Deutscher Forstwirtschaftsrat will die alten Buchenwälder nicht schützen

25. Januar 2012

Foto: Bente Stachowske/Greenpeace: Gesche Jürgens, Wald- und Biodiversitäts-Kampaignerin bei Greenpeace Deutschland

Vergangene Woche forderten wir zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem NABU und dem Forum Umwelt und Entwicklung einen sofortigen Einschlagstopp für alte Laubwälder in öffentlichem Besitz.

Am 23. Januar reagierte der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) darauf mit einer Pressemitteilung, in der er die Forderung der Umweltverbände als “fernab jeder faktischen Grundlage” kritisierte.
So wirft uns der DFWR vor, die Zahlen der Bundeswaldinventuren von 1987 und 2002 nicht zu kennen und die Zunahme der Buchenwaldflächen zu ignorieren.

Tatsache ist: Die Erhebungen der letzten Inventur liegen zehn Jahre zurück und sagen nichts über den aktuellen Zustand des Waldes aus. Die dritte Bundeswaldinventur hat erst 2011 begonnen. Durch die Forstwirtschaft der letzten 150 Jahre ist ein Mangel an alten Waldbeständen, vor allem an alten Buchenwäldern entstanden. Nur noch auf zwei bis drei Prozent der deutschen Waldfläche findet man Buchenwälder, die älter als 140 Jahre sind.

Stattdessen haben wir Dank der Forstwirtschaft heute Fichtenmonokulturen auf ungeeigneten Standorten im Überfluss. Natürlicherweise wäre Deutschland zu über zwei Dritteln mit Buchenwäldern bedeckt – das Doppelte der heutigen Gesamtwaldfläche.
Das bedeutet: Nicht der Buchenwald an sich ist bedroht, sondern die ökologisch besonders wertvollen, alten Buchenwälder.

Dass Deutschland eine internationale Verantwortung für den Schutz gerade dieser Wälder hat, ist klar und wurde im Sommer 2011 sogar von der UNESCO anerkannt. Fünf deutsche Buchenwälder erhielten den Status des Weltnaturerbes und stehen damit auf einer Stufe mit den gigantischen Redwoods in Kalifornien und Teilen des Amazonas-Urwaldes in Brasilien.

Diese Verantwortung spiegelt sich auch in unserer nationalen Biodiverstitätsstrategie (NBS) wider, Deutschlands Beitrag zu den internationalen Verpflichtungen der CBD (Internationale Konvention zur biologischen Vielfalt). In der nationalen Biodiverstitätsstrategie ist seit 2007 festgelegt, dass Deutschland bis 2020 den Waldschutz verbessern und fünf Prozent seiner Wälder schützen muss. Diese Strategie wurde 2010 von allen Fraktionen des Bundestags noch einmal bestätigt. Doch von einer Umsetzung nichts zu bemerken.

Bevor also die wenigen Flächen, die das beste Potential haben, zu “Urwäldern von morgen” zu werden, verschwunden sind, müssen die Sägen in diesen Wäldern schweigen. Dass diese Forderung der Umweltverbände weder radikal noch aus der Luft gegriffen ist, zeigt auch ein Positionspapier des Bundesamt für Naturschutz (BfN). Bereits 2008 forderte das BfN, die alten Buchenbestände über 140 Jahre aus der Nutzung zu nehmen um die Ziele der nationalen Biodiverstitätsstrategie zu erreichen.

Von den Vertretern der Forstwirtschaft wird so getan, als würden in Deutschland alle Lichter ausgehen, wenn auch nur ein weiterer Hektar Wald geschützt wird. Dabei handelt es sich um lediglich fünf Prozent der deutschen Waldfläche – Länder wie Brasilien haben 30 Prozent ihrer Amazonas Wälder geschützt. Deutschland ist in Punkto Waldschutz mit lächerlichen ein Prozent geschützter Flächen ein Entwicklungsland. Und wird es, wenn es nach dem DFWR geht, auch bleiben.

Korruption killt Chimki-Wald – Protestaktion via Twitter!

26. August 2011
Eine Greenpeacerin vor einem Teil des bereits zerstörten Chimki-Waldes.

Eine Greenpeacerin vor einem Teil des bereits zerstörten Chimki-Waldes.

Update vom 01. September 2011: Vielen Dank allen, die für den Schutz des Chimki-Waldes fleißig an den russischen Präsidenten Medvedev getwittert haben. Mehr als 1500 Menschen haben mitgemacht! Greenpeace unterstützt damit den großen zivilgesellschaftlichen Widerstand vor Ort. Am Wochenende darauf haben zum Beispiel Menschen in 49 russischen Städten gegen die Waldzerstörung mit lokalen Aktionen protestiert.

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Wie Greenpeace bereits im Mai berichtete, ist Moskaus jahrhundertealter Chimki-Wald akut von der Abholzung bedroht. Weil Investoren eine Autobahn von Moskau nach St. Petersburg bauen wollen, sollen Bäume, Elche und Wildschweine weichen. Doch der Widerstand der russischen Bevölkerung ist groß. Seit Sommer letzten Jahres wehren sich Menschen gegen die Baupläne. Zahlreiche Aktionen friedlicher AktivistInnen wurden von Polizei und privaten Sicherheitskräften brutal aufgelöst. Selbst vor Brandstiftung und sogar Mord wurde nicht zurückgeschreckt, um die protestierenden Menschen einzuschüchtern.

