Fukushima ist überall!

19. März 2011
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Greenpeace Ehrenamtliche legen, wie hier in Köln, bundesweit "Bücher der Anteilnahme" für die Opfer in Japan aus. Auch Wolfgang Niedecken von BAP ist mit dabei.

Letzte Woche Freitag, den 11. März, wachte ich auf, relativ unbeschwert, denn ein Ferientag mit meiner Familie lag vor mir. Kaffee aufgesetzt, Radio an – da hörte ich das erste Mal von der Katastrophe in Japan.

Kurz darauf gab es die ersten Bilder vom schwersten Erdbeben in der Geschichte des Landes. Ich saß fassungslos vor meinem Computer! Hubschrauberaufnahmen zeigten, wie eine über zehn Meter hohe Flutwelle alles mitriss, was ihr in die Quere kam. Ölraffinerien brannten, Schiffe prallten gegen Brücken, Busse und Züge kippten einfach um oder verschwanden ganz in den Fluten.

Ich wollte das Geschehene nicht wahr haben. Ich dachte an die Menschen, die ihren Tag vielleicht genauso unbeschwert begonnen hatten wie ich und deren Leben jetzt zerstört war. Über 6.000 Tote gibt es bis jetzt, immer noch werden über 10.000 Menschen vermisst. 500 000 Menschen sind obdachlos.

Im Laufe der nächsten Tage wurde es noch viel schlimmer.
Die Menschen dort sind jetzt einer weiteren Gefahr ausgesetzt: atomarer Strahlung.

Mehrere Reaktoren im Katastrophengebiet haben sich nach dem Erdbeben automatisch abgeschaltet. Doch auch nach der Abschaltung eines Atomkraftwerks entsteht in den Brennelementen eine enorme Nachwärme, die zuverlässig abgeführt werden muss. Dafür wird eine stabile Notkühlung benötigt. Im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi gibt es nach der ausgefallen Kühlung an allen sechs Reaktoren Probleme. Radioaktivität tritt aus. So, wie es aktuell aussieht, steht Japan vor einer atomaren Katastrophe mit weltweiten Folgen.

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Passanten haben die Möglichkeit ihr Mitgefühl auszudrücken.

Jeder geht mit den Nachrichten aus Japan anders um. Mahnwachen können dabei helfen, nicht allein mit Sorgen und Ängsten zu sein. Es gibt viele Möglichkeiten, den eigenen Protest gegen Atomkraft sichtbar zu machen.

Ich möchte aber, neben einer politischen Diskussion, die jetzt in Deutschland und anderswo zu dem Thema Atomkraft läuft, auch an die Menschen vor Ort erinnen. Ich denke an all jene, die jeden Tag hoffen, dass die Windrichtung für sie günstig steht und die radioaktiven Wolke nicht in ihre Nähe kommt. Wir haben hier selbst Kollegen, die um ihre Angehörigen in Japan bangen.

Greenpeace legt jetzt bundesweit “Bücher der Anteilnahme” aus. Wir möchten vielen Menschen die Möglichkeit geben, ihr Mitgefühl mit den Menschen in Japan auszudrücken. Wir werden daraus ein großes Buch der Anteilnahme machen und es der japanischen Botschaft in Berlin als moralische Unterstützung überbringen.

Auch auf der Webseiter unserer schweizer Kollegen können Menschen ihre Anteilnahme ausdrücken.

Liebe Leserin/lieber Leser, auch Du kannst mitmachen und Deine Anteilnahme über die Katastrophe z.B. hier im Blog als Kommentar veröffentlichen. An dieser Stelle geht es NICHT um eine politische Diskussion zum Thema Atomkraft. Hier geht es darum, den Menschen in Japan zu zeigen, dass wir an sie denken.

In diesen Städten werden die Bücher der Anteilnahme ausgelegt:
Aachen, Ansbach, Biberach, Böblingen-Sindelfingen, Bonn, Braunschweig, Bremen, Bremerhaven, Buchholz, Chemnitz, Chiemgau, Coburg, Darmstadt, Deggendorf, Dortmund, Düsseldorf, Eichstatt-Ingolstadt, Essen, Esslingen, Frankfurt /Main, Freiburg, Fulda, Göttingen, Halle, Hannover, Hamburg, Heilbronn, Hildesheim, Jena, Karlsruhe, Kiel, Koblenz, Köln, Lübeck, Magdeburg, Mainz-Wiesbaden, Mülheim-Oberhausen, München, Münster, Osnabrück, Ostfriesland, Paderborn, Rotenburg (Wümme), Straubing, Tübingen, Trier, Zeulenroda.

“Wir haben es satt” – 22.000 Teilnehmer in Berlin!

24. Januar 2011

Wir haben es satt, wir haben es satt, wir haben es satt!

oder

Jeder kann was tun!

So tönte es am Samstag ab 12 Uhr bei Sonnenschein und blauem Himmel durch die Berliner Innenstadt – vom Hauptbahnhof bis zum Brandenburger Tor, quer durchs Regierungsviertel. Begleitet wurde der Sprechgesang von Trommelwirbel, Traktorenknattern, Topfdeckelgeklapper und viel guter Laune. 22 .000 Menschen waren laut Veranstalter zusammengekommen, um unter dem Motto “Wir haben es satt” gegen die industrialisierte Landwirtschaft und ihre ökologischen und gesundheitlichen Folgen zu demonstrieren. Umwelt-, Verbraucher- und Tierschützer und natürlich Landwirte machten ihrem Unmut gegen Agrarfabriken, Dumpingpreise, Massentierhaltung und Gentechnik Luft.

