Nach dem Willen der Bundesregierung soll im November der nächste Castor nach Gorleben rollen. Ein Transport der vollkommen unnötig ist. Nach der Stilllegung der acht Atomkraftwerke gibt es genügend Lagerkapazitäten in den grenznahen Zwischenlagern in Baden-Württemberg. Mit einer Lagerung in Süddeutschland könnte Deutschland seiner Rücknahmeverpflichtung nachkommen, die Transportstrecke würde verkürzt und Kosten könnten eingespart werden. Trotzdem halten alle beteiligten Parteien eisern daran fest den Transport nach Gorleben zu bringen.
Für Merkel ist es vermutlich undenkbar, den Castor an einen anderen Ort als Gorleben zu bringen. Dies würde die CDU-Stammklientel, die die Kanzlerin bereits mit Ihrer abrupten Atomkehrtwende vor den Kopf gestoßen hat, noch weiter verunsichern. Atomkraft war der Markenkern der Union und Gorleben ein Symbol für den Kampf dafür. Ein Kampf der Konservativen gegen die vermeintlich technikfeindlichen, langhaarigen Chaoten. Ein Kampf der mithilfe tausender Polizisten, Wasserwerfer und Räumpanzer geführt wurde. Eine Absage an Gorleben käme für die Union einem Eingeständnis gleich, dass sie jahrzehntelang auf der falschen Seite stand und die Langhaarigen auf der Richtigen.
Auf der anderen Seite die Grünen in Baden-Württemberg. Nach ihrer Machtübernahme gab es gleich einen bemerkenswerten Vorstoß: Im Koalitionsvertrag mit der SPD bekannten sie sich als erstes Bundesland neben Niedersachsen dazu, für eine Endlagersuche bereitzustehen. Wenn es allerdings ernst wird, sieht die Sache wohl ganz anders aus. Im Jahr 2010 forderten sie von der damaligen schwarz-gelben Landesregierung, Verantwortung für den Atommüll zu übernehmen und die Castoren aus Frankreich in ein Zwischenlager in Baden-Württemberg aufzunehmen. Nach der Regierungsübernahme ist dies auch für die Grünen kein Thema mehr. Sie lassen verlauten, es sei “aussichtslos, bis November eine Änderungsgenehmigung zu erwirken”.
Atommüll ist ein politisches Verliererthema und der Castor ein Schreckgespenst für die regierenden Parteien. Alle haben sie Angst, Wähler zu verlieren. Das macht sie zu Brüdern im Geiste, die im Stillen gut damit leben können, dass die Castor-Odyssee nach Gorleben auch dieses Jahr wieder stattfindet. Daher sind alle froh, auf Genehmigungsfristen und bürokratische Hürden verweisen zu können, um sich so der Verantwortung entziehen zu können. Denn natürlich wäre es möglich, den nächsten Castor nach Baden-Württemberg zu bringen. Da hat die Politik schon ganz andere Dinge geleistet, wenn sie es nur wollte.
Dass die Politik schon auf Tauchstation geht, wenn es “nur” um ein paar Castoren geht, zeigt wohin die Reise bei dem angekündigten Endlagersuchgesetz gehen wird. Alle werden über Verantwortung reden und man wird sich auf eine theoretische bundesweite Endlagersuche begeben, während weiter Castoren nach Gorleben rollen und der marode Salzstock weiter ausgebaut wird. Die kann dazu führen, dass Gorleben zum Endlager wird, obwohl allen bewusst ist, dass der Salzstock dafür vollkommen ungeeignet ist. Alle verantwortungsscheuen Politiker provozieren damit eine der größten Umweltkatastrophen, die es in Deutschland je gegeben hat.












