Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise ist derzeit in den Gewässern vor der westafrikanischen Küste unterwegs, um vor Ort die Praktiken der ausländischen Fischereiflotten zu dokumentieren.
Immer wieder hatte die Crew der “Arctic Sunrise” in den letzten Tagen festgestellt, dass viele der Fischtrawler ihr AIS (Automatic Identification System) abgeschaltet haben und daher aus der Ferne für uns nicht und schon gar nicht bei Nacht zu identifizieren waren. Gestern Abend dann stießen die Kollegen auf einen Trawler und folgten ihm über Nacht, um ihn identifizieren zu können. Am nächsten Tag: ein zweiter Trawler in Sicht, alle Namen und Zeichen zur Identifizierung hinter einer Persenning versteckt. Der Wind hob die Persenning hoch und so konnten wir den Namen erhaschen: “Oleg Naydenov”.
Kein eingeschaltetes AIS und der Name verdeckt – ein ganz klarer Regelverstoß! Zunächst fischte der Trawler in Gewässern von Gambia, dann zog er weiter in senegalesische Gewässer. In beiden Gewässern fischte der Trawler illegal!
Unseren Protest gegen diesen illegalen Raubzug taten wir an der Schiffswand des Trawlers kund. Die Crew versuchte die Aktivisten mit Wasserschläuchen abzuhalten, trotzdem gelang es, die Persenning über dem Schiffsnamen zu entfernen. So wurde der Trawler enttarnt. Schnell versuchte die Crew, den Namen wieder zu verhängen.
Greenpeace informierte die zuständigen Behörden beider Länder und Gambia gab bekannt, ein Patrouillienschiff zu senden. Die 120 Meter lange “Oleg Naydenov” ist nur ein Beispiel für die riesige Flotte aus fernen Ländern, die in Westafrika fischt. Sie fischen nicht nur in fremden Gewässern, sondern auch – wie zum Beispiel die Oleg Naydenov – ohne die Gesetze zu respektieren. Ein Skandal!
Diese Giganten haben Netze von mehreren hundert Metern, Netzöffnungen bis zu 50 Meter und können bis 250 Tonnen Fisch pro Tag fangen und verarbeiten. Die Netze der lokalen Fischer werden immer leerer.
Regierungen Westafrikas, wie die senegalesische, müssen für eine nachhaltige Fischerei sorgen, um die Ausbeutung der eigenen Ressourcen durch andere Länder zu stoppen und einen Kollaps der Fischbestände zu verhindern. Um die Wende herbeizuführen, ist ein sofortiger Stopp für alle neuen Fanglizenzen an andere Nationen notwendig. Senegal wählt am Sonntag seinen neuen Präsidenten. Fischerei und ein nachhaltiges Fischereimanagement sollten auf seiner Agenda ganz oben stehen.