Waldcamp im Spessart: Bericht von Oliver Salge

05. Februar 2012
Greenpeace-Waldexperte Oliver Salge im Spessart

Greenpeace-Waldexperte Oliver Salge im Spessart

Seit ich bei Greenpeace als Waldkampaigner arbeite, habe ich in den letzten zehn Jahren einige der schönsten Urwälder der Welt bereist. Als Mitglied der intenationalen Waldkampagne von Greenpeace habe ich mitgeholfen, Wälder zu schützen, oft erfolgreich. Dabei habe ich etwa die borealen Urwälder in Kanada, Finnland oder Russland genauso kennengelernt wie die schwülheißen Regenwälder Afrikas oder Indonesiens.
Die Schönheit und die Zerstörung durch Holzfäller oder Plantagenfirmen zu dokumentieren, gehört sozusagen zu meinem Beruf.

Ich glaube also von mir sagen zu können, dass ich die Lage vor Ort im Wald ganz gut einschätzen kann.

Seit Mittwoch bin ich nun im bayrischen Spessart. Gemeinsam mit meinen Kollegen aus vielen Greenpeace-Ortsgruppen bin ich im Wald und begeistert von dem ökologischen Wert des Spessarts; und erbost darüber, dass in den besten Teilen dieses in Europa einzigartigen Waldes weiter Holz eingeschlagen wird und diese Einzigartigkeit Stück für Stück kaputt gemacht wird.

In dem Wald, wo ich gerade war, dem so genannten Heisterblock, nahe Weibersbrunn bei Aschaffenburg, ist fast jeder dritte der über 50 Zentimeter Durchmesser zählenden Bäume ein “Biotopbaum”. Das heißt, er weist Merkmale auf, die jene Tiere und Pilze benötigen, die auf alte, abgestorbene oder im Verfallsstadium befindliche Bäume angewiesen sind.
Da sieht man einen Riss, oder Rotfäule am Baum, die sich als leicht rötliche, aufgeplatzte Rinde darstellt, oder ein Astloch in acht Metern Höhe, oder gar ein Loch am Fuße des Baumes, wo sich bereits Mulm bildet, der zerfallene Holzsstoff. Biotopholz pur. Pilze wachsen auf den “toten” noch stehenden Bäumen, umgefallene Bäume überall. Tot sind die Bäume ja eigentlich nicht, denn das Leben an ihnen ist nur anders, hat sich im Verlauf der endlosen Zeit gewandelt. Jetzt sind sie das Reich der Käfer und Pilze, Vögel oder Fledermäuse und eben nicht mehr der Blätter.

Eine Buche von über 100 cm Durchmesser entlockt mir ein freudiges Jauchzen. Ich sage zu mir selber: “Boah, ist der dick”, und denke nicht an einen bekannten Werbespruch, sondern bin schier begeistert und stehe ehrfürchtig wie in der Kirche vor dem geschätzt knapp 800 Jahre alten Baum. Ja, so ein Baum begeistert mich. Zuletzt habe ich solche stattlichen Exemplare im Nationalpark Hainich in Thüringen und im Steigerwald bei Ebrach gesehen.
Sie sind einfach so selten geworden in Deutschland wie ein Orang-Utan in Indonesien. Es gibt sie noch, aber die Forstwirtschaft hat ihre Zahl dramatisch gesenkt, und lässt sie nicht mehr entstehen. Denn nur noch auf 2-3 Prozent der Waldfläche in Deutschland wachsen noch solche alt gewordenen Buchenwälder.

Der Stamm vor mir ist “tot”, knapp neun Meter hoch, dort ist der Rest abgebrochen und liegt neben mir am Boden. Völlig ausgehöhlt ist der Baum, nur noch die harte Rinde scheint die Form des Baumes zu halten. Ich könnte reinkriechen, so groß ist das Loch. Die vielen Fuchsspuren hierher zeigen, das diese fünf Meter lange Baumhöhle mehrere Bewohner hat.

Der Wald ist älter, als ich meine Ahnen zurückverfolgen kann.
Und das alles knapp 50 Kilometer östlich von Frankfurt. Es lohnt sich, dort einmal einen Abstecher zu machen. In Zukunft vielleicht sogar mit der Gewissheit, dass die wertvollen Buchenwälder erst einmal nicht mehr gefällt werden, und sich der Forstbetrieb auf jene Waldareale konzentriert, die jünger sind.
Ein partieller Einschlagstopp wäre dafür nötig.

