Importmeister Deutschland

07. April 2014
Volker Quaschning

Volker Quaschning

Da heißt es immer, Deutschland würde viel zu viel exportieren. Dabei gibt es einen Bereich, in dem wird nach Kräften importiert: bei der Energieversorgung. Mehr als 100 Milliarden Euro überweist Deutschland jedes Jahr ins Ausland, um Gas, Öl, Kohle und Uran einzukaufen. Das entspricht mehr als einem Drittel des Bundeshaushalts in diesem Jahr – und ist sehr riskant, wie die Krim-Krise gerade deutlich zeigt. Würde Russland beschließen, den Gaspreis für Deutschland ähnlich massiv zu erhöhen, wie aktuell für die Ukraine, hätte das dramatische Folgen für die Wirtschaft und Haushalte. Um dieses Risiko zu minimieren, gibt es nur eine Lösung: Ein beschleunigter Umstieg auf Erneuerbare Energien.

Das Geschäftsmodell der großen Energiekonzerne gerät immer mehr ins Wanken. Deutschlands zweitgrößter Energieversorger, RWE, hat erstmals seit 60 Jahren rote Zahlen geschrieben. Nun springt die Regierung den großen Versorgern bei. Sie ist fest entschlossen, die erneuerbare Konkurrenz in Schach zu halten. Statt die Zeichen der Zeit zu erkennen und mutig den Weg in eine unabhängige erneuerbare Energieversorgung zu gehen, plant Energieminister Sigmar Gabriel eine noch nie da gewesene Drosselung des Ausbaus Erneuerbarer Energien. Wurden im Jahr 2012 noch Photovoltaikanlagen mit über 7,5 Gigawatt installiert, sollen es dieses Jahr nur noch maximal 2,5 Gigawatt werden.
Solarenergie ist inzwischen so preiswert geworden, dass eine Senkung der Vergütung alleine nicht mehr ausreicht, um sie aus dem Markt zu halten. Der Strom aus Solarpanelen ist inzwischen deutlich günstiger als Atomstrom. Es wird immer interessanter, auf eine Einspeisevergütung zu verzichten und den Solarstrom selbst zu verbrauchen, um dadurch den teuren Strom der Energieversorger zu sparen. Weil diese dadurch immer mehr Marktanteilen verlieren, soll eine Eigenverbrauchsumlage die Entwicklung stoppen. Das heißt: Betreiber von Wind- oder Solaranlagen, die ihren eigenen Strom verbrauchen und somit den Trassenausbau reduzieren und das Klima schonen, müssen eine Umlage zahlen, während Betreiber von Kern- und Kohlekraftwerken beim Eigenverbrauch davon befreit sind. Geht es noch absurder?
Demnächst wird die Einspeisevergütung für Solarenergie sogar unter die Preise für Heizöl und Erdgas fallen. Spätestens dann wird es interessant, Sonnenstrom auch für Heizzwecke einzusetzen, um so den Bezug von Heizöl und Erdgas zu reduzieren. Die ersten Hersteller haben bereits Systeme zur photovoltaischen Heizungsunterstützung im Angebot. Diese decken über eine Wärmepumpe oder einen Heizstab größere Teile der Heizwärme durch Solarstrom.
Doch die geplante Eigenverbrauchsumlage droht den Trend zur solaren Wärmeerzeugung im Keim zu ersticken. Die geplante Umlage von rund 4,4 Cent pro Kilowattstunde entspricht einer Sonderabgabe auf Heizöl von 44 Cent pro Liter, nur dass diese nicht auf Öl oder Gas, sondern auf Solarstrom erhoben wird.
Damit würde die Bundesregierung nicht nur die Geschäftsmodelle der Energiekonzerne retten, sondern auch die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten weiter zementieren. Das scheint der Regierung durchaus bewusst zu sein. Minister Gabriel nannte Erdgasimporte aus Russland alternativlos. Wenn man den Ausbau erneuerbarer Energien radikal reduziert, ist das fraglos richtig. Gut für Deutschland, unsere Bürger und unsere Wirtschaft ist das aber nicht. Wir müssen der Regierung endlich klarmachen, dass wir nicht länger bereit sind zuzusehen, wie Industrielobbyisten die Zukunftschancen unseres Landes und unserer Kinder beerdigen.  Je mehr Menschen am 10. Mai in Berlin für die Energiewende auf die Straße gehen, desto weniger wird dieser Wunsch zu überhören sein.
Prof. Dr. Volker Quaschning
www.volker-quaschning.de

Berlin erleuchtet

11. März 2014

Berliner/innen protestieren gegen Atomkraft und erinnern an die Katastrophe von Fukushima.

