10 Möglichkeiten, den Ölkonsum zu reduzieren

06. August 2012

Öl ist der Schmierstoff der Weltwirtschaft und hinterlässt überall seine Spuren. Die Probleme durch Produktion und Transport sind im Gegensatz zu den Öl-Reserven grenzenlos: Tankerunfälle verseuchen die Meere, die Produktion das Land und die Verbrennung die Luft. Jeder kann mithelfen, den Ölkonsum zu reduzieren. Hier kommen unsere Tipps:

  • Heizungs- und Warmwasserbedarf reduzieren und – sofern möglich – Solarthermie statt Öl nutzen
  • Gebäude besser dämmen um Heizkosten reduzieren
  • Fahrgemeinschaften, öffentliche Verkehrsmittel und/oder Fahrrad nutzen
  • Weniger oder gar nicht fliegen
  • Möglichst Produkte ohne Plastikverpackung kaufen
  • Auf unsinnige Plastikprodukte (Wegwerf-Geschirr, 1-Mal-Kameras etc.) und Plastiktragetaschen verzichten
  • Den Fleischkonsum reduzieren (denn für die Fleischproduktion sind Futtermittel notwendig, die energieaufwändig und mit Düngemitteln und Pestiziden angebaut wurden)
  • Bio-Obst und Bio-Gemüse verzehren (Düngemittel und Pestizide basieren häufig auf Ölprodukten)
  • Produkte aus der Region bevorzugen (weniger Transport, weniger Erdölverbrauch)
  • Regierung und Unternehmen auffordern, vom Erdöl in erneuerbare Energien umzustellen

und:

Arktis-Schützer bei Greenpeace werden!

Tag der ökologischen Überschuldung: Ab heute Leben auf Pump!

27. September 2011

Derzeit streiten sich die Regierungschefs der Europäischen Union und der anderen großen Wirtschaftsmächte darüber, wie die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen ist. Doch nicht nur bei den Finanzen, sondern im Umgang mit der Natur leben wir über unsere Verhältnisse. Ein deutlicher Indikator dafür ist die Tatsache, dass mit dem heutigen 27. September 2011, dem 270. Tag des Jahres, bereits alle Ressourcen, die uns für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen, verbraucht wurden. Von heute an leben wir für den Rest des Jahres in der ökologischen Überschuldung. Darauf weist das Global Footprint Network in Oakland (Kalifornien) hin, welches regelmäßig den auf der Basis des ökologischen Fußabdruckes ermittelten Earth Overshoot Day berechnet.

Im Jahr 2011 verbraucht die Menschheit 135 % der Ressourcen, die im diesem Jahr überhaupt zur Verfügung stehen.

Im Jahr 2011 verbraucht die Menschheit 135 % der Ressourcen, die im diesem Jahr überhaupt zur Verfügung stehen.

Das heißt: Ab jetzt leben wir wieder auf Pump. Wir handeln, als hätten wir mehr als eine Erde. Bei einem Staat, der tief in den roten Zahlen steckt, werden Kosten eingespart, um eine Insolvenz zu verhindern. Genauso müssten wir mit dem Naturkapital der Erde verfahren: Der Verbrauch an natürlichen Ressourcen muss verringert werden, bevor es zu spät ist.

Gerade der aktuell in den Kinos laufende Film „Taste the Waste“ und das dazu begleitend erschienene Buch „Die Essensvernichter“ zeigen unseren verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln auf. Weltweit wird ein Drittel der produzierten Lebensmittel weggeschmissen. Den größten Anteil an unserem ökologischen Fußabdruck hat der Bereich Ernährung mit 35 Prozent. Wenn wir mit Lebensmitteln sorgsamer umgehen, nur das einkaufen, was wir brauchen, und das aufessen, was sich in Kühlschrank und Speisekammer befindet, wenn die Lebensmittelindustrie mit ihren Lockangeboten und Überangeboten Schluss macht, dann lassen sich nicht nur Kosten sparen, sondern auch gleichzeitig Lebensmittelverschwendung und der ökologische Fußabdruck reduzieren.

