Warum man Klimaskeptikern mit Skepsis begegnen sollte

11. Dezember 2009

Kaum läuft die Klimakonferenz in Kopenhagen, schon sprießen in zahlreichen Blogs die Einträge sogenannter Klimaskeptiker wie die Pilze im feuchten Waldboden. Auch hier im Greenpeace-Blog wird gegen Wissenschaftler und Klimaschützer polemisiert und mit krudesten Theorien “nachgewiesen”, dass es gar keinen Zusammenhang von CO2-Ausstoß und Klimawandel geben kann. Und wenn alles nicht mehr hilft, dann werden einfach mal ein paar Jahrhunderte Wissenschaftsgeschichte und einige Jahrzehnte Klimaforschung ignoriert, um überhaupt noch was zu sagen – oder wie in einem der Kommentare von “Matthias Steffen” zu lesen war

es ist verdammt schade, das Pflanzen nicht sprechen können. Mich würde interessieren was sie dazu zu sagen hätten, das ein haufen Klimahysteriker ihnen ihre Lebensgrundlage, nämlich das CO2, wegnehmen wollen.

Nicht wenigen Delegierten der Klimakonferenz in Kopenhagen kommt es sogar entgegen, dass sich Verschwörungstheoretiker und Klimaskeptiker für sie zu nützlichen Idioten machen. Denn sie vertreten nicht das Interesse zukünftiger Generationen sondern das der OPEC-Staaten und der Ölunternehmen.  Und die fürchten eine Abkehr von fossilen Brennstoffen wie der Teufel das Weihwasser. Ganz klar: Geld regiert die Welt, und ein Großteil der globalen Geldströme landet noch immer in den Taschen der Ölmultis.  Will aus Klimaschutzgründen keiner mehr ihr Öl, fließen auch keine Petrodollars mehr in ihre Taschen.

Eigentlich geht’s nur ums Geld

Ein Beispiel ist ExxonMobil, hierzulande bekannt unter dem Namen “Esso”. Der Konzern finanzierte zunächst George W. Bushs Weg ins Weiße Haus mit mehr als einer Million Dollar. Als Bush es dann ins Amt geschafft hatte, ließ ExxonMobil dem Präsidenten eine “Schwarze Liste” zukommen. Darauf zu finden waren Namen von Wissenschaftlern, die aus den Gremien der internationalen Klimaverhandlungen entfernt werden sollten. Wie sagt man so schön: Eine Hand wäscht die andere. Und so kam es, dass der Höchstnominierte, Dr. Robert Watson, seinen Vorsitz beim IPCC im April 2002 abgeben musste. Die US-Regierung hatte ihn nicht mehr nominiert.

Bush ist zwar der prominenteste, aber bei weitem nicht der einzige, der von ExxonMobil einiges an Asche zugesteckt bekommen hat. ExxonMobil betrieb strategische Desiformation. Allein zwischen 1998 und 2004 hat der Konzern mehr als 5 Millionen US-Dollar investiert, um von scheinbar unabhängigen Institutionen Unwahrheiten über den Klimawandel verbreiten zu lassen. Die gesamte Liste der bezahlten Organisationen findet ihr hier (S.5).

Wer nun damit kommen mag, dass das Klima sich schon immer geändert habe, mehr CO2 schließlich gut für die Pflanzen sei oder die Sonne an der globalen Erwärmung schuld wäre, dem lege ich folgenden Geo-Artikel ans Herz.

Sonst noch was? Ach ja, da war dieser Computer-Hack vor wenigen Wochen. Mehr als tausend private Mails von Klimaforschern, die den “Skeptikern” Wasser in ihre ausgetrockneten Mühlen zu gießen schien. Abgesehen davon, dass privater Mailverkehr immer noch privat bleiben sollte, ist an den Verschwörungstheorien der Klimaleugner wenig dran. Wer dennoch weiter auf diesem Computer-Hack beim Climatic Research Unit (CRU) der University of East Anglia in Großbritannien herumreiten möchte, dem sei der Post Heiko Wernings empfohlen.

Es ist wohl weniger dem Zufall zu verdanken, dass dieser “Skandal” kurz vor der Klimakonferenz in Kopenhagen publik wurde. Viel mehr ist es ein Hinweis darauf, dass im Hintergrund wieder mal viel in Bewegung gesetzt wurde, um wissenschaftliche Fakten zu verdrehen und öffentlich herunterzuspielen.

Öl und Kohle heizen an – das Klima kocht!

04. Dezember 2009

Bemühungen sind gut, Erfolge sind besser. Misserfolg muss nicht immer negativ sein, im Gegenteil: Fehler können dazu beitragen, dass wir aus ihnen lernen und zukünftig anders handeln. Mit dem Kyoto-Protokoll hatten sich die Unterzeichner-Staaten verbindlich auf eine Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen um 5,2 Prozent bis 2012 im Vergleich zu 1990 geeinigt. Damals war aber weder festgehalten worden wie die Staaten ihre Emissionen senken sollen, noch wurden Sanktionen vereinbart für jene, die die vereinbarten Ziele nicht erreichen. Das war ein Fehler, einer den die internationalen Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen nicht wieder begehen sollten.

Denn tatsächlich sind seit Kyoto weltweit keine Treibhausgasemissionen eingespart worden. Im Gegenteil: Es wurde noch einmal ordentlich zugelegt – vor allem beim Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) durch fossile Energieträger.