Sirenen klingeln in meinen Ohren, kalter Schweiß rinnt mir über die Stirn, das Herz schlägt bis zum Hals – im Kopf aber hämmert nur dieser eine erstaunlich nüchterne Gedanke: Es ist passiert. Der größte anzunehmende Unfall ist real. Nicht in den Nachrichten. Nicht in Japan. Nein, vor meiner Haustür! Der Strahlenschutzbunker ist übervoll. 15.000 Plätze für ganz Berlin. Was haben sie sich dabei nur gedacht? Die AKW-Betreiber, die Lobbyisten, die Politiker? Haben sie sich überhaupt etwas gedacht?

Es ist ein Flash, so etwas wie ein öffentliches Theaterstück, das die Berliner Greenpeace Gruppe am Montagabend aufgeführt hat. Aber es dient nicht der Unterhaltung. Genau drei Jahre nach der Katastrophe in Fukushima hat die Aktion nur einen Zweck: Daran zu erinnern, dass Atomkraft ein unkalkulierbares Risiko ist, in Japan ebenso wie in Europa.

Über den Bebelplatz in Berlin Mitte laufen Menschen in Schutzanzügen mit Geigerzählern in der Hand. Zum Glück steht nicht „Katastrophenschutz“ auf ihrem Rücken sondern „Greenpeace“. Wohin wären wir im Ernstfall gelaufen? Wären wir zu Hause geblieben? In einer strahlenden Wohnung mit strahlendem Essen?

Wieder und wieder wandern die Schreckensbilder aus Tschernobyl und Fukushima durch meinen Kopf. Wem würdest du jetzt vertrauen? Dem beschwichtigenden PR-Sprecher des AKW-Betreibers? Oder denen, die seit vielen Jahren gegen Atomkraft kämpfen, die dich absprühen und die Strahlung messen?

Ich weiß, wem ich vertraut habe, als ich im März vor 3 Jahren das erste Mal von der Katastrophe in Fukushima erfahren habe – den Atomkraftgegnern. Und das tue ich noch immer, denn die Gefahr ist noch nicht vorüber:  Weiterhin läuft radioaktives Wasser aus den Reaktoren. Ich möchte mir nicht ausmalen, was bei einem weiteren Erdbeben passieren würde.

In Deutschland ist die Gefahr von Erdbeben geringer, doch das macht die deutschen AKW nicht sicherer. Nach der Katastrophe in Japan wurden auch hierzulande horrende Sicherheitsmängel bekannt. Es folgte der Beschluss: Atomausstieg bis Ende 2022. Aber reicht das?

Mehr als 150 Atommeiler stehen heute in Europa, bis zum Jahr 2030 sollen gut 60 weitere dazu kommen. Kommt es auch in nur einem davon zu einem Unfall, ist ganz Europa betroffen – Strahlung stoppt nicht an der Landesgrenze.

Heute hat Berlin gestrahlt – nicht durch radioaktive Belastung, sondern dagegen. Für eine sichere Zukunft, für erneuerbare Energien. Wir haben heute ein klares Zeichen gesetzt, das bis nach Japan reicht: Wir haben euch nicht vergessen. Ein Zeichen an die AKW-Betreiber und an atomfreundliche Politiker, die eine dezentrale, bürgernahe Energiewende verhindern. Ein Zeichen an die Menschen in Europa: Am 25. Mai wählt ihr eure Zukunft. Was wollt ihr wirklich? Wem könnt ihr vertrauen? Stellt sicher, dass ihr gehört werdet.

Und wenn euch ein Kreuz allein nicht ausreicht, dann geht für die Energiewende auf die Straße – zum Beispiel zu einer der bundesweiten Demonstrationen am 22. März.

Katharina Wallner, Greenpeace Berlin, 10.03.2014

Menschenkette gegen Atomkraft

10. März 2014

Menschenkette gegen das Atomkraftwerk Fessenheim.

Zum dritten Jahrestag der Atomkatastrophe in Fukushima haben tausende Atomkraftgegner mehrere Oberrhein-Brücken zwischen Straßburg, Fessenheim und der Schweizer Grenze besetzt. Mit der Aktion demonstrierten sie am Sonntag für eine sofortige Schließung des AKW im elsässischen Fessenheim. “Herr Hollande, wollen Sie der Präsident der Atomkatastrophe sein?”, war auf Spruchbändern zu lesen.

Fessenheim ist nach dem Atomkraftwerk Bugey der zweitälteste Meiler Frankreichs. Er soll Ende 2016 stillgelegt werden. Das AKW Fessenheim ging mit einer Betriebserlaubnis für 30 Jahre an den Start, die später noch einmal um 10 Jahre verlängert wurde. Nach der Katastrophe von Fukushima stellte man fest, dass das AKW Fessenheim keinen ausreichenden Erdbeben- und Überflutungsschutz besitzt. Das AKW steht im Rheingraben und befindet sich damit in einer geologisch aktiven Zone.

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