Papiergeschäft von Sinar Mas zerstört Urwald

08. Juli 2010
APP-Logging Camp © Daniel Beltrá / Greenpeace

Logging Camp in Sumatra

Unsere Kampagne zum Schutz der indonesischen Wälder geht in die nächste Runde. Zusätzlich zu den Ölpalmen verdrängen auch Akazien in Indonesien die wertvollen Torfwälder. Das sind schnellwachsende Bäume, die genau wie die Ölpalmen auf gerodeten und entwässerten Urwaldflächen in Monokultur angepflanzt werden. Nach etwa  sieben  Jahren werden sie geerntet und zu Papier verarbeitet. Die Firmengruppe Sinar Mas ist nicht nur der größte Palmöl-Hersteller Indonesiens, sondern mit der Firma Asian Pulp and Paper (APP) auch der größte Papier- und Zellstoffproduzent.

Diese Woche hat Greenpeace einen Report über die illegalen und zerstörerischen Machenschaften von APP herausgegeben.

APP-Protest in China © Simon Lim / Greenpeace

APP-Protest in China

Auf der Insel Sumatra ist APP der größte Zerstörer von Regenwald und zwar genau in den Gebieten, wo Orang-Utans und Sumatra-Tiger leben. Damit ist APP verantwortlich für das Aussterben dieser Arten. Der Report zeigt, wo das APP-Papier letztlich landet: Bei Supermarktketten wie Walmart, Carrefour und Tesco, aber auch bei der Fastfood-Kette Kentucky Fried Chicken oder bei Hewlett Packard.

Wir werden in den nächsten Tagen viele Firmen anschreiben und auffordern, kein APP-Papier mehr zu kaufen. Unsere chinesischen Kollegen haben gestern in Beijing vor der französischen Supermarkkette Auchan demonstriert, die ebenfalls APP-Produkte in den Regalen hatte.

Indonesisches Klimacamp wiedereröffnet!

24. Juni 2010

Feier zur Wiedereröffnung des Klimacamps in Indonesien mit vielen einheimischen Besuchern.

Der Wiederaufbau des zerstörten Climate Defenders Camp in Riau ist abschlossen. Nun feierten meine indonesischen Greeenpeace-Kollegen gemeinsam mit über 600 Besuchern die Wiedereröffnung der neuen Schutzstation. Die meisten kamen aus Teluk Meranti and Teluk Binjau. In einer farbenfrohen Zerememonie weihten sie ein neues Aufforstungsprojekt ein.

Erst im März 2010 fiel das Klimaschutzcamp feiger Brandstiftung zum Opfer, nachdem Greenpeace die Station den Gemeinden eigenverantwortlich übergeben hatte. Der neue Name des Camps „Community Camp for the Kampar Protection“ (Gemeinschaftscamp für den Schutz von Kampar) symbolisiert den Zusammenhalt der Gemeinden. Sie setzen sich für den  Schutz der tiefen Moorwälder auf Kampar ein, die mehr Kohlenstoff als jedes andere Landökosystem speichern.

Greenpeace hatte 2009 das Klimacamp initiert und gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung aufgebaut. Aktivisten aus aller Welt reisten an und protestierten gewaltfrei gegen die Urwaldzerstörung der großen Zellstoff- und Papierindustrie. Berüchtigtes Beispiel ist der Zellstoff- und Papierhersteller Asia Pacific Resources International Holdings Ltd. (APRIL), der in Riau ein riesiges Zellstoffwerk betreibt.

Obwohl in Folge der gewaltfreien Greenpeace-Proteste das Forstministerium APRIL im letzten Jahr die Lizenzen entzogen hatte, wanden sie nun seit einigen Wochen im Süden der Insel wieder tiefe Torwälder zur Plantagengewinnung um – mit offizieller Genehmigung des Forstministers! Das widerspricht dem Indonesian Law No. 26/2007 und der  Government Regulation No.26/2008, die die Kampar-Insel zur geschützten Zone erklären.

Präsident Yudhoyono hat große Pläne: Mithilfe ausländischer Investoren will er bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 26 Prozent senken. Den ersten großen Deal konnte er vor kurzem an Land ziehen. Norwegen wird das Land mit einer Milliarde Dollar beim Waldschutz unterstützen; Yudhoyono kündigte daraufhin ein zweijähriges Moratorium auf zukünftige Abholzungsgenehmigungen von Regenwald  an. Allerdings wird er seine Klimaschutzziele nicht erreichen, wenn er nicht auch die bereits vergebenen Konzessionen widerruft.

Rätselraten um das indonesische Moratorium

04. Juni 2010

Das Abkommen mit Norwegen hat in der indonesischen Politik und Wirtschaft für ordentlich Aufregung gesorgt. Als die finanzielle Unterstützung in Höhe von einer Milliarde US-Dollar in Oslo vorgestellt wurde, hat der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono ein zweijähriges Moratorium auf die zukünftige (!) Umwandlung von Torfwäldern und Wäldern in Plantagen angekündigt. Ohne die Ausdehnung des Moratoriums auf alle Konzessionen wird Indonesien sein Ziel, die Emissionen bis 2020 um 26 Prozent zu senken, allerdings nicht erreichen.

Dorfbewohner betreten Peatland © Greenpeace/Ardiles Rante

Umweltaktivisten aus Teluk Meranti betreten zerstörtes Torfmoor

Meine indonesischen Kollegen haben deshalb gestern in einer Pressekonferenz noch einmal klar Stellung bezogen: Ein wichtiger Schritt, aber noch nicht genug, da das Moratorium offenbar nur neue Plantagen betrifft! Millionen von Hektar bereits vergebener Konzessionen wären dann nicht betroffen und die Zerstörung des Regenwaldes würde trotzdem voranschreiten.

Unterstützt wurden meine indonesischen Kollegen bei der Pressekonferenz von Menschen der lokalen Gemeinde Teluk Meranti – der Ort unseres Klimacamps. Den Bewohnern vor Ort geht es nicht einfach um das Geld – für sie zählt am Ende, ob die Wälder stehen bleiben. Von den intakten Wäldern hängt ihre Existenz ab. Deshalb drängen sie darauf, dass die Gelder ausschließlich für den Waldschutz ausgegeben werden und nicht beispielsweise für Aufforstungsprojekte.

Indonesien benötigt dringend starke Waldgesetze, deren Einhaltung vor Ort kontrolliert wird, denn die Papier- und Palmölfirmen scheren sich wenig um die politischen Entwicklungen. Was nützt es, wenn der Präsident den Schutz der Torfwälder anerkennt, aber dennoch Einschlaglizenzen in diesen schützenswerten Gebieten verteilt werden?

Bestes Beispiel dafür ist die Firma APRIL. Für sie wurde die zuvor entzogene Konzession für die Provinz Riau trotz des Präsidenten-Statements sogar offiziell vom Umweltministerium erneuert! APRIL kann sich als Papier- und Zellstoffhersteller in Sachen Klimafrevel in eine Reihe mit Sinar Mas stellen. In einem der kohlenstoffreichsten Waldgebiete Indonesiens setzt APRIL durch seine Rodungen bewusst immense Mengen Treibhausgas frei.

Noch ist die genaue Bedeutung und der Geltungsbereich des angekündigten Moratoriums nicht definiert. Heute findet dazu eine Kabinettssitzung in Indonesien statt – ich bin auf die Ergebnisse gespannt!