GreenBites #47: Klimagipfel in New York

19. September 2014


Ein Podcast über den Klimagipfel in New York, über die Bedeutung der Zivilgeselllschaft und wie die Arktis mit all dem zusammenhängt.

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Hier gibt es weitere Infos zum Klimagipfel.
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Neuer Rost aus alten Schläuchen

09. September 2014

Die Steinitzer Alpen haben flache Gipfel aber hübsche Wälder. Das kleine Wandergebiet in der Lausitz ist bei Ausflüglern beliebt. Wie lange das noch so sein wird, ist dagegen fraglich, denn etwas stimmt nicht in den Steinitzer Alpen.

Verockerung der Spree um Spremberg in der Lausitz

Mitten im Wald liegt ein maroder Schlauch und spritzt Wasser in alle Richtungen. Dort wo es sich zu einem kleinen Bächlein vereint, verfärbt sich der Boden darunter ockerbraun. Gerade so, als ob der Wald zu rosten beginnt.

Es sprudelt ... (September 2014, © Greenpeace)

Wir kennen diese Bilder bislang nur von Spreezuflüssen wie der Wudritz. “Braune Spree” heißt das Phänomen, Verockerung der Prozess. Im vergangenen Sommer hat Greenpeace an der Wudritz und anderen Fließen Wasserproben genommen und den Eisengehalt der braunen Brühe gemessen. Damals hieß es stets: Die braune Spree, das haben uns die alten, längst geschlossenen DDR-Tagebaue eingebrockt. Diesmal sind wir in die Steinitzer Alpen gefahren, in unmittelbarer Nähe baggert Vattenfall im Tagebau Welzow Süd I seit Jahren nach Braunkohle.

Nur wenige hundert Meter von Steinitz entfernt, findet man ein Rohr, das Wasser in einen Fließ speit. Oberhalb des Rohres ist das Wasser klar, unterhalb dagegen rostbraun. Blätter, Bäume, Sträucher – alles wird von einer ockerroten Schicht überzogen, Sedimente aus Rostschlamm. Offensichtlicher kann es kaum werden: Die Verockerung des Gewässers hängt mit Einleitungen wie dieser zusammen. Und dieses Rohr ist eine offizielle Einleitstelle von Vattenfalls aktivem Tagebau Welzow Süd I.

... und fließt (September 2014, © Greenpeace)

Bislang hat Vattenfall einen Zusammenhang zwischen Verockerung und den aktiven Tagebauen stets bestritten. Aber nicht nur die Bilder vor Ort sind eindeutig, die Messungen des Eisengehalts belegen den Verdacht: Vattenfalls Tagebaue verschlechtern schon heute die Wasserqualität in Brandenburg.

Während sich das Land Brandenburg und Vattenfall weiter die Verantwortung für die Verockerung zuschieben und Besserungen versprechen, fließt Tag für Tag mehr eisenhaltiges Wasser jenseits aller Genehmigungen in Richtung Spree. Das beschädigt nicht nur die Umwelt, sondern auch die Glaubwürdigkeit Vattenfalls.

Wie können neue Braunkohle-Tagebaue in Brandenburg genehmigt werden, wenn die Betreiber nicht mal in der Lage sind, die bereits aktiven ordnungsgemäß zu führen? Wie kann ein Bundesland zusehen, wie seine Umwelt zerstört wird – für einen Energieträger, der das Klima zerstört? Wie kann die Politik einem Konzern vertrauen, der nicht willens oder nicht in der Lage ist, seine gesetzlichen Vorgaben einzuhalten?

Vor Ort im September 2014, © Greenpeace

Fragen über Fragen – Greenpeace jedenfalls hat gemeinsam mit dem BUND Strafanzeige gegen Vattenfall erstattet, um dem Treiben ein Ende zu setzen.

Beteiligt euch an unserer Protestaktion: Fordert mit uns gemeinsam den Regierenden Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, auf, gegen die Verschmutzung des Wassers vorzugehen. Nur schnelles Handeln kann Vattenfalls Kohlepläne stoppen und die Spree retten >>> www.greenpeace.de/braunkohlestoppen.

Die Linke: Sommerfest statt Kohleprotest

23. August 2014

Gemütlich mit Würstchen, Bier und einem angenehmen Unterhaltungsprogramm zur Berieselung feiert Die Linke am heutigen 23.08.2014 im Potsdamer Lustgarten ihren Wahlkampfauftakt. Ehrengäste: der brandenburgische Spitzenkanditat Christian Görke und die Bundesvorsitzende Katja Kipping. Wie schon bei der fragwürdigen Entscheidung zum Aufschluss des Tagebaus Welzow-Süd II, ducken sich die  Landespartei in Brandenburg und die Bundesvorsitzende Katja Kipping, wenn es um Kohle geht.

