Ölunfall vor der brasilianischen Küste

23. November 2011

Chevron-Ölunfall in der Tiefsee vor der brasilianischen Küste.

Die Zeichen stehen auf Sturm: Vor der brasilianischen Küste hat sich ein Unfall ereignet, der uns stark an die Katastrophe im Golf von Mexiko erinnert. Wieder ist es eine Tiefseebohrung, die außer Kontrolle geraten ist, wieder tritt Öl aus, das der Betreiber, in diesem Fall der US-amerikanische Ölkonzern Chevron, nicht unter Kontrolle bekommt. Wieder muss eine Ölfirma einräumen, dass sie auf so etwas nicht ausreichend vorbereitet war. Vorgehaltenes Material zur Bekämpfung des Öls: Fehlanzeige.

Das Loch soll wieder unter Kontrolle sein. Was aber bleibt ist das Öl, dass das umliegende Ökosystem schädigt, Wale und Delphine bedroht und sich auf den Weg zur brasilianischen Küste macht. Es kann aber sein, dass zig Tonnen Chemikalien auf das Öl gesprüht werden, um es möglichst schnell aus dem öffentlichen Interesse zu bekommen. Deepwater Horizon lässt grüßen.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Tiefseebohrungen weltweit verboten gehören. Doch der Weg dahin ist noch weit. Denn wo Öl ist, ist auch Geld, das einen scheinbaren Reichtum verspricht. Das nicht nur für die Ölindustrie sondern auch für die Staaten, die mit der Vergabe der Lizenzen und einem Förderzins auf jedes Barrel geförderten Öls gut Kasse machen.

Da fällt es schwer, Gesetze zu verabschieden, die der Ölindustrie Grenzen aufzeigen und sie in die Pflicht nehmen. Das hat uns auch der Unfall der Deepwater Horizon gezeigt. Der Untersuchungsbericht, den Präsident Obama in Auftrag gegeben hat, ist klar zu dem Schluss gekommen, dass ohne durchgreifende Reformen und Regeln, ein Unfall der Güte einer Deepwater Horizon wieder passieren kann. Aber bis heute gibt es keine durchgreifenden Verschärfungen für die Ölindustrie – weder in den USA noch anderswo. Es wird Zeit, dass sich das ändert.

Doku-Tipp: Nigeria – der Fluch des schwarzen Goldes

06. Mai 2011

Ölkatastrophen treten eigentlich erst dann in das öffentliche Bewusstsein, wenn es sich um spektakuläre Tankerkatastrophen oder wie vor einem Jahr um den Untergang der Bohrplattform Deepwater Horizon handelt. Über die Auswirkungen dieses Unfalls  konnte ich mir gerade selbst vor Ort ein Bild machen (Foto-Dokumentation: Auf Spurensuche – ein Jahr nach Deepwater Horizon).

Doch diese spektakulären Unfälle sind nur für einen kleinen Teil der weltweiten Ölverschmutzungen verantwortlich. Der größte Teil findet quasi alltäglich und permanent statt. Etwa 70 Prozent des Öls gelangt über Abwässer oder über die Atmosphäre, über den Betrieb von Bohrinseln oder über die Schifffahrt ins Meer und das Jahr für Jahr. So machen wir von Greenpeace regelmässige Überflüge über die Nordsee und stoßen immer wieder auf Ölfahnen rund um Förderplattformen. Bis zu 10.000 Tonnen gelangen so in die Nordsee. In Sibirien zum Beispiel, dem Hauptlieferanten für Öl nach Deutschland, treten im Jahr bis zu 5.000 Pipeline-Leckagen auf, die zu Ölverschmutzungen von bis zu 100,000 Tonnen führen können.

Ähnliche, kaum bekannte, Zustände finden sich in Nigeria. Das besonders betroffene Nigerdelta wird durchschnitten von Pipelines von 7.000 Kilometer Länge. Jährlich verschmutzen hier bis zu 40.000 Tonnen Öldie Umwelt, das entspricht einem Tankerunglück von der Güte der Exxon Valdez, wohl gemerkt Jahr für Jahr. Aktuell arbeitet Greenpeace nicht zur Ölpest in Nigeria. Über die Zustände im Nigerdelta hat ARTE eine sehr beeindruckende Dokumentation “Der Fluch des schwarzen Goldes” zusammengestellt:

Ein neuer Ölunfall im Golf von Mexiko

28. Juli 2010
Eine Ölunfall folgt dem nächsten... (c) Sean Gardner Greenpeace

Eine Ölunfall folgt dem nächsten...

Ein Gutes haben Ölkatastrophen wie das BP-Desaster im Golf von Mexiko: Die Sensibilität für das Thema Öl steigt deutlich an. Da wird in den Medien auch über Unfälle berichtet, die unter normalen Umständen nur zu einer Randnotiz in den Medien reichen würden.

So auch die Karambolage eines Schiffes – ausgerechnet – der US-amerikanischen Küstenwache mit einer verlassenen Bohranlage in der Barataria Bay vor der Küste Louisianas. Diese Region, sowieso schon geschunden durch die Katastrophe der Deepwater Horizon, erwischt es nun erneut. Die Ausmaße sind nicht annähernd mit denen des Bohrlochs im Macondo-Ölfeld zu vergleichen. Dennoch: Es schießt eine 30 Meter hohe Öl-Gas-Wasserfontäne in den Himmel und verschmutzt ein sensibles Ökosystem erneut.

Schnell hat die Küstenwache bekannt gegeben, dass alles unter Kontrolle sei und Ölsperren rund um das Ölleck ausgebracht worden seien. Immerhin sei man ja sowieso schon mit ausreichend Material, sprich: “mit Tausenden Schiffen im Einsatz”.

Offene Fragen
Aber was ist, wenn solch ein Unfall passiert und man ist einmal nicht “sowieso schon” in der Nähe? Wie sehen die Notfallpläne aus? Hat man aus den Fehlern gelernt? Gibt es ausreichend Schiffe, die auch tatsächlich in der Lage sind, auf Ölunfälle zu reagieren? Wann ist man in der Lage, die Fontäne unter Kontrolle zu bringen, sprich: Wann wird auch dieses Bohrloch geschlossen? Und wer kommt letztlich für diesen Schaden auf?

Nun die Karambolage eines Schiffes der US-amerikanischen Küstenwache mit einer verlassenen Bohranlage im Golf vor Louisiana (c) Sean Gardner Greenpeace

Nun die Karambolage eines Schiffes der US-amerikanischen Küstenwache mit einer verlassenen Bohranlage im Golf vor Louisiana

Besitzer unbekannt?
Ein Anruf beim ehemaligen Besitzer der Firma Cedyco zumindest brachte nicht den erhofften Erfolg. Es ging bei den ersten Versuchen schlichtweg niemand ans Telefon.

Zumindest auf der gesetzlichen Ebene werden die Demokraten aktiv. Bisher ist die Haftungsgrenze bei Ölunfällen auf 75 Millionen Dollar gedeckelt. Angesichts der bisher im Zusammenhang mit der BP-Katastrophe aufgelaufenen Kosten von über 3 Milliarden US-Dollar ist diese Summe eher als schlechter Scherz zu bezeichnen. Die begrüßenswerte Idee der Demokraten: Der Verursacher muss für die gesamten Kosten, die durch einen Ölunfall entstanden sind, aufkommen. Schön wäre es, wenn auch ehemalige Besitzer haften müssen und die dann auch erreichbar wären.