Gleich zu Anfang des Jahres protestierten Greenpeace-Aktivisten in Bremerhaven gegen die Industriefischerei in Gestalt des Fischtrawlers “Jan-Maria”. Die subventionierte Fischerei Europas führt zu leeren Netzen in Afrika.
Es gab vermehrt Anfragen von interessierten Anruferinnen und Email-Schreibern, die wissen wollten, wie der Fischfang mit so einem Riesentrawler funktioniert.
Da wir selbst neugierig sind und gerne die Arbeit von Greenpeace erklären, habe ich meine Kollegin Iris Menn gefragt, ob sie mit uns ein bisschen hinter die Kulissen der Industriefischerei schaut.
Obwohl zahlreiche Fischbestände bereits vor dem Zusammenbruch stehen, durchkämmen hochtechnisierte Industriefangflotten weiterhin die Weltmeere. Mit immer effektiveren Fangmethoden werden die letzten Speisefische eingesammelt: Mit Echolot-Ortung oder Hubschrauber-Einsatz können Fischschwärme punktgenau aufgespürt werden. Auch in Tiefen von über 1000 Metern wird mittlerweile dank ausgefeilter Technik gefischt. “Monstertrawler” mit über 100 Metern Länge verarbeiten hunderte Tonnen Fisch direkt an Bord zu quadratischen Tiefkühlprodukten.
Doch vor allem das Ausmaß der Industriefischerei ist ein Problem: Von den weltweit etwa dreieinhalb Millionen Fischereischiffen sind nur 38.000 industrielle Schiffe – also nur ganze ein Prozent der Gesamtflotte. Diese relativ geringe Zahl an Industrieschiffen macht jedoch zwischen 50 und 60 Prozent der weltweiten Kapazität der Fischereiflotte aus. Damit wir und kommende Generationen auch in Zukunft noch Fisch essen können, müssten wir 50 Prozent der Industrieflotte abbauen!
Hallo Iris, schön dass du dir die Zeit nimmst uns zu erklären, wie so eine Fischfabrik auf dem Meer eigentlich funktioniert.
Als erstes wollen wir wissen, wie groß ist die Jan-Maria?
Sie ist 117 Meter lang und kann bis zu 5.000 Tonnen Fisch an Bord haben.
Welchen Fisch fischt die Jan-Maria?
Zum Beispiel Hering, Makrele und Sardine.
Was hat die Jan-Maria an Ausstattung an Bord?
Da gibt es eine richtige Fischverarbeitungsfabrik im Bauch des Schiffes. Der Fisch läuft über richtige Fließbänder, wird ausgenommen, filetiert, eingefroren und in handelsübliche Kartons verpackt. Zuletzt wird alles auf Paletten gestapelt.
Wie lange sind so große Fischtrawler unterwegs?
Diese großen Fischtrawler sind für einen sogenannten Fischzug ungefähr sechs Wochen unterwegs.
Das heißt, sie starten Anfang des Jahres und fischen dann meist im Nord-Ost-Atlantik. Danach fahren sie in den Pazifik oder fischen vor Westafrika. Sie kommen, so wie die Jan-Maria, zu Weihnachten einmal oder zwei bis drei Mal im Jahr nach Deutschland oder in die Niederlande zurück.
Wo wird der Fisch an Land gebracht?
Je nach dem, wo sie gefischt haben. Zum Teil in Bremerhaven, wenn sie beispielsweise im Nord-Ost-Atlantik gefischt haben. Zum Teil landen sie auch in holländischen Häfen an. Es richtet sich meist nach dem Preis, den sie mit dem gefangenen Fisch erzielen können.
Wer kontrolliert die Fangquote?
Normalerweise geben sie den Börden, dort wo sie anlanden, bekannt wieviel und welchen Fisch sie gefangen haben. Die Behörden prüfen dann, ob es der Fangquote des jeweiligen Schiffes entspricht.
Was würde passieren, wenn Sie zuviel gefangen hätten?
Das müsste den Behörden auffallen. Das heißt, sie würden über der Fangquote liegen, die ihnen rechtlich zusteht. Dabei würde es sich um illegal gefangenen Fisch handeln und sie müssten eine Strafe zahlen.
