CO2-Bilanz: VW weder nachhaltig noch effizient

25. November 2013

Anfang Dezember hat der Volkswagen-Konzern zum  Nachhaltigkeitsdialog eingeladen. Bei der Veranstaltung, die gemeinsam mit dem NABU durchgeführt wird, soll es um den politischen und gesellschaftlichen Dialog um eine nachhaltige Entwicklung und umweltgerechte Mobilität gehen. Ein Grund, noch einmal auf die CO2-Bilanz von Volkswagen zu schauen. Und tatsächlich es gibt Überraschendes.

Die von VW-Chef Martin Winterkorn vorgegebene Zielmarke für seine europäische Fahrzeugflotte von 95 Gramm CO2 pro Fahrzeug „ohne wenn und aber“, ist ein brisantes Thema und eine wichtige Botschaft für effizientere Neufahrzeuge an die Konkurrenz.  Gerade auch hinsichtlich der massiven Attacken von Mercedes und BMW und dem Cheflobbyisten des deutschen Automobilverbandes (VDA) Matthias Wissmann.

Doch das tatsächliche Ausmaß der klimaschädlichen Treibhausgase vom Volkswagen-Konzern war jahrelang ein großes Geheimnis. Erst hatte Volkswagen falsche Angaben zu seiner CO2-Bilanz gemacht und dann im Jahr 2012 auch noch seine CO2-Bilanz für das Jahr 2011 gesperrt.  Über diese Geheimniskrämerei hatte ich hier im Blog vor gut einem Jahr berichtet und mir dadurch von Volkswagen heftige Kritik zugezogen. Nun ist Zeit für den Bericht 2013 und siehe da, die Bilanz ist wieder öffentlich zugänglich und sie ist erstmalig fast vollständig bilanziert. GRATULATION – geht doch!

Da lohnt es sich die VW-Klimabilanz mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.  Wie bei allen Autoherstellern gibt es drei Bereiche: die Autoproduktion im eigenen Haus (Scope 1), die CO2-Emissionen die bei der Energiebereitstellung entstehen (Scope 2) und letztlich – und das ist der größte Anteil – die CO2-Emissionen beim Betrieb der Fahrzeuge über die gesamte Nutzungsdauer von 150.000 km (Scope 3), sowie Emission von den Teilezulieferern.

CO2-Bilanz vom Volkswagen-Konzern

Und genau hier bei den Emissionen aus dem Fahrzeugbetrieb gibt es in den VW-Berichten einen riesigen Sprung: Von 7,3 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2010, auf 208 Millionen Tonnen CO2 für das Jahr 2012, das ist eine Steigerung um das 28-fache. 208 Millionen Tonnen CO2 allein durch den Fahrbetrieb der von VW in einem Jahr weltweit produzierten Fahrzeugflotte, das ist mehr als der Energiekonzern RWE, als größter CO2-Emittent Europas, mit seinen Kraftwerken in die Luft pustet. Wie ist das möglich? Erst einmal hatte VW in seinen früheren CO2-Bilanzen die Emissionen nur für 15.000 km berechnet und nicht über die gesamte Nutzungsdauer und dann bezogen sich die Angaben nur auf die in Europa verkauften Neufahrzeuge.

Interessant ist auch der Durchschnittsverbrauch der in außereuropäischen Ländern verkauften Autos: Während die fast 3 Millionen verkauften Neufahrzeuge  in Europa  durchschnittlich 134 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen, lässt sich der CO2-Ausstoß der über 6 Millionen von VW außerhalb Europas verkauften Autos auf  163 Gramm abschätzen, liegt also um 20 Prozent höher als im europäischen Durchschnitt. Da gibt es also noch viel Spielraum, um bessere und effizientere Fahrzeuge zu produzieren.

Händler des Zweifels: Wie die Ölindustrie die Kampagnen der Klimaleugner finanziert

17. September 2013

Auf den Internetseiten der Klimaskeptiker tut sich etwas. Fast jeden Tag ein neuer Artikel mit neuen revolutionären Erkenntnissen, und alle diese Artikel kommen mehr oder weniger zu dem gleichen Schluss: Der Klimawandel findet nicht statt. Meist handelt es sich um Übersetzungen aus dem Amerikanischen, aber es gibt auch gezielte Diffamierungen gegen deutsche Klimawissenschaftler. Das alles hat Methode.

