Fragen an den Atomexperten Heinz Smital

16. November 2011

Wir erhalten viele Anfragen zum Thema Atomkraft, insbesondere zum Atomausstieg und zur Energiewende. Auch Fukushima beschäftigt nach wie vor viele Menschen. Insbesondere die, die aus privaten oder beruflichen Gründen nach Japan reisen. Ein Interview mit unserem Experten Heinz Smital.

Heinz Smital

Heinz Smital

Es gab viel Zustimmung zum Atomausstieg in Deutschland und auch zur Arbeit von Greenpeace. Es gab aber auch die Kritik, dass wir in Deutschland zwar aus der Atomkraft aussteigen – unsere europäischen Nachbarn aber nicht. Was machen die anderen Greenpeace Büros in Sachen Atomkraft?

Zum einen steigen die Schweiz und Belgien aus der Atomkraft aus, zum anderen gab es in Italien einen Volksentscheid gegen Atomkraft: die Greenpeace Büros haben an führender Position daran gearbeitet, das zu erreichen.Die Atomkampagnen in den anderen Ländern sind nach wie vor aktiv. Worum es jetzt geht, ist, den Erfolg, den wir in Deutschland mit dem Atomausstieg hinbekommen haben, auch in andere Länder zu exportieren. Daran arbeiten wir gemeinsam mit den anderen europäischen Ländern und mit Greenpeace International.

Wie reagiert die Bevölkerung in Japan? Gibt es mehr Bewußtsein dafür, wie gefährlich Atomkraft ist?

Was vielen Menschen in Deutschland nicht bekannt ist: Wenn es so etwas wie eine Umweltbewegung  in Japan gibt, dann ist es die Anti-Atom-Bewegung, die seit Jahren aktiv ist. Es gibt sogar Standorte wo es, ähnlich wie in Gorleben, seit 30 Jahren Proteste gegen Atomanlage gibt. In einer Region gibt es beispielsweise jeden Montag Demonstrationen. Die Bewegung wird von den japanischen Medien praktisch ignoriert.

In Japan berichten die Medien sehr stark regierungs – und wirtschaftsnah, was ein großes Problem ist. Aber auch das ändert sich jetzt, weil viele Japaner sich immer stärker über die internationalen Medien informieren, um etwas über die Situation in ihrem eigenen Land zu erfahren. Weil sie mehr Vertrauen haben, dass sie dort die richtigen Informationen bekommen.

Der Protest in Japan hat inzwischen verständlicherweise breite Bevölkerungsgruppen erreicht. Es gibt neue Organisationen. Insbesondere Eltern, die sich  gegen das Ansinnen der Regierung organisiert haben, die Grenzwerte für Radioaktivität herabzusetzen. Davon sind natürlich besonders die Kinder betroffen. Hier gibt es breiten Widerstand.

Wie wird man Strahlenschutzexperte bei Greenpeace?

Man braucht eine entsprechende Ausbildung, praktische Erfahrung und einen anerkannten Strahlenschutzkurs. Bei Greenpeace gibt es ein internationales Team von sogenannten “Radiation Safety Advisern”, die in engem Austausch stehen und jährliche praktische Übungen durchführen. Für praktische Einsätze existieren Richtlinien und an den jeweiligen Einsatz angepasst wird ein sogenanntes “Radiation Safety Protocol” angefertigt.

Viele Menschen trauen den Aussagen der Behörden nicht mehr. Gerade wurden sehr hohe Werte in Tokio gemessen. Was halten wir von den Messungen in Japan?  Warum führt Greenpeace nicht selbst flächendeckende, regelmäßige Messungen durch?

Greenpeace hat schon früh mit eigenen Messungen in Japan begonnen und aufgezeigt, dass eine gefährliche Kontamination noch viel weiter weg vom Reaktor anzutreffen ist, als von den Behörden ursprünglich bekannt gegeben. Auch an der pazifischen Küste wurden mit einem Greenpeace-Schiff Messungen durchgeführt. Eine regelmäßige und flächendeckende Messung kann Greenpeace nicht leisten, aber durch das Aufdecken von punktuellen Problemen und Widersprüchen zu behördlichen Aussagen gibt es eine Debatte, die den Menschen ein klareres Bild gibt.

Wird es eine Energiewende in Japan geben? Wie sehen wir die Zukunft von Tepco?

Tepco kann aus eigener Kraft die Folgen und Kosten der Katastrophe von Fukushima nicht stemmen. Massive staatliche Unterstützung wird notwendig sein und trotzdem haben die Menschen in der Region schwere Nachteile. Die Anti-Atomproteste in Japan sind stark geworden und die Bevölkerung ist mehrheitlich für einen Ausstieg aus der Atomkraft. Derzeit laufen nur ca.10 Reaktoren von ursprünglich 54, dass zeigt auch, wie verzichtbar Atomkraft tatsächlich ist. In Japan wird es eine Energiewende geben und die wird auch die Entwicklung des Energiesektors weltweit entscheidend beeinflussen.

Liebe Leserinnen und Leser,

der Castor rollt und wir habe alle Hände voll zu tun. Wir bitten um Verständnis, wenn wir Fragen, die im Kommentar gestellt werden, daher nicht immer zeitnah beantworten können.