Scheitern ist keine Option

02. Dezember 2011

Diese Woche hat in Toronto das Boreal Business Forum zum Schutz der borealen Urwälder in Kanada getagt. Oliver Salge war vor Ort und berichtet von den Ergebnissen.

“Scheitern ist keine Option.“ Ein Satz, den verschiedene Teilnehmer des Boreal Business Forums gestern in Toronto äußerten. Ich sehe das genauso.

Greenpeace Waldexperte Oliver Salge mit Cree Indianer Simon. © Gordon Welters/GreenpeaceGemeinsam mit Vertretern von Staples, Time, Kimberly Clark, Office Depot und anderen führenden Firmen der Holz- und Papier-Branche habe ich mich über die Fortschritte des kanadischen Waldabkommens informiert und diskutiert. Das Abkommen wurde im Mai 2010 von Greenpeace und anderen NGOs sowie 21 Papier- und Forstunternehmen unterzeichnet. Damit war vorerst der sogenannte “Kampf im Wald”, wie es damals hieß, beendet. Seitdem wird über den Schutz und die nachhaltige Nutzung des kanadischen Urwalds verhandelt.

Auch deutsche Firmen verwenden Papier kanadischer Hersteller. So bin ich zusammen mit einer Vertreterin des Verbandes der deutschen Zeitschriftenverleger nach Toronto gereist, um vom Fortschritt der Verhandlungen zu erfahren.

Ich habe gestern viele Präsentationen gesehen, habe Landkarten mit Kreisen angeschaut und erste Ergebnisse des gemeinsamen Ringens um Schutzvorschläge betrachtet. Aber noch sind keine konkreten Vorschläge auf dem Tisch. Nur Arbeitskarten. Und davon viele.

Die erwarteten Ergebnisse liegen also noch nicht vor. Dennoch habe ich Toronto mit dem Gefühl verlassen, dass es in den kommenden Wochen erste konkrete Ergebnisse geben wird, geben muss. Denn der Schutz des borealen Waldes ist zu wichtig für das Überleben der Karibus, für die Menschen vor Ort und letztlich für das Klima.

Dies führt mich zu zwei anderen Themen die mich heute bewegen: Die Klimaverhandlungen in Durban (ich höre nichts Positives von meinem Kollegen Martin aus Durban) und die Tatsache, dass der brasilianische Senat gestern nicht über ein neues Waldgesetz abgestimmt hat. Dieses – sollte es verabschiedet werden – wird der weiteren Zerstörung des Amazonas’ Tor und Tür öffnen. Dabei müssen wir alles tun, um den Amazonas wie den borealen Wald zu retten.

Oliver Salge

Nestlés schockoladenweiche Reaktion

17. März 2010

Heute Nachmittag verteile ich erneut Flyer über Kitkat und Regenwaldzerstörung an über 400 Nestlé-Mitarbeiter in Hamburg. Plötzlich reagiert der Schoko-Konzern auf die Greenpeace-Forderungen, kein Palmöl aus Regenwaldzerstörung zu verwenden. Nestlé teilt den Medien mit, dass die direkten Palmöl-Lieferverträge mit dem Hersteller Sinar Mas aus Indonesien ausgesetzt sind.

Ein Erfolg? Nein! Diese Reaktion ist unzureichend. Nestlé gibt zwar zu, dass mehr getan werden muss, um die Regenwaldzerstörung zu stoppen. Die notwendigen Schritte leiten sie jedoch nicht ein. Das Unternehmen wird auch weiterhin Palmöl von Sinar Mas verwenden. Das Palmöl kommt dann schlicht über Zwischenhändler.

Auch diese müssen Sinar Mas klar sagen, dass die Zerstörung der Regenwälder in Indonesien beendet werden muss. Auch diese müssen die Verträge mit Sinar Mas kündigen. Greenpeace wird daher weiter auf Nestlés Verantwortung für die Menschen vor Ort, die Regenwälder und die Orang-Utans hinweisen und seine Kampagne zum Schutz der Regenwälder Indonesiens ausweiten.

Und wie ich eben gerade erfahren habe, hat Nestlé die englische Version unseres Kitkat-Videos auf Youtube sperren lassen. Begründung: Copyrightverletzung.

Bildet euch eure eigene Meinung und erzählt sie weiter. Die deutsche Version habt ihr ja hier im Blog, die englische steht inzwischen auf Vimeo.