Im Moment wird heftig um den Atomausstieg gefeilscht. Es sieht so aus, als ob die sieben ältesten AKW und der Pannenreaktor Krümmel für immer abgeschaltet bleiben. Die Schlüsselfrage ist jetzt, wann sich die übrigen neun AKW in die ewigen Jagdgründe der Energieversorgung verabschieden. Der Ausstiegsplan von Bundeskanzlerin Merkel lässt Schlimmes befürchten: Die AKW könnten allesamt erst 2021 und 2022 vom Netz genommen werden, also erst in zehn Jahren. Frau Merkel schlägt nicht nur die Empfehlungen der von ihr selbst eingesetzten Ethikkommission in den Wind, sondern lässt auch ihren Vorsatz fallen, “so schnell wie möglich” auszusteigen. Stattdessen drohen erneut faule Deals mit den Atomkonzernen.
Wie es hinter den Kulissen zugeht, wenn Atomlobbyisten unter sich sind, konnte ich in der letzten Woche auf einer Veranstaltung des CDU-Wirtschaftsrates in Berlin miterleben. Als Auftaktredner war Atomfanatiker Jürgen Großmann geladen. Der Manager tat, wofür die CDU ihn eingeladen hatte: Er schimpfte auf die “Ökodiktatur” und spottete über die geringe Leistung von Solarpanelen. Sein Ziel: Den Atomausstieg so gut es geht zu hintertreiben. In seiner Rede setzte er sich für einen Zeitrahmen der Nutzung der “Kernkraft bis in die Mitte des nächsten Jahrzehnts” ein.
Ich hatte den Eindruck, dass sich die RWE-Manager, die selbstverständlich auch mit einem Stand in der Hotellobby vertreten waren, auf der Veranstaltung pudelwohl fühlten. Hier wurde ihren Ansichten wenigstens noch Wertschätzung zuteil: Der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, etwa sieht durch einen zu schnellen Atomausstieg die Glaubwürdigkeit seiner Partei bedroht und nannte den geplanten Atomausstieg eine „Lachnummer“. Bei dem exklusivem Abendessen mit der Kanzlerin Angela Merkel konnte außerdem sicher noch das eine oder andere Wort zu den Eckdaten des Atomausstiegs gewechselt werden.
Keine Überraschung ist es also, dass die eigentliche Lachnummer der von Frau Merkel verkündete Ausstieg ist. Hinter der geplanten Übertragung von Reststrommengen (18 Jahre etwa aus Krümmel und Mülheim-Kärlich) lässt sich ein gewiefter Schachzug vermuten: Statt mit einem gestaffelten Ausstieg den Ausbau der Erneuerbaren und der Netz-Infrastruktur zu forcieren, schiebt man ihn lieber auf die lange Bank. Man kann sich jetzt schon darauf einstellen, dass die Atom-Bosse in zehn Jahren wieder den Zeigefinger heben und raunen: “Halt, wir sind noch nicht so weit!”
Und dann wäre da noch:
Protestaktion: Deutschland ist erneuerbar!
Sorgen Sie dafür, dass die Energiewende in Fahrt kommt!
So geht’s: Machen Sie mit und unterschreiben Sie unseren Appell an Bundeskanzlerin Merkel: Deutschland ist erneuerbar
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