Unser Herz schlägt für Buchen!

16. Mai 2012

Auf geht's: Was noch ein wenig wie eine Ärzte-Demo aussieht, soll eine Buche aus Greenpeace-Aktivisten werden. (c) Paul Langrock / Greenpeace

Sieht doch schon ganz gut aus! (c) Paul Langrock / Greenpeace

Andrea Gieseke sorgt für eine kleine Stärkung: Es gibt "Baumkuchen statt kaum Buchen". (c) Paul Langrock / Greenpeace

Auf  ‘ner schönen grünen Wiese… liegt kein großer grauer Berg, sondern dort wuseln hunderte Greenpeacer herum. Mit einem aus der Luft gut erkennbaren Menschenbanner protestierten am Sonntag knapp 600 Greenpeace-Aktivisten aus ganz Deutschland für mehr Waldschutz. Auf einer Wiese nahe dem brandenburgischen Buchenwaldgebiet Grumsin, einem UNESCO Weltnaturerbe, formten sie einen Baum, der die Waldfläche Deutschlands darstellen soll.
Das rote Herz in der Mitte der Baumkrone symbolisiert die zehn Prozent der öffentlichen Waldfläche, die laut Bundesregierung bis zum Jahr 2020 geschützt werden sollen. Aus Berechnungen von Greenpeace geht hervor, dass einzig Mecklenburg-Vorpommern bereits über fünf Prozent seiner Wälder geschützt hat; alle anderen Bundesländer liegen noch deutlich dahinter. Immerhin: Die Schlusslichter des Rankings, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben angekündigt, zukünftig mehr Waldflächen zu schützen. Bayern und Hessen dagegen lehnen mehr Waldschutz ab.

Dagegen wollten wir mit diesem Bild demonstrieren. Doch wie entsteht eigentlich so einen Menschenbild? Aus ganz Deutschland waren am vergangenen Wochenende ehrenamtliche und hauptamtliche Greenpeacer beim Greencamp versammelt, um sich auszutauschen, neue Ideen zu entwickeln und sich in Workshops weiterzubilden.

Das wollten wir nutzen und zusammen ein schönes Video drehen. Am Anfang stand natürlich die Idee. Und so saßen wir diverse Male zusammen, um uns zu überlegen, was man mit den knapp 600 Aktivisten auf die Beine stellen könnte. Viele Ideen wurden gesponnen und wieder verworfen. Am Ende stand dann fest: Wir zeigen ein Herz für Buchen!

Nach dem Greencamp fuhren die Umweltschützer deswegen nicht direkt nach Hause, sondern stiegen in Busse und machten sich auf den Weg zum Buchenwaldgebiet Grumsin. Ein kurzer Testablauf, dann ging es los. Die Aktivisten laufen zusammen und bilden einen Baum. In der Mitte lassen sie ein Tuch in Herzform flattern, das die zu schützende Waldfläche in Deutschlands öffentlichen Wäldern darstellt.

Für die gute Stimmung während der Drehpausen sorgte Musik, und zwischendrin gab es kleine Tanzeinlagen gegen Kälte. Koordiniert durch Ansagen per Lautsprecher war das Video dann nach anderthalb Stunden im Kasten.

Und hier könnt ihr das fertige Video sehen:

Du willst auch aktiv werden? Fordere jetzt Minister Seehofer auf, seiner Verantwortung für den Schutz der alten Buchenwälder nachzukommen! Du kennst eine Buche, die noch schöner ist als unser Menschenbild? Dann lade ein Foto von deiner Buche in unserer Mitmachcommunity Greenaction hoch.

Mitmachen und Buchen suchen!

10. Mai 2012
Hanna und Reinhard aus Kassel haben im Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe dieses Prachtexemplar gefunden.

Hanna und Reinhard aus Kassel haben im Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe dieses Prachtexemplar gefunden.

Vor einigen Wochen haben wir vielen deutschen Städten drei Meter lange Maßbänder verteilt, mit denen man den Umfang und das Alter von Bäumen bestimmen kann. Mit diesen Maßbändern sollen möglichst viele Menschen in den Wald ziehen und ihre Lieblingsbuche fotographieren. In unserer Mitmach-Community Greenaction können diese Bilder dann von euch selbst veröffentlicht und kommentiert werden. Jung und Alt sind unserem Aufruf gefolgt: Über 80 Mitmachbilder wurden von euch schon auf Greenaction eingestellt. Ihr habt dicke Buchen mit einem Umfang von sechs Metern gefunden, euch in die Astkronen geschwungen und uns tolle Geschichten zu den alten Bäumen geschrieben.

So beschreibt uns Otto Pätzold seine Lieblingsbuche:

Hallo Freunde, hier ein Bild einer über 500 Jahre alten Buche aus dem Heinrichsruher Park mit etwa 6,50 Metern Umfang. Trotz Blitzschlag steht sie noch gut da. An ihr führte der alte Handelsweg nach Nürnberg vorbei und auch Goethe machte auf seinem Weg nach Karlsbad hier öfter halt.

Der Regenbogen-Kindergarten hat in "seinem" Buchenwald die dickste Buche gesucht.

Der Regenbogen-Kindergarten hat in "seinem" Buchenwald die dickste Buche gesucht.

Die mächtige Buche auf der Lichtung im Hardtwald bei Weilheim spendet mit ihren ausladenden Ästen Schutz und Schatten.

Die mächtige Buche auf der Lichtung im Hardtwald bei Weilheim spendet mit ihren ausladenden Ästen Schutz und Schatten.

