Greenpeace aktiv zum Thema Öl

20. Juli 2010

Seit Donnerstag abend ist das Leck im Golf von Mexiko zumindest vorübergehend geschlossen. Zum Glück! Jetzt heißt es hoffen, dass der Verschluss auch hält. Nach Montage des Aufsatzes wurden zunächst Blasen und Ölspuren entdeckt – für die US-Regierung scheinbar kein Grund zur Sorge. In den nächsten Tagen werden wir mehr wissen. Mit den Entlastungsbohrungen wird man hoffentlich Ende Juli, Anfang August in der Lage sein, das Leck dauerhaft zu schließen. Aber auch dann wird noch monatelang Öl an die Küsten geschwemmt werden; die Aufräumarbeiten werden noch sehr lange dauern. Langfristige Schäden kann man nicht ausschließen, wahrscheinlich wird man auch in zwei oder fünf Jahren noch Ölschädigungen in der Natur nachweisen können.

Was ist passiert?

Am 20. April kam es auf der Plattform “Deepwater Horizon” im Golf von Mexiko zu einem Blow-Out. Am 22. April sank die Plattform. Seitdem treten aus dem Leck am Tiefsee-Meeresboden jeden Tag über 5.000 Tonnen Rohöl aus. Verantwortlich für diesen Unfall ist der britische Ölkonzern BP. Bis zum 15. Juli 2010 scheiterten alle Versuche von BP, das Leck zu schließen – 87 Tage lang. Wie viel Öl bislang ausgetreten ist, ist unklar. Wahrscheinlich sind es zwischen 400.000 – 800.000 Tonnen. Das ist zehnmal bis zwanzigmal so viel, wie bei dem Tankerunfall der Exxon Valdez freigesetzt worden ist. Dieser Ölunfall war einer der schlimmsten, seitdem der Mensch Erdöl nutzt.

Im Golf von Mexiko wurden bisher mehrere hundert Kilometer Küste stark verschmutzt; der Öl-Teppich auf der Wasseroberfläche ist so groß wie die Schweiz. Tausende von Tieren und Pflanzen sind bereits tot. Langfristige Schädigungen sind nicht mehr auszuschließen. BP und US-Präsident Obama stehen unter Druck, die BP-Aktie hat dramatisch an Wert verloren. BP hat zugesagt, 20 Milliarden Dollar in einen Entschädigungsfonds einzuzahlen.

Was haben  wir – Greenpeace – bisher gemacht?

Proteste in Brüssel

Proteste in Brüssel

Greenpeace Deutschland arbeitet seit 1995 zu dem Thema “Öl- und Gasförderung im Meer” und seit Beginn des Unfalls intensiv zu der Ölverschmutzung im Golf von Mexiko. Unsere Position:

  • Öl- und Gasförderung in der Tiefsee sind unverantwortlich
  • Keine neuen Öl- und Gasförderungen in der Tiefsee
  • Überprüfung sämtlicher Offshore-Anlagen auf Sicherheit und Unfallrisiko weltweit.
  • Abschaltung unsicherer Anlagen
  • Klärung der Haftungsfrage: Wer bezahlt bei Ölunfällen?
  • BP ist für die Bekämpfung und Reinigung dieses Unfalls verantwortlich

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Unsere Aktionen:

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Warum machen wir keine Aktionen im Golf von Mexiko?

Aktionen, die das Schließen des Lecks oder die Aufräumarbeiten in der Golf-Region behindern, kommen für uns nicht in Frage, denn dies würde zu einer Verschlimmerung der Verschmutzung führen. Es geht nicht nur um BP, es geht um die gesamte Tiefsee-Offshore-Förderung aller großen Mineralölkonzerne. Wer jetzt BP boykottieren will oder Aktivitäten gegen BP machen will, sollte sich Folgendes fragen: Kann damit das Leck geschlossen werden? Ist es sinnvoll, statt bei BP, bei Shell oder Esso zu tanken? Sind die anderen Konzerne besser? Kann ich mit einem Boykott politisch etwas erreichen? Oder ist der Ruf nach einem Boykott nur blinder Aktionismus, der einen unklaren Bedürfnis, dass man jetzt irgendwas machen machen muss, entspringt?