Kreativ und bunt ging es dabei zu: eine Vielfalt, die sich die Beteiligten auch für die Landwirtschaft sehnlichst wünschen.

  • So verkündeten zum Beispiel zwei junge Frauen auf einem aufwendig gestalteten Banner “Wir wollen nicht fremdGEN”
  • Landwirte drohten “Wir GEN Euch auf den Acker” oder “Gentechnik = Lügentechnik”.
  • Jugendliche präsentierten in Einkaufswagen, was jeden Tag von Supermärkten, Bäckereien, aber auch von jedem einzelnen Verbraucher an Lebensmittel weggeworfen wird: “Jedes zehnte Brot landet aufgrund der Überproduktion und Verschwendung im Müll.”
  • Auf einem Wagen schlug eine als Bundeskanzlerin Merkel verkleidete Aktivistin die Peitsche, während Bauernpräsident Sonnleitner hinter ihrem Rücken grinste und Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner in die Runde winkte. Geld quoll aus Säcken und die drei verkündeten “We eat the world”.

Greenpeace vor Ort

Greenpeacer aus ganz Deutschland waren angereist, um ihre ehrenamtlichen Kollegen aus Berlin zu unterstützen. Überall leuchteten die gelben Horrormaiskolben in der Menge. Ein ganzes Maisfeld erinnerte daran, dass die Mehrheit der Deutschen keine riskanten Gen-Pflanzen auf dem Acker und im Essen will.

Gift und Gentechnik: Das schmeckt uns nicht!

Das sprach vielen aus der Seele. Denn nicht nur der aktuelle Dioxin-Skandal zeigt, dass die industrialisierte Landwirtschaft, die auf Masse statt auf Klasse setzt, in einer Sackgasse steckt. Bei der Abschlusskundgebung vorm Brandenburger Tor reihte sich ein Traktor an den nächsten: FÜR eine bessere Landwirtschaft und FÜR gesündere Lebensmittel. Man möchte die verantwortlichen Politiker fragen:

Was dagegen?

Saatgut braucht Nulltoleranz

09. Juni 2010

Welcher Mais wächst denn hier?

Nun ist er da, der größte Gentechnik-Saatgutskandal in Deutschland. Auf mehr als 2000 Hektar Land wurde gentechnisch verunreinigter Mais der Firma Pioneer Hi-Bred ausgesät. Und während die zuständigen Behörden damit beschäftigt sind, die belieferten Landwirte und die betroffenen Flächen ausfindig zu machen; befürchten Imker weitere Verbreitung des Gen-Maises über Pollen und Bienen. Außerdem melden sich die ersten Abwiegler zu Wort, die behaupten, es sei doch alles gar nicht so schlimm.

So nennt Michael Miersch auf Welt online den Skandal “deutsche Luxussorgen”. Ein paar Körnchen Gen-Mais könnten ja wohl der Umwelt nicht schaden, so sein Tenor. Und FDP-Frau Happach-Kasan fordert für Saatgut Schwellenwerte, damit das alles wirtschaftlich praktikabel ist. Vergessen dabei hat sie allerdings all jene Landwirte, die auch in Zukunft gentechnikfrei produzieren wollen. Ganz zu schweigen von der Mehrheit der Verbraucher, die auch nach über zehn Jahren keine Gen-Pflanzen auf dem Acker und auf ihrem Teller haben will.

Wer jetzt glaubt, Schwellenwerte für Gentechnik bei Saatgut würden Skandale wie den aktuellen verhindern, ist auf dem Holzweg. Alkoholprobleme lassen sich auch nicht mit Promillegrenzen beheben. Ein bisschen Gentechnik funktioniert bei Saatgut nicht. Schon eine Saatgutverunreinigung von nur 0,1 Prozent hat zur Folge, dass etwa 100 gentechnisch veränderte Pflanzen auf einem Hektar wachsen. Mit der Blüte können sich die Pflanzen auskreuzen und die Ernte gentechnikfrei produzierender Landwirte ruinieren.

Gelangen Gen-Pflanzen über kontaminiertes Saatgut in die Umwelt, wird es praktisch unmöglich, diese Risikopflanzen zu überwachen. Die gesetzlichen Bestimmungen für den Anbau könnten nicht mehr eingehalten werden. Die vorgeschriebenen Zulassungsverfahren und das Risiko-Management im Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen würden damit ausgehebelt. Und das kontaminierte Saatgut würde sich von Jahr zu Jahr vermehren und den Verunreinigungsgrad ständig weiter nach oben treiben.

Konventionelles und biologisches Saatgut müssen auch in Zukunft gentechnikfrei bleiben und bleiben können. Saatgut bildet die Grundlage vieler Lebensmittel und ist für die Stabilität unseres Ernährungssystems unerlässlich. Jahrhunderte lang hat eine Vielzahl von regional angepassten Sorten die menschliche Ernährungsvielfalt und -sicherheit gewährleistet. Daran sollten wir anknüpfen.

Auch für die Saatgutunternehmen ist das nicht problematisch. Sie haben schon heute hochentwickelte Systeme für die Reinheitskontrolle ihrer Produkte. Darüber hinaus müssen sie ohnehin das Saatgut auf GVO-Spuren untersuchen. Grenzwerte würden also nur dazu führen, dass eine wesentliche Produktinformation, die diesen Unternehmen sowieso vorliegt, den Landwirten mutwillig vorenthalten wird. Das halten wir für keine faire Lösung.