60 Euro Mehrbelastung pro Jahr bei der Stromrechnung! So hoch wären nach Expertenberechnungen die Kosten der geplanten Kernbrennstoffsteuer – schreibt heute Spiegel Online. Hat der Staat also einfach wieder einmal eine versteckte Möglichkeit gefunden, dem Bürger das Geld aus der Tasche zu ziehen, um die Löcher im Haushalt zu stopfen?
Nein, denn die Folgerungen, die in dem Artikel gezogen werden, haben nichts mit der Realität auf dem Strommarkt zu tun. Sie beruhen auf zwei falschen Annahmen:
Falsche Annahme 1: Die Versorger preisen die Steuer einfach vollständig in ihre Tarife ein
Diese Annahme würde stimmen, wenn auf dem deutschen Strommarkt noch die gleichen Bedingungen wie in den 90er Jahren herrschen würden. Klar abgesteckte Liefergebiete, keine Konkurrenz, keine Strombörse. Doch heute entsteht der Preis an Strombörsen wie der Leipziger EEX. Was dort den Strompreis bestimmt, beschreibt Welt.de-Autor Daniel Wetzel in seinem Artikel “Brennelementsteuer lässt Strompreise nicht steigen”:
Preissetzend an der Strombörse sind stets nur die Kraftwerke mit den höchsten Grenzkosten – und das sind gerade nicht die Atomkraftwerke. Der Strompreis sollte von der Steuer also unbeeindruckt bleiben. “Das geht alles vollständig zu Lasten unserer Gewinnmarge”, heißt es denn auch aus Kreisen der AKW-Betreiber.
Und genau weil die Atomstromer deshalb aus ihren atomaren Gelddruckmaschinen weniger Gewinn machen werden, sind auch die Aktien der zwei börsennotierten RWE und E.ON gegen den allgemeinen Handelstrend seit der Ankündigung der Kernbrennstoffsteuer um mehrere Prozent gefallen.
Falsche Annahme 2: Der Verbraucher kann sich gegen Strompreiserhöhungen nicht wehren
Seit 1999 ist der Strommarkt in Deutschland geöffnet. Die Folge: Für jeden Geldbeutel und jeden Wunsch nach dem Strommix gibt es das passende Angebot. Immer mehr Zulauf bekommen Ökostromanbieter, die ihren Strom nur aus regenerativen Quellen beziehen. Schon heute sind deren Angebote häufig günstiger als die Tarife der etablierten (Atom-) Stromkonzerne.
Sollten die AKW-Betreiber also die zu erwartenden weiteren zukünftigen Belastungen doch noch auf den Strompreis umlegen, kann jeder Haushalt sofort und problemlos zu einem Ökostromanbieter wechseln. Denn die lässt die Kernbrennstoffsteuer völlig kalt.
Trotzdem gibt es für alle, die jetzt noch Atomstrom beziehen, keinen Grund, sich entspannt zurückzulehnen. Denn jeden Tag, den die Atommeiler länger laufen, steigen auch die Kosten, die auf alle Bürger zukommen. Wie sich die Atomstromer bisher um eine Beteiligung an den wahren Kosten der Atomenergie gedrückt haben, hat mein Kollege Heinz Smital gestern am aktuellen Beispiel der Asse beschrieben. Die einzige Möglichkeit, sich vor zukünftigen überraschenden Kosten aus der Nutzung der Atomenergie zu schützen, ist ihre Nutzung umgehend zu beenden. Der erste Schritt dazu ist für jeden Haushalt der schnelle Wechsel zu einem Ökostromanbieter.











