Gestern haben wir bereits darüber berichtet, wie sich RWE ein grünes Mäntelchen umhängen möchte. Heute wird deutlich, warum gerade dieser Konzern das so dringend nötig hat: RWE ist „Europameister der Klimasünder“! Na dann, Gratulation!
Die britische Klimaschutzkampagne Sandbag hat sich die Daten des europäischen Emmisionshandelssystems angeschaut. Ergebnis: Kein Unternehmen hat mehr Kraftwerke in den Top 10 der Dreckschleudern Europas als RWE. Allein das Kohlekraftwerk Niederaussem erzeugt mit seinen neun Blöcken 2,5 Prozent der gesamten Emissionen Deutschlands!
In besagtem Kraftwerk hat RWE gestern mit großem Tamtam eine Pilotanlage zur Rauchgaswäsche in Betrieb genommen. Rauchgaswäsche ist eines der Verfahren, die unter dem Oberbegriff CCS (Carbon Capture and Storage) laufen. Ziel ist es, das bei der Kohleverbrennung freiwerdende CO2 schon während der Stromproduktion abzuscheiden und anschließend zu lagern. So sollen die Auswirkungen für das Klima abgeschwächt werden.
Hört sich toll an … hat aber diverse Mängel:
1.Die Technologie wird frühestens 2022 serienreif sein. Auf dem Jahreskongress des BdEW verkündete RWE-Chef Jürgen Großmann, dass 2016-2018 die Demonstrationsanlagen aufgebaut sein sollen, und man dann noch fünf Jahre Betriebserfahrung brauche. „Dann kann man nachdenken, wie man es einführt.“ Wir müssen aber jetzt unsere Emissionen reduzieren und nicht erst in 15 Jahren. (Den Videomitschnitt gibt´s hier; Äußerung bei Minute 16:20)
2.Wer auf CCS setzt, verhindert Investitionen in Erneuerbare Energien. Neue Kohlekraftwerke – CCS hin oder her – bleiben für Jahrzehnte am Netz und zementieren so die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
3.Bisher wurde kaum ein Wort darüber verloren, wo das abgetrennte CO2 anschließend gelagert werden soll. Die wenigen Diskussionen darüber führten unweigerlich zu Zwist. Wie zuletzt auch innerhalb der schleswig-holsteinischen CDU.
4.In Deutschland fehlt außerdem bisher die rechtliche Grundlage, die CCS-Technologie flächendeckend einzusetzen.
Die Errichtung der CCS-Pilotanlage ist also auch nur ein weiteres Feigenblatt, mit dem der große graue RWE-Riese versucht, sich ein grünes Image zu verschaffen. Wirklich glaubwürdig wären nur Investitionen in Erneuerbare Energien. Deren Anteil beträgt bei RWE aktuell aber nur 15 Prozent der Gesamtinvestitionen. Der Rest geht in Kohle, Atom und Gas.