Und die hat sich Greenpeace einmal näher angesehen. Die aktuelle Studie Dealing in Doubt: The Climate Denial Maschine vs Climate Science präsentiert die Geschichte der Leugnung des Klimawandels und die Angriffe auf die Klimawissenschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Er untersucht die speziellen Kampagnen der Klimaleugner gegen den Weltklimarat (IPCC), ihre Finanzierung durch die fossile Energielobby und die breite Palette von Taktiken und Tricks, die eine kleine Handvoll Leugner verwenden, um die Klimawissenschaft zu untergraben.

“Wir können dokumentieren, dass eine gut geschmierte Leugnungsmaschinerie, die in den frühen 1990er Jahren auf Touren kommt, angeheizt wird durch Millionen Dollar von Konzernen wie ExxonMobil und dem der Ölindustrie nahestehenden Koch Konzern”, sagt mein amerikanischer Greenpeace-Kollege Kert Davis zu dem Report.

Bei jeder Veröffentlichung einer neuen Einschätzung erfährt der Weltklimarat IPCC eine Welle von gezielten Angriffen aus dem Kreis der Leugner. Trotz der traditionellen Neigung des IPCC zu einer konservativen Einschätzung der Wissenschaft. Die Kampagnen der Leugner bezeichnen konsequent die Berichte als Übertreibungen und diffamieren die Wissenschaftler als “Alarmisten”.

Bei dem Report handelt es sich um ein Update des gleichnamigen Berichts aus dem Jahr 2010. Er behandelt detailliert:

  • die Geschichte der IPCC-Berichte ab dem ersten Evaluierungsbericht im Jahr 1990 bis zur Gegenwart
  • die fortwährenden Versuche, einzelne Wissenschaftler und ihre Arbeit persönlich anzugreifen, darunter Michael Mann, Dr. Benjamin Santer, Dr. Kevin Trenberth und James Hansen
  • die Taktiken und Tricks der Leugner
  • den aufgeputschten “Climategate”-Skandal und das, was wirklich passiert ist
  • die globale Reichweite der Klimaleugnungsmaschinerie

Der Bericht enthält zudem eine Fallstudie über das Heartland Institute, eine konservative Denkfabrik aus den USA. Von dort startete kürzlich eine Kampagne, die jeden der an den Klimawandel glaubt in die Nähe von Terroristen rückt. Das Institut gibt auch den “NIPCC”-Bericht (Non-Intergovernmental Panel on Climate Change) mit dem Titel ” Climate Change Reconsidered ” heraus, ein Bericht mit dem klaren Ziel, die Klimawissenschaft zu diskreditieren und Verwirrung zu stiften. Es ist eine unglaubliche Geschichte von Lügen und Fehlinformationen, die von einigen Autoren gezielt gestreut werden, finanziert mit Geldern der fossilen Energielobby.

Der Greenpeace-Report entlarvt die subtilen Methoden der amerikanischen Klimaleugner. Doch die Methode “Zweifel streuen” haben die deutschen Klimaskeptiker 1 zu 1 übernommen,  mit Übersetzungen der Artikel aus dem Amerikanischen, mit Verunglimpfungen angesehener Klimawissenschaftler und mit Angriffen auf jeden, der ihr Vorgehen kritisch hinterfragt.

P.S.: Der Politikwissenschaftler Achim Brunnengräber hat eine lesenswerte Studie veröffentlicht: Klimaskeptiker in Deutschland und ihr Kampf gegen die Energiewende (PDF). Er zeigt darin auf, dass sich die Angriffe in Deutschland zunehmend auch gegen die Energiewende richten.

Lesenswert ist auch dieser Artikel auf “Zeit online”: Die Klimakrieger.

Krieg in Syrien angeheizt durch den Klimawandel

15. September 2013

In Syrien herrscht Krieg. Die UN-Menschenrechts-Inspektoren berichten von immer schlimmeren Kriegsverbrechen. Ein unerbittlicher Kampf. Und wie in jedem Krieg leidet die Zivilbevölkerung am meisten.