Die entsprechenden CO2-Emissionen stiegen allein seit dem Jahr 2000 um 29 Prozent an. Öl, Kohle und Gas – dieser Mix macht dem Klima zu schaffen. Selbst die Wirtschaftskrise konnte diesen Trend nicht stoppen. So erhöhte sich der CO2-Ausstoß im vergangenen Jahr noch einmal um zwei Prozent. Insgesamt liegen die globalen CO2-Emissionen durch fossile Brennstoffe heute um 41 Prozent höher als 1990. Gleichzeitig scheint die Natur das Treibhausgas langsam nicht mehr zu verkraften. Pflanzen und Meere gelten als sogenannte Kohlenstoffsenken. Sie nehmen einen Teil des CO2 auf, bevor es die Atmosphäre belastet. Vor 50 Jahren pufferten sie noch 60 Prozent des ausgestoßenen CO2, heute sind es schon 5 Prozent weniger. Das hat ein internationales Forscherteam im Fachjournal „Nature Geoscience“ bekannt gegeben.

Es gibt Fehler, die sich nicht mehr ausbügeln lassen. Welche, die fatale Folgen haben. Das Klima ist keine versalzene Suppe, aus der durch weniger Würzfreude beim nächsten Kochversuch ein delikates Mahl wird. Unser Klima kocht. Schon heute haben auch wir mit immer unberechenbareren Wetterextremen zu kämpfen. Ob Hochwasser, Wirbelstürme oder Hitzeperioden – der Klimawandel ist akut. In Kopenhagen muss ein verbindliches Abkommen verabschiedet werden. Und zwar eines, das Wege aufzeigt und Sanktionen ankündigt.

Mach mit und fordere Bundeskanzlerin Merkel dazu auf, für ein verbindliches Abkommen einzutreten: beim großen Klimaaktionstag am 5. Dezember. Schick deine Twitter-Nachricht mit dem Hashtag “#savetheclimate” auf die Greenpeace-Twitterwall! Mehr erfährst du hier.

Von der Lausitz in die Welt

27. November 2009

Alle Welt ist gespannt, welche Regierungschefs zu den internationalen Klimaverhandlungen in Kopenhagen erscheinen werden und – mindestens genauso wichtig – was diese dann dort auf die Beine stellen oder eben in den Sand setzen werden. Im Dezember geht es in Kopenhagen um ein Nachfolgeprotokoll zu Kyoto.

Das was die Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen im großen Stil beschließen sollen, erledigen am Samstag in der Lausitz Vertreter aus Deutschland und Polen im kleinen Rahmen. Sie werden eine internationale Resolution für den Klimaschutz unterzeichnen.

Globaler Klimaschutz beginnt auf lokaler Ebene. In Polen haben die Bürger schon geschafft, was sich ihre Nachbarn auf deutscher Seite wünschen: Sie haben sich erfolgreich gegen neue Tagebaupläne gewehrt. Doch Klimaschutz kennt keine Grenzen. Aus diesem Grund werden deutsche gemeinsam mit polnischen Vertretern gut eine Woche vor Beginn der Verhandlungen von Kopenhagen auf einer Veranstaltung im brandenburgischen Groß Gastrose zusammen kommen. In der Turnhalle des Ortes wird es verschiedene Vorträge zum Thema Tagebau, Kohle und Klimaschutz geben. Auch Klima-Expertin Anike Peters von Greenpeace wird dort zum sprechen und darlegen, warum es mit dem Neubau von Kohlekraftwerken keinen Klimaschutz geben kann.

Sucht man nach einem Grund, weswegen eine solche Veranstaltung an genau diesem Ort statt findet, ist “Kohle” das Stichwort. In Brandenburg liegt der pro Kopf Ausstoß von CO2 bei etwa 23 Tonnen im Jahr. Das ist mehr als das doppelte des Bundesdurchschnitts. Doch dieser enorm hohe Ausstoß an Treibhausgasen ist nicht etwa das persönliche Verschulden der Bewohner der Region. Vielmehr haben sie einfach das Pech, dass es in ihrer Heimat einen für rückständig wirtschaftende Energieversorger immer noch wertvollen Rohstoff zu holen gibt. Die Lausitz ist Braunkohlerevier. Und da es am günstigsten ist, einen Rohstoff möglichst dort zu verarbeiten, wo er gefördert wird, wird die Braunkohle auch vielfach in der Region verfeuert.

In Deutschland sind 27 neue Kohlekraftwerke geplant. Trotz Wissen über den Klimawandel und trotz der Tatsache, dass bei der Kohleverfeuerung enorme Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre geblasen werden. Braunkohle stellt dabei das schlimmste Übel dar, ist sozusagen Klimakiller No. 1. In Deutschland ist sie für 20 Prozent der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich. Und es soll noch mehr Kohle verfeuert und noch mehr CO2 in die Atmosphäre geblasen werden. So wünschen es zumindest raffgierige, nicht am Klima sondern ihrem persönlichen Gewinn interessierte Energieversorgungsunternehmen. Die Politik bietet diesem Wahnsinn keinen Einhalt.

Für die Menschen in der Gegend geht es also um viel. Es ist nicht nur der Anblick der durch den Tagebau zerstörten Natur, der sie in ihrem ästhetischen Empfinden beeinträchtigen könnte. Es ist viel mehr. Oft geht es komplett um ihre Heimat. In der Lausitz werden dem Braunkohle-Abbau oft ganze Dörfer geopfert.

Zur Veranstaltung in Groß Gastrose sind alle Interessierten eingeladen. Kommt vorbei und informiert euch. Darüber, warum es keine neuen Tagbauten geben darf. Und darüber, wieso globaler Klimaschutz nur funktionieren kann, wenn auch lokal gehandelt wird.