Weshalb erhält die Fischereiindustrie eigentlich Subventionen aus Steuergeldern?

30. Januar 2012

Subventionen, so will es die Definition, dienen der Förderung eines im öffentlichen Interesse liegenden Zweckes. Klingt nach einer positiven Maßnahme: Man könnte Investitionen in die Verbesserung von Umweltstandards tätigen, die kulturelle Vielfalt fördern oder auch Bildung für alle ermöglichen.

Protest an Fischtrawler Jan Maria in Bremerhaven - © Marcus Meyer / Greenpeace

Greenpeace-Aktivisten vor Fischtrawler Jan Maria in Bremerhaven - © Marcus Meyer / Greenpeace

Tatsächlich werden Subventionen jedoch oft dazu benutzt, den Markt künstlich zu beeinflussen. Wird ein bestimmter Marktzweig staatlich gefördert, ist es ihm möglich, kostengünstiger als die Konkurrenz zu produzieren. Dies ist jahrelang in der europäischen Fischereiindustrie so geschehen. Das Resultat ist eine europäische Fischereiflotte, die es sich problemlos leisten kann, eine über alle Maßen ineffektive Größe im Vergleich zu den vorhandenen Ressourcen erreicht zu haben. Teil dieser riesigen Flotte sind auch die so genannten Fischfabriken, von denen sich viele ohne die direkten und indirekten Subventionen für die Eigner gar nicht mehr lohnen würden.

Die Subventionen für die Fischereiindustrie in Europa werden zentral aus Brüssel gesteuert. Derzeit wird dort über einen 6.5 Milliarden Euro schweren neuen Topf für Fördermittel diskutiert, welcher von 2014 bis 2020 den finanziellen Rahmen bilden soll. Damit hierbei nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholt werden, hat eine Gruppe von NGOs eine Stellungnahme mit ihren Forderungen hierzu eingereicht.

Doch weshalb wird ein solcher Fonds nicht einfach abgeschafft, wenn er so negative Auswirkungen auf unsere europäische Flotte und die Fischbestände hat? Tatsächlich existieren eine ganze Reihe positiver Fördermaßnahmen in einem solchen Topf, wie zum Beispiel die Unterstützung der Wissenschaft bei der Erkundung von umweltfreundlichen Fischereimethoden. Auch die Kontrolle der Fischerei und das Sammeln wichtiger Daten wird aus solch einem Fördertopf unterstützt.

Leider wurden jedoch unter den bisherigen Fonds Millionen an Fördergeldern in Schiffe gepumpt, die ohne solche Spritzen kaum überleben könnten. Eine solche Verschwendung von Steuergeldern ist ohne Zweifel nicht im öffentlichen Interesse. Um diesen Sachverhalt klar zu vermitteln, trafen Vertreter anderer NGOs und ich uns mit Repräsentanten der Europäischen Kommission und der deutschen Bundesregierung. Es scheint, als hätte die Kommission verstanden, daß es bei dem neuen Fonds um mehr gehen muß als darum, mit dem Gießkannenprinzip Geld in eine unwirtschaftliche und umweltschädigende Industrie zu stecken.

Trotz alledem fallen die Fördergelder für sinnvolle Maßnahmen eher gering aus. Weiterhin wurden keine konkreten Bemühungen genannt, wie man überflüssige Fangschiffe aktiv aus dem Verkehr ziehen kann. Der Vorschlag der Kommission geht nun seinen üblichen Weg, von den Mitgliedstaaten über das europäische Parlament und den Ministerrat. Es wäre ein wichtiges Zeichen in Zeiten überfischter Bestände in Europa, wenn die Politik endlich eine Steuerung der Fördergelder vornimmt, die sich am öffentlichen Interesse orientiert anstatt an der Förderung einiger Weniger.

Autor: Greenpeace-Meeresexperte Sebastian Buschmann

Greenpeace auf der “boot 2012″ in Düsseldorf – ein Zwischenbericht

25. Januar 2012

Die ersten Tage auf der Bootsmesse “boot 2012″ sind vorüber und unsere Greenpeace-Gruppe aus Düsseldorf hat sich in der Halle 3  „Tauchen“ prima eingelebt! Dort stehen unsere Greenpeace-Ehrenamtlichen am Messestand E 94 und informieren interessierte  Messebesucher über die Überfischung der Meere und die Folgen für die Unterwasserwelt.