Willst du auch mitmachen? Ab in den Wald vor deiner Haustür und nichts zum Knipsen vergessen! Halte die Augen offen nach alten Buchen und los geht’s:

1. Umfang messen: Du misst den Umfang auf Brusthöhe. Diese ist mit 1,30 Meter vom Boden aus vorgegeben. Bei Hanglage stellst du sich so hin, dass du hangabwärts schaust. Um den Durchmesser zu errechnen, teilst du den Umfang durch Pi (3,14). Ein Beispiel: Der Baumumfang beträgt 200 Zentimeter. 200:3,14=63,7. Der Durchmesser beträgt demnach 63,7 Zentimeter. Ab einem Durchmesser von 50 Zentimetern gilt eine Buche als alter Baum.

2. Foto machen: Knips dich und Deine Buche! Ob allein oder zusammen mit Freunden oder Familie: Umarm den Baum, mach einen Handstand an ihm, klettere drauf… Bearbeite dein Foto, setze einen Spruch auf das Foto… Sei kreativ, wir sind gespannt auf deine Ideen!

3. Zeichen setzen: Lade dein selbstgemachtes Foto als Mitmachbild hoch und erzähle uns die Geschichte des Baumes. In welchem Wald steht er? Wie groß ist der Umfang? Warum hast du diese Buche ausgesucht? Verbindest du etwas Besonderes mit diesem Baum?

Kein GreenAction-Account? Dann schicke dein/e Foto/s einfach an redaktion@greenpeace.de. Wir erledigen dann den Rest für dich!

Kein Maßband? Die Ortsgruppen von Greenpeace haben noch ausreichend Maßbänder zu vergeben. Viele der Gruppen organisieren auch immer wieder Führungen durch den Wald. Erkundige dich einfach bei deiner Gruppe!

Wir freuen uns auf viele weitere Bilder!

Greenpeace-Aktivisten steigen den Bayerischen Staatsforsten aufs Dach

26. April 2012

Verdunkelungsgefahr in Regensburg: Der Tag in Bayern begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein. Der Vorstand der BaySF hatte sich bestimmt auch über das tolle Wetter gefreut und sicher nicht damit gerechnet, dass es heute dunkel vor ihren Fenstern werden würde.

Dabei kennen sich die BaySF eigentlich gut mit Verschleierungstaktiken aus. Gegen die Verheimlichung von Daten über öffentliche Wälder in Bayern protestierten deshalb Greenpeace-Aktivisten heute in Regensburg. An der Zentrale der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) haben Kletterer ein Banner mit der Forderung: Grüß Gott, BaySF Vorstand, stoppt die heimliche Zerstörung alter Buchenwälder! ausgerollt. Durch die beeindruckende Größe ist ein knappes Viertel des Gebäudes verdeckt.

Bereits wenige Minuten, nachdem das Banner entrollt war, kam der erste Mitarbeiter aus dem Gebäude. Ein wenig verschmitzt teilte er uns mit, die BaySF habe uns schon früher erwartet: “Sie sind spät dran, wir dachten schon vor Wochen, dass sie hier bald auftauchen!”. Aber hey, wer wochenlang bei zweistelligen Minusgraden den Wald kartieren muss, weil die BaySF diese Daten verheimlichen, der darf auch mal auf Sonnenschein warten, um zu protestieren.

Warum geben die BaySF ihre Daten nicht heraus? Das fragte sich Greenpeace auch. Gibt es etwas zu Verheimlichen im bayerischen Wad? Bereits vor Monaten fragte Greenpeace die Daten an und berief sich dabei auf das Umweltinformationsgesetz: Danach haben Behörden die Pflicht, alle “Umweltinformationen, die für ihre Aufgaben von Bedeutung sind”, zu veröffentlichen. Der Bürger soll sich dadurch zum Anwalt der Umwelt machen können. Ein Anwalt ist nun auch für die BaySF vonnöten: Greenpeace reicht heute Klage gegen die BaySF beim Verwaltungsgericht in Regensburg ein. Kurz konnten wir dann auch noch den Vorstandsvorsitzenden, Herrn Freidhager, sprechen und ihn persönlich von dieser Klage in Kenntnis setzen.

Bisher kam von den BaySF auf die Frage nach den Daten – nichts. Lediglich die Begründung: “Hamma ned, wissma ned, gibt’s ned!” Diese Interpretation der drei Affen scheinen die Bayerischen Staatsforsten als Vorbild zu nehmen. Denn wie es um den bayerischen Wald mittlerweile bestellt ist, wollen die BaySF nicht wahrhaben – oder nicht zugeben.

Stellt sich die Frage: Wenn es diese Daten wirklich nicht geben sollte, auf welcher Grundlage sollen dann die Förster arbeiten, die die BaySF in den Wald schicken? Als “Manager der Idylle” bezeichnen sich die BaySF selbst auf ihrer Webseite. Als Mitglied in der  Berufsgruppe der Zahlen-und-Fakten-Jonglierer sollte der Vorstand doch eigentlich eine solide Grundlage zum Arbeiten haben.

Das Banner der Greenpeace-Aktivisten ist übrigens sonnengelb und ließ somit angenehmes Licht in die Büros der Mitarbeiter der BaySF. Diese scheinen aber etwas lichtscheu zu sein, denn nach kurzer Zeit waren alle Rollos heruntergerollt – sind womöglich doch Daten vorhanden, die wir nicht sehen sollten? Wir werden es hoffentlich bald erfahren.

Anwohnerin hängt Banner aus dem Fenster (c) Gesche Jürgens / Greenpeace

Update, 17.00 Uhr: Nachdem uns vorhin ein netter Anwohner ein paar Äpfel vorbeigebracht hat, um die Kletterer bei Kräften zu halten, hängt nun eine Bürgerin ein Banner aus ihrem Fenster, auf dem “Stoppt Waldzerstörung” steht.