Raus aus der Tiefsee

01. Juli 2010
Aktivistin vor ESSO-Zentrale in Hamburg © Hannah Schuh/Greenpeace

Aktivistin vor ESSO-Zentrale in Hamburg

Shell plant trotz der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, weiter die Tiefsee auszubeuten! Greenpeace-Aktivisten protestieren deshalb heute vor den Zentralen von BP, Shell und Esso.

Ich stehe gemeinsam mit etwa 20 weiteren Greenpeace-Aktivisten vor der Deutschland-Zentrale von Shell in Hamburg. Heute Morgen ging es bereits in aller Frühe los: Ölverschmierte Fässer wurden aufgebaut und zwischen zwei Bohrturm-Attrappen ein Transparent aufgehängt: Deepwater Horizon auch bei Esso und Shell möglich – Raus aus der Tiefsee!

Greenpeace-Protest vor Shell in Hamburg © Doerte Hagenguth/Greenpeace

Greenpeace-Protest vor Shell in Hamburg

Meine Kollegen haben sich vor den Zentralen von BP in Bochum und von Esso in Hamburg postiert. Per Telefon habe ich gerade erfahren, dass die Greenpeace-Aktivisten vor dem ESSO-Gebäude in Hamburg bereits einige hundert Flyer verteilt haben – die Leute waren erwartungsgemäß sehr interessiert! Ähnliches meldet mein Kollege aus Bochum. Vor der Zentrale von BP Deutschland gäbe es leider wenig Passanten. Wer allerdings vorbeikommt, sei begeistert, manche applaudieren laut! Von Seiten Shells und ESSOs hat sich noch nichts gerührt.

Die Aktivisten vor BP haben, wie ich gerade gehört habe, mittlerweile mit der Presseabteilung sprechen können. Die Dame von BP und der Herr von Aral haben gekonnt ihren Charme spielen lassen (“Was können wir denn für Sie tun?”), um die Situation zu meistern. Kein Wunder, alles andere würde das bereits angeschlagene Konzernimage noch mehr schädigen. Nach einigem verbalen Hin und Her haben meine Kollegen nochmal den offenen Brief an den BP-Vorstandvorsitzenden ausgehändigt und warten nun auf ein Gespräch.

Wo Aral drauf steht, ist BP drin! © Ulrich Baatz/Greenpeace

Wo Aral drauf steht, ist BP drin!

Erst kürzlich ist das Moratorium von US-Präsident Obama aufgehoben worden. Am 30. Juni haben wir deshalb in einem offenen Brief  an die Branchengrößen diese aufgefordert, aus dem Tiefseegeschäft auszusteigen. Mit unserer Aktion direkt vor den Zentralen der Ölmultis weisen wir noch einmal darauf hin, dass ähnliche Katastrophen wie die havarierte Plattform Deepwater Horizon jederzeit und überall passieren können.

Wie zynisch kann man sein, angesichts des Unglücks weitere Tiefseebohrungen zu planen? Der vermeidbare Vorfall hat elf Menschenleben gekostet und weitet sich zu einer ungeheuerlichen ökologischen Katastrophe aus. Shell beabsichtigt trotzdem, das Tiefseegeschäft auszubauen, BP Deutschland und Esso haben sich vorsichtshalber bislang nicht dazu geäußert. Tiefseeförderung ist im Falle eines Unfalls nicht mehr kontrollierbar – das zeigt auch der Blick in die Vergangenheit! Tod und Zerstörung werden von den Ölkonzernen wissentlich in Kauf genommen!

Hier geht’s zur Ölseite von Greenpeace

Update 2. Juli 2010:
Martin Hausding von der Greenpeace-Gruppe Berlin war vor Ort und sprach mit Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern über die Aktion, was in Hamburg genau passierte und wie der aktuelle Stand rund um die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist. Hier geht’s zum Podcast

Olympia: Post von Greenpeace an deutsche Sportler

10. Februar 2010

Wenn am Freitag in Vancouver die 21. Olympischen Winterspiele beginnen, träumen wieder Millionen Menschen vom Urlaub in Kanada, von unberührter Natur und heiler Welt. Doch die Realität im zweitgrößten Staat der Erde sieht anders aus. Der Abbau von Ölsand in der kanadischen Provinz Alberta ist eines der größten Umweltverbrechen unserer Zeit.

Da das deutsche Olympiateam während der Winterspiele kaum Zeit haben wird, um sich persönlich ein Bild von den Auswirkungen des Ölsand-Abbaus zu machen, haben wir jedem Mitglied der Olympiamannschaft im Januar einen Brief mit Hintergrundinformationen geschickt.

Und wenn ihr euch in den Fernsehpausen bei Olympia über das Thema Ölsand informieren wollt, findet ihr im Greenpeace-Blog alle Infos zu meiner Recherchereise, die Greenpeace-Aktionen in Alberta und mehr zu unserer Kampagne.

Umweltverbrechen im Schatten von Olympia

05. November 2009

Noch 100 Tage, dann blicken die Augen der Welt auf Kanada. Am 12. Februar starten in Vancouver die 21. Olympischen Winterspiele. In der gleichnamigen Provinz am Pazifik wird sich Kanada zwei Wochen lang von seiner Schokoladenseite zeigen. Was den Zehntausenden von Athleten, Journalisten und Zuschauern verborgen bleiben wird, ist das Umweltverbrechen, das zur gleichen Zeit in der Nachbarprovinz Alberta passiert.

Rund 1.100 Kilometer nordöstlich befindet sich das größte Industrieprojekt des Planeten: der Abbau von Ölsand. Der Begriff Abbau ist allerdings eine absolute Verharmlosung dessen, was der Natur und den Menschen der Region angetan wird. Auf 149.000 Quadratkilometern – das ist größer als die Fläche Englands – erstrecken sich schon jetzt zahlreiche Tagebaue, weitere sind geplant. Dort werden erst die Bäume gefällt, dann Erde und Torf, später der ölhaltige Sand abgebaggert.

An das Öl kommt man nur durch den massiven Einsatz von Energie. Pro Barrel gewonnenen Öls werden 62 bis 176 Kilogramm CO2 freigesetzt – das sind drei- bis fünfmal so viel schädliche Klimagase wie bei der konventionellen Ölförderung. Und die Provinz Alberta verfügt über 175 Milliarden Barrel Öl, die an Sand gebunden sind. Nach Saudi-Arabien ist Kanada damit das Land mit den größten bekannten Ölreserven der Welt.

Als Abfall aus der Produktion fließt eine giftige Brühe, die Cadmium, Arsen, Quecksilber und krebserregende Kohlenwasserstoffe enthält, in riesige natürliche Senken. Insgesamt sind diese Auffangbecken mit 130 Quadratkilometern schon fast auf die doppelte Größe des Chiemsees angewachsen. Von dort gelangt es ins Grundwasser und in die Flüsse.

Ist Kanada also noch eine Reise wert? Solange dort ein solches Umweltverbrechen geschieht, eigentlich nicht. Und das sollten auch die Offiziellen wissen.  Schreibt an die Politiker des Landes, dass es von ihrem Handeln abhängig ist, ob ihr zukünftig noch nach Kanada reisen werdet. Nämlich nur dann, wenn sie den Ölsandabbau stoppen.