„Volkswagen stellt den grünsten Golf aller Zeiten vor“ – so lautet die Überschrift einer Pressemitteilung, die VW am ersten Abend des “Pariser Autosalons” verbreitete. Auch Greenpeace-Aktivisten besuchten die französische Automesse. Allerdings nicht, um VW zum angeblichen neuen Umweltauto zu gratulieren. Das wiederum vermutete jedoch optimistisch der VW-Sprecher beim Anblick der Kletterer in grünen Jacken und gelbem Banner während der Golf-Präsentation. Die Pressemitteilung, mit der VW einige Stunden später auf unseren Protest reagierte, räumt dem Thema Umweltschutz nicht die verdiente Ernsthaftigkeit ein. Wir haben uns den Text genauer angesehen und haben einige Anmerkungen dazu:

Greenpeace-Aktivisten bei der Vorstellung des Golf 7 beim Pariser Autosalon.
VW-Pressemitteilung: Volkswagen stellt den grünsten Golf aller Zeiten vor (Quelle)
VW: „Vor dem Hintergrund von Kritik einzelner Umweltaktivisten (…)“
Mehr als eine halbe Million Menschen unterstützen die Greenpeace-Kampagne für mehr Klimaschutz bei VW. Greenpeace-Aktivisten beteiligen sich ehrenamtlich bei Protestaktionen vor Ort. Die Greenpeace-Forderungen nach einen 3-Liter-Golf wurden breit von der Presse diskutiert (Überblick auf Seite 18/19 in unserem Onlinemagazin). VW wird wegen den geringen Fortschritten in Sachen Umweltschutz von den Medien (z.B. im Spiegel) kritisiert. Selbst VW-Chef Winterkorn ist überzeugt, dass Volkswagen sparsamere Modelle bauen kann (s.u.).
„(…)betont der Konzern erneut, dass die neue, verbrauchsoptimierte Baureihe auch als Drei-Liter-Auto erhältlich sein wird (…)“
Schon das effizienteste Golf-Modell verbraucht mehr als 3 Liter (3,2 Liter Diesel) und ist damit kein 3-Liter-Auto. Das Basis-Modell des Golf Diesel könnte auf Stand der Technik des Golf 6 laut Greenpeace-Report 2,9 Liter Sprit pro 100 Kilometer verbrauchen und 75 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.
„Behauptungen, der Konzern erreiche keine Umweltfortschritte, sind unbegründet und aus der Luft gegriffen.“
VW spricht von sich selbst als „Nummer 1 in Sachen Umweltschutz“ und will 2018 grünster Autohersteller sein. Der Konzern muss sich an den Worten messen lassen. Ein Golf-Basismodell, das knapp 5 Liter Sprit verbraucht, erfüllt diesen selbstgesetzten Anspruch sicherlich nicht.
„Volkswagen zeigt vielmehr, dass der Golf nicht nur “Das Auto”, sondern auch “Das Umweltauto” ist (…)“
Es grenzt an Greenwashing ein Auto, das mit fossilen Energien betrieben wird, als „Umweltauto“ zu bezeichnen. Der Golf verbraucht je nach Variante bis zu 6,6 Liter Sprit (GTI mit 230 PS) – das entspricht mehr als dem doppelten Verbrauch des technisch Machbaren.
„(…)Der Volkswagen Konzern unterstreicht zur Markteinführung die technologische Führungsrolle in allen relevanten Leistungs- und Verbrauchskategorien der Kompakt-Klasse.“
Herr Winterkorn sagt im Handelsblatt zum Golf 7: “Natürlich hätten wir von technischer Seite mit dem Verbrauch noch weiter heruntergehen können(…).“ Das technische Potenzial ist für den CO2-Ausstoß der Golf-Flotte irrelevant. Volkswagen muss die vorhandene Spritspartechnik serienmäßig in allen Golf-Modellen einsetzen, nicht nur in teuren Sondermodellen.
„So wurde das Fahrzeuggewicht durch konsequenten Leichtbau um bis zu 100 Kilo reduziert und der Kraftstoffverbrauch, und damit der CO2-Ausstoss, um bis zu 23 Prozent gesenkt.“
Keins der bisher vorgestellten Modelle zeigt im Vergleich zu seinem Vorgängermodell aus der Golf 6-Generation diese Werte. Die Differenz beträgt bei den von VW untersuchten Fahrzeugen magere 24 kg (Golf 1,2 l TSI) und 19 kg (Golf 1,6 l TDI). Die Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs beträgt beim Benziner lediglich 11 Prozent und bei der Dieselversion 13 Prozent. Beim Vergleich der sparsamsten Modell – Golf 6 BlueMotion (99 Gramm CO2 pro Kilometer) mit der sparsamsten, augenblicklich angebotenen Version vom Golf 7 – hat Volkswagen gar kein Fortschritt erzielt.
