Key West
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Ja, Deepwater Horizon und die Folgen der größten Ölkatastrophe in der US-amerikanischen Geschichte. Und es ist nicht die einzige Ölpest – sie hat nur alle anderen aus dem Bewusstsein verdrängt. Sibirien, Nigeria, überhaupt Ölplattformen: Dauerkatastrophen, über die kaum noch berichtet wird. Die Liste könnte noch reichlich fortgesetzt werden. Vor kurzem der Unfall in China: Eine Pipeline explodierte nach dem Entladen eines lybischen Tankers. Das drang kaum in die Medien. Doch es war die bislang größte Ölkatastrophe in China und schlimmer als der Unfall der Exxon Valdez vor 20 Jahren in Kanada.
BP hat sehr vielen Wissenschaftlern Geld für Untersuchungen gegeben mit der Auflage, die Ergebnisse erst in einigen Jahren zu veröffentlichen. Auch die Ergebnisse von NOAA, einem Institut, das mit der Regierung zusammenarbeitet, sind solange auf Eis gelegt, bis die Gerichte geklärt haben, wie viel BP wem zahlen muss.
Greenpeace arbeitet jetzt bis Mitte Oktober im Golf, um unabhängigen Wissenschaftlern die Möglichkeit zu geben, entsprechende Untersuchungen vorzunehmen und zu veröffentlichen.
Was macht Greenpeace im Golf von Mexiko?
Der erste Teil bestand in Probennahmen in einem offensichtlich noch nicht betroffenen Gebiet: Die Keys und der Nationalpark Dry Tortugas. Dafür war ich als Tauchereinsatzleiter angefordert worden.
Ich bin jetzt bald auf dem Rückweg. Noch sitze ich in Key West, was sich morgen aber ändert. Der zweite Teil der Tour wird in die betroffenen Gebiete führen. Dann wird Plankton untersucht, der Anfang der Nahrungskette, sowie der Tierbestand.
Bestandsaufnahme bedrohter Tiere
Ich gehe davon aus, dass meine Kollegen auf Pottwale treffen. Es gibt eine “residental Pottwal Population”, die nur im Golf von Mexiko lebt. Diese Population bekommt keine genetische Zufuhr von außen und ist deshalb extrem gefährdet. Wissenschaftler gehen davon aus, wenn nur wenige erwachsene Exemplare sterben (unter 10), wird die Population zusammenbrechen. Es handelt sich insgesamt um circa 1.300 Tiere. Bisher ist ein Jungwal tot aufgefunden worden. Man weiß nicht, wo die anderen Tiere bislang verblieben sind, da tote Pottwale auf den Meeresgrund absinken.
Weiterhin gibt es diverse Meeresschildkröten, davon eine endemische Art, welche auf der Liste der bedrohten Arten steht. Ihre Brutgebiete sind zu einem großen Teil verölt.
Der braune Pelikan, Wappentier von Louisiana ist gerade von der Liste der bedrohten Arten heruntergenommen worden. Man musste jetzt ganze Jungvögel-Jahrgänge töten, um wenigstens einige der Altvögel retten zu können. Die Jungvögel hatten absolut keine Chance: Bereits mit verölten Fischen gefüttert, die Altvögel selbst schon tot oder kurz davor. Viele Altvögel konnten aber auch nicht mehr gerettet werden.
Delphine sind auch betroffen und die kommenden zwei Wochen wird untersucht, wie es um die Tiere steht, die zu dieser Jahreszeit im Golf von Mexiko anzutreffen sein müssten. Sind noch welche da? Wo sind sie? Wie viele sind es? Wenn sie nicht da sind, wo sind sie dann? Viele offene Fragen, die geklärt werden wollen.
Kontaminierte Gewässer
Das Team auf der Arctic Sunrise wird verstärkt Wasserproben nehmen, um die chemische Zusammensetzung des Wassers zu analysieren. Im letzten Teil dann werden die “Öl- Plums” untersucht und die Auswirkungen auf den Meeresgrund, die Tiefwasser-Korallen und entsprechende Fauna und Flora. Es kann sein, dass ich für den letzten Teil der Expeditionstour wieder an Bord gehe. Ich will ehrlich sein: Ich bin nicht böse darum, den jetzt kommenden Teil nicht mitmachen zu müssen. Gerade sprach ich noch an Deck mit John, dem Meeresexperten. Er meinte:
Die nächste Zeit wird bestimmt sehr traurig werden. Ich habe schon genug Trauriges gesehen, ich weiß, dass ich das kann. Aber wenn ich nicht muss, bin ich nicht böse darum. In Gedanken bin ich bei meinen Kollegen, die ich um diese Momente wahrlich nicht beneide.
Aber wenn ich gebraucht werde, bin ich sofort wieder da – egal, was es zu sehen gibt.
Grüße von Regine














