Kumi auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

27. Januar 2012

Der Autor Kumi Naidoo ist Geschäftsführer von Greenpeace International und zur Zeit in Davos. Sein Beitrag findet sich im Orignal auf Englisch hier.

Sollte ich Professor Klaus Schwab in Davos über den Weg laufen, der das Weltwirtschaftsforum (WEF) gegründet hat und leitet, werde ich ihn an den Sinn der Veranstaltung erinnern. Schwab hat das WEF beschrieben als “Plattform für gemeinschaftliches Denken und Suchen nach Lösungen, nicht für das Treffen von Entscheidungen”.

Das Meeting in Davos ist vielleicht keine Bastion der Demokratie, Transparenz und Teilhabe, aber es ist durchaus der rechte Platz, um Lösungen zu diskutieren und Pläne zu schmieden, um die Krisen-Kakophonie anzugehen, die unseren Planeten heimsucht. Und durchaus können hier wichtige Entscheidungen getroffen werden – durch Unternehmen, Politiker und Firmenchefs.

Es ist an der Zeit, dass die Frustration der Öffentlichkeit über die wachsende soziale Ungleichheit zwischen Ländern und in Ländern bei diesem Treffen der Mächtigen thematisiert wird. Es ist an der Zeit, dass die Mächtigen erklären, wie der Übergang vom Verbrauch von Primärresourcen zu mehr Umweltschutz aussehen kann. Und wie der Sprung zu Produktionszyklen zu schaffen ist, die keine Giftstoffe nötig haben, die hinterher in der Umwelt landen. Es ist außerdem an der Zeit, dass die Priveligierten dieser Welt erklären, wie sie die Zerstörung der Natur und unseres Lebensraumes durch das Streben nach privaten Profiten unterbinden wollen.

Ich weiß aus erster Hand, dass hier in Davos ein Grundstein für richtige Entscheidungen und Schritte gelegt werden kann. Im letzten Jahr erfuhr hier die damalige Marketingchefin von Facebook, Randi Zuckerberg, dass Greenpeace von dem Unternehmen verlangt, dass Facebook Kohle die Freundschaft kündigt (“to unfriend coal”) und Erneuerbare Energien unterstützt. Randi hörte uns zu und nahm unsere Forderung – und ein T-Shirt – mit in die Facebook-Zentrale. Ende 2011 kündigte Facebook schließlich an, künftig Erneuerbare zu unterstützen, und verpflichtete sich, für seine Datenzentren Standorte mit sauberer und erneuerbarer Energieversorgung zu bevorzugen.

Wir kennen die Lösungen bereits: Was wir brauchen, sind Führungskraft von Regierungen und das Bekenntnis der Firmenchefs zu dringenden und ambitionierten Maßnahmen zum Schutz der Umwelt. Und wir brauchen eine nachhaltige Zukunft für unsere Kinder und Enkelkinder; Regierungen müssen den Menschen zuhören und nicht den Umweltverschmutzern. Andernfalls führen sie uns schlafwandelnd in eine Krise epischen Ausmaßes und setzen unsere (und ihre) Zukunft aufs Spiel. (…)

Im Namen von Greenpeace und seiner Unterstützer werde ich beim WEF Unternehmen und Regierungen zur Verantwortung ziehen und sicherstellen, dass die Stimmen gegen die ökologische Zerstörung und wachsende Ungleichheit im WEF Gehör finden.

GreenBites, der Podcast von Greenpeace: #20 – Von wegen Müll

29. Dezember 2011

Da liegt schon mal ein Vorrat für ein halbes Jahr im Müll – gemeint sind Lebensmittel. Ilka und Katharina wissen, was weggeschmissen wird und erzählen auch, was einige Supermärkte unternehmen, damit die Lebensmittel im Müll bleiben und nicht doch noch auf dem Tisch landen.

GreenBites, der Podcast von Greenpeace: #20 – Von wegen Müll by GreenpeaceDe

Kein Player zu sehen? Klickt hier!

Mehr über den Film “Taste the Waste” findet ihr auf www.tastethewaste.com. Was es mit dem Mindeshaltbarkeitsdatum auf sich hat, hat auch Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter in seinem Blog beschrieben.


Milchprodukte im Supermarkt - ©Axel Kirchhof/Greenpeace

Milchprodukte im Supermarkt - ©Axel Kirchhof/Greenpeace

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GreenBites – das ist der neue Podcast von Greenpeace! Aktuelles aus der Greenpeace-Welt – kurz und knapp erzählt. Was wollt ihr von uns hören? Schreibt in das Kommentar-Feld, welche Fragen euch bewegen. Hier findet ihr alle bisherigen Podcast-Folgen. Ihr könnt euch den Podcast auch als RSS-Feed abonnieren.

