Tauchen ist wie fliegen!

17. August 2010

Dry Tortugas
Wind 1 – 2, aus südlichen Richtungen, See 0,5 Meter, Luft 34°C, Wasser 30°C, Sonne, schwül

Unterwasserwelt Dry Tortugas, Florida (c) Todd Warshaw / Greenpeace

Unterwasserwelt Dry Tortugas, Florida

Der erste Tauchgang ging gleich nach dem Frühstück los. Er sollte etwas tiefer gehen und die nächsten Proben sollten genommen werden. Heute empfing uns das Meer mit grandiosen Sichtweiten! Es gab keine Strömung und so ließ ich mich von der Oberfläche frei zum Grund durchsacken, Arme und Beine von mir gestreckt, als ob ich flöge! Tauchen ist wie fliegen! Sich in der Dreidimensionalität bewegen, aufsteigen, absinken, sein Gewicht nicht spüren, schwerelos dahingleiten – alles ist größer und erscheint dichter dran. Die Geräusche sind wenig und fremd. Der Schall wird unter Wasser so schnell übertragen, dass das menschliche Ohr nicht in der Lage ist, zu orten, wo ein Geräusch herkommt. Sobald ich die Wasseroberfläche verlasse, bin ich im Hier und Jetzt. Es gibt kein Gestern und kein Morgen. Ich sehe, nehme auf oder konzentriere mich auf die Arbeit, die ich unter Wasser zu tun habe. Ablenkung gibt es nicht.

Was passiert mit den Proben?

Wir helfen den beiden Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit, suchen neue Probenexemplare, halten die Taschen mit Werkzeug, Tüten und Röhrchen, um sie im richtigen Moment hinzuhalten, damit man so wenig Arbeitsschritte wie möglich machen muss. Die Proben bestehen überwiegend aus Schwammstückchen, einige Wasser- und wenige Sedimentproben. Zurück an Bord werden die Proben entweder vorbereitet oder gleich eingefroren, da sie an Land müssen. Umfangreiche Analysen können wir hier an Bord nicht durchführen.

Tauchgänge bei Nacht

Heute Nacht steht noch ein Nachttauchgang an. Zum Glück wird es hier einigermaßen früh dunkel, sodass man auch noch eine Chance auf Nachtruhe hat. Nachts herrscht ein anderes Leben am Riff. Viele Tiere sind nur nachtaktiv. Andere, tagaktive Lebewesen verschwinden nachts und sind oft nicht auffindbar. So bekommt das Riff nachts ein zweites Gesicht, welches im Kegel der Unterwasserlampen besonders gespenstisch wirkt. Auf einmal gibt es Schatten und dunkle Ecken, schwarze Überhänge und Höhlen, in die man nicht mal eben hineingucken kann. Man muß sich davor positionieren und hineinleuchten, nicht wissend, was einen gleich erwartet.

So verlasse ich das heutige Tagebuch, um mich auf den Nachttauchgang vorzubereiten.

Grüße von Regine

Im Nationalpark angekommen

16. August 2010

Dry Tortugas
Wind 1 – 2, aus südlichen Richtungen, See 0,5 Meter, Luft 34°C, Wasser 30°C, Sonne, schwül

Mit dem Schlauchboot auf Erkundungsfahrt (c) Greenpeace / Todd Warshaw

Mit dem Schlauchboot auf Erkundungsfahrt

Nachts um 1:30 Uhr ging die Hauptmaschine an, und ich war sofort hellwach! Auf diesem Schiff bekommt JEDER mit, wenn es los geht! Pünktlich um zwei Uhr wurden die Leinen gelöst und die Arctic Sunrise nahm Kurs auf den Nationalpark Dry Tortugas.

Um 10:30 Uhr krachte es im Vorschiff und Molly, unsere Pressesprecherin an Bord guckte etwas erschrocken in die Runde, bis wir sie aufklärten: Das war der Anker! John, der Meeresexperte von Greenpeace USA und ich stellten fest:

Das kann hier nicht tief sein!

Denn die Ankerkette war sehr schnell ausgebracht und das laute Rasseln, solange der Anker in die Tiefe saust, dauerte nur sehr kurz.

