GreenAction & warum Greenpeace nicht zu allen Umweltthemen arbeitet

22. März 2012

Die Kolleginnen und Kollegen, die in Brief- und Telefoncenter für den Förderer-Service arbeiten,
finden, dass GreenAction eine tolle Sache ist. In dieser Kampagnen-Community kann jede und jeder aktiv werden und mitmachen.

Wir haben nämlich immer wieder Probleme mit den von uns sogenannten Randthemen.

Zu welchen Themen wir arbeiten, ist auf unserer Webseite nach zu lesen.

Wir stehen  zu unserer Strategie und zu unserer Arbeitsweise: Greenpeace bringt durch Aktionen ein Thema in die Öffentlichkeit mit dem Ziel, Umweltsünder zur Stellungnahme und schließlich zur Verhaltensänderung zu bewegen. Aktionen sind konfrontativ und so sind sie auch gemeint.

Der Anlass sind aber immer ganz konkrete Missstände. Nun gibt es ja leider genügend Umweltprobleme und alle sind sie wichtig. Wir freuen uns auch über das Vertrauen, aber wir können beim besten Willen nicht überall sein und zu allen Themen arbeiten. Und an den Rändern unserer Themen gibt es immer wieder Grauzonen, zu denen wir auch nicht arbeiten.

Das geht schon los bei einem wichtigen Unterschied zu anderen Umweltorganisationen (deren Arbeit wir sehr schätzen!). Greenpeace ist international und auch unsere Themen sind es. Oft „übersetzen“ wir die  Themen in europäische oder nationale Zusammenhänge, um den Menschen hier vor Ort die Auswirkungen deutlich  zu machen.

Umweltschutzorganisationen, Bürgerinitiativen und Greenpeace arbeiten auf unterschiedlichen Ebenen und mit unterschiedlichen Mitteln, aber Hand in Hand für umweltpolitisch sinnvolle Lösungen.

Allerdings arbeiten wir nicht zu regionalen Themen. Sogar unsere aktuelle Kampagne zu den Buchenwäldern im Spessart ist in die grossen Themen Klimawandel und Waldschutz eingebettet.

Und da kommt dann GreenAction ins Spiel, weil sich dort Menschen treffen und organisieren können, um selber etwas vor Ort zu tun.

Wenn Greenpeace zu einem Umweltproblem nicht selbst aktiv ist, so heißt das keinesfalls, dass wir es unwichtig finden. Wir müssen aber Prioritäten setzen.

Anti Fracking Sign at the Borderb © Les Stone / Greenpeace

Anti Fracking Sign at the Borderb © Les Stone / Greenpeace

So ist es auch beim Thema „Fracking“, zu dem wir gerade sehr viele Anfragen bekommen.

Direkt arbeiten wir dazu nicht, aber der Zusammenschluss der Bürgerinitiativen http://www.gegen-gasbohren.de/ist auch auf GreenAction aktiv, sie können erste Erfolge verbuchen und sie freuen sich bestimmt über Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Atomausstieg in Europa & Fukushima

24. Februar 2012
Radiation Victim Mr Yoshiharu

Radiation Victim Mr Yoshiharu

Es ist nicht mehr lange hin und dann jährt sich die verheerende Reaktorkatastrophe in Fukushima zum ersten Mal. Ich mag übrigens nicht von Unfall sprechen, das klingt – finde ich – verharmlosend. Die Schlagzeilen sind nicht mehr so laut und häufig. Und trotzdem: Wer genau hinguckt, kann die Brisanz auch in neueren Meldungen noch wahrnehmen. Und in Japan selbst? In Japan wächst ein Jahr nach der Erd­bebenkatas­trophe und dem Reaktorunglück von Fuku­shi­ma die Wut der Men­schen. Hier die Fotostrecke von unseren Kollegen von Greenpeace International ein Jahr nach Fukushima.

In Deutschland ist der Atomausstieg beschlossene Sache. Wir im Greenpeace-Briefcenter bekommen weiterhin Anfragen zur Atomproblematik – ob von Flugbegleiterinnen, die sich Sorgen um ihre Gesundheit machen, oder von Menschen, die sich fragen, was im Rest der Welt bezüglich Atomausstieg und Energiewende passiert.

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Im Netz gibt es außer der Übersichtskarte unserer österreichischen Kollegen hauptsächlich veraltete Informationen.

Fündig geworden bin ich dann beim SWP (Stiftung Wissenschaft und Politik):

(c) Stiftung Wissenschaft und Politik

(c) Stiftung Wissenschaft und Politik

Was positiv stimmt, ist die Haltung der polnischen Bevölkerung gegenüber Atomkraft.

