperrzone anzuwerben.
Langsam ging ich an der wachsenden Schlange vor dem Stand entlang und blickte in die Gesichter der Männer, die sich freiwillig zu dieser gefährlichen Arbeit meldeten. In ihren Augen stand deutlich ihre Angst geschrieben. Aber auch Entschlossenheit. Auf einmal sah ich ein bekanntes Gesicht, in dem die Angst noch viel deutlicher zu sehen war als bei all den anderen. Nikolai aus meinem Dorf.
Er stand da, aschfahl, kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn. Als er mich sah, hellte sich seine Mine auf. “Nikolai” rief ich voller Freude jemanden aus meinem Dorf gefunden zu haben. “Wie schön dich zu sehen.” “Faina, was machst du denn hier?” Er umarmte mich kurz, wurde dann aber sofort wieder ernst.
“Das sollte ich dich fragen”, antwortete ich. “Willst du wirklich in die Sperrzone? Warst du nicht im Krankenhaus? Hast du nicht gesehen, was die Strahlung anrichten kann?”
“Genau deswegen möchte ich ja dahin” sagte er. “Sie sagen, die Strahlung kann sich noch weiter ausbreiten wenn wir nichts tun. Wir müssen dort aufräumen. Ich möchte nicht für immer an diesem furchtbaren Ort bleiben. Ich möchte zurück in mein Dorf. Und das geht nur wenn ich jetzt mithelfe.” Er lächelte traurig und strich mir über die Wange. “Nun sieh mich nicht mit großen Augen an. Mir passiert schon nichts.”
Ich lächelte nun auch, aber in meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Über die Ausbreitung der Strahlung hatte ich noch gar nicht nachgedacht. Würden wir wirklich einmal in unser Dorf zurückkehren können? Wie lange bleibt denn die Strahlung und wieso konnte man davon noch Wochen und Monate später krank werden?
Ich beschloss zurück ins Krankenhaus zu gehen und die anderen Männer mit den Schutzmasken zu suchen. Die könnten mir doch bestimmt einige Antworten geben. Ich umarmte Nikolai noch einmal und machte mich auf den Weg.
Als ich dort ankam, musste ich mir einen Weg hinein freikämpfen, so viel Andrang war dort. Ich nahm den kleinen Vladi auf den Arm, damit er nicht zertrampelt würde, und fand schließlich einen der Männer mit Schutzmaske. Er sprach gerade mit einigen Ärzten, schien sie dann geradezu wegzuscheuchen und wandte sich dann auf einmal so abrupt mir zu, dass ich zuerst kein Wort herausbrachte…
(Autor: Daniel Schulz)
Morgen lest ihr hier das Kapitel 6.
Radiation Survey Team)
Protestaktion: Deutschland ist erneuerbar!
Sorge dafür, dass die Energiewende in Fahrt kommt!
So geht’s: Mach mit und unterschreibe unseren Appell an Bundeskanzlerin Merkel: Deutschland ist erneuerbar
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