Halbherzige Lösung: BP einigt sich mit US-Regierung über Strafzahlung

16. November 2012

Deepwater Horizon 2010

Gut zweieinhalb Jahre ist es her, dass der Ölkonzern BP im Golf von Mexiko eine Ölkatastrophe riesigen Ausmaßes verursachte. Mit Kollegen von Greenpeace USA habe ich 2011 die betroffenen Gebiete besucht und in vier Bundesstaaten Reste der Ölpest dokumentiert. Nun erreicht uns die scheinbar gute Nachricht, dass BP den Schaden bezahlen muss. BP hat sich mit der US-Regierung außergerichtlich auf eine Strafzahlung von 4,5 Milliarden US-Dollar geeinigt.

Damit ist ein möglicherweise jahrlanger Rechtsstreit, wie wir ihn beim Tankerunglück der “Exxon Valdez” beobachten konnten, vermieden worden. Bei der Ölpest vor der Küste von Alaska im Jahr 1989 ging es um eine drohende Strafzahlung gegen den Ölmulti Exxon in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar. Erst der Oberste Gerichtshof der USA verurteilte Exxon nach 19 Jahren (!) zu einer deutlich reduzierten Strafzahlung von nur 500 Millionen US-Dollar – einem Bruchteil der Ausgangssumme.

Hauptsache das Öl fließt und die Kasse klingelt

Die schlechte Nachricht: Selbst die Rekordhöhe dieser Strafzahlung wird die Ölbranche nicht davon abhalten, auch weiterhin in riskante Projekte zu investieren. Seien es Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko oder hochriskante Ölprojekte in der Arktis, wie Shell sie in diesem Sommer begonnen hat. Ein Quartalsgewinn der großen Ölkonzerne reicht locker aus, um solche Strafen zu begleichen: Im 3. Quartal liegt er bei BP bei 5,4 Milliarden US-Dollar, bei Shell sogar bei 6,6 Milliarden US-Dollar.

Für die Ölindustrie zählt nur eines: Der Aktienwert muss steigen! Und das tut er (nicht nur) im Falle von BP – trotz des angerichteten Desasters im Golf von Mexiko. Mit anderen Worten: Diese Strafzahlung gibt der Ölindustrie keinerlei Anreize, in Zukunft rücksichtsvoller bei ihren Ölprojekten zu agieren. Abstriche bei der Sicherheit und Reduzierung von Kosten werden auch in Zukunft die wesentliche Rolle spielen.

Sollte die sensible Arktis ein großer Ölunfall, z.B. ein Blowout ereilen,  können die Manager von Shell beruhigt sein. Die US-amerikanische Regierung wird auch weiterhin so zahnlos agieren wie im Fall von Exxon (1989) und BP (2010). Und es ist nicht die Frage ob, sondern wann sich ein Ölunfall in der Artis ereignet.

Trotzdem müssen Strafzahlungen sein. Sie müssen so ausfallen, dass die Ölindustrie von riskanten Projekten Abstand nimmt. Vom vorliegenden Fall geht das Signal aus: “Noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.” Was darüber hinaus fehlt, sind politische Konsequenzen aus solchen Unfällen. Dazu gehört: Das Verbot einer Ölsuche in sensiblen Regionen wie der Arktis und ein Moratorium – also das Aufschieben – von Tiefseebohrungen, bis sichergestellt ist, dass ein Unfall wie mit der Deepwater Horizon in Zukunft ausgeschlossen werden kann.

Eines sollte bei der ganzen Diskussion um diesen Unfall nicht in Vergessenheit geraten: Elf Menschen verloren bei der Explosion der Deepwater Horizon im April 2010 ihr Leben. Kein Geld der Welt kann den Verlust dieser Menschen und das Leid der Hinterbliebenen wettmachen.

Shell: Pannenserie geht weiter!

17. September 2012

Jetzt ist es amtlich: Shell wird in diesem Jahr nicht mehr nach Öl in der Arktis bohren. Insgesamt sieben Jahre Vorbereitung und fast 5 Milliarden Dollar Kosten für ihren großen Plan, aus der Arktis Öl zu fördern, haben aufgrund einer absurden Pannenserie und wetterbedingter Verzögerungen ein vorläufiges Ende gefunden.

Eine der dutzenden Pannen: Shell's Bohrschiff "Noble Discoverer" läuft vor dem Dutch Harbour auf Grund.

Eine der vielen Pannen: Shell's Bohrschiff "Noble Discoverer" läuft vor Dutch Harbour auf Grund (c) James Mason/Greenpeace.

Ursprünglich wollte das Unternehmen im Juli mit mindestens fünf Bohrungen an zwei unterschiedlichen Orten vor der Küste Alaskas beginnen, doch fehlende Genehmigungen für eines ihrer Bohrschiffe und eines für den Notfall vorgesehenen Spezialschiffes, sowie widrige Wetterbedingungen verzögerten den Start bis in den September hinein.

