Keiner mag Walfleisch

27. August 2014

Unglaublich – Norwegens Walfänger feiern die höchste Abschussquote seit über zwanzig Jahren. Die Walfangsaison 2014 neigt sich dem Ende zu und 729 Minkewale fanden den Tod durch Harpunen.

Offensichtlich haben das gute Sommerwetter, die entsprechend ruhige See und wenig Wind den Walfängern in die Hände gespielt. Menschliche Gier und ein klein wenig Mordlust waren dabei wohl auch von Bedeutung. Denn eigentlich ist bekannt, dass niemand das Fleisch essen will. Weder die Norweger selbst, noch die Japaner, an die ein Teil des Walfleisches geliefert werden soll. Der Markt für Walfleisch ist eingebrochen, er existiert nahezu nicht mehr. Das gibt ein Sprecher der norwegischen Fangflotte  auch unumwunden zu. Und doch interessiert ihn die Absatzschwierigkeit relativ wenig. Wie traurig, wie dumm.

Auch die isländischen Walfänger melden den Abschuss von beinahe 100 Finnwalen – und die Saison ist noch nicht vorbei. Die Quote liegt bei 154 Tieren, im letzten Jahr wurden 139 Finnwale getötet. Anders als bei der norwegischen Minkewaljagd gibt es für das Fleisch der Finnwale überhaupt keinen nationalen Markt,es ist ausschließlich für den japanischen Verbraucher bestimmt. Doch auch hier  das gleiche Phänomen, keiner will es essen. Kristjan Loftsson, einer der reichsten Männer Islands und Betreiber der Finnwalfangflotte will mit dem Festhalten an der Jagd seine Unabhängigkeit und Macht demonstrieren. Anders ist das offensichtliche Defizitgeschäft nicht zu erklären.

Es ist an der Zeit, dass ihn jemand in die Schranken weist. Eine Möglichkeit dazu hat das größte deutsche Fischhandelsunternehmen „Deutsche See“ und Greenpeace fordert die Geschäftsführung dazu auf, endlich aktiv zu werden. Deutsche See bezieht einen großen Teil des Fischangebots vom isländischen Anbieter HB-Grandi hf. Hinter HB-Grandi hf. wiederum steht als Aufsichtsratsvorsitzender Kristjan Loftsson. Die Aussage “Deutsche See finanziert den isländischen Walfang” ist also alles andere als falsch. Aber die Geschäftsführer des deutschen Unternehmens zeigen sich uneinsichtig. Aber das muss ja nicht so bleiben.

Isländischer Walfang 2014: Traurige Zwischenbilanz

18. Juli 2014

Pünktlich zum isländischen Unabhängigkeitstag am 17. Juni eröffnete der größte Walfänger Islands, Kristjan Loftsson, mit seiner Flotte die diesjährige Jagd auf die bedrohten Finnwale des Nordost-Atlantiks. Seither mussten 14 dieser Tiere ihr Leben lassen. Ein einzelner Finnwal liefert zwischen acht und zehn Tonnen Fleisch, das in riesigen Tiefkühlhäusern gelagert wird. Denn in Island ist Finnwalfleisch unverkäuflich.

Fisch ist das isländische Exportgut Nummer eins, es wird in alle Welt verschifft. In Europa ist unter anderem Deutschland ein Hauptimporteur. Vor einigen Wochen haben wir bereits gezeigt, wie hiesige Unternehmen ihren Beitrag zur Einstellung des unnötigen Waleschlachtens leisten könnten.

Der größte deutsche Fischproduzent, das Unternehmen “Deutsche See”, bezieht einen Teil seines Fisches von der isländischen Firma HB-Grandi. Diese ist mit fast vierzig Prozent Anteilen im Besitz der Walfangfirma Hvalur des oben erwähnten Unternehmers Kristjan Loftsson. Die Geschäftsführung von “Deutsche See” muss ihre Verantwortung ernst nehmen und ihren Einfluss geltend machen, indem sie ihre Verträge mit HB-Grandi solange auf Eis legt, bis der isländische Finnwalfang eingestellt ist.

Wir haben “Deutsche See” und die großen deutschen Supermarktketten, alle Fischgroßabnehmer des Unternehmens, angeschrieben und aufgefordert sich dieser Verantwortung zu stellen. In der Vergangenheit wurde immer wieder behauptet, HB-Grandi habe nichts mit Walfang zu tun.

