Seit mehr als zwei Wochen habe ich wieder Land unter den Füßen. Wie immer sind die Gefühle nach einer langen Schiffsreise zwiespältig: Es ist schön, wieder an Land zu sein, gleichzeitig fehlen das Meer und die Familie der “Arctic Sunrise”. Aber die Zeit vergeht schnell und die Tage sind vollgestopft mit der Aufbereitung von Daten der Expedition und Treffen mit politischen Entscheidungsträgern. In Deutschland bleibt das Engagement für die Gemeinsame Fischereipolitik noch immer verhalten, während aus Afrika mal wieder gute Nachrichten kommen: 
Der senegalesische Fischereiminister hat die Fischereilizensen für 29 pelagische Trawler aus Russland, Litauen, Komoren, Saint Vicent Grenadine und Belize aufgehoben! Damit setzt der neue senegalische Präsident Macky Sall das um, was er erst vor wenigen Wochen bei seiner Wahl versprochen hatte. Ein mutiges und konsequentes Handeln, zu dem wir gratulieren und an dem sich die deutsche Fischereiministerin Ilse Aigner und die EU ein Beispiel nehmen sollten.
Sall setzt um, was er verspricht: die Sicherung von Jobs und Nahrung für die senegalesischen Fischer. Diese sind durch die Fischtrawler unter fremder Flagge, die ebenfalls Ressourcen vor der Küste Senegals befischen, gefährdet. Um das zu ändern, müssen zunächst die Lizensen für fremde Flotten aufgehoben und dann parallel ein nachhaltiges Fischereimanagement umgesetzt werden.
Auch das deutsche Fischereiministerium sieht es als seine Pflicht, die deutsche Fischerei zu erhalten und zu fördern. Doch wie soll das erreicht werden, wenn unsere Ministerin das Kernproblem der europäischen Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) – die Überkapazitäten der EU-Flotte – bei den aktuellen Verhandlungen zur Reform der GFP verschläft? Da die Fischbestände in europäischen Gewässern gemeinschaftlich von den EU-Mitgliedstaaten befischt bzw. überfischt werden, muss der Blick unserer nationalen Minister auch auf diese gemeinschaftliche EU-Flotte gerichtet sein. Ein Zurückziehen auf die nationale Sicht nach dem Motto “wir haben keine Überkapazitäten in der deutschen Flotte und unsere Hausaufgaben ja gemacht” nützt nichts, denn wenn andere Mitgliedsstaaten ihre Hausaufgaben nicht machen, wird auch die eigene Flotte nicht aus dem Tief herauskommen. Denn noch einmal: Die Fischbestände werden ja von allen gemeinschaftlich genutzt.
Man hat sich entschieden die Fischerei gemeinschaftlich zu regeln und nun muss man auch gemeinschaftlich das Problem lösen – sich lautstark und engagiert dafür einsetzen, dass alle ihre “Hausaufgaben” machen. Und hier dürfen keine Deals bei anderen EU-Politiken wie z.B. der Agrapolitik den Weg zu einer erfolgreichen GFP-Reform versperren.
Vor allem die deutsche Kutter- und Küstenfischerei wird von einer Reduktion der Fangkapazität der EU-Flotte profitieren. Und die deutsche Kutter- und Küstenfischerei mit ihren rund 1700 Booten ist die “deutsche” Fischerei. Nicht die sechs Hochseetrawler, die zwar unter deutscher Flagge fahren, aber der holländischen Firma Parlevliet & van der Plas gehören. Erstaunlicherweise sind 1/3 der Subventionen zwischen 1994 und 2007, die die deutsche Fischereiflotte erhalten hat, in diese sechs Schiffe (0,4 Prozent der deutschen Flotte) geflossen. Wird so die “deutsche” Fischerei gefördert?
Supertrawler, die mittlerweile wirtschaftlich nur rentabel gehalten werden können, wenn sie auch in nichteuropäischen Gewässern fischen, wie z.B. vor Westafrika. Die Plünderung dort haben wir mit der “Arctic Sunrise” dokumentiert, ebenso wie die Auswirkungen an Land: Ein trauriges Bild, und eine Verantwortung der sich unsere Ministerin nicht stellt.















