Die Arctic Sunrise war im Nordostatlantik unterwegs, um gegen die zerstörerische Tiefseefischerei zu protestieren. Mit an Bord: Yve Tiede. Hier erzählt sie von ihren Erlebnissen an Bord. (zur Blogreihe)
Felder, Wälder und Städte ziehen an mir vorbei. Kein Wasser, kein Schaukeln mehr, kein Wind, kein brummender Motor. Ich sitze im Zug, auf dem Weg von Amsterdam zurück nach Hause und die Welt fühlt sich komisch an. Ich denke an meinen blauen Arbeitsoverall, der noch am Haken im Schiffsrumpf der Arctic Sunrise hängt.
Es war eine eindrucksvolle Tour für mich.
Unser Team hat auf dem Meer dafür gesorgt, dass Politiker (vor allem in Spanien und Frankreich) aufgewacht sind. Die Problematik der hochsubventionierten, zerstörerischen Tiefseeflotte ist öffentlicher Gesprächsstoff geworden. Das ist ein großer Erfolg für uns!
Ich weiß jetzt, dass so eine Kampagne auf hoher See kein Zuckerschlecken ist. Es gab während meiner Zeit auf dem Schiff insgesamt fünf Aktionen in Häfen und auf dem offenen Meer. Manchmal auch trotz starken Windes, hoher Wellen und Seekrankheit. Es lief nicht immer alles nach Plan – aber davon ließ sich keiner der Crew demotivieren. Das wurde eher als Ansporn gesehen und manchmal muss man einfach spontan sein. Bei der letzten Aktion haben wir den Tiefseetrawler tatsächlich zum vorzeitigen Einholen seines Netzes gebracht – das war der krönende Abschluss.
Auf dem Nordatlantik habe ich vieles gelernt: Über den Schiffsalltag, die Tiefsee und über mich selbst. Ich bin super glücklich, so viele tolle Leute aus so vielen verschiedenen Ländern kennengelernt zu haben, die sich alle auf beeindruckende Weise, mit viel Herzblut und mit ihren ganz unterschiedlichen Fähigkeiten für den Schutz der Erde einsetzten. Ich bin auch ein bisschen stolz auf uns: Ich habe das gute Gefühl, wirklich etwas bewegt zu haben und weiß, dass Greenpeace an den Tiefseeflotten und der Politik auch weiterhin dran bleiben und Druck machen wird.
Und wenn ich an die Arctic Sunrise denke, die jetzt für ein paar Reparaturarbeiten sorgsam vertäut im Hafen von Amsterdam liegt, bin ich mir sicher, dass ich noch weitere Male auf Greenpeace-Schiffen unterwegs sein werde, um mich für den Erhalt und den Schutz unserer Umwelt einzusetzen.
Die Kampagne gegen die Überfischung der Tiefsee geht nun an Land weiter.
Vor allem in Spanien und Frankreich wird dies ein großes Thema sein. Diese Länder haben die größten Tiefseeflotten in der EU und bekommen ungeheure Summen an Subventionen.
Aber auch alle anderen Länder geht die Tiefseefischerei etwas an: Dänemark hat als nächstes den EU-Vorsitz. Damit wird das Land maßgeblich an der Ausarbeitung des neuen Gesetzes zur gemeinsamen Fischereipolitik mitwirken; ein polnisches Filmteam an Bord hat sich sehr für unsere Arbeit interessiert und auch deutsche Europa-Politiker werden an der bevorstehenden Reform des Fischereigesetzes mitarbeiten. Und schließlich brauchen wir einen gesunden Ozean und sollten einen solchen auch an kommende Generationen weitergeben können!
(Autorin: Yve Tiede)
Die Tiefseefischerei ist eine der schlimmsten Fischereimethoden in Europa. Riesigen Netze dringen in Tiefen zwischen 400 und 1.500 Metern ein, wo niemand den angerichteten Schaden sieht. Auf der Suche nach Fisch zerstören sie einzigartige Lebensräume.
Die Tiefseefischerei ist ein perfektes Beispiel dafür, was in der EU-Fischereipolitik falsch läuft. Zwischen 1996 und 2010 sind aus den Steuern der europäischen Bürger mehr als 140 Millionen Euro Subventionen in die spanische Tiefseefischerei geflossen. Spanische und französische Fischer sind für fast 70 Prozent der Tiefseefänge in Europa verantwortlich.