Revolution im Schrank

21. Oktober 2011

Wie kombiniert man Mode und Moral? Ganz einfach. Weniger einkaufen, bewusster wählen und besser auf die Kleidung achten. Top-Tipps für eine attraktive Verbindung:

Non-Toxic-Modenschau in Madrid. ©Jean-Marc Manson/Greenpeace

Non-Toxic-Modenschau in Madrid. ©Jean-Marc Manson/Greenpeace

Kauft Klassiker

Vier bis fünf neue Kleidungsstücke kauft jeder Deutsche im Monat – etliche davon werden nie getragen. Deshalb ist es eine gute Idee, sich zu fragen: “Brauche ich das wirklich?”, bevor man zugreift. Und dann Teile zu bevorzugen, die nicht nach einer Saison out sind, sondern das Zeug zum Klassiker haben. Denn wahrlich ökologisch ist Kleidung, die lange getragen wird.

Setzt auf Qualität

Handwerklich gut gemachte Kleidung ist gar nicht so leicht zu finden. Checkt bei Teilen, die ihr kaufen wollt, die Nähte, die Reißverschlüsse und Knöpfe, denn das sind bekanntlich Sollbruchstellen. Das gilt auch bei Schuhen, ein Blick darauf, wie gut die Sohle befestigt ist, lohnt sich immer. Lasst hängen, was gleich so aussieht, als überstünde es nicht mal die erste Wäsche. Auch grüne Mode muss halten: Wenn der Knopf aus Kokosnussschale nach dem Waschen schrumpelig ist und sich irgendwann ganz auflöst, beschwert euch und dringt auf Alternativen. Das ist schlicht Fashion-Schrott.

Steigt um auf Biobaumwolle

Konventionelle Baumwolle ist eine empfindliche Pflanze, die aufwändig mit Dünger und Pestiziden gepäppelt werden muss – und erheblich bewässert. In einem Shirt stecken 150 Gramm Pestizide und 2000 Liter Wasser. Biobaumwolle ist eine gute Alternative, denn sie wurzelt auf giftfreien Äckern. Fangt an, zumindest bei den Basics wie T-Shirts, Unterwäsche oder Kindersachen auf Kleidung aus Biobaumwolle umzusteigen. Und sie ist auch zu bekommen. In den Shoppingmeilen der Städte genauso wie in kleinen Läden, die sich auf grüne Kollektionen spezialisiert haben. Wer weiter draußen wohnt, kann via Internet bestellen. Anbieter und Läden nennen die “Grünen Listen”, die sich auf dem Blog www.gruenemode.de kostenlos herunterladen lassen.

Seid skeptisch bei neuen Fasern

Tappt nicht in die Faser-Falle. Kein Zweifel, dass ihr von dem Hype um Bambus, Soja, Milchfaser oder Recycling jeder Art gehört habt. Die Idee, Alternativen zu suchen, ist richtig. Aber einiges ist zweifelhaft. Beispielsweise Bambus. Wächst zwar schnell, dient aber – simpel gesagt – als Holz-Ersatz um Zellulose zu liefern, die dann zu Viskose weiterverarbeitet wird. Um die Zellulose auszukochen und die Spinnmasse zu gewinnen, ist der ausgiebige Einsatz von Chemikalien nötig. Von “öko” kann man da nicht mehr reden. Greift nicht zu, nur weil “Eco” oder ähnliches drauf steht. Macht euch vorher schlau. Allerdings können nicht nur Naturfasern “öko” sein, prinzipiell lassen sich auch Kunstfasern sauber verarbeiten.

Nehmt die Label unter die Lupe

Es ist nicht leicht, sich im Label-Dschungel zurechtzufinden. Was garantiert der Öko-Tex Standard, was die Euroblume und was heißt das Kürzel GOTS? Welche Label haben die Hersteller selbst kreiert, was davon wird unabhängig kontrolliert? Wer Bescheid wissen will, kann bei Greenpeace recherchieren. Achtet auf das einzig weltweit gültige Siegel, den “Global Organic Textile Standard” – kurz GOTS – der jetzt im Kommen ist. Dieses Label garantiert, dass das Kleidungsstück auf dem g a n z e n Weg bis in den Schrank pur und weitgehend ohne Mitgift bleibt. Allerdings werden nur Naturfasern damit zertifiziert.

Sagt nein zu Kinderarbeit

Wie stelle ich sicher, dass keine Kinderarbeit in meinem T-Shirt steckt? Keine einfache Sache. Selbst wenn Kleidung eher teuer ist, kann sie in einem Sweatshop gemacht worden sein. Zwar ist der Textilindustrie dank des Druckes von Nichtregierungsorganisationen inzwischen klar, dass Kinderarbeit ein absolutes Tabu ist, aber die Kontrollen sind nach wie vor nicht lückenlos. Eklatantestes Beispiel ist die Baumwollernte in Usbekistan, wo regelhaft im Sommer die Schulen geschlossen werden und die Kinder vom Staat auf die Felder gezwungen werden.