Fragen und Antworten zum Besuch der Rainbow Warrior III

06. Oktober 2011

Die Rainbow Warrior III kommt am 22. und 23. Oktober nach Hamburg und es gibt viele Fragen, die per E-Mail oder telefonisch bei uns eintrudeln. Hier ein paar Antworten.

Die neue Rainbow Warrior III wird im Oktober nach Hamburg kommen.

Die neue Rainbow Warrior III wird im Oktober nach Hamburg kommen.

Wo kann man die Rainbow Warrior III besichtigen und wie komme ich dahin?

Die Rainbow Warrior III liegt an der Überseebrücke, zwischen U-Bahn Landungsbrücken und U-Bahn Baumwall.

Man kann den Hamburger Hafen und die Überseebrücken sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Die S-und U-Bahn-Station Landungsbrücken sowie die U-Bahn-Station Baumwall (U3) sind direkt am Hafen gelegen. Oder man fährt mit dem Metro-Bus.

Wer lieber in die Pedalen tritt, kann sich über Stadtradt auch ein Fahrrad ausleihen. Die Fahrradstation ist ebenfalls direkt an der U-und S-Bahn-Station  Landungsbrücken.

Parkplätze sind am Hafen rar, deshalb das Auto möglichst stehen lassen und Öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Was kostet es?

Nichts! Die Open-Boat-Veranstaltung ist kostenlos. Wer möchte, kann uns natürlich gern ein paar Münzen oder Scheine in die Spendendose werfen.

Darf man wirklich an Bord und auf dem Schiff herum laufen?

Ja, unbedingt! Es sind Schiffsexperten, Meereskampaigner und  Crew-Mitglieder an Bord, die etwas über unsere Arbeit zum Schutz der Meere und über das Schiff erzählen werden und die man mit Fragen löchern kann.

Ist die Veranstaltung auch was für Kinder?

Schulkinder sind herzlich willkommen. Ein spezielles Kinderprogramm wird es aber nicht geben. Für Kinder bieten wir  Infomaterial an, das am Infostand abgeholt werden kann. Für kleinere Kinder ist die Besichtigung nicht geeignet.

Wann ist die beste Zeit, um die Rainbow Warrior III zu besichtigen?

Das ist schwer zu sagen. Wir rechnen mit einem großen Andrang. Am Hamburger Hafen sind zudem immer viele Touristen unterwegs, die vielleicht noch gar nichts von unserem neuen Schiff gehört haben, aber spontan beschließen, sich die Rainbow Warrior anzuschauen. Das ist sicher auch abhängig vom Wetter. Die Open-Boat-Veranstaltungen der Vergangenheit waren immer sehr gut besucht- so oft kommt es ja nicht vor, dass ein Greenpeace – Schiff den Hamburger Hafen besucht.

Hier noch ein allgemeiner Hinweis für Landratten: Die Rainbow Warrior III ist kein Passagierschiff, auf dessen Deck man flanieren kann, sondern ein Arbeitsschiff.  Es gibt Stufen und steile Treppen. Für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind oder die vielleicht eine Gehbehinderung haben, ist die Besichtigung nicht geeignet. Für alle Besucherinnen und Besucher gilt: Bitte tragen Sie festes Schuhwerk und achten Sie darauf, nichts bei sich zu tragen, wofür man eine freie Hand braucht wie Regenschirme oder Umhängetaschen.


Haben Sie noch Fragen? Schreiben Sie einfach einen Kommentar, den wir dann gern beantworten.

Wir bedanken uns für das große Interesse und freuen uns auf Ihren Besuch. Bis bald an Bord der Rainbow Warrior III!

Japan is bleeding

22. September 2011

Der Taifun Roke fegt über Japan hinweg und alle Augen richten sich wieder auf das krisengeschüttelte Land. Wohl wissend, dass ein Taifun in Fukushima  verheerende Auswirkungen haben kann, denn dort ist die Lage weiter sehr schwierig, aus der Atomanlage Fukushima 1 (Daiichi) tritt immer noch Radioaktivität aus. Nun scheint es so, dass sich die Lage zumindest durch Roke nicht verschlimmert hat. Aber der September ist der Monat in Japan mit den meisten Taifunen und so kann von Entwarnung keine Rede sein.
Aus den Medien ist Fukushima fast verschwunden, das Thema beschäftigt aber viele Menschen nach wie vor.
Ich habe hier im Blog schon einmal darüber berichtet, dass wir häufig Zuschriften von Künstlerinnen und Künstlern bekommen, die uns Gedichte schicken oder einen Song geschrieben haben. Meistens stehen diese Gedichte und Lieder in Zusammenhang mit Walfang oder Atomkraft.

Die Qualität ist sehr dabei sehr unterschiedlich. Manchmal sind auch richtige kleine Perlen dabei. So ging es mir bei „ Japan is bleeding“ von Chief Jackson. Eine kurze Umfrage bei den Kolleginnen und Kollegen ergab: Das lässt sich hören. Ein solider Rocksong ohne viel Schnick-Schnack, wie wir in Hamburg sagen.

Deshalb gibt es heute hier den Link. Urteilt selbst! Bitte habt aber Verständnis, dass wir an die Stelle und angesichts der vielen Zusendungen nur selten die Möglichkeit haben, hier einen Song zu posten.Heute ist eine Ausnahme….