Überflüge Nordsee © Martin Langer/Greenpeace

Überflüge Nordsee

Gefahr vor der Haustür

Wir müssen uns klar werden, dass jetzt – in diesem Moment – weltweit mehrere hundert gefährliche Tiefsee-Projekte laufen, dass das Problem weltweit relevant ist und sämtliche Mineralkonzerne betrifft.

Und: Das Problem befindet sich direkt vor unserer Haustür, in der Nordsee! Dort stehen rund 400 Öl- und Gasplattformen. Dort wird seit über 30 Jahren Öl und Gas gefördert. Jedes Jahr ereignen sich in der Nordsee mehrere hundert kleinere Unfälle, doch auch größere Unfälle passieren immer wieder:

  • 1977 traten bei der “Ekofisk Bravo”-Plattform 23.000 Tonnen Öl aus
  • 1988 explodierte die Gasplattform “Piper Alpha“, dabei starben 167 Menschen
  • 2007 flossen vor der norwegischen Küste bei der “Statfjord A” Plattform 3.900 Öl in das Meer, …


Risiko Tiefseebohrungen

Wo Aral drauf steht, ist BP drin © Ulrich Baatz/Greenpeace

Wo Aral drauf steht, ist BP drin

So ein Unfall wie im Golf von Mexiko kann auch für die Nordsee und den Nordost-Atlantik nicht ausgeschlossen werden. Da die flachen Meeresgebiete jetzt weitestgehend leergepumpt sind, dringen die Ölkonzerne weltweit in immer tiefere Meeresregionen und in die Tiefsee vor. Über 500 Tiefsee-Projekte in Wassertiefen über 800 Meter gibt es weltweit. BP betreibt rund 60, Shell 60, Exxon 30, Total Fina Elf 20 und Petrobas 40. Überall kann ein ähnlicher Unfall passieren. Doch mit steigender Meerestiefe erhöht sich das Unfallrisiko. Die Katastrophe im Golf von Mexiko zeigt überdeutlich, dass der Mensch die Grenzen des technisch Machbaren überschritten hat. Niemand besitzt die Technik und das Wissen, um einen Unfall in der Tiefsee schnell und zügig zu bekämpfen. Daher muss die Lehre aus diesem Unfall sein: ” Raus aus der Tiefsee”.  Wir brauchen ein Verbot von neuen Öl- und Gasförderungen in der Tiefsee, eine unabhängige Überprüfung sämtlicher Offshore-Anlagen auf Sicherheit und Unfallrisiko, gegebenenfalls die Abschaltung unsicherer Anlagen und die Klärung der Haftungsfrage. Bisher ist unklar, wer bei Ölunfällen für die Kosten und in welcher Höhe aufkommt. Auch aus Klimaschutzgründen ist es politisch notwendig, die erneuerbaren Energien  – Windenergie, Wasserkraft, Sonnenenergie – auszubauen und Tiefsee-Ölprojekte zu verbieten.

Greenpeace macht weiter!

Greenpeace ist nicht  in der Lage, das Leck in der Tiefsee zu stoppen. Aber wir wollen auf politischer Ebene erreichen, dass die unverantwortlichen Tiefsee-Projekte der Ölkonzerne ein Ende haben. Und: Wir machen weiter! Greenpeace-Aktivisten werden weiterdie Menschen an den BP = Aral-Tankstellen und in den Städten über unsere Forderungen informieren und wir werden uns auf verschiedenen Ebenen für einen Stopp der gefährlichen Tiefseebohrungen einsetzen.

The Rainbow Warriors of Waiheke Island

23. Februar 2010
Thomas Struck mit seinem schicken Maishut

Thomas Struck mit Maishut

Wenn Filme und Essen gemeinsame Sache machen, heißt das auf der Berlinale „Kulinarisches Kino“. Dabei geht es nicht um gedankenloses Schauen und Mampfen, sondern häufig darum, die ökologischen Aspekte des Essens mit den Inhalten des Films in Zusammenhang zu bringen. Wie das zusammengeht, hat mein Kollege Jürgen Knirsch im Blog über den Festivalbeitrag „Bananas*“ beschrieben, der die Arbeitsbedingungen auf Bananenplantagen in Nicaragua dokumentiert.

