Wir erhalten viele Anfragen zum Thema Atomkraft, insbesondere zum Atomausstieg und zur Energiewende. Auch Fukushima beschäftigt nach wie vor viele Menschen. Insbesondere die, die aus privaten oder beruflichen Gründen nach Japan reisen. Ein Interview mit unserem Experten Heinz Smital.
Es gab viel Zustimmung zum Atomausstieg in Deutschland und auch zur Arbeit von Greenpeace. Es gab aber auch die Kritik, dass wir in Deutschland zwar aus der Atomkraft aussteigen – unsere europäischen Nachbarn aber nicht. Was machen die anderen Greenpeace Büros in Sachen Atomkraft?
Zum einen steigen die Schweiz und Belgien aus der Atomkraft aus, zum anderen gab es in Italien einen Volksentscheid gegen Atomkraft: die Greenpeace Büros haben an führender Position daran gearbeitet, das zu erreichen.Die Atomkampagnen in den anderen Ländern sind nach wie vor aktiv. Worum es jetzt geht, ist, den Erfolg, den wir in Deutschland mit dem Atomausstieg hinbekommen haben, auch in andere Länder zu exportieren. Daran arbeiten wir gemeinsam mit den anderen europäischen Ländern und mit Greenpeace International.
Wie reagiert die Bevölkerung in Japan? Gibt es mehr Bewußtsein dafür, wie gefährlich Atomkraft ist?
Was vielen Menschen in Deutschland nicht bekannt ist: Wenn es so etwas wie eine Umweltbewegung in Japan gibt, dann ist es die Anti-Atom-Bewegung, die seit Jahren aktiv ist. Es gibt sogar Standorte wo es, ähnlich wie in Gorleben, seit 30 Jahren Proteste gegen Atomanlage gibt. In einer Region gibt es beispielsweise jeden Montag Demonstrationen. Die Bewegung wird von den japanischen Medien praktisch ignoriert.
In Japan berichten die Medien sehr stark regierungs – und wirtschaftsnah, was ein großes Problem ist. Aber auch das ändert sich jetzt, weil viele Japaner sich immer stärker über die internationalen Medien informieren, um etwas über die Situation in ihrem eigenen Land zu erfahren. Weil sie mehr Vertrauen haben, dass sie dort die richtigen Informationen bekommen.
Der Protest in Japan hat inzwischen verständlicherweise breite Bevölkerungsgruppen erreicht. Es gibt neue Organisationen. Insbesondere Eltern, die sich gegen das Ansinnen der Regierung organisiert haben, die Grenzwerte für Radioaktivität herabzusetzen. Davon sind natürlich besonders die Kinder betroffen. Hier gibt es breiten Widerstand.
Wie wird man Strahlenschutzexperte bei Greenpeace?
Man braucht eine entsprechende Ausbildung, praktische Erfahrung und einen anerkannten Strahlenschutzkurs. Bei Greenpeace gibt es ein internationales Team von sogenannten “Radiation Safety Advisern”, die in engem Austausch stehen und jährliche praktische Übungen durchführen. Für praktische Einsätze existieren Richtlinien und an den jeweiligen Einsatz angepasst wird ein sogenanntes “Radiation Safety Protocol” angefertigt.
Viele Menschen trauen den Aussagen der Behörden nicht mehr. Gerade wurden sehr hohe Werte in Tokio gemessen. Was halten wir von den Messungen in Japan? Warum führt Greenpeace nicht selbst flächendeckende, regelmäßige Messungen durch?
Greenpeace hat schon früh mit eigenen Messungen in Japan begonnen und aufgezeigt, dass eine gefährliche Kontamination noch viel weiter weg vom Reaktor anzutreffen ist, als von den Behörden ursprünglich bekannt gegeben. Auch an der pazifischen Küste wurden mit einem Greenpeace-Schiff Messungen durchgeführt. Eine regelmäßige und flächendeckende Messung kann Greenpeace nicht leisten, aber durch das Aufdecken von punktuellen Problemen und Widersprüchen zu behördlichen Aussagen gibt es eine Debatte, die den Menschen ein klareres Bild gibt.
Wird es eine Energiewende in Japan geben? Wie sehen wir die Zukunft von Tepco?
Tepco kann aus eigener Kraft die Folgen und Kosten der Katastrophe von Fukushima nicht stemmen. Massive staatliche Unterstützung wird notwendig sein und trotzdem haben die Menschen in der Region schwere Nachteile. Die Anti-Atomproteste in Japan sind stark geworden und die Bevölkerung ist mehrheitlich für einen Ausstieg aus der Atomkraft. Derzeit laufen nur ca.10 Reaktoren von ursprünglich 54, dass zeigt auch, wie verzichtbar Atomkraft tatsächlich ist. In Japan wird es eine Energiewende geben und die wird auch die Entwicklung des Energiesektors weltweit entscheidend beeinflussen.
Liebe Leserinnen und Leser,
der Castor rollt und wir habe alle Hände voll zu tun. Wir bitten um Verständnis, wenn wir Fragen, die im Kommentar gestellt werden, daher nicht immer zeitnah beantworten können.












