Warum kommt die Ölindustrie immer wieder davon?

26. Juli 2013

Halliburton, eine der für die Deepwater Horizon-Katastrophe im Jahr 2010 mitverantwortlichen Firmen, hat nun zugegeben, Beweismaterial im Zusammenhang mit dem Unglück vernichtet zu haben. Der US-Mischkonzern hat außerdem 55 Millionen Dollar an die National Fish and Wildlife Foundation gezahlt und sich dazu bereit erklärt, Strafzahlungen in Höhe von 200.000 Dollar zu akzeptieren.

An der Deepwater Horizon ereignete sich im April 2010 eine Explosion, woraufhin die Plattform in 1500 Meter Tiefe sank. Elf Arbeiter starben bei dem Unglück. Über einhundert Tage strömte Öl an der Unglücksstelle in den Golf von Mexiko. (c) US COAST GUARD

Für Halliburton sind diese Zahlungen von Schmerzensgeld gut angelegt, gestatten sie es dem Konzern doch, weiter im Öl- und Gasgeschäft mitzumischen und dicke Gewinne einzustreichen.

Auch ein anderer Big Player hat das Deepwater Horizon-Unglück erstaunlich gut verwunden: BP – oder “British Polluter”, wie der Konzern von Umweltschützern genannt wird. Der Konzern treibt das riskante Öl-Geschäft weiter voran. Die bewährte Strategie “Gewinne für uns, Risiko für alle” hat dem Konzern in den Jahren 2011 und 2012 wieder Gewinne in zweistelliger Milliardenhöhe beschert.

Greg Palast, ein Journalist aus den USA, hat das Ganze pointiert kommentiert:

Das ist so, als wenn du einem erwischten Bankräuber sagst: leg das Geld wieder zurück, dann ist alles wieder in Ordnung!

Tatsächlich ist es noch schlimmer, denn die langfristigen Schäden sind noch überhaupt nicht überschaubar, immer noch belastet das Unglück die Natur und beeinträchtigt die Lebensgrundlagen vieler Menschen und Tiere negativ (s. dazu unser Bericht “Ein Jahr nach Deepwater Horizon” unter dem Text).

Das Deepwater Horizon-Desaster war ein Weckruf. Man hätte danach die Ölindustrie an die Kandarre nehmen, Tiefseebohrungen und Bohrungen in gefährlichen Regionen verbieten und sich aus der zerstörerischen Abhängigkeit von Öl- und fossilen Brennstoffen befreien müssen. Man hätte ein System in Frage stellen müssen, für das Tote nur Kollateralschäden bei der Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen sind.

Doch leider wurden diese Lehren nicht gezogen.

Seit dem Desaster im Golf von Mexiko hat es noch dutzende weitere Ölunfälle gegeben. Jüngst ist eine Gas-Plattform im Golf von Mexiko explodiert. Sogar in der Arktis soll nach Öl gebohrt werden, obwohl ein Unfall in dieser Region beinahe unabwendbar in einer Katastrophe münden würde (unsere Petition zum Schutz der Arktis können Sie hier unterzeichnen).

Wir wissen, dass wir weg müssen vom Öl, weg von den fossilen Energieträgern, da wir nur so eine Chance haben, die Folgen des Klimawandel zu begrenzen. Doch die besten Überzeugungen haben dem zügellosem Profitstreben der Konzerne und der Konsumsucht offenbar wenig entgegenzusetzen.

Shells arktisches Desaster

12. Februar 2013

Die New York Times berichtet, dass Shell die Bohrplattform Kulluk und das Bohrschiff Nobel Discoverer zur Reparatur nach Asien bringen muss. Die eine ist Anfang dieses Jahres, das andere vergangenen Sommer auf Grund gelaufen und beschädigt worden. Mein erster Gedanke war: Super, dann kann Shell zumindest dieses Jahr nicht in der Arktis nach Öl bohren!

Aber es ist nicht klar, ob es wirklich bedeutet das Shell dieses Jahr nicht weiter nach Öl suchen kann. Einiges spricht dagegen: Der Weg von Alaska bis zu möglichen Werften ist zwar weit, aber es ist nicht bekannt wie lange die notwendigen Reparaturen dauern werden. Zudem laufen noch Ermittlungen der US-Regierung wegen Verstößen gegen Umweltauflagen bei den Arktisbohrungen von Shell im Jahre 2012.

