Vielfalt schützen – kein Gen-Mais in Mexiko!

13. Mai 2013

Weltweit hat Greenpeace heute gegen die Aussaat von Gen-Mais in Mexiko protestiert. Wir waren in Berlin vor der Botschaft des Landes und übergaben einen Brief an den mexikanischen Botschafter. Darin fordern wir ihn dazu auf, sich beim Präsidenten seines Landes dafür einzusetzen, dass es nicht zur Gen-Mais-Aussaat kommt. Ein Erbe der Menschheit und die Zukunft der Kulturpflanze Mais stehen aktuell auf dem Spiel.

Zugleich steht es in Deutschland um das Image des Maises nicht besonders gut: der Anbau von Mais zum Einsatz in Biogas-Anlagen hat immer mehr Äcker in Deutschland zu sprichwörtlichen “Maiswüsten” gemacht. Diese Form der Bewirtschaftung ist nicht nur ästhetisch zweifelhaft, vor allem gefährdet sie die Bodenfruchtbarkeit und Vielfalt in der Landwirtschaft. Für hausgemachte Probleme dieses Systems werden zudem immer wieder gentechnische Lösungen vorgeschlagen. Doch Mais ist in weiten Teilen der Welt mehr als Energie- und Futterpflanze in agrarindustriellen Produktionssystemen: große Teile der Weltbevölkerung sind für ihre Ernährung auf die Kultivierung von Mais dringend angewiesen. Insbesondere in Lateinamerika und Afrika ist Mais ein Grundnahrungsmittel.

Gen-Mais gefährdet genetische Vielfalt

Nun gerät die Zukunft des Mais-Anbaus in Gefahr: die Agrarriesen Monsanto, Pioneer und Dow versuchen mit aller Macht Zulassungen für den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderten Maises in Mexiko zu erwirken. Was in Europa “nur” eine Bedrohung der Gentechnikfreien Landwirtschaft ist, gefährdet in Mexiko ein Erbe der Menschheit. In Mexiko befindet sich das sogenannte “Diversitätszentrum” des Maises; hier wurde aus Wildformen, die in ihrem Äußeren mit der heute angebauten Kulturform nicht viel gemeinsam haben, der uns bekannte Mais. Mexiko beherbergt damit die genetische Vielfalt einer Art, die eine entscheidende Basis für zukünftige Züchtungsarbeit darstellt. Durch den Anbau von Gen-Mais gerät diese Vielfalt in Gefahr: Monsanto und Co. wollen gleich Millionen Hektar mit ihren Pflanzen bestellen – es ist undenkbar, dass diese gentechnisch veränderten Pflanzen ihre Eigenschaften nicht verbreiten. Dies kann nicht nur durch Auskreuzen, d.h. über Befruchtung durch Pollenflug, geschehen. Während Mais-Samen in Europa aufgrund des kalten Winters nur schwer überleben, finden sie in ihrer Heimat Mexiko auch ideale Umweltbedingungen vor. Der Gen-Mais könnte sich daher verwildert in der Kulturlandschaft etablieren. Selten traf das das Risiko der “Nicht-Rückholbarkeit” besser zu als hier.

Doch es gibt Widerstand – und er beschränkt sich nicht auf Mexiko: nicht nur wir waren heute aktiv und haben in Berlin vor der mexikanischen Botschaft demonstriert und dem Botschafter einen Brief übergeben. Zeitgleich fanden Brief-Übergaben in neun weiteren Ländern von China über Südafrika bis nach Israel und Italien statt – und natürlich in Mexiko selbst. Unsere Botschaft wird also gleich mehrfach beim mexikanischen Präsidenten eintreffen – hoffentlich ebenso wie die unterschriebene Online-Petition, die weiterhin unterzeichnet werden kann und unbedingt sollte.

Rind oder Pferd? Am besten weniger Fleisch essen!

14. Februar 2013

Inzwischen hat der Pferdefleischskandal auch Deutschland erreicht: Pferdefleisch ist in einer Tiefkühl-Lasagne nachgewiesen worden. Derzeit werden sechs deutsche Lebensmittelhändler überprüft, ob auch in ihren Produkten anstelle des ausgewiesenen Rindfleischs Pferdefleisch enthalten ist. Erste Unternehmen haben reagiert und möglicherweise betroffene Gerichte aus ihren Läden entfernt.

Hintergrund der Panscherei: Rindfleisch ist in den vergangenen Monaten deutlich teurer geworden. Die Schlachter zahlen den Bauern für ehemalige Reitpferde pro Kilogramm gerade mal halb so viel wie für Altkühe. Noch deutlicher soll der Unterschied in Rumänien sein, wo es noch viele Arbeitspferde gibt. Im Fleischhandel ist das längst bekannt.