Denn jedes unnötig weggeschmissene Lebensmittel trägt eine unnötige Inanspruchnahme von Boden, Wasser, Nährstoffen in sich, hat Treibhausgase verursacht und die Artenvielfalt beeinträchtigt. Beenden wir die Lebensmittelverschwendung, dann schieben wir auch den Tag der ökologischen Überschuldung weiter nach hinten.

Im letzten Jahr lag der Tag der ökologischen Überschuldung auf dem 21. August 2010. Dass er in diesem Jahr deutlich später ist, ist leider kein Indiz dafür, dass sich die Situation verbessert hat. Das Global Footprint Network ist dabei, seine Methode zu verfeinern und die Biokapazität der einzelnen Länder neu zu berechnen. Die Biokapazität ist quasi die Grundausstattung der Erde, das, was sie uns an Fläche für den Anbau von Agrarprodukten oder auch zur Aufnahme von Müll zur Verfügung stellt. Ihr gegenübergestellt wird der ökologische Fußabdruck – das, was wir nutzen. Nach der verfeinerten Berechnungsmethode fiel der Tag der Ökologischen Überschuldung 2010 auf den 1. Oktober.

Für die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks empfiehlt Greenpeace die von der österreichischen Plattform Footprint entwickelten „5-F Regel“:

  • Fliegen – besser nie!
    Eine dramatische Verringerung der Lebens-Flugkilometer!
  • weniger Fleisch und tierische Produkte!
    Eine deutliche Verringerung der konsumierten Menge, soviel wie möglich aus Bio-Landbau, jahreszeitgerechte Produkte bevorzugen!
  • weniger Fahren mit dem Auto
    Eine Reduktion der zurückgelegten Strecken, langsamer, nie alleine und möglichst bald elektrisch mit Sonnenstrom!
  • Wohnen wie im Fass!
    Gut isoliert, kleiner, teilen in Wohngemeinschaften, erneuerbare Energie, kein Standby, öffentlich erreichbar!
  • Freude an einem zukunftsfähigen Lebensstil!
    Genießen Sie das gute Gefühl, nicht auf Kosten anderer zu leben!



Weitere Informationen zum Tag der ökologischen Überschuldung gibt es hier:

Hintergrund und Begriffsdefinitionen zum “Ökologischen Fußabdruck Deutschlands”

Hintergrundinformationen zum Thema “Lebensmittelverschwendung”

Begehrenswert, smart und von bester Qualität?

31. Mai 2011
Der Tesla Roadster: begehrenswert, smart und von bester Qualität?

Der Tesla Roadster: begehrenswert, smart und von bester Qualität?

In Begleitung eines Filmteams des NDR machte ich mich am letzten Sonntag auf den Weg in die Hamburger Messehallen. Es war ein holpriger Gang über die erste hamburger Nachhaltigkeit-Messe “goodgoods”. Zu viert wollten wir uns über die neuesten Innovationen aus der ganzen Welt der Nachhaltigkeit informieren. Zu sehen waren u. a. High Heels aus nachhaltigen Materialien und mit lebenslanger Garantie, 60 Zoll LCD-Fernseher oder der Tesla Roadster, der Premiumsportwagen für Visionäre – natürlich mit Elektroantrieb. Halt all das, was “die Welt der Nachhaltigkeit” so braucht. Bloß ich nicht.