„Ein TÜV-zertifiziertes Umweltprädikat weist eine gegenüber dem Vorgänger deutlich verbesserte Ökobilanz über die Gesamtlebensdauer aus.“
Der TÜV vergibt keine Umweltprädikate, sondern prüft die Produkt-Ökobilanz gemäß der Normen DIN EN ISO 14040 und DIN EN 14044. Die hier getroffenen Aussagen stimmen mit den Angaben zum Golf Umweltprädikat-Datenblatt nicht überein.
„Die sparsamsten Motoren zur Markteinführung verbrauchen 3,8 Liter Diesel bei 99 g/km CO2 (als 1,6 l TDI mit 105 PS) beziehungsweise 4,8 Liter Benzin bei 112 g/km CO2 (als 1,4 l TSI mit 140 PS).(…) “
Die Verbrauchswerte entsprechen nicht dem technisch Möglichen. Mit den Beispielen widerspricht sich Volkswagen selbst und zeigt, wie weit der Konzern noch von der 3-Liter-Zielmarke entfernt ist.
“Der Golf BlueMotion wird bei 85 g /km CO2 sogar nur 3,2 Liter Diesel verbrauchen.”
2,9 Liter könnte laut Greenpeace-Report die Diesel-Basisversion verbrauchen. Das beste Diesel-Modell liegt 0,3 Liter darüber. Dabei handelt es sich allerdings nicht um das am besten verkaufende Massenmodell. Das Modell gibt es zudem noch gar nicht zu kaufen.
„Spritspartechnik wie Start-Stopp-Automatik und Bremskraft-Rückgewinnung sind serienmäßig, also ohne Aufpreis, an Bord.“
Greenpeace fordert von Volkswagen das volle Paket der Spritspartechniken in die neuen Modelle einzubauen. Das bei VW vorhandene Know How wird halbherzig in der Golf 7-Serie eingesetzt.
„Das Unternehmen betont, dass es offen für den Dialog mit Kritikern sei, dass es dabei aber sachlich und fair zugehen müsse.“
Volkswagen hat mehrere Dialog-Angebote von Greenpeace ignoriert und den letzten Gesprächstermin abgesagt. Alle Versuche, mit VW auf Führungseben zu sprechen, wurden abgesagt oder verschoben. Greenpeace wünscht sich weiterhin ein – ernstgemeintes – Gespräch mit Herrn Winterkorn.
„Mit lauten PR-Aktionen(…)“
Volkswagen verweigert den Dialog und versucht Kritik an der Firmenpolitik aus der Öffentlichkeit zu drängen:
- Ein VW-Sprecher begrüßte die Greenpeace-Aktivisten auf dem Pariser Autosalon in Richtung Kameras als „unsere Freunde von Greenpeace“. Kurz darauf verweigerte VW-Chef Winterkorn einem Greenpeace-Mitarbeiter auf der Messe das Gespräch.
- Beim Greenpeace-Protest bei der Golf-7-Vorstellung in Berlin versammelte VW wieder bezahlte Gegendemonstranten.
- Bei einer Greenpeace-Aktion zur VW-Hauptversammlung in Hamburg ließ VW stundenlang ein Kleinflugzeug mit dem Banner “VW – Nummer 1 in Sachen Umweltschutz” kreisen.
„(…)und falschen Behauptungen sei niemandem gedient – am allerwenigsten der Umwelt.“
Greenpeace arbeitet mit überprüfbaren Fakten (Greenpeace-Report). Die Aussagen von Volkswagen halten kritischem Hinterfragen nicht stand.
„Volkswagen strebt an, bis 2018 der ökologisch nachhaltigste Automobilhersteller der Welt zu sein.“
Ein begrüßungswertes Vorhaben. Doch Volkswagen setzt keine überprüfbaren und konkreten Ziele. Es bleibt bei markigen Sprüchen. Volkswagen verweigert, sich eindeutig zu dem EU-Grenzwert von 95 Gramm CO2 für das Jahr 2020 ohne Schlupflöcher zu bekennen.