Nun kann auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner das Problem nicht mehr leugnen. Während ihr Ministerium noch am Montag mitteilte, es gäbe keine Hinweise darauf, dass in Deutschland falsch gekennzeichnete Produkte mit Pferdefleisch auf den Markt gekommen seien, musste sie am Mittwoch zurückrudern. Sie erklärte: “Der Skandal um falsch gekennzeichnete Produkte muss schnell und lückenlos aufgeklärt werden. Jetzt müssen alle Fakten auf den Tisch. Wir haben es hier mit einem schlimmen Fall von Verbrauchertäuschung zu tun – das ist ein klarer Verstoß gegen geltende Gesetze. Was auf der Verpackung drauf steht, muss auch drin sein – darauf müssen sich Verbraucher in der EU jederzeit verlassen können. Wenn Kunden offenbar systematisch getäuscht werden, darf das nicht ohne Konsequenzen bleiben.” (Quelle: http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Ernaehrung/SichereLebensmittel/Kennzeichnung/Pferdefleisch.html )

“Jedes Jahr erschüttert uns ein neuer Lebensmittelskandal – jedes Jahr erfolgt dasselbe Spiel: Erst wird das Problem geleugnet. Wenn dies nicht mehr möglich ist, wird hilflos reagiert. Was wir brauchen, um aus dieser Skandal-Spirale herauszukommen, ist ein grundlegend anderer Umgang mit Lebensmitteln”, fordert Jürgen Knirsch, Experte für nachhaltigen Konsum bei Greenpeace. “Wir brauchen gute und gesunde Lebensmittel mit einer klaren Herkunftsangabe. Der Handel muss flächendeckend transparente Systeme der Rückverfolgbarkeit aufbauen. Wir brauchen vor allem strengere Kontrollen und eine Verbraucherschutzministerin, die frühzeitig und konsequent reagiert. Wenn Frau Aigner zu recht von Verbrauchertäuschung redet, dann muss sie auch die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und ihnen notfalls die Erlaubnis entziehen, Lebensmittel in den Verkehr zu bringen. Nur wenn diese Maßnahmen greifen,  haben die Verbraucherinnen und Verbraucher Gewissheit und können nachvollziehen, was sie kaufen.”

Ob Pferdefleisch- oder Gammelfleischskandal, unser hoher Fleischkonsum an sich ist schon ein großes Problem: Massentierhaltung ist mitverantwortlich für die größten Umweltprobleme unserer Zeit wie Klimawandel, Verlust von Wäldern, Schwund der Arten sowie Verschmutzung von Luft, Böden und Gewässer. Hoher Fleischkonsum verschärft zudem das Hungerproblem, weil riesige Mengen wertvoller Nahrungspflanzen wie Getreide und Soja im Futtertrog landen. Hier kann jeder etwas tun: Ein leichterer Weg ist es, auf Lebensmittel regionaler Herkunft zurückgreifen. Hierfür lassen sich Kontrollmöglichkeiten einfacher gestalten als für globale bzw. europäische Waren.

Ein noch leichterer Weg ist es, dem statischen Trend zu folgen und weniger Fleisch zu konsumieren. So berichtet kürzlich das Statistische Bundesamt, dass die gewerblich erzeugte Fleischmenge in Deutschland im Jahr 2012 erstmals seit dem Jahr 1997 gegenüber dem Vorjahr rückläufig war. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, resultiert die verminderte Produktion im Jahr 2012 vor allem aus der rückläufigen Schweinefleischproduktion. Die Rindfleischproduktion ging ebenfalls zurück, folgte damit aber dem Trend der vergangenen Jahre.

Auch das bisher rasante Wachstum bei der Geflügelfleisch­produktion kam fast zum Erliegen. Hier wurde 2012 nur geringfügig mehr erzeugt als im Vorjahr. An der gewerblichen Fleischerzeugung insgesamt hatte Schweinefleisch (67,8 Prozent) den höchsten Anteil. Danach folgten Geflügelfleisch (17,7 Prozent) und Rindfleisch (14,1 Prozent). Der Anteil an Schaf-, Ziegen- und Pferdefleisch betrug zusammen 0,3 Prozent.

Zum Abschluss hat der Experte für nachhaltigen Konsum noch einen Tipp parat: “Es muss nicht immer Lasagne Bolognese aus der Tiefkühltruhe sein. Eine frisch zubereitete Gemüse-Lasagne ist ebenso schmackhaft, gesünder und garantiert ohne Pferdefleisch”, rät Jürgen Knirsch.

(Autor: Martin Hofstetter)

Fast 30.000 fordern nachhaltige Landwirtschaft statt Agrarindustrie

19. Januar 2013

Wir haben Agrarindustrie satt - Demo in Berlin 2013.

