Die dunkle Schokoladenseite von VW

19. April 2012

Auf seiner Hauptversammlung im Hamburger Kongresszentrum (CCH) will sich Volkswagen heute von seiner Schokoladenseite präsentieren. Vor dem Gebäude haben sich am Morgen jedoch nicht nur Aktionäre eingefunden, sondern auch Aktivisten von Greenpeace, die allenfalls auf die Zartbitterschokoladenseite von VW aufmerksam machen. Flyer, die sie an die geladenen Gäste verteilen, führen etwas näher aus, was es mit VWs “dunkler Seite” auf sich hat:

Die pro Jahr in Europa verkauften VW-Autos stoßen während ihrer Lebenszeit mehr als 60 Millionen Tonnen CO2 aus. Das ist weit mehr als bei jedem anderen Hersteller. Volkswagen muss seine Lobbyarbeit gegen wichtige europäische Klimaschutzgesetze sofort einstellen und vorhandene Spritspartechnologien serienmäßig und ohne Aufpreis in seine Fahrzeuge einbauen.

Volkswagen will sich augenscheinlich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und hat große Aufsteller mit der Botschaft “Nr.1 in Sachen Umweltschutz” vor dem CCH platziert. Eine kleine rote Propellermaschine dreht emsig Schleifen um das CCH und zieht ein Werbebanner mit demselben Spruch hinter sich her. Man kann sich gar nicht entscheiden, wie man das finden soll: Lächerlich, albern, verzweifelt oder peinlich?

VW-"Gegendemo" gegen Protestaktion von Greenpeace-Aktivisten

Es gibt Menschen, die mangelnde Kompetenz in bestimmten Lebensdisziplinen kompensieren wollen, indem sie sich T-Shirts überziehen, auf denen dann z.B. steht “Weiberheld” oder weiß der Geier. VW greift heute auf diese nie besonders überzeugende Strategie zurück und vertraut ganz auf die suggestive Macht des geschriebenen Wortes. Allerdings würde auch der Satz “Schweine können fliegen” nicht deswegen wahr werden, weil er auf einem flatternden Flugzeugbanner steht.

Direkt über dem Eingang versuchen andere Greenpeace-Aktivisten ein Banner zu entrollen, vier Kletterer haben sich bereits vom Dach abgeseilt. Das große Banner (“Ehrlicher Klimaschutz jetzt!”) hängt noch auf Halbmast, da erscheinen oben auf dem Dach Sicherheitskräfte – einige von ihnen ebenfalls in Klettermontur – und zerschneiden das Banner. Währenddessen versucht ein Mann einen der Greenpeace-Kletterer aus der Luft auf einen Balkon zu ziehen. Das Vorgehen gegen die Aktivisten sieht nicht albern aus. Eher rabiat oder gefährlich. Kakaogehalt: mindestens 90 Prozent.

"Unruhestifter" (F. Piech) bei der VW-Hauptversammlung im CCH / Hamburg

Aus dem CCH strömen nun lauter Demonstranten Jubelperser bezahlte Schilderträger in blassblauen T-Shirts und gruppieren sich in kleinen Ameisenhaufen unter dem zerrissenen Banner. Sie recken wacker ihre mitgebrachten Schilder in die Höhe, auf denen irgendwelche konfusen Pro-VW-Botschaften zu lesen sind. Irgendjemand bei VW scheint tatsächlich zu glauben, dass sich auf diese Weise Begeisterung authentisch simulieren lässt.

Wie so ein Demonstranten-Casting bei VW wohl abläuft? Wie lange muss man ein Schild ohne Zittern halten können, um den Job zu kriegen? Gibt es einen Recall? Wenigstens tun sich die meisten von VW enagierten Demonstranten den Gefallen und halten sich ihre Bretter schön vor den Kopf.

Da kommt der Rausschmeißer “Unruhestifter!“, mit dem VW-Großherzog Ferdinand Piech Greenpeace-Aktivisten im Saal später vor die Tür setzen ließ, schon fast einem Kompliment gleich.

GreenBites, der Podcast von Greenpeace: #32 – Clean Our Cloud – Grüner Strom fürs Netz!

18. April 2012

Viel ist in diesen Tagen von Cloud Computing die Rede: Die Daten, die wir Internet-Nutzer Tag für Tag produzieren und verschicken, werden vielfach im Internet – bzw. in der “Cloud” – abgespeichert. Wenig überraschend: Der Anteil dieser Cloud am weltweiten Stromverbrauch nimmt derzeit immens zu und wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Deshalb ist es wichtig, dass gerade die großen IT-Unternehmen wie Microsoft, Apple und Amazon ihre Rechenzentren nicht mit Atom- und Kohlestrom betreiben. Doch genau das ist leider der Fall – wie der Report How Clean Is Your Cloud von Greenpeace zeigt.