Unberührte Unterwasserwelt

Farbenfrohe Riffe im Nationalpark (c) Todd Warshaw / Greenpeace

Farbenfrohe Riffe im Nationalpark

Nach dem Mittagessen war der erste Tauchgang angesetzt. Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team und so dauerte es nicht lange, bis die Ausrüstung im Schlauchboot verstaut war und wir ablegen konnten. Die Dry Tortugas sind sehr unberührt, was wohl an ihrer Entfernung zum Festland liegt. Es sind nur wenige Inseln, von denen nur zwei betreten werden dürfen. Auf einer ist ein altes Fort, welches aber nie in Kriegshandlungen verwickelt war und heute der Nationalparkverwaltung dient. Es sollen dort nur drei oder vier Leute leben. Auf einer weiteren Insel ist ein großer Leuchtturm, ein Haus und ein paar Palmen. Nur wenige Schiffe und Boote finden ihren Weg hierher, was ein Glück für die Unterwasserwelt ist.

Die Sichtweiten hier sind sehr gut, bis 30 Meter hatten wir heute. Die Riffe sind vielseitig, intakt, es gibt hier weniger Korallen als auf den Key´s, dafür mehr Schwämme, viele Fische, große Zackenbarsche, Schildkröten, Barakudas, irgendein Riffhai und größere Schwärme gelber und blauer Fische.

Wenn das leidige Flaschenfüllen nicht wäre, könnte ich sogar so etwas wie Feierabend haben. Aber sechs 15-Liter-Flaschen wollen pro Tauchgang gefüllt werden und so saß ich heute abend mit zwölf Flaschen unter Deck, habe mir mein Buch genommen und die Zeit beim Füllen sinnvoll genutzt.

Grüße von Regine

Key West: Pralle Hitze

15. August 2010

Key West
Wind 0, Luft 35 °C, Wasser 30°C, See 0 Meter, Sonne, trocken, schwül

Die Nacht war wieder um 6:30 Uhr zu Ende. Schnell mussten noch die gefüllten Flaschen zum Wagen gebracht werden und wieder ging es zu unserem Tauchboot. Die Lobster lagen immer noch unter dem Boot an dem kleinen Anleger auf der sumpfigen Insel.

Heute ging alles schneller: Der größte Teil der Ausrüstung war an Bord geblieben, die Flaschen schnell verstaut und schon startete die Maschine und  es ging los. Die Sonne brannte die letzten Wolkenschleier vom Himmel und es dauerte nicht lange, bis wir uns mehr unter dem Sonnensegel aufhielten als in der prallen Sonne.

Unter Wasser

Der erste Tauchgang ging auf 28 Meter. Auch hier war das Wasser nur wenig kühler als an der Oberfläche. Ich ziehe hier einen ganz dünnen Surfunterzieher zum Tauchen an, der keine Wärme-Isolierung bietet, nur einen leichten Schutz für die Haut.
An diesem Tauchplatz war der Grund sandig und es erhoben sich aus ihm an die zehn bis fünfzehn  Meter hohen Riff-Felsen, die jeder für sich solitär standen. Eine interessante Unterwasser-Morphologie, bewachsen von Korallen, Gorgonien und Schwämmen. Die üblichen Riffbewohner brachten Farbe dazu, sofern man eine Lampe hatte, um sie in diesen Tiefen erkennen zu können.
Der zweite Tauchgang fand in sehr flachem Wasser statt, überwiegend Seegras. Uynter einem alten Leuchtturm waren sehr viele Fische, die Zuflucht suchten. Das Lichtspiel zwischen den stählernen Beinen des nicht mehr genutzten Turmes brachte flackerndes Licht unter Wasser.

Nachbereitung an Bord

Zurück auf dem Schiff musste alles wieder verstaut und verlascht werden, da um zwei Uhr in der Nacht abgelegt werden sollte. Somit sollte unsere Ankunft auf den Dry Tortugas entsprechend früh sein, sodass wir den Tag noch zum Tauchen haben würden. Heute Abend sind die beiden Wissenschaftler an Bord gekommen und so können wir gleich mit der Probennahme beginnen.

Zum Glück waren wir einigermaßen früh wieder auf dem Schiff, sodass das Flaschenfüllen nicht bis in die Nacht ging.

Grüße von Regine