[Briefvorlage] Fordern Sie von “Deutsche See”: Keine Geschäfte mit Walfängern!

01. August 2014

Greenpeace kritisiert die Handelsbeziehungen der “Deutsche See Fischmanufaktur” zum isländischen Fischereiunternehmen HB Grandi hf. Der Grund: Die Firma ist personell und über Kapitalanteile eng mit der isländischen Walfangindustrie verknüpft. Auf Nachfrage stellen wir hier einen Beispieltext online – gerne können Sie diesen als Anregung nutzen,  persönlich anpassen und ihn direkt an “Deutsche See” senden.


[Update vom 15.8.2014] Sicherlich für diejenigen interessant, die eine direkte Antwort von Deutsche See erhalten haben. Wir haben uns die “Argumente” des Unternehmens noch einmal genau angesehen und sind nicht überzeugt - hier finden Sie eine Gegenüberstellung. [Update Ende]

Deutsche See Fischmanufaktur
Geschäftsführer Herr Dr. Peter Dill, Herr Egbert Miebach
Maifischstr. 3 – 9

27572 Bremerhaven

Geschäftsbeziehungen zwischen Deutsche See  und HB Grandi hf

Sehr geehrter Herr Dr. Dill,
sehr geehrter Herr Miebach,

in der laufenden Jagdsaison stehen 154 vom Aussterben bedrohte Finnwale im Nordostatlantik auf der Abschussliste der isländischen Walfänger. Ihr Handelspartner HB Grandi hf ist sowohl personell als auch über Kapitalanteile eng mit der isländischen Walfangindustrie verbandelt.

Nachhaltigkeit und Verantwortung wird bei Ihnen großgeschrieben – so lässt es Ihr Außenauftritt und der Gewinn des Deutschen Nachhaltigkeitspreises vermuten. Wie kann es sein, dass Sie Geschäfte mit einem Unternehmen aufrechterhalten, das der Walfangfirma Hvalur hf sogar ihre Werkhallen zur Verfügung stellt, in denen die getöteten Tiere zerlegt werden? Damit kofinanzieren Sie den isländischen Walfang!

Sie kennen das Firmengeflecht um Kristján Loftsson und seinen isländischen Walfangclan; Sie wissen, dass Island das internationale Walfangverbot umgeht und gegen das Handelsverbot mit Walfleisch verstößt. Ihnen ist bewusst, dass der Export von Fisch das Rückgrat der isländischen Wirtschaft darstellt – und welchen Einfluss Sie somit als deutscher Handelspartner haben. Ich fordere Sie deshalb eindringlich auf, endlich Verantwortung zu übernehmen und sich deutlich für den Schutz der Finnwale einzusetzen!

Bitte frieren Sie sofort Ihre Verträge mit HB Grandi hf ein, bis der Walfang eingestellt ist.

Mit freundlichen Grüßen

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ORT, DATUM, UNTERSCHRIFT

Isländischer Walfang 2014: Traurige Zwischenbilanz

18. Juli 2014

Pünktlich zum isländischen Unabhängigkeitstag am 17. Juni eröffnete der größte Walfänger Islands, Kristjan Loftsson, mit seiner Flotte die diesjährige Jagd auf die bedrohten Finnwale des Nordost-Atlantiks. Seither mussten 14 dieser Tiere ihr Leben lassen. Ein einzelner Finnwal liefert zwischen acht und zehn Tonnen Fleisch, das in riesigen Tiefkühlhäusern gelagert wird. Denn in Island ist Finnwalfleisch unverkäuflich.

Fisch ist das isländische Exportgut Nummer eins, es wird in alle Welt verschifft. In Europa ist unter anderem Deutschland ein Hauptimporteur. Vor einigen Wochen haben wir bereits gezeigt, wie hiesige Unternehmen ihren Beitrag zur Einstellung des unnötigen Waleschlachtens leisten könnten.

Der größte deutsche Fischproduzent, das Unternehmen “Deutsche See”, bezieht einen Teil seines Fisches von der isländischen Firma HB-Grandi. Diese ist mit fast vierzig Prozent Anteilen im Besitz der Walfangfirma Hvalur des oben erwähnten Unternehmers Kristjan Loftsson. Die Geschäftsführung von “Deutsche See” muss ihre Verantwortung ernst nehmen und ihren Einfluss geltend machen, indem sie ihre Verträge mit HB-Grandi solange auf Eis legt, bis der isländische Finnwalfang eingestellt ist.