Grafik: Entwicklung der Winterniederschläge im Mittelmeerraum im Zeitraum 1902-2010

Grafik: Entwicklung der Winterniederschläge im Mittelmeerraum im Zeitraum 1902-2010

Die Kriegsursachen sind vielfältig. Doch zu den Hintergründen gibt es einen Mosaikstein, von dem kaum jemand Notiz nimmt: Der Klimawandel. In Syrien herrschen seit Jahren extreme Dürren. Vor allem der Nordosten des Landes, der für 75 Prozent der gesamten Produktion von Weizen in Syrien verantwortlich ist, war vom Ausbleiben von Regenfällen betroffen. Der Global Assessment Report on Disaster Risk Reduction von 2011 stellt fest, dass seit dem Beginn der Dürre, 75 Prozent der von der Landwirtschaft abhängigen Haushalte im Nordosten des Landes eine Missernte erlitten haben. 2-3 Millionen Menschen fielen in der Folge in extreme Armut.

Diese Katastrophe ist das Ergebnis einer Reihe von Faktoren. Die durch den Klimawandel eingetretene Dürre wird verstärkt durch eine Misswirtschaft, darunter die Übernutzung des Grundwassers. So flossen massive Subventionen in den Anbau von Wasser durstigen Nutzpflanzen wie Baumwolle und Weizen, ineffiziente Bewässerungssysteme und Überweidung verschärften die Probleme. Die Dürre hat zu einer Flucht von Hunderttausenden von Menschen aus ländlichen in städtische Gebiete geführt. Syriens Städte waren bereits unter wirtschaftlichen Druck, zum Teil wegen des großen Zustroms von Flüchtlingen aus dem Irak nach der US-Invasion im Jahr 2003.

Grafik: Die roten und orangen Flächen markieren die Regionen rund um das Mittelmeer, die deutlich trockenere Winter während 1971-2010 als im Vergleichszeitraum von 1902-2010 erlebten. (Quelle und Bildnachweis: NOAA http://www.noaanews.noaa.gov/stories2011/20111027_drought.html)

Grafik: Die roten und orangen Flächen markieren die Regionen rund um das Mittelmeer, die deutlich trockenere Winter während 1971-2010 als im Vergleichszeitraum von 1902-2010 erlebten.

Eine wachsende Zahl von mittellosen Menschen befindet sich in einem existenziellen Wettbewerb um knappe Arbeitsplätze und um den Zugang zu Ressourcen. Tatsächlich war die Stadt Deraa, die von jahrelangen Dürren und Wasserknappheit besonders hart getroffen war und wenig Unterstützung vom al-Assad-Regime erhielt, die zentrale Anlaufstelle für Proteste in den frühen Stadien der Oppositionsbewegung.

Der renommierte amerikanische Umweltwissenschaftler und Wasserexperte Peter Gleick sieht einen direkten Zusammenhang zwischen den klimabedingten Dürren und der Wasserknappheit in Syrien und kommt zum Fazit:

And we need to stop assuming that our political stability is independent of what we do to our atmosphere or our water. It isn’t.

Übersetzt: „Und wir müssen mit der Grundannahme aufhören, dass unsere politische Stabilität unabhängig von dem ist, was wir mit unserer Atmosphäre oder unserem Wasser tun. So ist es eben nicht.“

Doch die Ursachenkette hört hier nicht auf. Wenn der Bürgerkrieg in Syrien Folge der klimabedingten Dürren in der Region ist, dann sind es eben auch die Treibhausgase, die wir hier ausstoßen, die den Klimawandel anheizen. Und damit sind es eben auch die Millionen Tonnen CO2 die RWE und Vattenfall aus den Schloten ihrer Kohlekraftwerke heute und in Zukunft in die Luft pusten werden, die letztendlich auch die Dürren in Syrien verschärfen. CO2 tötet, auch in Syrien!

13.06.206: Greenpeace-Projektion am RWE-Kraftwerk Neurath ©Bernd Arnold/Greenpeace

Natürlich höre ich schon die Gegenargumente, es lässt sich nicht allein auf den Klimawandel zurückführen, es gibt keinen direkten Zusammenhang, CO2 ist nicht der Auslöser, es spielen noch andere Faktoren eine Rolle. Ja natürlich, aber ohne die klimabedingten Dürren zu nennen, fehlt ein wesentlicher Mosaikstein in dem Erklärungsmuster. Und wenn wir an zukünftige Lösungen im Syrienkonflikt und in der Region denken, nach Perspektiven für die dort lebenden Menschen suchen, dann kommen wir an der Frage der Wasserknappheit und klimabedingten Zunahme von Dürren nicht vorbei.

(Quelle und Bildnachweis der Grafiken: NOAA http://www.noaanews.noaa.gov/stories2011/20111027_drought.html)