Nach zwei Zwischenstopps in Rendsburg und Kiel durchqueren wir jetzt das Bornholmsgatt, die Meerenge zwischen der dänischen Insel Bornholm und der schwedischen Küste. Seit ungefähr einer Stunde werden wir von einem kleineren Schnellboot der schwedischen Küstenwache begleitet, die uns anscheinend liebgewonnen haben. Bis zum Einbruch der Dunkelheit weichen sie uns nicht von der Seite, nehmen aber auch keinen Funkkontakt zu uns auf.

Langsam kehrt etwas Gelassenheit in das Bordleben auf der ‘Beluga II’ ein. Das gilt zumindest für mich, als ‘Landratte’. Obwohl ich schon einige Fahrten sowohl auf der ‘Beluga II’ als auch auf anderen Greenpeace-Schiffen mitgemacht habe, bin ich bisher noch nie so intensiv in die eigentlichen Arbeiten zur Schiffsführung eingespannt gewesen, wie diesmal. Die Wacheinteilung sieht jeweils vier Stunden Wache und anschließend acht Stunden wachfreie Zeit für jeweils zwei Crewmitglieder vor. Für die Überfahrt nach St. Petersburg sind wir nur insgesamt sechs Personen an Bord des Seglers. Neben mir und Birte, die über unsere Reise und das Leben auf der Beluga II bloggt, sind zurzeit noch vier Männer an Bord:
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Steffen
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Stefan
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Christian
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Uwe, der Kapitän
Bei günstigem Wind fahren wir auch unter Segeln – wie es sich gehört. Und wir haben günstigen Wind. Er weht schon seit unserer Abreise aus Kiel vor zwei Tagen aus westlichen Richtungen und schiebt uns vor sich her. Die Segel müssen also je nach aktueller Situation ausgerichtet, eingeholt oder gesetzt werden, alles per Hand und – wie in meinem Fall – auch von Menschen, die eigentlich nicht wissen, wie das geht und was sie da eigentlich tun. Entsprechend einfältig stellt man sich dann eben auch an und versucht, möglichst wenig Sinnloses zu tun. Wie dem auch sei, bisher hat sich noch niemand ernsthaft beschwert und ich sammle jeden Tag neue Erfahrungen.
Auch sprachlich lerne ich dazu. So weiß ich inzwischen etwa, was ein “Bulle” ist, eine “Nuss” oder dass ich etwa ein Seil nicht einfach langsam freigebe, sondern “fiere” und nicht etwa einfach nur daran ziehe, sondern es “dichthole”.

Belegter Nagel

Belegte Klampe
Und wenn die Fock eine Großhalse (… nicht nachweisbarer, und eher frei generierter Seemannsausdruck …) hat, heißt das nicht etwa, dass jemand einen dicken Hals hat, sondern dass sich das Focksegel mangels Windes zur falschen Seite hin ausbeult und neu ausgerichtet werden muss. Wenn es dann immer noch nicht klappt, werden die Segel einfach mittschiffs backgeschotet und dann geht es schon weiter. Hier an Bord werden auch nicht etwa nur Zimmer oder Kojen belegt, sondern auch Klampen und sogenannte Belegnägel.
Wie gut, dass ich eine gewisse Sprachbegabung habe …
Der gewohnte Tagesrhythmus ordnet sich neu und wird nun von dem Wechsel Wache/ wachfreie Zeit bestimmt.