Russisch-französischer Klüngel

Eigentlich müsste der Kampf um den Wald gar nicht sein. Denn dieser steht dem Gesetz nach unter Schutz. Darüber hinaus haben Recherchen von Transparency International ergeben, dass die Baugenehmigung illegal erteilt wurde. Denn der Schutz darf nur aufgehoben werden und die Straße durch den Wald führen, wenn es keine Alternative gibt. Doch davon gibt es gleich elf – und obwohl die Alternativrouten teilweise kürzer und billiger sind, wurden die Vorschläge bisher ignoriert. Warum die Moskauer Genehmigungsbehörde im Widerspruch zum Gesetz und Interesse der Bevölkerung handelt? Gute Frage. Das Bankwatch Network hat herausgefunden, dass die Spuren weiterer Beteiligter auf die British Virgin Islands führen – eine für die Verschleierung von Finanzgeschäften bewährte Karibik-Insel. In Köln nennt man sowas wohl Klüngel…

Mitmachaktion: Greenpeace fordert einen sofortigen Baustopp – unterstützt uns dabei via Twitter!

Durch den geschützten Chimki-Wald soll eine Autobahn durchführen. Teile des Waldes sind schon zerstört.

Durch den geschützten Chimki-Wald soll eine Autobahn durchführen. Teile des Waldes sind schon zerstört.

Greenpeace fordert die russische Regierung auf, den Chimki-Wald zu schützen und eine alternative Trasse auszuwählen. Bis dahin müssen jegliche weitere Zerstörung des Chimki-Waldes gestoppt werden.

Diese Forderung werden Menschen aus vielen Ländern der Welt heute an den russischen Präsidenten Medvedew twittern! Habt ihr auch einen Twitter-Account? Prima, dann macht mit!

Einfach die untenstehenden Textbausteine in eine Twitternachricht an @MedvedevRussia kopieren und abschicken!

  • Mr. Medvedev, hug trees, not corruption! @MedvedevRussia #Khimki
  • Mr. Medvedev, the world is watching: you can save the #Khimki forest, now! @MedvedevRussia
  • Mr. @MedvedevRussia, be the President who serves the people of Russia, save the #Khimki forest

…oder mit eurer eigenen Botschaft!

Wer noch mehr machen möchte oder vielleicht auch keinen eigenen Twitter-Account hat, kann auch die Online-Petition unterzeichnen: Petition für den Wald von Chimki

“Du bist Abschaum” – der Urwaldzerstörer und die Netiquette

24. August 2011

Der indonesische Papierkonzern Asia Pulp and Paper (APP) fiel bereits in der Vergangenheit durch wenig konstruktiven Umgang mit Kritik auf. Von der Tatsache, dass die Firma der größte Urwaldzerstörer auf der indonesischen Insel Sumatra ist, versucht APP gerne mit kostspieligen PR-Aktionen abzulenken. Ein neuer Fall zeigt nun aber deutlich: Eine Tochterfirma des notorischen Waldzerstörers APP braucht Nachhilfe in Sachen Netiquette… und beim Urwaldschutz!

2010 in Indonesien: Greenpeace-Aktivisten stoppen mit einem Banner Mitarbeiter von APP, die die Heimat von Tigern durch Abholzung zerstören.

2010 in Indonesien: Greenpeace-Aktivisten stoppen mit einem Banner Mitarbeiter von APP, die die Heimat von Tigern durch Abholzung zerstören.

Die Geschichte: In Australien hatte Greenpeace einen wichtigen Erfolg gegen APP verzeichnet: Einer der größten Kunden der APP-Tochter Solaris, die Supermarktkette IGA, kündigte den Vertrag. IGA sah ein, dass Regenwald in Indonesien besser aufgehoben ist als in ihrem Klopapier.

Darüber war Solaris nicht erfreut. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen beteuerten sie ihre Unschuld. Greenpeace wollten sie zu einem konstruktiven Gespräch einladen, um mit uns über den Schutz der bedrohten Tierarten Indonesiens zu sprechen. Unser Vorschlag dazu: Weitaus konstruktiver, als mit uns darüber zu sprechen, wäre es damit aufzuhören, den Lebensraum von Orang Utans und Tigern weiter abzuholzen.

Ab unter die Gürtellinie

Wie ernsthaft diese Einladung wirklich gemeint war, wurde kurz darauf jedoch in Frage gestellt. Die australische Marketingwebsite Mumbrella stolperte wenige Tage nach den Zeitungsanzeigen über diverse gegen Greenpeace und IGA gerichtete Blogkommentare. Die Kommentare kritisch zu nennen, wäre eine Untertreibung. Aber das ist schon okay – man kann es nicht jedem recht machen. Allerdings wurde die Kritik immer persönlicher und machte vor rassistischen Bemerkungen gegenüber dem IGA-Management nicht halt. Auch Greenpeace-Waldkampaigner Reece Turner bekam sein Fett weg: „Du bist Abschaum!“, fand einer der Kommentatoren mit dem Pseudonym ActResponsibly. Ich finde, der Aufforderung sich verantwortungsvoll zu verhalten, sollte eigentlich Solaris nachkommen.

Mumbrella machte sich die Mühe, die IP-Adressen der Computer zu überprüfen, von denen die Kommentare gesendet wurden. Interessanterweise gehörten einige der IP-Adressen zu… Überraschung: dem Solaris-Netzwerk. Was Solaris wohl unter einem konstruktiven Gespräch versteht? Schlammcatchen?