An Bord – angekommen!

05. März 2012

Während ich am Flughafen in Hamburg sitze und auf das ‚boarding’ warte, bekomme ich einen Anruf von der Arctic Sunrise. Die Maartje Theadora ist in der Nähe und beim Fischen. Ein Schiff unter deutscher Flagge. Der Eigner, ebenso wie bei der Jan Maria, an der wir in Bremerhaven zum Jahreswechsel protestiert hatten, die holländische Firma Parlevliet en van der Plas B.V.. Maartje Theadora ist 144 Meter lang, hat 6.000 Tonnen Ladekapazität und rund 6.400 Kilowatt – eine schwimmende Fischfabrik, ein echter Gigant!

Ein Gigant, der mit Steuergeldern subventioniert wurde und der die Überkapazitäten der EU-Fischfangflotte symbolisiert. Ich steige in den Flieger und die Greenpeace-Aktivisten auf See heften überdimensionierte Euro-Noten an die Außenwand der Maartje Theadora.

Nun bin ich mittlerweile selber auf der Arctic Sunrise. Endlich! Wir liegen im Hafen von Dakar, die Crew wird getauscht und morgen geht für mich die Reise richtig los.

Umzingelt von schwimmenden Fabriken

29. Februar 2012

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise ist derzeit in den Gewässern vor der westafrikanischen Küste unterwegs, um vor Ort die Praktiken der ausländischen Fischereiflotten zu dokumentieren.

Greenpeace-Aktivisten protestieren vor Mauretanien gegen Überfischung - (c) Pierre Gleizes / Greenpeace

Greenpeace-Aktivisten protestieren vor Mauretanien gegen Überfischung. Im Hintergrund: Der Supertrawler "Dirk Diederik". - (c) Pierre Gleizes / Greenpeace

Montag, der erste Tag in den Gewässern von Mauretanien: Ein neuer Abschnitt unserer Schiffstour beginnt. Hier fischt auch die Flotte der Europäischen Union. Die zu große Flotte, die nicht mehr genug Fisch in den eigenen Gewässern vorfindet und – um rentabel zu bleiben – immer häufiger auf Jagd in andere Gewässer, d.h. Nicht-EU-Gewässer, geht.

Die Trawler sind “legal” unterwegs und zum Teil Giganten. Nach nur wenigen Stunden ruft mich mein Kollege Tom von der Arctic Sunrise an. Er klingt aufgeregt: “Wir sind nahezu umzingelt von Schiffen der PFA. Die Helen Mary unter deutscher Flagge und die Dirk Diederik unter holländischer: alle sind hier. Die Helen Mary gibt gerade Gas und macht sich davon, währen die Dirk Diederik noch fischt.” PFA heißt “Pelagic Freezer Association” und ist eine Dachorganisation, in der die so genannten Schwarmfischfänger vereinigt sind. Schwarmfischfänger sind Schiffe, die pelagisch – also in der Wassersäule – fischen und es auf Fischschwärme abgesehen haben, wie zum Beispiel Hering oder hier vor Westafrika Holzmakrele und Sardinen.

Der Supertrawler Dirk Diederik, der unter holländischer Flagge in den mauretanischen Gewässern fischt - (c) Pierre Gleizes / Greenpeace

Der Supertrawler Dirk Diederik, der unter holländischer Flagge in den mauretanischen Gewässern fischt - (c) Pierre Gleizes / Greenpeace

Während die Crew der Arctic Sunrise in die Schlauchboote springt und die “Diederik” beim Fischen dokumentiert und die Aktivisten protestieren, veröffentlichen wir hier an Land europaweit einen Bericht, der sich auf genaue diese Schwarmfischfänger fokussiert. Der Ocean Inquirer #3 “Plündern um jeden Preis” ist der dritte Bericht einer Serie, die sich mit dem Versagen der Gemeinsamen Fischereipolitik in Europa beschäftigt. Die beiden bisherigen Berichte zeigten die kriminellen Machenschaften von Vertretern der spanischen Fischereiindustrie und die Subventionen an die Tiefseefischerei. “Plündern um jeden Preis” deckt auf, wie EU-Steuergelder dazu genutzt werden, diese riesigen Fabrikschiffe zu fördern und damit die Überfischung voranzutreiben, anstatt nachhaltige Lösungen umzusetzen.