Aus der Not heraus kündigte der Konzern an, mit vorbereitenden Bohrungen zu starten, bis die endgültige Genehmigung erteilt wird. Doch schon wenige Stunden nach Beginn musste auch dieser Versuch abgebrochen werden, da eine große Eisfläche auf die Bohrstelle zutrieb.

Nun ist es bei abschließenden Tests einer für einen Ölunfall vorgesehenen Glocke zu einem Unfall gekommen, der die Glocke beschädigt hat. Shell kündigte daraufhin an, in diesem Jahr nur noch Vorbereitungsbohrungen durchzuführen, sofern das Wetter es zulässt und die Zeit dafür noch ausreicht. Die Bohrgenehmigungen laufen am 24. September (in der Tschuktschensee), beziehungsweise am 31. Oktober (in der Beaufortsee) aus.

Dieser erneute Rückschlag sollten die Damen und Herren in der Chefetage des Konzerns und die Investoren zum Anlass nehmen, ihre Pläne zu überdenken, in dieser hochsensiblen und einmaligen Region nach Öl zu bohren oder ob es nicht besser wäre, das Geld in die zukunftsfähigen und sauberen erneuerbaren Energien zu investieren. Die Bewohner der Arktis werden es ihnen danken.

Seit Juni dieses Jahres hat Greenpeace weltweit durch zahlreiche Aktionen gegen die geplanten  riskanten Ölbohrungen von Shell protestiert. Fast 2 Millionen Menschen haben sich der Kampagne zum Schutz der Arktis inzwischen angeschlossen. Werde auch du Arktisschützer unter: www.savethearctic.org!

Oder unterstütze noch bis Ende der Woche den Twitter-Protest gegen Shell und poste einen Tweet mit dem Hashtag #StopShell!

Shells Ölbohrung durch arktisches Eis gestoppt

11. September 2012

Das Shell-Bohrschiff "Noble Discoverer" im arktischen Ozean.

Shells Versuch in der Arktis nach Öl zu bohren, hat einen erneuten Rückschlag erfahren. Die am vergangenen Sonntag an Bord des Bohrschiffes “Noble Discoverer”, einem ehemaligen 46 Jahren alten Massengutfrachter, gestartete erste Bohrung in der Chukchi See, nördlich von Alaska, musste unterbrochen werden. Bereits nach einem Tag kam das vorläufige Aus: Nach Angaben des Konzerns bewegt sich eine 50 mal 12 Kilometer große Meereisfläche auf die Bohrstelle zu.

Diese Entwicklung zeigt, wie gefährlich es ist in der Arktis nach Öl zu bohren. Schon der Start musste von Juli auf September verschoben werden, da sich dieses Jahr das Meereis in dieser Region sehr spät zurück gezogen hat. Das ist aber nicht der einzige Grund für die Verzögerungen des 4,5 Milliarden US Dollar teuren Ölabenteuers des Ölgiganten. Ein wesentlicher Baustein im sogenannten Notfallplan für Ölunfälle ist, dass das zur Ölbekämpfung umgebaute Schiff “Arctic Challenger” bis heute nicht die notwendige Erlaubnis durch die US-amerikanische Küstenwache hat, um in der rauen arktischen See agieren zu dürfen. Das Schiff liegt noch immer tausende Kilometer entfernt im US-Bundesstaat Washington.

Doch Shell lässt nichts unversucht, um noch in diesem Jahr zum Zuge zu kommen. Ihr abstruser Vorschlag an die zuständigen Behörden: Shell fängt mit den Bohrungen an, stoppt aber rechtzeitig, bevor sie auf ölführende Schichten treffen. Erst wenn die “Arctic Challenger” mit den notwendigen Papieren eintrifft und einer Verlängerung der Bohrerlaubnis über den genehmigten Zeitraum hinaus zugestimmt wurde, dringen die Bohrer tiefer in den arktischen Boden, um an das heiß begehrte Öl zu gelangen. Gefragt, genehmigt, seit Sonntag umgesetzt…

Nun kommt das Meereis auf das Bohrschiff zu und durchkreuzt schon nach wenigen Stunden die Bohrpläne. Ich frage mich, was braucht es noch, um zu zeigen, dass die Arktis kein Ort ist, um nach Öl zu bohren?

Es ist wie ein schlechter Horrorfilm mit einer realen Tragödie als Kern. Shells laufende Fehlschläge sollten endlich alle Beteiligten – Behörden, Investoren und andere Ölkonzerne mit ähnlichen Absichten – wachrütteln. Das Projekt arktische Ölbohrungen muss umgehend beendet werden!

Wer die Greenpeace-Forderung unterstützen will, kann sich den über 1,7 Millionen Meeresschützern anschließen. Mach mit!