Wie funktioniert das mit der Fischfangquote eigentlich?
Deutschland bekommt die Quote “xy”, angepasst an die nationale Flotte. Die nationale Fischfangquote wird auf die Fischereigenossenschaften verteilt, die es wiederum auf ihre Schiffe verteilt. Am Ende weiß jeder Fischer, der raus fährt, wie viel Hering oder Makrele er fangen darf.
Wo und wie werden die Netze eingeholt?
Die Jan-Maria fängt den Fisch mit pelagischen Schleppnetzen. Das pelagische Schleppnetz wird hinten am Schiff herausgelassen und geht dann durch die Wassersäule. Es werden hauptsächlich Schwarmfische wie Hering, Makrele und Sardine gefischt.
Die Netze werden durch große Scherbretter offen gehalten. Sie gehen nicht auf den Boden sind aber riesengroß. Die Netzöffnung ist 50 mal 90 Meter groß. Das sind gigantische Ausmaße und die Netze sind nach einem Zug so schwer dass sie nicht an Bord gehoben werden können. Sie werden mit sogenannten Saugrüsseln geleert. Die Fische werden mit den Saugrüsseln direkt in den Schiffsbauch gesaugt und dort gleich verarbeitet.
Wie viele Leute arbeiten dort?
Etwa 25 bis 40 Menschen arbeiten an Bord.
Unter welcher Flagge fährt das Schiff?
Die Jan-Maria fährt unter deutscher Flagge und gehört der Doggerbank Seefischerei. Es ist aber eine 100 prozentige Tochter einer holländischen Firma, die Parlevliet & Van der Plas B.V. heißt und der alle sechs großen deutschen Schiffe gehören
Wie läuft das genau mit den Subventionen?
Der Fischfang wird subventioniert, weil wir zuwenig Fisch für eine zu große Flotte in den Meeren haben. Um die Flotte rentabel zu halten, gibt es einerseits Subventionen und zum anderen wird es ihnen ermöglicht in anderen Regionen, wie vor Westafrika oder im Pazifik zu fischen.
Man subventioniert die Flotte eigentlich, um sie zu verkleinern. Man hat zwar ein paar Schiffe abgebaut, aber gleichzeitig die Subventionen in die Modernisierung der Schiffe gesteckt. Das heißt in eine stärkere Motorleistung, in mehr Technik, so dass die verbliebenen Schiffe jetzt technisch besser sind und weiter raus fahren können, die Netze schneller einholen können und wiederum mehr fangen. Die eigentliche Fangkapazität hat sich also nicht verringert.
Gilt die Fangquote auch vor Westafrika?
Ja, die Fangquote gilt auch für Westafrika. Es gibt ein Abkommen zwischen Mauretanien und der europäischen Union. Davon bekommt Deutschland einen Anteil der Quote und der wird verteilt auf die deutschen Schiffe die nach Westafrika fahren.
Ist das Gebiet vor Westafrika überfischt? Und wer stellt das fest?
Vor Westafrika gibt es Fischbestände, die überfischt sind, wie zum Beispiel die Holzmakrele und Sardinella – andere sind maximal genutzt wie zum Beispiel Anchovy.
Wer ist der Abnehmer? Wer kauft den Fisch?
Das ist ganz unterschiedlich, das kann man nie genau sagen. Es richtet sich nach dem Preis. Ein großer Teil, der vor Westafrika gefischt wird, wird nach China exportiert. Ein Teil der Makrelen, die im Nord-Ost-Atlantik gefischt werden, geht auch auf den asiatischen, aber auch auf den deutschen Markt.
Was können wir als Verbraucher tun?
Weniger Fisch essen und wenn Fisch, dann die richtige Wahl treffen. Dabei hilft der Greenpeace Ratgeber „Fische – beliebt aber bedroht“. Zudem haben wir leckere Fischrezepte zusammengestellt.
Vielen Dank Iris!
Hier geht es zu einem Film von der Aktion in Bremerhaven und zu unseren Forderungen für eine Reform der gemeinsamen europäischen Fischereipolitik.















