Ganzjährig warmes Wasser aus den Subtropen

10. September 2010
Fiamma Straneo und Iris Menn beim Betrachten der ersten Ergebnisse

Fiamma Straneo und Iris Menn beim Betrachten der ersten Ergebnisse

Warm wird es in den Ozeanen weltweit, wie immer mehr wissenschaftliche Studien berichten. Die Ergebnisse unserer Reise aktuellen Reise nach Grönland liefert weitere Belege, dass diese Veränderungen in den Ozeanen vermutlich eine Rolle bei der rasanten Gletscherschmelze in Grönland spielt.

Wir sind raus aus dem Nebel. Die kleine Twin-Otter Maschine hatte sich gestern trotz Nebel auf den Weg zu uns nach Grönland gemacht. Dicht über dem Fjordwasser und knapp unter dem Nebel hat sie sich in den Fjord hineingeschlichen und mit uns an Bord auch sicher wieder hinaus. Wir sind froh zurück zu sein, allerdings mit dem Wehmutstropfen, dass wir die Messbojen, die den nächsten Jahresdatensatz aufnehmen sollten, im Kangerdlugssuaq Fjord nicht wieder einsetzen konnten. Im Sermilik Fjord sind die Bojen jedoch wieder eingesetzt, so dass es nächstes Jahr auf jeden Fall Folgedaten geben wird.

Kangerdlugssuaq Gletscher 2010

Kangerdlugssuaq Gletscher 2010

Die aktuellen Untersuchungen zeigen dasselbe warme Wasser aus subtropischen Regionen, das wir auch schon im letzten Jahr gefunden haben. Im Vergleich zum letzten Jahr sind die Temperaturen sogar noch um circa ein Grad wärmer – in beiden Fjorden, Kangerdlugssuag und Sermilik. Und durch die installierten Messbojen konnten wir feststellen, dass dieses Wasser das gesamte Jahr über in den Fjorden vorhanden ist und die Gletscherschelze vorantreiben kann. Die  Funde aus letztem Jahr waren also kein einmaliges Sommer-Phänomen.

Parallel zu den Daten von Fiamma Straneo zeigen die Ergebnisse von Dr. Gordon Hamilton (University of Maine) aus diesem Jahr, dass der Helheim Gletscher weiterhin mit erhöhter Geschwindigkeit fliesst – auch noch fünf Jahre nach Hamilton’s erster Beobachtung.

Die aktuellen Daten der beiden Wissenschaftler sind konsistent mit ihrer Theorie, in der sie die Rolle der Ozeane an der rasanten Gletscherschmelze Grönlands erforschen. Unsere Reise hat einen weiteren Puzzelstein dazu geliefert. Das Bild der Auswirkungen des Klimawandels ist schärfer geworden. Sehr deutlich zeigt uns diese Forschung auch, dass eine durch den Klimawandel ausgelöste Veränderung die nächste bewirkt kann. Und unser Wissen über diese Zusammenhänge ist minimal.

Vor allem aber hat diese Reise gezeigt, dass der Klimawandel weiter auf die politische Agenda gehört. Der derzeitige politischen Prozess zeigt bei weitem zu wenig Fortschritt. Um die katastrophalen Folgen des Klimawandel aufzuhalten brauchen wir ein internationales und rechtlich verbindliches Klimaabkommen. Greenpeace wird nicht müde werden diese Forderung weiter an die Politik zu senden, so lange bis sie ihrer Verantwortung endlich gerecht wird.

Wir hängen fest

07. September 2010
Helikopter setzt das kleine Team aus Wissenschaftlern und Greenpeace samt Ausrüstung am Fjord ab © Iris Menn

Helikopter setzt das kleine Team samt Ausrüstung am Fjord ab

Wir hängen fest. Der Nebel schließt uns dicht ein und der Regen prasselt ohne Unterlass. Kein noch so kleines Zeitfenster tut sich auf, um die Messbojen erneut auszubringen und wir müssen uns damit anfreunden, dass dies vermutlich auch nicht mehr möglich sein wird. Das Wetter ist ein unkalkulierbarer Faktor bei der Forschung im Freiland. Und dieses Mal scheint es uns für einen Teil unserer Pläne einen Strich durch die Rechung zu machen.

Zudem sehen die Wetteraussichten für die nächsten Tage so katastrophal aus, so dass wir uns darauf konzentrieren den Kangerdlugssuaq Fjord überhaupt wieder verlassen zu können. Schon die letzten beiden Tage waren die Bedingungen so schlecht, dass das kleine Flugzeug, das uns abholen soll, nicht fliegen konnte.

Bindfäden

05. September 2010

(c) Iris Menn / Greenpeace - Der Kangerdlugssuaq-Fjord bei NebelEs regnet Bindfäden und dichter Nebel liegt um uns herum. Wir hängen fest! Gar nicht daran zu denken, mit dem Helikopter die neuen Messgeräte ausbringen zu wollen. Zwei neue Messstationen wollen wir für das nächste Jahr im Fjord installieren und damit die im letzten Jahr begonnenen Messungen weiter fortführen.

Die Daten, die wir jetzt aus den Messgeräten von letztem Jahr in der Hand halten, sind die ersten Daten überhaupt, die uns einen Einblick über die Temperaturen im Kangerdlugssuaq-Fjord während eines Jahresverlaufes geben. Gleiches gilt für die Messungen im Sermilik-Fjord – 300 Kilometer südlich von hier – wo Fiamma ebenfalls ihre Untersuchungen durchführt und Greenpeace sie letztes Jahr mit der “Arctic Sunrise” unterstützt hat. Kurz bevor wir gemeinsam auf diese Reise zum Kangerdlugssuaq-Fjord aufgebrochen sind, hat Fiamma im Sermilik-Fjord ihre Forschungen fortgesetzt. (c) Iris Menn / Greenpeace - Klare Sicht von der Station auf den Kangerdlugssuaq-FjordSo liegen ihr nun Daten aus beiden Fjorden vor, die sie vergleichen kann. Fiamma hat gestern noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, zum einen Messungen aus beiden Fjorden zu haben und zum anderen die Messungen fortzusetzen und neben den Momentaufnahmen mehrere Jahresverläufe zu erheben. Um eine Hypothese wirklich sattelfest zu haben, sind diese Vergleiche und Langzeitdatenreihen notwendig.

So warten wir, schauen in den Nebel, hören den Regen auf das Dach prasseln und arbeiten an unseren Computern. Zwischendrin erreicht uns die Nachricht von einem weiteren Ölunfall im Golf von Mexiko, der uns den Atem stocken lässt. Wie viele Ölunfälle muss es geben, um zu verstehen, dass Ölförderung nie ohne Risiko ist.