Wir haben “Deutsche See” und die großen deutschen Supermarktketten, alle Fischgroßabnehmer des Unternehmens, angeschrieben und aufgefordert sich dieser Verantwortung zu stellen. In der Vergangenheit wurde immer wieder behauptet, HB-Grandi habe nichts mit Walfang zu tun.

Aus diesem Grund lieferten wir die gegenteiligen Beweise gleich mit. Wir können nicht nur die direkte Verbindung zwischen dem Walfangunternehmen Hvalur und der Fischfirma HB-Grandi belegen, sondern auch die Nutzung von Werkshallen dieses Unternehmens zur Produktion von Finnwalfleisch für den japanischen Markt.

Noch im vergangenen Jahr ließ die Handels-Union der isländischen Region Akranes stolz verlauten, “die Jagd und das Verarbeiten der Wale sei in vollem Gange”. Dennoch gibt sich “Deutsche See” stur und beharrt auf die alte Argumentation. Auch die von uns kontaktierten Supermärkte folgen dieser Linie. Dies ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir erwarten konkrete Schritte.

USA: Doppelmoral beim Meeresschutz

23. Juni 2014

Außenminister Kerry predigt in Washington Meeresschutz, während seine Regierung in New York zeitgleich den Meeresschutz torpediert.

US-Außenminister John Kerry stand letzte Woche unter Beschuss. Kritisiert wurde vor allem, dass er sich angesichts der Ereignisse im Irak mit den Meeren beschäftigte und die globale Konferenz “Our Ocean” veranstaltete. Eine Entschuldigung gab es aber nicht. Im Gegenteil: Er sprach – durchaus eindrucksvoll – von der Bedeutung unserer Ozeane für die globale Sicherheit und die Ernährung der Ärmsten der Armen weltweit.

Auf der Konferenz verkündeten die USA das größte Meeresschutzgebiet der Welt. Im Pazifik werden knapp 900 000 Quadratkilometer Ozean unter Schutz gestellt – beinahe doppelt so viel Schutzfläche wie bisher! Nicht nur die USA verkündeten neue Taten. Auch die Bahamas werden noch bis Ende dieses Jahres 10% ihrer Meeresfläche unter Schutz stellen (und über 20% bis 2020). Damit beenden die Pazifikinseln Kiribati und Palau den kommerziellen Fischfang in großen Gebieten. Schauspieler Leonardo DiCaprio war dabei nicht nur hübsches Aushängeschild der Konferenz, sondern sagte auch weitere sieben Millionen US-Dollar für den Schutz der Meere zu.

Der Teufel dieser Ankündigungen steckt natürlich im Detail. Ob den Ankündigungen die Umsetzung folgt, bleibt abzuwarten. Dennoch ist klar, dass für die Meere bei der „Our Ocean“ Konferenz etwas erreicht wurde.

Umso frustrierender war es, dass der Schutz der Hohen See von Kerry in Washington ignoriert und von den USA bei der UNO weiter blockiert wurde. Keiner der über 10 000 Tweets zum Schutz der Hohen See wurde z.B. auf Twitter-Leinwänden der Konferenz gezeigt. Stattdessen stellten die USA die Notwendigkeit eines UN-Abkommens zum Schutz der Hohen See weiter infrage. In Washington forderte John Kerry einen “globalen Plan für die Meere” – aber in New York torpedierten seine eigenen Leute genau diesen Plan.

Bei der UNO gab es dagegen durchaus positive Nachrichten: Wie meine Kollegin Rachel Pearlin von Greenpeace Indien berichtete, forderten immer mehr Länder, gerade auch Entwicklungsländer, das notwendige Abkommen zum Schutz der Hohen See ein. Das macht Hoffnung und es ist noch wichtiger, dass Ministerin Hendricks bei diesem Thema jetzt Flagge zeigt und sich proaktiv für den Schutz der Hohen See stark macht. Bei der ersten UN-Umweltversammlung, UNEA, in Nairobi diese Woche hat sie dazu eine Chance, die sie nutzen muss.

Autor: Daniel Mittler (Politischer Direktor von Greenpeace International)