Am Ende möchte ich es nicht versäumen, auf ein bemerkenswertes Buch aufmerksam zu machen:

“Der Reaktor” , von Elisabeth Filhol, erschienen im Nautilusverlag. Ich habe den Roman gelesen und möchte um euch einen Überblick zu geben, aus der Rezension von Claudia Voigt, Spiegel zitieren:

Der Roman ist ergreifend und radikal, weil Filhol alle festgefügten Vorurteile durch erzählerische Genauigkeit erschüttert. Nach der Lektüre von ›Der Reaktor‹ ist das Stichwort Atomenergie kein abstrakter Begriff mehr, nicht mehr nur ein Wahlkampfthema oder eine lautlose Gefahr.

Unbedingt empfehlenswert!

Elisabeth Filhol - Der Reaktor

Elisabeth Filhol - Der Reaktor

Wie funktioniert eigentlich eine Fischfabrik auf dem Meer?

12. Januar 2012

Gleich zu Anfang des Jahres protestierten Greenpeace-Aktivisten in Bremerhaven gegen die Industriefischerei in Gestalt des Fischtrawlers “Jan-Maria”. Die subventionierte Fischerei Europas führt zu leeren Netzen in Afrika.

Senegal, Dakar

Einheimische Fischer im Senegal.

Es gab vermehrt Anfragen von interessierten Anruferinnen und Email-Schreibern, die wissen wollten, wie der Fischfang mit so einem Riesentrawler funktioniert.

Da wir selbst neugierig sind und gerne die Arbeit von Greenpeace erklären,  habe ich meine Kollegin Iris Menn gefragt, ob sie mit uns ein bisschen hinter die Kulissen der Industriefischerei schaut.

Obwohl zahlreiche Fischbestände bereits vor dem Zusammenbruch stehen, durchkämmen hochtechnisierte Industriefangflotten weiterhin die Weltmeere. Mit immer effektiveren Fangmethoden werden die letzten Speisefische eingesammelt: Mit Echolot-Ortung oder Hubschrauber-Einsatz können Fischschwärme punktgenau aufgespürt werden. Auch in Tiefen von über 1000 Metern wird mittlerweile dank ausgefeilter Technik gefischt. “Monstertrawler” mit über 100 Metern Länge verarbeiten hunderte Tonnen Fisch direkt an Bord zu quadratischen Tiefkühlprodukten.

Doch vor allem das Ausmaß der Industriefischerei ist ein Problem: Von den weltweit etwa dreieinhalb Millionen Fischereischiffen sind nur 38.000 industrielle Schiffe – also nur ganze ein Prozent der Gesamtflotte. Diese relativ geringe Zahl an Industrieschiffen macht jedoch zwischen 50 und 60 Prozent der weltweiten Kapazität der Fischereiflotte aus. Damit wir und kommende Generationen auch in Zukunft noch Fisch essen können, müssten wir 50 Prozent der Industrieflotte abbauen!

Hallo Iris, schön dass du dir die Zeit nimmst uns zu erklären, wie so eine Fischfabrik auf dem Meer eigentlich funktioniert.

Meeres Kampaignerin Dr. Iris Menn
Dr. Iris Menn

Als erstes wollen wir wissen, wie groß ist die Jan-Maria?

Sie ist 117 Meter lang und kann bis zu 5.000  Tonnen Fisch an Bord haben.

Welchen Fisch fischt die Jan-Maria?

Zum Beispiel Hering,  Makrele und Sardine.

Was hat die Jan-Maria an Ausstattung an Bord?

Da gibt es eine richtige Fischverarbeitungsfabrik im Bauch des Schiffes. Der Fisch läuft über richtige Fließbänder, wird ausgenommen, filetiert, eingefroren und in handelsübliche Kartons verpackt. Zuletzt wird alles auf Paletten gestapelt.

Trawler banner action Bremerhaven Banner Aktion an Fischtrawler in Bremerhaven

Greenpeace-Aktivisten protestieren gegen die Überfischung der Meere.

Wie lange sind so große Fischtrawler unterwegs?

Diese großen Fischtrawler sind für einen sogenannten Fischzug ungefähr sechs Wochen unterwegs.

Das heißt, sie starten Anfang des Jahres und fischen dann meist im Nord-Ost-Atlantik. Danach fahren sie in den Pazifik oder fischen vor Westafrika. Sie kommen, so wie die Jan-Maria, zu Weihnachten einmal oder zwei bis drei Mal im Jahr nach Deutschland oder in die Niederlande zurück.

Wo wird der Fisch an Land gebracht?

Je nach dem, wo sie gefischt haben. Zum Teil in Bremerhaven, wenn sie beispielsweise im Nord-Ost-Atlantik gefischt haben. Zum Teil landen sie auch in holländischen Häfen an. Es richtet sich meist nach dem Preis, den sie mit dem gefangenen Fisch erzielen können.

