Neuer Rost aus alten Schläuchen

09. September 2014

Die Steinitzer Alpen haben flache Gipfel aber hübsche Wälder. Das kleine Wandergebiet in der Lausitz ist bei Ausflüglern beliebt. Wie lange das noch so sein wird, ist dagegen fraglich, denn etwas stimmt nicht in den Steinitzer Alpen.

Verockerung der Spree um Spremberg in der Lausitz

Mitten im Wald liegt ein maroder Schlauch und spritzt Wasser in alle Richtungen. Dort wo es sich zu einem kleinen Bächlein vereint, verfärbt sich der Boden darunter ockerbraun. Gerade so, als ob der Wald zu rosten beginnt.

Es sprudelt ... (September 2014, © Greenpeace)

Wir kennen diese Bilder bislang nur von Spreezuflüssen wie der Wudritz. “Braune Spree” heißt das Phänomen, Verockerung der Prozess. Im vergangenen Sommer hat Greenpeace an der Wudritz und anderen Fließen Wasserproben genommen und den Eisengehalt der braunen Brühe gemessen. Damals hieß es stets: Die braune Spree, das haben uns die alten, längst geschlossenen DDR-Tagebaue eingebrockt. Diesmal sind wir in die Steinitzer Alpen gefahren, in unmittelbarer Nähe baggert Vattenfall im Tagebau Welzow Süd I seit Jahren nach Braunkohle.

Nur wenige hundert Meter von Steinitz entfernt, findet man ein Rohr, das Wasser in einen Fließ speit. Oberhalb des Rohres ist das Wasser klar, unterhalb dagegen rostbraun. Blätter, Bäume, Sträucher – alles wird von einer ockerroten Schicht überzogen, Sedimente aus Rostschlamm. Offensichtlicher kann es kaum werden: Die Verockerung des Gewässers hängt mit Einleitungen wie dieser zusammen. Und dieses Rohr ist eine offizielle Einleitstelle von Vattenfalls aktivem Tagebau Welzow Süd I.

... und fließt (September 2014, © Greenpeace)

Bislang hat Vattenfall einen Zusammenhang zwischen Verockerung und den aktiven Tagebauen stets bestritten. Aber nicht nur die Bilder vor Ort sind eindeutig, die Messungen des Eisengehalts belegen den Verdacht: Vattenfalls Tagebaue verschlechtern schon heute die Wasserqualität in Brandenburg.

Während sich das Land Brandenburg und Vattenfall weiter die Verantwortung für die Verockerung zuschieben und Besserungen versprechen, fließt Tag für Tag mehr eisenhaltiges Wasser jenseits aller Genehmigungen in Richtung Spree. Das beschädigt nicht nur die Umwelt, sondern auch die Glaubwürdigkeit Vattenfalls.

Wie können neue Braunkohle-Tagebaue in Brandenburg genehmigt werden, wenn die Betreiber nicht mal in der Lage sind, die bereits aktiven ordnungsgemäß zu führen? Wie kann ein Bundesland zusehen, wie seine Umwelt zerstört wird – für einen Energieträger, der das Klima zerstört? Wie kann die Politik einem Konzern vertrauen, der nicht willens oder nicht in der Lage ist, seine gesetzlichen Vorgaben einzuhalten?

Vor Ort im September 2014, © Greenpeace

Fragen über Fragen – Greenpeace jedenfalls hat gemeinsam mit dem BUND Strafanzeige gegen Vattenfall erstattet, um dem Treiben ein Ende zu setzen.

Beteiligt euch an unserer Protestaktion: Fordert mit uns gemeinsam den Regierenden Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, auf, gegen die Verschmutzung des Wassers vorzugehen. Nur schnelles Handeln kann Vattenfalls Kohlepläne stoppen und die Spree retten >>> www.greenpeace.de/braunkohlestoppen.

Keiner mag Walfleisch

27. August 2014

Unglaublich – Norwegens Walfänger feiern die höchste Abschussquote seit über zwanzig Jahren. Die Walfangsaison 2014 neigt sich dem Ende zu und 729 Minkewale fanden den Tod durch Harpunen.

Offensichtlich haben das gute Sommerwetter, die entsprechend ruhige See und wenig Wind den Walfängern in die Hände gespielt. Menschliche Gier und ein klein wenig Mordlust waren dabei wohl auch von Bedeutung. Denn eigentlich ist bekannt, dass niemand das Fleisch essen will. Weder die Norweger selbst, noch die Japaner, an die ein Teil des Walfleisches geliefert werden soll. Der Markt für Walfleisch ist eingebrochen, er existiert nahezu nicht mehr. Das gibt ein Sprecher der norwegischen Fangflotte  auch unumwunden zu. Und doch interessiert ihn die Absatzschwierigkeit relativ wenig. Wie traurig, wie dumm.

Auch die isländischen Walfänger melden den Abschuss von beinahe 100 Finnwalen – und die Saison ist noch nicht vorbei. Die Quote liegt bei 154 Tieren, im letzten Jahr wurden 139 Finnwale getötet. Anders als bei der norwegischen Minkewaljagd gibt es für das Fleisch der Finnwale überhaupt keinen nationalen Markt,es ist ausschließlich für den japanischen Verbraucher bestimmt. Doch auch hier  das gleiche Phänomen, keiner will es essen. Kristjan Loftsson, einer der reichsten Männer Islands und Betreiber der Finnwalfangflotte will mit dem Festhalten an der Jagd seine Unabhängigkeit und Macht demonstrieren. Anders ist das offensichtliche Defizitgeschäft nicht zu erklären.

Es ist an der Zeit, dass ihn jemand in die Schranken weist. Eine Möglichkeit dazu hat das größte deutsche Fischhandelsunternehmen „Deutsche See“ und Greenpeace fordert die Geschäftsführung dazu auf, endlich aktiv zu werden. Deutsche See bezieht einen großen Teil des Fischangebots vom isländischen Anbieter HB-Grandi hf. Hinter HB-Grandi hf. wiederum steht als Aufsichtsratsvorsitzender Kristjan Loftsson. Die Aussage “Deutsche See finanziert den isländischen Walfang” ist also alles andere als falsch. Aber die Geschäftsführer des deutschen Unternehmens zeigen sich uneinsichtig. Aber das muss ja nicht so bleiben.