Andererseits soll Shell schon fast fünf Milliarden US-Dollar in dieses riskante Abenteuer gesteckt haben – und bisher war von rationalen Entscheidungen bei den Shell-Verantwortlichen nicht viel zu spüren.

Wahrscheinlich müsste dort mal jemand sitzen, für den Verantwortung und Nachhaltigkeit keine Begriffe aus dem Finanzwesen und Aktienrecht, sondern aus dem richtigen Leben sind. Dann würde es nicht nur um den schnellen Dollar, sondern um die Entwicklung einer künftigen sauberen Energieversorgung und positiver Perspektive für alle gehen.

Protestiere mit uns auf  Twitter gegen Shells Pläne in der Arktis zu bohren und unterschreibe die Greenpeace-Petition zum Schutz der Arktis.

Volkswagen: nachrechnen bitte!

19. September 2012

VW-Chef Winterkorn behauptet, der neue Golf sei bis zu 100 Kilo leichter und bis zu 23% sparsamer. Leider ist das bislang eher eine Sensationsmeldung als Realität: Keines der bislang vorgestellten Golf 7-Modelle ist 100 kg leichter im Vergleich zum Vorgängermodell. Und keine Spritersparnis ergibt – im Vergleich zum Vorgängermodell – 23% CO2-Reduzierung.

Protest von Greenpeace bei der Präsentation des Golf 7

Greenpeace-Protest für Klimaverantwortung bei der Präsentation vom Golf 7 in Berlin

100 Kilo leichter als die Golf 6-Modelle? Das müsste eine größere Spritersparnis geben, als von VW für die neuen Modelle angekündigt. 23% sparsamer – auch das klang nach Sensation. Hat VW endlich den 3-Liter-Golf herausgebracht? Nachgerechnet kommt der kleinste Golf (BlueMotion Technology 1,2 TSI) auf eine Gewichtsreduktion von 29 Kilo. Das entspricht einer Reduzierung von 121 auf 113 Gramm CO2 pro Kilometer. Also 8 Gramm weniger, keine 10%. Ganz ähnlich beim größeren Modell: Der  Golf 1,6 TDI BlueMotion Technology erreicht eine Gewichtsersparnis von 23 Kilo und eine CO2-Reduzierung von 107 auf 99 Gramm. Wieder magere 8 Gramm, aber keine 10%. Und wir sind nicht die einzigen, die den Rechenschwindel kritisieren.

Winterkorn im Handelsblatt

VW-Chef Winterkorn: "Der neue Golf ist de facto ein Dreiliterauto." (Handelsblatt vom 30.08. | Nr. 169)

Für Herrn Winterkorn ist der neue Golf ein 3 Liter Auto – ob er sich da nicht verrechnet? Wenn wir davon ausgehen, dass alle vier momentan verfügbaren Golf 7-Modelle zu gleichen Anteilen verkauft werden, würden wir einen theoretischen Durchschnittsverbrauch von 4,52 Liter pro 100 Kilometer erreichen. Das mag klingt möglicherweise erstmal gut. Nicht aber nach einem 3-Liter-Auto. Der Unterschied mag auf das einzelne Fahrzeug wenig erscheinen, nicht aber in der Summe des Massenmodells Golf. Das Fahrzeug wird millionenfach verkauft und jedes dieser Autos fährt tausende Kilometer. Jedes Gramm potenziert sich ums Milliardenfache!

Wir haben gerade in unserem Golf-Report gezeigt, dass Gewichtsreduktion eine wichtige Rolle hin zu mehr Effizienz spielt. In unserer Simulation am Beispiel des Golf 6 kann jeder selbst testen, wie sich Fahrzeugleergewicht auf die Effizienz des Autos auswirkt.

Deshalb fordern wir von VW den 3-Liter-Golf. Mit konsequenter Spartechnik kann die Golf 7-Flotte ein Drittel des Verbrauchs, also viele Millionen Tonnen CO2 einsparen, den Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre reduzieren und die Folgen des Klimawandels begrenzen.