Die ersten Bilder aus Westafrika kommen bei mir in der E-Mail-Box an. Riesige Schiffe, mit vollen Netzen. Die See scheint rau zu werden. Noch zwei Tage, dann geht für mich der Flieger nach Westafrika.

Trawler auf illegaler Jagd

25. Februar 2012

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise ist derzeit in den Gewässern vor der westafrikanischen Küste unterwegs, um vor Ort die Praktiken der ausländischen Fischereiflotten zu dokumentieren.

Pierre Gleizes/Greenpeace - Botschaft am Schiffsrumpf des illegal fischenden TrawlersImmer wieder hatte die Crew der “Arctic Sunrise” in den letzten Tagen festgestellt, dass viele der Fischtrawler ihr AIS (Automatic Identification System) abgeschaltet haben und daher aus der Ferne für uns nicht und schon gar nicht bei Nacht zu identifizieren waren. Gestern Abend dann stießen die Kollegen auf einen Trawler und folgten ihm über Nacht, um ihn identifizieren zu können. Am nächsten Tag: ein zweiter Trawler in Sicht, alle Namen und Zeichen zur Identifizierung hinter einer Persenning versteckt. Der Wind hob die Persenning hoch und so konnten wir den Namen erhaschen: “Oleg Naydenov”.

Kein eingeschaltetes AIS und der Name verdeckt – ein ganz klarer Regelverstoß! Zunächst fischte der Trawler in Gewässern von  Gambia, dann zog er weiter in senegalesische Gewässer. In beiden Gewässern fischte der Trawler illegal!

Pierre Gleizes/Greenpeace - Die Persenning gibt den Blick auf den Namen des illegalen Trawlers freiUnseren Protest gegen diesen illegalen Raubzug taten wir an der Schiffswand des Trawlers kund. Die Crew versuchte die Aktivisten mit Wasserschläuchen abzuhalten, trotzdem gelang es, die Persenning über dem Schiffsnamen zu entfernen. So wurde der Trawler enttarnt. Schnell versuchte die Crew, den Namen wieder zu verhängen.

Greenpeace informierte die zuständigen Behörden beider Länder und  Gambia gab bekannt, ein Patrouillienschiff zu senden. Die 120 Meter lange “Oleg Naydenov” ist nur ein Beispiel für die riesige Flotte aus fernen Ländern, die in Westafrika fischt. Sie fischen nicht nur in fremden Gewässern, sondern auch – wie zum Beispiel die Oleg Naydenov – ohne die Gesetze zu respektieren. Ein Skandal!

Pierre Gleizes/Greenpeace - Greenpeace-Aktivisten längsseits der "Oleg Naydenov"Diese Giganten haben Netze von mehreren hundert Metern, Netzöffnungen bis zu 50 Meter und können bis 250 Tonnen Fisch pro Tag fangen und verarbeiten. Die Netze der lokalen Fischer werden immer leerer.

Regierungen Westafrikas, wie die senegalesische, müssen für eine nachhaltige Fischerei sorgen, um die Ausbeutung der eigenen Ressourcen durch andere Länder zu stoppen und einen Kollaps der Fischbestände zu verhindern. Um die Wende herbeizuführen, ist ein sofortiger Stopp für alle neuen Fanglizenzen an andere Nationen notwendig. Senegal wählt am Sonntag seinen neuen Präsidenten. Fischerei und ein nachhaltiges Fischereimanagement sollten auf seiner Agenda ganz oben stehen.