Sagt ja zu fairen Preisen

Fairtrade-Produkte boomen. Neben Kaffee, Tee, Bananen und Schokolade gibt es auch Textilien (www.transfair.org). Der faire Handel hilft vor allem den Menschen, die die Waren produzieren. In ärmeren Ländern garantiert “Fairtrade” menschenwürdige Arbeitsbedingungen und einen guten Preis für gute Ware. Ein Manko bei der grünen Mode ist, dass fair nicht automatisch bio bedeutet und umgekehrt. Ökologie und Ethik im Doppelpack ist bei Kleidung schwer zu bekommen. Fairness für diejenigen, die die Kleidung nähen, garantiert auch die Fair Wear Foundation. Viele Outdoorhersteller, die es ernst meinen mit ihrer sozialen Verantwortung, sind dort Mitglied.

Lasst euch nicht lumpen

Menschen bringen Sachen aus vielen Gründen in Secondhand Läden -  Sachen, die noch zu einer Oscar-Verleihung tragbar wären genauso wie abgewetzte Denims. Gönnt Sachen, die ausgemustert wurden, ein zweites Leben und bereichert damit das Sortiment im Secondhand-Laden, tauscht oder verschenkt eure guten Stücke!. Tauschparties findet ihr unter: www.klamottentausch.net.

Wascht weniger, wascht grüner

Lastet die Füllmenge der Maschine bei Normalwäsche immer maximal aus. In der Regel fasst eine Trommel rund fünf Kilogramm -  im Schnitt werden nur drei Kilogramm hineingestopft! Und: Der meiste Strom wird durch das Aufheizen der Maschine verbraucht – also runter mit den Temperaturen. Normal verschmutzte Buntwäsche wird bereits bei 30 Grad gut sauber. Dafür werden jetzt selbst die Waschmittel-Hersteller. Meistens reicht übrigens die Hälfte der angegebenen Waschmittel-Menge. Klingt bieder, aber prüft, ob nicht Lüften mancher Teile reicht!

Schneidert selbst

Do it yourself ist angesagt. Wer talentiert ist, wagt selber einen Versuch. Wem die Hürde zu hoch ist, versucht mutig einmal aus einer ausrangierten Jeans eine “Blue bag” zu machen. Und sollte ein gutes Stück mal ein wenig ramponiert sein: Knöpfe annähen oder einen Reißverschluss austauschen sollte man können. Als Muse dienen Großmütter, Mütter, selbst Schwiegermütter. Wer auf Nummer sicher gehen will, sucht um die Ecke den Schneider seines Vertrauens. Und was andere so können, lässt sich oft auf den Plattformen DaWanda oder Etsy bewundern.

Werdet aktiv – seid laut und stellt Fragen

Farbe bekennen ist eine gute Sache. Fragt in eurer Lieblingsboutique oder Ladenkette nach clean clothes oder grüner Mode und verbreitet die Botschaft, was es schon alles (bei der Konkurrenz) gibt. Beim ersten Mal werden die Verkäuferinnen pampig und verweisen auf das unerreichbare Callcenter des Herstellers – bleibt hartnäckig. Manche halten euch vielleicht für die mittelalterliche Inquisition, aber wen schert das? Erklärt weiterhin, dass ihr nicht in Jutesäcken und Filzlatschen die Welt retten wollt, sondern auf tragbares Design besteht. Checkt die Webseiten eurer Lieblingsmarken und seht, ob sie Umweltschutz-Ziele – besonders zur Chemikalienpolitik – verankert haben. Wenn nicht, lasst sie wissen, ihr würdet ihre Fummel mögen, aber Verbesserungen fordern.

Macht mit bei einer Kampagne

Unterstützt Nichtregierungsorganisationen wie das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN), die Kampagne für Saubere Kleidung, die sich für eine saubere und sozialverträgliche Textilproduktion einsetzen oder Detox von Greenpeace!

Werft nicht alles weg

Wenn Sachen noch halbwegs in Ordnung sind, aber ausrangiert werden sollen, kann man sie an karitative Organisationen spenden! Da findet sich vieles auch gleich um die Ecke in der eigenen Stadt. Wer bundesweit nach korrekten Altkleidersammlern sucht, wird unter fairwertung.org fündig.

Gebt was zurück

Hersteller wie Patagonia oder Nachwuchsstars wie Pyua bieten an, ausgediente Altkleider zurückzunehmen. Dazu müssen diese Windbreaker oder Wanderschuhe allerdings in die Läden zurückgebracht werden. Die Rücklaufquoten sind bisher gering. Fordert auch von anderen Herstellern, zurückzunehmen und zu recyceln. Mit tragbaren Ergebnissen. Der Song zum Tipp: “Reduce, Reuse, Recycle” von Musiker und Surfer Jack Johnson. Müssten alle Hersteller ihre Sachen zurücknehmen, würden sie von Anfang an sauberer produzieren.

Verbreitet die Botschaft

Erzählt euren Freunden von der Verschmutzung durch die Textilindustrie – Bewusstsein zu schaffen, ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer giftfreien Modebranche.

Die Autorin Kirsten Brodde schreibt für das Blog www.gruenemode.de. Wir haben auch zwei Podcasts mit ihr gemacht. Hört doch mal rein: Teil 1 und Teil2.

Und nun interessieren wir uns für eure Tipps. Wie handhabt ihr es mit der Mode?