Aber es wäre ebenso einfach wie falsch, die Messe nur als Etikettenschwindel und die sehr vollmundigen Formulierungen der Veranstalter als PR und Greenwashing abzutun. Denn es gab auch andere Stände, die ein besseres Bild der Nachhaltigkeit präsentierten:

  • Faire PC-Mäuse: Computermäuse aus Recycling-Material und hergestellt in Werkstätten für behinderte Menschen
  • Recycling-Regalsysteme aus Holz aus gebrauchten Euro-Paletten, Stahlschienen und Fahrradschläuchen
  • Wandlampen aus alten Vinyl-Schallplatten

Es gab auch Stände von Unternehmen und Organisationen, die man auf so einer Messe erwartet wie Greenpeace Energy, Oikokredit oder Werkhaus – wenngleich viele Organisationen aus dem Fair Trade und Umweltbereich fehlten.

oikos: Stand aus "Abfall" der anderen Messeteilnehmer

oikos: Stand aus "Abfall" der anderen Messeteilnehmer

Und dann war da noch der Stand von oikos Hamburg – für mich der nachhaltigste auf der ganzen Messe. Der hamburger Ableger der internationale Studentenorganisation für nachhaltiges Wirtschaften und Management hatte seinen Stand einfach aus Kartons und Holzabfällen der anderen Stände aufgebaut.

Was ist nachhaltig?

Was die Veranstalter unter guten Produkten verstehen, erklärt uns die goodgoods-Homepage wie folgt: “Ökologisch und verantwortungsbewusst, gleichzeitig aber auch begehrenswert, smart und von bester Qualität.” Aha!

Am ATAKORA-Stand legte ich mit dem Film-Team einen längeren Halt ein: Dort drehte sich die Diskussion um die Frage, was denn nun tatsächlich nachhaltig an dem “Cotton made in Africa”-Label sei. Das von ATAKORA promotete und im Umfeld des Otto-Konzerns entstandene Gütesiegel “Cotton made in Africa” steht für “die besondere Qualität, afrikanischer Baumwolle aus nachhaltiger Produktion”. Die dahinter stehende Nachfrage-Allianz weist eine beeindruckende Liste namhafter Textilhersteller und -händler auf.

Dabei wird “Cotton made in Africa” weder biologisch angebaut, noch erfüllt diese Baumwolle die Kriterien des fairen Handels. Die afrikanischen Bauern werden lediglich im Anbau durch Schulungen unterstützt, zudem fließen Teile der Lizenzeinnahmen aus dem Siegel in Bildungsprojekte in der Baumwollregion. Auch weiterhin werden bei “Cotton made in Africa” hochgiftige Pestizide eingesetzt. Man halte sich jedoch an die nationalen Gesetze und erfülle das Stockholm-Übereinkommen – wurde mir entgegengehalten. Das Stockholm-Übereinkommen über persistente organische Verbindungen verbietet u. a. die Produktion und den Einsatz von langlebigen und alten Pestiziden und hat für den aktuellen Baumwollanbau keine Relevanz.

Solange “Cotton made in Africa” mit deutlich schlechteren Standards als im Bio- und Fairtrade-Bereich operiert und die Nachfrage-Allianz auf das “Cotton made in Africa”-Siegel setzt, werden die Bemühungen für biologischen Baumwollanbau und fairen Handel in Afrika torpediert. Mit dem Gefühl, dass mein Appell, das Label in Richtung “bio” und “fair” weiterzuentwickeln, nicht richtig fruchtete, verließ ich den Stand.

Messen wie “goodgoods” sind wichtig, um kleineren innovativen Unternehmen den Sprung auf eine größere Bühne zu ermöglichen und den großen Playern kritische Fragen stellen zu können. Und um dem Publikum Überblick, Informationen, Anregungen und Kontaktmöglichkeiten zu geben. Solange aber Messen wie “goodgoods” eine “coole Welt der guten Güter” vortäuschen, ohne die Frage zu stellen, ob wir diese Güter tatsächlich brauchen, wird auch der Gang über die nächste “goodgoods” (01. bis 03. Juni 2012) wieder holprig werden.

Hinweis: Das NDR-Fernsehen berichtet in der Sendung “Rund um den Michel” über die “Grüne Metropole Hamburg” und die “goodgoods”-Messe. Die Sendung wird am Sonntag, 05. Juni 2011, von 18:00 bis 18:45 Uhr ausgestrahlt sowie am Montag, 06.06.2011 um 04:20 Uhr, und Dienstag, 07.06.2011 um 06:00 Uhr, wiederholt.