Shells arktisches Desaster

12. Februar 2013

Die New York Times berichtet, dass Shell die Bohrplattform Kulluk und das Bohrschiff Nobel Discoverer zur Reparatur nach Asien bringen muss. Die eine ist Anfang dieses Jahres, das andere vergangenen Sommer auf Grund gelaufen und beschädigt worden. Mein erster Gedanke war: Super, dann kann Shell zumindest dieses Jahr nicht in der Arktis nach Öl bohren!

Aber es ist nicht klar, ob es wirklich bedeutet das Shell dieses Jahr nicht weiter nach Öl suchen kann. Einiges spricht dagegen: Der Weg von Alaska bis zu möglichen Werften ist zwar weit, aber es ist nicht bekannt wie lange die notwendigen Reparaturen dauern werden. Zudem laufen noch Ermittlungen der US-Regierung wegen Verstößen gegen Umweltauflagen bei den Arktisbohrungen von Shell im Jahre 2012.

Andererseits soll Shell schon fast fünf Milliarden US-Dollar in dieses riskante Abenteuer gesteckt haben – und bisher war von rationalen Entscheidungen bei den Shell-Verantwortlichen nicht viel zu spüren.

Wahrscheinlich müsste dort mal jemand sitzen, für den Verantwortung und Nachhaltigkeit keine Begriffe aus dem Finanzwesen und Aktienrecht, sondern aus dem richtigen Leben sind. Dann würde es nicht nur um den schnellen Dollar, sondern um die Entwicklung einer künftigen sauberen Energieversorgung und positiver Perspektive für alle gehen.

Protestiere mit uns auf  Twitter gegen Shells Pläne in der Arktis zu bohren und unterschreibe die Greenpeace-Petition zum Schutz der Arktis.

Volkswagen: nachrechnen bitte!

19. September 2012

VW-Chef Winterkorn behauptet, der neue Golf sei bis zu 100 Kilo leichter und bis zu 23% sparsamer. Leider ist das bislang eher eine Sensationsmeldung als Realität: Keines der bislang vorgestellten Golf 7-Modelle ist 100 kg leichter im Vergleich zum Vorgängermodell. Und keine Spritersparnis ergibt – im Vergleich zum Vorgängermodell – 23% CO2-Reduzierung.

Protest von Greenpeace bei der Präsentation des Golf 7

Greenpeace-Protest für Klimaverantwortung bei der Präsentation vom Golf 7 in Berlin

100 Kilo leichter als die Golf 6-Modelle? Das müsste eine größere Spritersparnis geben, als von VW für die neuen Modelle angekündigt. 23% sparsamer – auch das klang nach Sensation. Hat VW endlich den 3-Liter-Golf herausgebracht? Nachgerechnet kommt der kleinste Golf (BlueMotion Technology 1,2 TSI) auf eine Gewichtsreduktion von 29 Kilo. Das entspricht einer Reduzierung von 121 auf 113 Gramm CO2 pro Kilometer. Also 8 Gramm weniger, keine 10%. Ganz ähnlich beim größeren Modell: Der  Golf 1,6 TDI BlueMotion Technology erreicht eine Gewichtsersparnis von 23 Kilo und eine CO2-Reduzierung von 107 auf 99 Gramm. Wieder magere 8 Gramm, aber keine 10%. Und wir sind nicht die einzigen, die den Rechenschwindel kritisieren.

Winterkorn im Handelsblatt

VW-Chef Winterkorn: "Der neue Golf ist de facto ein Dreiliterauto." (Handelsblatt vom 30.08. | Nr. 169)

Für Herrn Winterkorn ist der neue Golf ein 3 Liter Auto – ob er sich da nicht verrechnet? Wenn wir davon ausgehen, dass alle vier momentan verfügbaren Golf 7-Modelle zu gleichen Anteilen verkauft werden, würden wir einen theoretischen Durchschnittsverbrauch von 4,52 Liter pro 100 Kilometer erreichen. Das mag klingt möglicherweise erstmal gut. Nicht aber nach einem 3-Liter-Auto. Der Unterschied mag auf das einzelne Fahrzeug wenig erscheinen, nicht aber in der Summe des Massenmodells Golf. Das Fahrzeug wird millionenfach verkauft und jedes dieser Autos fährt tausende Kilometer. Jedes Gramm potenziert sich ums Milliardenfache!