Überfischung: Greenpeace-Protest am Fischtrawler Jan Maria in Bremerhaven - (c) Stefan Schorr / Greenpeace

Überfischung: Greenpeace-Protest am Fischtrawler Jan Maria in Bremerhaven - (c) Stefan Schorr / Greenpeace

Doch die Messebesucher sind nicht nur an vertiefenden Informationen interessiert. Viele fragen in Gesprächen, wie sie einen eigenen Beitrag zum Schutz der Meere und Fischbestände leisten können. Unsere Greenpeace Ehrenamtlichen haben dafür ein offenes Ohr und erklären, wie jeder selbst aktiv werden kann. Sei es durch den bewussten Fischkauf mit Hilfe des Mini-Fischratgebers, oder durch eigenes Engagement in einer der vielen Greenpeace Gruppen.

Das  Bedürfnis der Besucher, etwas zum Schutz der Meere beizutragen, zeigt, dass die Bedrohung der Meere den Menschen immer bewusster wird. So erzählen uns Besucher und passionierte Taucher , dass sie vom Rückgang der Fischbestände bereits aus eigener Erfahrung berichten können. Die Fischpopulationen sind in vielen Tauchgebieten katastrophal gesunken und legen Zeugnis darüber ab, wie die Umweltverschmutzung der Meere und ihre gnadenlosen Überfischung dem Lebensraum “Meer” nachhaltig schadet.

Da verwundert es niemanden, dass unsere Ehrenamtlichen viel Zustimmung und Zuspruch von den Messebesuchern bekommen, wenn sie Infos und Bilder zu unserer Aktion gegen staatlich-subventionierte Fischerei im Bremerhaven sehen.  Zu hohe Fangquoten und eine falsche Fischereipolitik richten weiter immensen Schaden an den bereits bedrohten Meeren und Fischbeständen an. Handeln tut Not!

Das Interesse an Informationen zur Überfischung der Meere zeigt sich durch die vielen Gespräche am Messestand und durch das zahlreich erscheinende Publikum bei den Greenpeace-Vorträgen – wer selbst in Düsseldorf ist, hat noch die Möglichkeit

  • am Sonntag (29. Januar) um 16:10

am Tauchturm in der Halle 3 sich den Greenpeace Vortrag zum Thema Meere, Fischereipolitik und Fischkonsum anzuschauen! Ansonsten freut sich die Ehrenamtliche Gruppe Düsseldorf über Besuch am Stand und hofft darauf weiter spannende Gespräche führen zu können!

Greenpeace auf der boot 2012 in Düsseldorf – 21. bis 29. Januar 2012

16. Januar 2012
Trawler banner action Bremerhaven Banner Aktion an Fischtrawler in Bremerhaven

Greenpeace-Aktisten protestieren gegen Überfischung. © Marcus Meyer / Greenpeace

Die Überfischung der Meere wird der Schwerpunkt des diesjährigen Auftritts auf der boot in Düsseldorf sein. Ende des letzten Jahres hat Greenpeace durch seine Aktivitäten in Bremerhaven auf die großen Probleme in der europäischen Fischerei aufmerksam gemacht – überdimensionierte Schiffe, suventionierte Fischerei weltweit und zu hohe Fangqouten.

Greenpeace auf der boot 2012:

Halle 3, Stand E 94

Öffnungszeiten täglich 10 bis 18 Uhr

Die unsinnige und unrentable Jagd wird aus Steuergeldern subventioniert. Immer größere Schiffe machen Jagd auf  immer weniger Fische.

“Die Gier der industriellen Fischerei hat die Meere vor unserer Haustür völlig geplündert. Jetzt geht der subventionierte Raubbau weltweit weiter”, sagt Meeresbiologin Dr. Iris Menn von Greenpeace.

Neben den Flotten sind auch die zu hohen Fangqouten ein Problem. Jedes Jahr im Dezember werden sie neu festgelegt und jedes Jahr fallen sie zu hoch aus. So wurde beispielsweise für den Hering in der südlichen Nordsee eine Erhöhung um 68 Prozent beschlossen – anstelle der empfohlenen 19 Prozent.

Auf dem Messestand werden vertiefende Informationen zu diesem umfangreichen Thema angeboten, u.a. auch Filmbeiträge und der Mini-Fischratgeber für den ganz persönlichen Beitrag zum Meeresschutz. Greenpeace Ehrenamtliche der Düsseldorfer Greenpeace-Gruppe stehen gerne für Fragen und vertiefende Gespräche zur Verfügung.  Sie freuen sich auf interessierte Besucher.

Vorträge am Tauchturm:

Mo. 23.01.12 um 11:50 und 12:40
Mi. 25.01.12 um 11:00
So. 29.01.12 um 16:10