Derzeit streiten sich die Regierungschefs der Europäischen Union und der anderen großen Wirtschaftsmächte darüber, wie die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen ist. Doch nicht nur bei den Finanzen, sondern im Umgang mit der Natur leben wir über unsere Verhältnisse. Ein deutlicher Indikator dafür ist die Tatsache, dass mit dem heutigen 27. September 2011, dem 270. Tag des Jahres, bereits alle Ressourcen, die uns für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen, verbraucht wurden. Von heute an leben wir für den Rest des Jahres in der ökologischen Überschuldung. Darauf weist das Global Footprint Network in Oakland (Kalifornien) hin, welches regelmäßig den auf der Basis des ökologischen Fußabdruckes ermittelten Earth Overshoot Day berechnet.

Im Jahr 2011 verbraucht die Menschheit 135 % der Ressourcen, die im diesem Jahr überhaupt zur Verfügung stehen.
Das heißt: Ab jetzt leben wir wieder auf Pump. Wir handeln, als hätten wir mehr als eine Erde. Bei einem Staat, der tief in den roten Zahlen steckt, werden Kosten eingespart, um eine Insolvenz zu verhindern. Genauso müssten wir mit dem Naturkapital der Erde verfahren: Der Verbrauch an natürlichen Ressourcen muss verringert werden, bevor es zu spät ist.
Gerade der aktuell in den Kinos laufende Film „Taste the Waste“ und das dazu begleitend erschienene Buch „Die Essensvernichter“ zeigen unseren verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln auf. Weltweit wird ein Drittel der produzierten Lebensmittel weggeschmissen. Den größten Anteil an unserem ökologischen Fußabdruck hat der Bereich Ernährung mit 35 Prozent. Wenn wir mit Lebensmitteln sorgsamer umgehen, nur das einkaufen, was wir brauchen, und das aufessen, was sich in Kühlschrank und Speisekammer befindet, wenn die Lebensmittelindustrie mit ihren Lockangeboten und Überangeboten Schluss macht, dann lassen sich nicht nur Kosten sparen, sondern auch gleichzeitig Lebensmittelverschwendung und der ökologische Fußabdruck reduzieren.
Denn jedes unnötig weggeschmissene Lebensmittel trägt eine unnötige Inanspruchnahme von Boden, Wasser, Nährstoffen in sich, hat Treibhausgase verursacht und die Artenvielfalt beeinträchtigt. Beenden wir die Lebensmittelverschwendung, dann schieben wir auch den Tag der ökologischen Überschuldung weiter nach hinten.
Im letzten Jahr lag der Tag der ökologischen Überschuldung auf dem 21. August 2010. Dass er in diesem Jahr deutlich später ist, ist leider kein Indiz dafür, dass sich die Situation verbessert hat. Das Global Footprint Network ist dabei, seine Methode zu verfeinern und die Biokapazität der einzelnen Länder neu zu berechnen. Die Biokapazität ist quasi die Grundausstattung der Erde, das, was sie uns an Fläche für den Anbau von Agrarprodukten oder auch zur Aufnahme von Müll zur Verfügung stellt. Ihr gegenübergestellt wird der ökologische Fußabdruck – das, was wir nutzen. Nach der verfeinerten Berechnungsmethode fiel der Tag der Ökologischen Überschuldung 2010 auf den 1. Oktober.
Für die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks empfiehlt Greenpeace die von der österreichischen Plattform Footprint entwickelten „5-F Regel“:
- Fliegen – besser nie!
Eine dramatische Verringerung der Lebens-Flugkilometer! - weniger Fleisch und tierische Produkte!
Eine deutliche Verringerung der konsumierten Menge, soviel wie möglich aus Bio-Landbau, jahreszeitgerechte Produkte bevorzugen! - weniger Fahren mit dem Auto
Eine Reduktion der zurückgelegten Strecken, langsamer, nie alleine und möglichst bald elektrisch mit Sonnenstrom! - Wohnen wie im Fass!
Gut isoliert, kleiner, teilen in Wohngemeinschaften, erneuerbare Energie, kein Standby, öffentlich erreichbar! - Freude an einem zukunftsfähigen Lebensstil!
Genießen Sie das gute Gefühl, nicht auf Kosten anderer zu leben!
Weitere Informationen zum Tag der ökologischen Überschuldung gibt es hier:
Hintergrund und Begriffsdefinitionen zum “Ökologischen Fußabdruck Deutschlands”
Hintergrundinformationen zum Thema “Lebensmittelverschwendung”