Wer kontrolliert die Fangquote?

Normalerweise geben sie den Börden, dort wo sie anlanden, bekannt wieviel und welchen Fisch sie gefangen haben. Die Behörden prüfen dann, ob es der Fangquote des jeweiligen Schiffes entspricht.

Was würde passieren, wenn Sie zuviel gefangen hätten?

Das müsste den Behörden auffallen. Das heißt, sie würden über der Fangquote liegen, die ihnen rechtlich zusteht. Dabei würde es sich um illegal gefangenen Fisch handeln und sie müssten eine Strafe zahlen.

Wie funktioniert das mit der Fischfangquote eigentlich?

Deutschland bekommt die Quote “xy”, angepasst an die nationale Flotte. Die nationale Fischfangquote wird auf die Fischereigenossenschaften verteilt, die es wiederum auf ihre Schiffe verteilt. Am Ende weiß jeder Fischer, der raus fährt, wie viel Hering oder Makrele er fangen darf.

Wo und wie werden die Netze eingeholt?

Die Jan-Maria fängt den Fisch mit pelagischen Schleppnetzen. Das pelagische Schleppnetz wird hinten am Schiff herausgelassen und geht dann durch die Wassersäule. Es werden hauptsächlich Schwarmfische wie Hering, Makrele und Sardine gefischt.

Die Netze werden durch große Scherbretter offen gehalten. Sie gehen nicht auf den Boden sind aber riesengroß. Die Netzöffnung ist 50 mal 90 Meter groß. Das sind gigantische Ausmaße und die Netze sind nach einem Zug so schwer dass sie nicht an Bord gehoben werden können. Sie werden mit sogenannten Saugrüsseln geleert. Die Fische werden mit den Saugrüsseln direkt in den Schiffsbauch gesaugt und dort gleich verarbeitet.

Wie viele Leute arbeiten dort?

Etwa 25 bis 40 Menschen arbeiten an Bord.

Unter welcher Flagge fährt das Schiff?

Die Jan-Maria fährt unter deutscher Flagge und gehört der Doggerbank Seefischerei. Es ist aber eine 100 prozentige Tochter einer holländischen Firma, die  Parlevliet & Van der Plas B.V. heißt und der alle sechs großen deutschen Schiffe gehören

Wie läuft das genau mit den Subventionen?

Der Fischfang wird subventioniert, weil wir zuwenig Fisch für eine zu große Flotte in den Meeren haben. Um die Flotte rentabel zu halten, gibt es einerseits Subventionen und zum anderen wird es ihnen ermöglicht in anderen Regionen, wie vor Westafrika oder im Pazifik zu fischen.

Man subventioniert die Flotte eigentlich, um sie zu verkleinern. Man hat zwar ein paar Schiffe abgebaut, aber gleichzeitig die Subventionen in die Modernisierung der Schiffe gesteckt. Das heißt in eine stärkere Motorleistung, in mehr Technik, so dass die verbliebenen Schiffe jetzt  technisch besser sind und weiter raus fahren können, die Netze schneller einholen können  und wiederum mehr fangen. Die eigentliche Fangkapazität hat sich also nicht verringert.

Gilt die Fangquote auch vor Westafrika?

Ja, die Fangquote gilt auch für Westafrika. Es gibt ein Abkommen zwischen Mauretanien und der europäischen Union. Davon bekommt Deutschland einen Anteil der Quote und der wird verteilt auf die deutschen Schiffe die nach Westafrika fahren.

Ist das Gebiet vor Westafrika überfischt? Und wer stellt das fest?

Vor Westafrika gibt es Fischbestände, die überfischt sind, wie zum Beispiel die Holzmakrele und Sardinella – andere sind maximal genutzt wie zum Beispiel Anchovy.

Wer ist der Abnehmer? Wer kauft den Fisch?

Das ist ganz unterschiedlich, das kann man nie genau sagen. Es richtet sich nach dem Preis. Ein großer Teil, der vor Westafrika gefischt wird, wird nach China exportiert. Ein Teil der Makrelen, die im Nord-Ost-Atlantik gefischt werden, geht auch auf den asiatischen, aber auch auf den deutschen Markt.

Was können wir als Verbraucher tun?

Weniger Fisch essen und wenn Fisch, dann die richtige Wahl treffen. Dabei hilft der Greenpeace Ratgeber „Fische – beliebt aber bedroht“. Zudem haben wir leckere Fischrezepte zusammengestellt.

Vielen Dank Iris!

Hier geht es zu einem Film von der Aktion in Bremerhaven und zu unseren Forderungen für eine Reform der gemeinsamen europäischen Fischereipolitik.