Während im Lustgarten Friede, Freude, Eierkuchen suggeriert wird, protestieren zur gleichen Zeit in der Lausitz mehrere tausend Menschen gegen die vielleicht größte Umweltkatastrophe, die derzeit in Europa passiert. In Brandenburg und Sachsen, ebenso wie in Polen sollen gigantische neue Braunkohlegruben ausgehoben werden. Dabei reichen die schon genehmigten Lausitzer Tagebaue aus, um die Kraftwerke der Region für weitere 20 Jahre mit Braunkohle zu beliefern. Und bis spätestens 2030 muss mit der Braunkohle, dem klimaschädlichsten aller Energieträger ohnehin Schluss sein, wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will. Für Deutschlands Energieversorgung wird der Braunkohleabbau in Welzow Süd II und weiteren neuen Tagebauen nicht benötigt, wie u.a. ein Gutachten im Auftrag der linken Umweltministerin Anita Tack bestätigt. Der boomende Ausbau der Erneuerbaren Energien macht es möglich. Denn im ersten Halbjahr 2014 wurden 28% der Stromversorgung Deutschlands durch Erneuerbare bereitgestellt.

(c) Mike Schmidt/Greenpeace - Sommerfest statt Kohleprotest bei den Linken und Katja Kipping

(c) Mike Schmidt/Greenpeace - Katja Kipping auf dem Sommerfest der Linken in Potsdam

Kein Wunder also, dass der Protest gegen neue Braunkohlevorhaben wächst. Nicht nur in der Lausitz, Deutschland und Polen. Aus 19 europäischen Ländern sind die Menschen heute zur ersten internationalen Menschenkette gegen Kohle angereist. Die Parteioberen der Linkspartei hingegen, im Selbstverständnis politisches Sprachrohr der Zivilgesellschaft, halten sich aus diesem Protest raus.

Ein Affront für die 800 Menschen, die in Brandenburg ihre Häuser räumen und ihre Heimat verlassen sollen, um dem Tagebau Welzow-Süd II Platz zu machen. Durch den weiterhin geplanten Tagebau Jänschwalde-Nord wären in  Brandenburg weitere 900 Menschen von Heimatverlust und Abbaggerung betroffen.

Mit ihrer fragwürdigen Positionierung zum Thema Braunkohle widerspricht sich die Linkspartei zum wiederholten Male selbst. Mit der Zustimmung des rot-roten Kabinetts zum Braunkohlenplan Welzow-Süd II ist Brandenburg von einem Ausstieg aus der klimaschädlichen Energieerzeugung aus Braunkohle weiter entfernt denn je.  Auf Bundesebene hingegen macht sich die Linkspartei scheinbar für einen Kohleausstieg stark – als Oppositionspartei. Doch was nützt dies, wenn die Partei, sobald in Regierungsverantwortung, ihre kohlekritischen Wahlverspechen vergisst. War Die Linke Brandenburg noch im Jahr 2008/2009 Mit-Initiator des Volksbegehrens “Keine neuen Tagebaue – für eine zukunftsfähige Energieversorgung”, treibt sie heute als Regierungspartei die Abbaggerung ganzer Dörfer und die Fortsetzung der klimaschädlichen Verstromung von Braunkohle voran.

Gerade eine Partei, die von anderen fordert mit gutem Gewissen voranzugehen, nimmt somit am Ende des Tages nicht einmal ihr eigenes Wahlprogramm ernst.

Zwar bekennt sich Die Linke Brandenburg im aktuellen Wahlprogramm erneut zum Kohleausstieg. Doch wie passt das mit der Zustimmung zum Tagebau Welzow-Süd II zusammen? Und kann man einer Partei überhaupt Glauben schenken, die bei der Kohlefrage schon einmal Wort gebrochen hat und die lieber im Lustgarten feiert statt in der Lausitz mit der Zivilgesellschaft für eine lebenswerte und erneuerbare Zukunft zu demonstrieren?

Wäre der Kohleabbau in der Lausitz nicht ein so unglaublich zerstörerischer Raubbau an Mensch und Natur, dann könnte man meinen, man hat es hier mit einem Witz zu tun.

Den Menschen in der Lausitz, der Umwelt und dem Klima jedenfalls nützt es rein gar nichts, wenn Die Linke immer nur dann gegen Kohle ist, wenn sie Oppositionspartei ist. Es ist mehr als Zeit, dass sich die Partei nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Regierungsverantwortung für den Ausstieg aus der klimaschädlichen Braunkohle stark macht.