Dry Tortugas
Wind 1 – 2, aus südlichen Richtungen, See 0,5 Meter, Luft 34°C, Wasser 30°C, Sonne, schwül
Der erste Tauchgang ging gleich nach dem Frühstück los. Er sollte etwas tiefer gehen und die nächsten Proben sollten genommen werden. Heute empfing uns das Meer mit grandiosen Sichtweiten! Es gab keine Strömung und so ließ ich mich von der Oberfläche frei zum Grund durchsacken, Arme und Beine von mir gestreckt, als ob ich flöge! Tauchen ist wie fliegen! Sich in der Dreidimensionalität bewegen, aufsteigen, absinken, sein Gewicht nicht spüren, schwerelos dahingleiten – alles ist größer und erscheint dichter dran. Die Geräusche sind wenig und fremd. Der Schall wird unter Wasser so schnell übertragen, dass das menschliche Ohr nicht in der Lage ist, zu orten, wo ein Geräusch herkommt. Sobald ich die Wasseroberfläche verlasse, bin ich im Hier und Jetzt. Es gibt kein Gestern und kein Morgen. Ich sehe, nehme auf oder konzentriere mich auf die Arbeit, die ich unter Wasser zu tun habe. Ablenkung gibt es nicht.
Was passiert mit den Proben?
Wir helfen den beiden Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit, suchen neue Probenexemplare, halten die Taschen mit Werkzeug, Tüten und Röhrchen, um sie im richtigen Moment hinzuhalten, damit man so wenig Arbeitsschritte wie möglich machen muss. Die Proben bestehen überwiegend aus Schwammstückchen, einige Wasser- und wenige Sedimentproben. Zurück an Bord werden die Proben entweder vorbereitet oder gleich eingefroren, da sie an Land müssen. Umfangreiche Analysen können wir hier an Bord nicht durchführen.
Tauchgänge bei Nacht
Heute Nacht steht noch ein Nachttauchgang an. Zum Glück wird es hier einigermaßen früh dunkel, sodass man auch noch eine Chance auf Nachtruhe hat. Nachts herrscht ein anderes Leben am Riff. Viele Tiere sind nur nachtaktiv. Andere, tagaktive Lebewesen verschwinden nachts und sind oft nicht auffindbar. So bekommt das Riff nachts ein zweites Gesicht, welches im Kegel der Unterwasserlampen besonders gespenstisch wirkt. Auf einmal gibt es Schatten und dunkle Ecken, schwarze Überhänge und Höhlen, in die man nicht mal eben hineingucken kann. Man muß sich davor positionieren und hineinleuchten, nicht wissend, was einen gleich erwartet.
So verlasse ich das heutige Tagebuch, um mich auf den Nachttauchgang vorzubereiten.
Grüße von Regine