Wir haben gerade in unserem Golf-Report gezeigt, dass Gewichtsreduktion eine wichtige Rolle hin zu mehr Effizienz spielt. In unserer Simulation am Beispiel des Golf 6 kann jeder selbst testen, wie sich Fahrzeugleergewicht auf die Effizienz des Autos auswirkt.

Deshalb fordern wir von VW den 3-Liter-Golf. Mit konsequenter Spartechnik kann die Golf 7-Flotte ein Drittel des Verbrauchs, also viele Millionen Tonnen CO2 einsparen, den Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre reduzieren und die Folgen des Klimawandels begrenzen.

Jahrestag des russischen Gebietsanspruches am Nordpol

02. August 2012

Heute vor genau fünf  Jahren, am 2. August 2007, setzte ein U-Boot angeblich eine russische Fahne auf dem Meeresboden über dem geografischen Nordpol ab, um den Gebietsanspruch Russlands deutlich zu machen. Vielleicht erinnern sich einige von euch an die Bilder, die damals um die Welt gingen: eine kleine Fahne aus Titan im etwas trüben Wasser. Angeblich wurde dieses Bild in über 4.000 Meter Tiefe aufgenommen. Die Russen behaupten, wie jetzt übrigens die Dänen, das Gebiet um den Nordpol sei über eine im Meer liegende Erhebung, den Lomonossow Rücken, mit ihrem Festland verbunden.
Damals schien mir das alles trotz der Prognosen zur Eisschmelze und der damit verbundenen Meldung, Rohstoffe seien einfacher abbaubar, als absurdes Theater. Heute bringt mich der bittere Ernst hinter dieser Aktion zur Weißglut.
Nicht nur, das die Eisschmelze noch schneller vorangegangen ist, als es damals vorausgesagt wurde: Inzwischen haben etliche Großkonzerne, damit angefangen, in der Arktis nach Öl zu bohren. Neben den bekannteren Shell und BP, welche vor Alaska bohren, bohrt auch die russische Gazprom in der südlichen Barentsee, der Petschorasee.

Ölförderung in der Arktis kann schlimme Folgen für die Umwelt haben
Falls es zum Austritt von Öl kommt – und das ist in der Kälte, mit treibenden Eisbergen und meterdicken Vereisungen im Winter gar nicht so unwahrscheinlich – kann niemand hier irgendetwas säubern. Nicht nur, dass sich Schadstoffe bei Kälte langsamer zersetzen als im Warmen, es gibt in dieser weitab gelegenen Region auch einfach keinerlei Infrastruktur, die im Unglücksfall nutzbar wäre. Keine anderen Schiffe, keine Helfer, die Öl zumindest teilweise aus Aufzuchtgebieten der dort lebenden Tiere entfernen könnten. Nichts.

Die Plattform, welche Gazprom dort hat hinschleppen lassen, ist eine alte, umgebaute Nordsee-Ölplattform. Dort sollte schon lange anfangen werden zu bohren. Aber immer noch gibt es massive Probleme, so dass der Zeitplan immer weiter nach hinten geschoben wird. Gazprom, einer der größter Energiekonzerne weltweit, ist offensichtlich nicht in der Lage, solch ein schwieriges Projekt zu stemmen. Im November 2011 sind auf einer anderen Ölplattform von Gazprom im Ochotskischen Meer 67 Menschen zu Tode gekommen.

In Deutschland ist Gazprom hauptsächlich wegen der massiven deutschen Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen, dem Sponsoring von Schalke 04, den Geschäftsverbindungen mit dem ehemaligen Kanzler Schröder und der – zumindest vermuteten – massiven Korruption bekannt. Dass dieser „Laden“ überhaupt solche riskanten Unternehmungen durchführen darf, ist für mich unverständlich. Die Arktis gehört der gesamten Menschheit, keinem einzelnen Staat. Eine gefährliche und umweltzerstörerische Industrialisierung, wie sie gerade stattfindet, muss verhindert werden, indem die UNO dort ein Schutzgebiet einrichtet wie es auch in der Antarktis gilt.