Wie kombiniert man Mode und Moral? Ganz einfach. Weniger einkaufen, bewusster wählen und besser auf die Kleidung achten. Top-Tipps für eine attraktive Verbindung:

Non-Toxic-Modenschau in Madrid. ©Jean-Marc Manson/Greenpeace
Kauft Klassiker
Vier bis fünf neue Kleidungsstücke kauft jeder Deutsche im Monat – etliche davon werden nie getragen. Deshalb ist es eine gute Idee, sich zu fragen: “Brauche ich das wirklich?”, bevor man zugreift. Und dann Teile zu bevorzugen, die nicht nach einer Saison out sind, sondern das Zeug zum Klassiker haben. Denn wahrlich ökologisch ist Kleidung, die lange getragen wird.
Setzt auf Qualität
Handwerklich gut gemachte Kleidung ist gar nicht so leicht zu finden. Checkt bei Teilen, die ihr kaufen wollt, die Nähte, die Reißverschlüsse und Knöpfe, denn das sind bekanntlich Sollbruchstellen. Das gilt auch bei Schuhen, ein Blick darauf, wie gut die Sohle befestigt ist, lohnt sich immer. Lasst hängen, was gleich so aussieht, als überstünde es nicht mal die erste Wäsche. Auch grüne Mode muss halten: Wenn der Knopf aus Kokosnussschale nach dem Waschen schrumpelig ist und sich irgendwann ganz auflöst, beschwert euch und dringt auf Alternativen. Das ist schlicht Fashion-Schrott.
Steigt um auf Biobaumwolle
Konventionelle Baumwolle ist eine empfindliche Pflanze, die aufwändig mit Dünger und Pestiziden gepäppelt werden muss – und erheblich bewässert. In einem Shirt stecken 150 Gramm Pestizide und 2000 Liter Wasser. Biobaumwolle ist eine gute Alternative, denn sie wurzelt auf giftfreien Äckern. Fangt an, zumindest bei den Basics wie T-Shirts, Unterwäsche oder Kindersachen auf Kleidung aus Biobaumwolle umzusteigen. Und sie ist auch zu bekommen. In den Shoppingmeilen der Städte genauso wie in kleinen Läden, die sich auf grüne Kollektionen spezialisiert haben. Wer weiter draußen wohnt, kann via Internet bestellen. Anbieter und Läden nennen die “Grünen Listen”, die sich auf dem Blog www.gruenemode.de kostenlos herunterladen lassen.
Seid skeptisch bei neuen Fasern
Tappt nicht in die Faser-Falle. Kein Zweifel, dass ihr von dem Hype um Bambus, Soja, Milchfaser oder Recycling jeder Art gehört habt. Die Idee, Alternativen zu suchen, ist richtig. Aber einiges ist zweifelhaft. Beispielsweise Bambus. Wächst zwar schnell, dient aber – simpel gesagt – als Holz-Ersatz um Zellulose zu liefern, die dann zu Viskose weiterverarbeitet wird. Um die Zellulose auszukochen und die Spinnmasse zu gewinnen, ist der ausgiebige Einsatz von Chemikalien nötig. Von “öko” kann man da nicht mehr reden. Greift nicht zu, nur weil “Eco” oder ähnliches drauf steht. Macht euch vorher schlau. Allerdings können nicht nur Naturfasern “öko” sein, prinzipiell lassen sich auch Kunstfasern sauber verarbeiten.
Nehmt die Label unter die Lupe
Es ist nicht leicht, sich im Label-Dschungel zurechtzufinden. Was garantiert der Öko-Tex Standard, was die Euroblume und was heißt das Kürzel GOTS? Welche Label haben die Hersteller selbst kreiert, was davon wird unabhängig kontrolliert? Wer Bescheid wissen will, kann bei Greenpeace recherchieren. Achtet auf das einzig weltweit gültige Siegel, den “Global Organic Textile Standard” – kurz GOTS – der jetzt im Kommen ist. Dieses Label garantiert, dass das Kleidungsstück auf dem g a n z e n Weg bis in den Schrank pur und weitgehend ohne Mitgift bleibt. Allerdings werden nur Naturfasern damit zertifiziert.
Sagt nein zu Kinderarbeit
Wie stelle ich sicher, dass keine Kinderarbeit in meinem T-Shirt steckt? Keine einfache Sache. Selbst wenn Kleidung eher teuer ist, kann sie in einem Sweatshop gemacht worden sein. Zwar ist der Textilindustrie dank des Druckes von Nichtregierungsorganisationen inzwischen klar, dass Kinderarbeit ein absolutes Tabu ist, aber die Kontrollen sind nach wie vor nicht lückenlos. Eklatantestes Beispiel ist die Baumwollernte in Usbekistan, wo regelhaft im Sommer die Schulen geschlossen werden und die Kinder vom Staat auf die Felder gezwungen werden.