Die Erwartungen sind weit übertroffen worden: bei ganz und gar nicht Vergnügungssteuer pflichtigen Wetterverhältnissen von minus sieben Grad Celsius und dem in Berlin allgegenwärtigen kalten Wind, sind heute fast 30.000 Menschen auf die Straße gegangen, um für eine nachhaltige Agrarpolitik einzutreten.

Aufgerufen hatte im Rahmen der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ ein breites Bündnis aus Umwelt-, Verbraucher- und Tierschutzorganisationen. Sie alle fordern eine Agrarwende – und die ist so nötig wie selten zuvor: Themen wie Antibiotika-Missbrauch, Bienensterben, Vermaisung der Landschaft, Spekulation mit Lebensmitteln oder klimaschädlicher Agrosprit haben es längst in die Massenmedien geschafft und sind nicht mehr einer alternativen Minderheit vorbehalten.

Dass es dabei keineswegs um ein unvereinbares Gegeneinander von Landwirtschaft und Umweltschutz geht beweist das bunt gemischte Feld der Teilnehmer in Berlin: Bauern mit Traktoren sind ebenso vertreten wie Imker und Gärtner, Verbraucher aus allen Gesellschaftsschichten, Tier- und Umweltschützer und andere Gruppen. Sie alle machen das Motto der Demo auf unterschiedliche und kreative Art und Weise deutlich: „Wir haben es satt!“ Gefordert wird eine bäuerlich-nachhaltige Landwirtschaft anstelle von zerstörerischer Agrarindustrie.

60 Milliarden Euro gibt die EU jährlich in Form von Agrarsubventionen aus um dieses System zu stützen – es ist höchste Zeit dies zu ändern. Und angesichts des beeindruckenden Protestes in Berlin bleibt zu hoffen dass auch die Bundesregierung ihre destruktive Haltung im Reformprozess der europäischen Agrarpolitik aufgibt. Die überfällige Ökologiesierung ist nämlich durchaus möglich, 2013 werden entscheidende Weichen gestellt.

Das sogenannte „Greening“, die Bindung von Subventionen an ökologische Kriterien, ist aber alles andere als populär bei Agrarlobby und Bundespolitik. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, doch Deutschland steht den progressiven Vorschlägen von EU-Kommissar Ciolos bisher leider blockierend gegenüber.

Den Problemen der industrialisierten Landwirtschaft entsprechend ist auch der Themenmix auf der Großdemo in Berlin vielfältig – und meist näher an der Praxis als es abstrakte Forderungen zur „Gemeinsamen Agrarpolitik“ (GAP) der EU wohl sein könnten. In den Hintergrund gerät dieses Jahr dabei fast schon die Agrogentechnik.

Zwar ist der Kampf, insbesondere auf internationaler Ebene, noch lange nicht gewonnen; Gen-Pflanzen auf deutschen Äckern sind in näherer Zukunft aber tatsächlich unwahrscheinlich. Zunehmend in den Vordergrund drängt sich ein Insekt, dessen Sterben zwar weiterhin Rätsel aufgibt, aber wohl kaum ohne industrialisierte Landwirtschaft denkbar ist: die Biene. Erst diese Woche war die Gefährlichkeit bestimmter Insektenvernichtungsmittel sogar von der EFSA bestätigt worden – der Industrieverband Agrar verteidigte seine Ackergifte mit dem Hinweis auf angeblichen ökonomischen Nutzen.

Derartige Kollateralschäden sind in der aktuell praktizierten Landwirtschaft allgegenwärtig, und so sind auch Massentierhaltung, Monokulturen, landgrabbing, Futtermittelimporte, Artensterben, Spekulation mit Nahrungsmitteln, Agrarsubventionen, Lebensmittelverschwendung und faire Preise in Berlin thematisch vertreten.

Wir haben uns dieses Jahr mit einem Banner einer Problematik gewidmet, die politisch in der EU ebenfalls auf der Agenda stehen wird. Völlig unabhängig von der GAP wird entschieden, ob weiterhin Ackerpflanzen im Tank landen sollen – und dies auch noch unter dem Deckmantel von Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Wir fordern daher: Keine Lebensmittel in den Tank! An dieser Stelle auch noch ein großes Kompliment an die Träger unserer Banner, auf dem ausgedehnten Marsch durch die zugigen Straßen der Berliner Innenstadt eine besondere Herausforderung am heutigen Tag.

Fünf Stunden in der Kälte vergehen heute schneller als gedacht, zu positiv ist die Stimmung in Berlin. Nun ist es auch an der Politik, nicht zu schnell für Ernüchterung zu sorgen. Das Signal des Protestes ist deutlich: Wir wollen die Agrarwende – und sie ist nicht nur nötig, sondern auch möglich. Und so überwiegt der Optimismus am heutigen Tag gegenüber realpolitischen Bedenken.