Aus diesem Grund lieferten wir die gegenteiligen Beweise gleich mit. Wir können nicht nur die direkte Verbindung zwischen dem Walfangunternehmen Hvalur und der Fischfirma HB-Grandi belegen, sondern auch die Nutzung von Werkshallen dieses Unternehmens zur Produktion von Finnwalfleisch für den japanischen Markt.

Noch im vergangenen Jahr ließ die Handels-Union der isländischen Region Akranes stolz verlauten, “die Jagd und das Verarbeiten der Wale sei in vollem Gange”. Dennoch gibt sich “Deutsche See” stur und beharrt auf die alte Argumentation. Auch die von uns kontaktierten Supermärkte folgen dieser Linie. Dies ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir erwarten konkrete Schritte.

Die Harpunen treffen wieder

19. Juni 2014

Es ist wieder soweit: Die japanischen und isländischen Walfänger sind unterwegs. Die Japaner sind schon vor einiger Zeit in die nordpazifische See gestochen und haben jetzt die aktuellen Erfolgszahlen ihrer kommerziellen Jagd veröffentlicht: dreißig Minkewale, 16 männliche und 14 weibliche, wurden in den letzten Wochen geschossen. Offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken, obwohl der Internationale Gerichtshof ICJ/Den Haag erst Ende März gerichtlich entschieden hat, dass die antarktische Forschungsjagd nicht als Wissenschaft bezeichnet werden kann. Leider bezog sich dieses Urteil nicht auf das nordpazifische Forschungsprogramm und so zog die Flotte los. Mit dem Segen des japanischen Premierministers Shinzo Abe, der Anfang Juni sein Bedauern darüber äußerte, dass in Japan nur noch so wenig Walfleisch gegessen würde und keinen Zweifel an einer Neuauflage des antarktischen Walfangprogramms ließ. Bereits im September, beim Treffen der Internationalen Walfangkommission, sollen die entsprechenden Weichen gestellt werden.

Kristjan Loftsson, isländischer Walschlachter Nummer eins, ließ am Dienstag die ersten beiden Finnwale der Saison schießen – gestern wurden weitere angelandet. Sicherlich nicht ganz zufällig wurde die diesjährige Saison am isländischen Unabhängigkeitstag, dem 17. Juni eröffnet. Bemerkenswert ist allerdings, dass in diesem Jahr auf die Einladung von Medien verzichtet wurde. Grund mag die aktuelle Diskussion auf der Frostinsel sein, in der Parlamentarier, Außenministeriumsmitarbeiter sowie Vertreter der Whale-Watching-Industrie nicht müde werden, den Walfang ihres Landes in Frage zu stellen. Die Frage, ob der Walfang dem internationalen Ruf Islands nicht eher schade, wird vielfach öffentlich wiederholt. Hinzu kommt seine offensichtliche wirtschaftliche Minuswirtschaft – das Finnwalfleisch ist ausschließlich für den japanischen Markt bestimmt, der aber immer weiter zusammenbricht.

Auch die Verbindung der deutschen Fischhandelsunternehmen zu Herrn Loftsson ist erwähnenswert. Deutschlands größtes Fischhandelsunternehmen, “Deutsche See” bezieht Fisch von der isländischen Firma “HB-Grandi”. Diese wiederum gehört zu rund 40% der Walfangfirma “Hvalur HF”, deren Aufsichtsratsmitglied und Geschäftsführer niemand anderes als Kristjan Loftsson ist. Die Opfer der isländischen Walfänger werden außerdem in den Fertigungshallen der Firma HB-Grandi zerlegt, was den Schluss erlaubt, dass deutsche Fischfirmen mit der Abnahme von HB-Grandi-Fisch zum Unterhalt des isländischen Walfangs beitragen. Für „Deutsche See“ wäre es daher dringend an der Zeit, aus dem Geschäft mit Kristjan Loftsoon auszusteigen, bis dieser die Jagd auf die bedrohten Finnwale einstellt. Damit würde das Unternehmen dem guten Beispiel der Firma „Frosta“ und der Supermarktkette „Norma“ folgen, die bereits öffentlich erklärt haben, keine Geschäftsbeziehungen mit HB-Grandi zu haben oder aufnehmen zu wollen.