„Kino ist auch Augenfutter“, erklärte mir der Leiter des „Kulinarischen Kinos“, Thomas Struck am vergangenen Freitag in Berlin anlässlich der Premiere von „The Rainbow Warriors of Waiheke Island“. Essen als Gedankennahrung, damit man den Film intensiver erleben kann. Und das hat bei diesem Film toll geklappt.

Darum geht es: Der Film zeigt die Anfänge von Greenpeace, die Aktivisten auf dem Greenpeace-Schiff „Rainbow Warrior“ und die ersten Greenpeace-Aktionen. Und er zeigt, was rund um den 10. Juli 1985 im neuseeländischen Hafen Auckland passierte, als der französische Geheimdienst zwei Bomben an der Schiffswand explodieren ließ. Die Crew konnte sich im letzten Moment retten. Mit einer Ausnahme: Der Greenpeace-Fotograf Fernando Pereira ertrank in der Kabine. Einige der Greenpeace-Aktivisten von damals leben heute auf einer kleinen Insel bei Neuseeland. Im Film sprechen die Aktivisten über ihre Erlebnisse.

Dieter Kosslick mit Schülern der Nelson-Mandela-Schule

Dieter Kosslick mit Schülern der Nelson-Mandela-Schule

Beim „Kulinarischen Kino“ kochte Wam Kat, Koch und ehemaliges Besatzungsmitglied der „Rainbow Warrior“, gemeinsam mit Schülern der Nelson-Mandela-Schule in Berlin – und das war sehr lecker: Heringssalat ohne Hering, Kartoffeln mit Möhren, Vegaburger und als Nachtisch Pflaumen-Bananen-Crumble. Anschließend wurde während des Essens diskutiert. Und die Schüler waren nicht nur gute Köche. Sie löcherten die Regisseurin Suzanne Raes, Wam Kat, Vertreter von „Slow Food“, den Schauspieler Hannes Jaenicke und mich ganz schön mit ihren Fragen:

Lohnt sich Protest und Widerstand? Hat man als Greenpeace-Aktivist Angst? Wie wird man Greenpeace-Aktivist? Wo ist das nächste Greenpeace-Büro? Mit am spannendsten fand ich die Frage, ob Protest depressiv macht…

Meine Antwort: Nein!

Es macht Spaß,

  • gemeinsam mit anderen Menschen etwas zu bewegen,
  • zu spüren, dass man gemeinsam stark ist,
  • zu sehen, dass man etwas verändern kann,
  • anderen Menschen, den Tieren, Pflanzen und der Umwelt zu helfen,
  • ein gutes Gefühl zu haben, weil man versucht, etwas zu verbessern,
  • ein “Danke” zu hören,
  • andere zu motivieren, Vorbild zu sein.

Der freudlosen passiven Trägheit des Ausssitzens und Erleidens setzt Greenpeace die motivierende, emotionalisierende, spaßmachende Aktion entgegen. Protest muss Spaß machen! Das Macht Lust auf mehr.

Und ein Punkt war in der Diskussion schnell klar: Nur wenn man sich aktiv einsetzt, um die Umwelt und die Gesellschaft zu verbessern, kann man Veränderungen erreichen. Nichts zu tun, bedeutet Stillstand oder Rückschritt.

Mit Berlinale-Leiter Dieter Kosslick (m.) und Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens

Bussau, Kosslick, Behrens (v.l.)

Weitere Ideen wurden entwickelt, was der Einzelne tun kann. Wer beim Essen regionale Produkte oder Bioprodukte verwendet und auf Gentechnik verzichtet, kann viel für das Klima und die Umwelt tun. Wer zu einem Ökostromanbieter wechselt und öfter ‘mal das Fahrrad benutzt, schont das Klima.

Die Greenpeace Ratgeber „Milch für Kinder“, „Essen ohne Gentechnik“, „Fisch – beliebt, aber bedroht“ und „Footprint – Der ökologische Fußabdruck Deutschlands“ zeigten den Schülern, was alles möglich ist.

Es gibt noch genug zu tun, man kann was machen!

Ich holte mit dann noch einen zweiten Nachtisch und muss sagen: Essen gut, toller Film, tolle Diskussion, tolle Berlinale!