Sagt ja zu fairen Preisen
Fairtrade-Produkte boomen. Neben Kaffee, Tee, Bananen und Schokolade gibt es auch Textilien (www.transfair.org). Der faire Handel hilft vor allem den Menschen, die die Waren produzieren. In ärmeren Ländern garantiert “Fairtrade” menschenwürdige Arbeitsbedingungen und einen guten Preis für gute Ware. Ein Manko bei der grünen Mode ist, dass fair nicht automatisch bio bedeutet und umgekehrt. Ökologie und Ethik im Doppelpack ist bei Kleidung schwer zu bekommen. Fairness für diejenigen, die die Kleidung nähen, garantiert auch die Fair Wear Foundation. Viele Outdoorhersteller, die es ernst meinen mit ihrer sozialen Verantwortung, sind dort Mitglied.
Lasst euch nicht lumpen
Menschen bringen Sachen aus vielen Gründen in Secondhand Läden - Sachen, die noch zu einer Oscar-Verleihung tragbar wären genauso wie abgewetzte Denims. Gönnt Sachen, die ausgemustert wurden, ein zweites Leben und bereichert damit das Sortiment im Secondhand-Laden, tauscht oder verschenkt eure guten Stücke!. Tauschparties findet ihr unter: www.klamottentausch.net.
Wascht weniger, wascht grüner
Lastet die Füllmenge der Maschine bei Normalwäsche immer maximal aus. In der Regel fasst eine Trommel rund fünf Kilogramm - im Schnitt werden nur drei Kilogramm hineingestopft! Und: Der meiste Strom wird durch das Aufheizen der Maschine verbraucht – also runter mit den Temperaturen. Normal verschmutzte Buntwäsche wird bereits bei 30 Grad gut sauber. Dafür werden jetzt selbst die Waschmittel-Hersteller. Meistens reicht übrigens die Hälfte der angegebenen Waschmittel-Menge. Klingt bieder, aber prüft, ob nicht Lüften mancher Teile reicht!
Schneidert selbst
Do it yourself ist angesagt. Wer talentiert ist, wagt selber einen Versuch. Wem die Hürde zu hoch ist, versucht mutig einmal aus einer ausrangierten Jeans eine “Blue bag” zu machen. Und sollte ein gutes Stück mal ein wenig ramponiert sein: Knöpfe annähen oder einen Reißverschluss austauschen sollte man können. Als Muse dienen Großmütter, Mütter, selbst Schwiegermütter. Wer auf Nummer sicher gehen will, sucht um die Ecke den Schneider seines Vertrauens. Und was andere so können, lässt sich oft auf den Plattformen DaWanda oder Etsy bewundern.
Werdet aktiv – seid laut und stellt Fragen
Farbe bekennen ist eine gute Sache. Fragt in eurer Lieblingsboutique oder Ladenkette nach clean clothes oder grüner Mode und verbreitet die Botschaft, was es schon alles (bei der Konkurrenz) gibt. Beim ersten Mal werden die Verkäuferinnen pampig und verweisen auf das unerreichbare Callcenter des Herstellers – bleibt hartnäckig. Manche halten euch vielleicht für die mittelalterliche Inquisition, aber wen schert das? Erklärt weiterhin, dass ihr nicht in Jutesäcken und Filzlatschen die Welt retten wollt, sondern auf tragbares Design besteht. Checkt die Webseiten eurer Lieblingsmarken und seht, ob sie Umweltschutz-Ziele – besonders zur Chemikalienpolitik – verankert haben. Wenn nicht, lasst sie wissen, ihr würdet ihre Fummel mögen, aber Verbesserungen fordern.
Macht mit bei einer Kampagne
Unterstützt Nichtregierungsorganisationen wie das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN), die Kampagne für Saubere Kleidung, die sich für eine saubere und sozialverträgliche Textilproduktion einsetzen oder Detox von Greenpeace!
Werft nicht alles weg
Wenn Sachen noch halbwegs in Ordnung sind, aber ausrangiert werden sollen, kann man sie an karitative Organisationen spenden! Da findet sich vieles auch gleich um die Ecke in der eigenen Stadt. Wer bundesweit nach korrekten Altkleidersammlern sucht, wird unter fairwertung.org fündig.
Gebt was zurück
Hersteller wie Patagonia oder Nachwuchsstars wie Pyua bieten an, ausgediente Altkleider zurückzunehmen. Dazu müssen diese Windbreaker oder Wanderschuhe allerdings in die Läden zurückgebracht werden. Die Rücklaufquoten sind bisher gering. Fordert auch von anderen Herstellern, zurückzunehmen und zu recyceln. Mit tragbaren Ergebnissen. Der Song zum Tipp: “Reduce, Reuse, Recycle” von Musiker und Surfer Jack Johnson. Müssten alle Hersteller ihre Sachen zurücknehmen, würden sie von Anfang an sauberer produzieren.
Verbreitet die Botschaft
Erzählt euren Freunden von der Verschmutzung durch die Textilindustrie – Bewusstsein zu schaffen, ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer giftfreien Modebranche.
Die Autorin Kirsten Brodde schreibt für das Blog www.gruenemode.de. Wir haben auch zwei Podcasts mit ihr gemacht. Hört doch mal rein: Teil 1 und Teil2.
Und nun interessieren wir uns für eure Tipps. Wie handhabt ihr es mit der Mode?