Zu dem Thema hat meine Kollegin Beate Steffens einen Podcast mit dem Greenpeace-Energieexperten Gerald Neubauer gemacht: bitte reinhören! Außerdem braucht natürlich die Protest-Mail-Aktion an die Chefs von Apple, Microsoft und Amazon noch viele, viele Unterstützer: Fordert die Unternehmen auf, sich für eine grüne Stromversorgung der Cloud einzusetzen!

Kein Player zu sehen? Klickt hier!

Facebook hat übrigens im letzten Jahr angekündigt, bei der Wahl neuer Serverstandorte auf eine grüne Stromversorgung zu achten – ein Erfolg der vorangehenden Greenpeace-Kampagne. Höchste Zeit also, dass andere Netz-Riesen nachziehen.

EvoSwitch: Grünes Rechenzentrum in den Niederlanden - (c) Frank van Biemen / EvoSwitch / Greenpeace

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Bordgespräch mit Journalisten

03. April 2012

Greenpeace-Pressesprecher Björn Jettka berichtet von Bord des Forschungsschiffes “Königin Juliana” im Rahmen der Blogreihe zur havarierten Gas-Plattform Elgin in der Nordsee. Die derzeitige Position des Schiffes wird auf dieser Karte angezeigt.
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Greenpeace Pressesprecher Björn Jettka (l) im Gespräch mit dem Meeresbiologen Dr. Christian Bussau.

Der Moderator im ZDF-Morgenmagazin vergleicht die Webseiten von Greenpeace und Total. Eben sind die Bilder unserer Expedition in einem längeren Beitrag gelaufen. Nun geht es um Reaktionen im Internet zum Unfall auf der Gasplattform “Elgin”. Ich sitze in der Messe der “Köningin Juliana” und frühstücke. Die frischen Spiegeleier auf meinem Teller hat George unser Smutje gemacht. Er kommt aus Bukarest. An der Wand der Messe hängt der Flachbildschirm über den uns per Satellit das Programm aus Berlin erreicht.

Zwei Treppen höher ist die Brücke. Dort treffe ich auf zwei der mitreisenden Journalisten. Es ist früh am Morgen, wir sind auf der Rückfahrt nach Cuxhaven, es ist etwas Zeit für ein erstes Zwischenfazit zur Fahrt. Die Laborergebnisse für unsere Proben werden in circa zehn Tagen vorliegen, aber darum geht es eigentlich weniger. Schnell sind wir auf einer Metaebene. Ich finde es gut, dass sie mich durchaus kritisch nach dem Sinn und Zweck der Reise fragen. Klar, dass aus der Plattform Gas ausströmt und Öl ausgelaufen ist. Das wurde auch schon vor unserer Abfahrt berichtet. Dass es sich vermutlich um größere Mengen Gas handelt, konnten wir bereits während unseres Überflugs feststellen. “Warum also der Aufwand einer Expedition?”, steht nun als Frage im Raum. Da wir Zeit haben, hole ich weiter aus.

Vor zehn Jahren habe ich meine Stelle als Redakteur und Moderator bei einem Hörfunksender der ARD aufgegeben, um bei Greenpeace anfangen zu können. Und nach wie vor finde ich es spannend mit ehemaligen Kollegen – sprich Journalisten – über meine Arbeit als Pressesprecher bei einer der größten unabhängigen Umweltschutzorganisationen diskutieren zu können.

Dabei ist der Begriff “Pressesprecher” bei Greenpeace eigentlich etwas irreführend. Mit der Presse sprechen meine Kollegen. Biologen, Chemiker oder Ingenieure stehen dann vor der Kamera / dem Mikrofon und beantworten Fragen zu Klimawandel, Pestiziduntersuchungen oder wie jetzt einem Gasunfall. Meine Arbeit ist es, Strategien für unsere Kommunikation zu entwickeln, Presseerklärungen zu redigieren oder als eine Art von Reporter vor Ort für unsere eigenen Medien Beiträge zu produzieren. Ich bringe Fakten in Form, versuche Expertensprache allgemein verständlich zugänglich zu machen.

Fakt ist, dass wir an der Elgin-Plattform nicht nur Proben gezogen und uns ein Bild von der Lage gemacht, sondern auch Signale gesetzt haben. Es gibt eine Organisation, die in der Lage ist, unabhängig, überparteilich und jederzeit große Konzerne oder Regierungen zu kontrollieren. Vielleicht nicht in allen Belangen, aber immerhin wenn es um Umweltschutz geht. Insofern sehe ich auch immer noch eine Parallele zu meiner Zeit als Journalist bei einem Massenmedium. Auch Medien melden Unfälle, recherchieren Skandale, berichten unabhängig und haben eine Kontrollfunktion.

Dass Greenpeace seine Arbeit machen kann, verdanken wir mehreren hunderttausend Fördermitgliedern deren Spenden uns groß machen. Einer der Förderer hat uns übrigens durch Wellen und Wind sicher zur Elgin und zurück gesteuert. Unser Kapitän hat mir erzählt, dass er seit Anfang der Achtziger Jahre für Greenpeace spendet. Für beides an dieser Stelle: Danke!