Delfine und Wale – Momente des Glücks

19. März 2012

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise ist derzeit in den Gewässern vor der westafrikanischen Küste unterwegs, um vor Ort die Praktiken der ausländischen Fischereiflotten zu dokumentieren. Greenpeace-Meeresexpertin Iris Menn berichtet von Bord der Arctic Sunrise.

Wir sind auf dem Weg Richtung Süden zu einem Austausch der Crew. Plötzlich kommt über den internen Schifflsautsprecher: “dolphins, dolphins – get out on the deck”.

Delfine schwimmen neben dem Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise.

Delfine schwimmen neben dem Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise.

Ich stürze aus dem Büro, von überall kommen die Kollegen herbei. Wir sammeln uns am Bug der Arctic Sunrise. Das Wasser vor uns gleicht einem Whirlpool. Es müssen mindestens 50 Delfine sein, die dort auf uns zuschwimmen! Sie scheinen zu jagen oder vielleicht auch einfach nur zusammen zu ziehen.

Einige begleiten uns für ein paar Minuten am Bug. Sie tauchen auf und ab, schwimmen mit ihrem stromlinienartigen Körper dicht an uns heran. Sie sind zum Greifen nahe. Andere schwimmen weiter, springen in die Luft, drehen den Körper. Sie scheinen Spaß zu haben, vielleicht zu spielen. Die Kameras werden gezückt, man hört “Oh” und “Ah”. Die Luft vibriert vor Faszination. Es ist wie ein Rausch.

... das muss fotografiert werden

... das muss fotografiert werden

So viele Delfine auf einen Schlag habe ich noch nicht gesehen. Noch zwei weitere Male an diesem Tag begegnen wir Delfin-Schulen. Immer bleiben sie ein paar Minuten, bevor sie weiter ihren Weg ziehen. Einmal ist in der Nähe ein Fischtrawler und wir sehen die Delfine dicht vor seinem Bug. Sie scheinen die Gefahr nicht zu spüren und der Trawler ist zum Glück nicht am Fischen. Aber wie schnell sie als sogenannter Beifang in den Netzen des Trawlers ein schreckliches Ende finden können…

Zum Abschluss des Tages – als ob noch eine Sahnehaube notwendig wäre – tönt es erneut aus dem Lautsprecher. Diesmal: “Whales, whales on the starboard side.” Vier Wale, die gemächlich, ruhig und elegant entlang gleiten.

... auch unter Wasser.

... auch unter Wasser.

Ein Tag voller Erlebnisse, die uns Kraft geben. Es sind Momente, die man nicht vergisst und in denen ich genau weiß, dass wir das Richtige tun. Es sind Momente des Glücks, solch ein Erlebnis ins Herz aufnehmen zu können.

Pirogen auf See

14. März 2012

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise ist derzeit in den Gewässern vor der westafrikanischen Küste unterwegs, um vor Ort die Praktiken der ausländischen Fischereiflotten zu dokumentieren. Greenpeace-Meeresexpertin Iris Menn berichtet von Bord der Arctic Sunrise.

Pirogen neben der Arctic Sunrise - (c) Pierre Gleizes

Pirogen neben der Arctic Sunrise - (c) Pierre Gleizes

Wir setzen unseren Protest von gestern weiter fort: insgesamt sieben Trawler hatten am Ende des Tages an ihrer Bordwand das Wort „PLUNDER !“ stehen – und eine Fischgräte. Sieben (!) Trawler: Wenn das nicht das Ausmaß der Fischerei dieser pelagischen Fischfabriken verdeutlicht – was dann? Insgesamt sind sogar elf dieser Schiffe augenblicklich hier in der Region!

Nach einem Tag voller Aktivität lagen wir die Nacht in flacheren Gewässern vor Anker. Am Morgen zeigt uns das Tageslicht, dass nicht nur wir hier vor Anker liegen, sondern um uns herum zahlreiche Pirogen. Immer wieder in den letzten Wochen hatten wir sie hier draußen, etwa 15-20 Meilen vor der Küste, gesehen.

Sie scheinen hier zu übernachten, für mehrere Tage draußen zu sein. Die Boote sind circa 20 Meter lang – ein einfacher Motor, keine Aufbauten, kein Schutz, keine Sicherheit.

Am späten Vormittag kommt eine Piroge längsseits an die Arctic Sunrise. Die Besatzung erzählt, dass sie bereits sieben Tage hier draußen sind und ihnen das Frischwasser ausgegangen ist. Wir helfen Ihnen aus und während sie Ihre Kanister über unsere Leitung füllen, erzählen sie: Sie fischen Octopus, den sie mit Fallen fangen. Die Fallen werden ausgesetzt und dann nach einigen Stunden wieder eingeholt – zum Teil nachts. Einmal am Tag kommt eine Piroge von Nouadhibou, die den Fang der Pirogen einsammelt und zurück ans Land bringt. Von dort geht es nach Europa. Bis zu drei Wochen bleiben die Pirogen manchmal hier draußen. Zwischen dem Ein-und Ausbringen der Fallen sitzen sie in den Pirogen und warten – ohne Toilette, Küche, Sonnenschutz.

Es wäre spannend zu wissen, wieviel diese Fischer verdienen und dies mit dem Preis für Octopus in Europa zu vergleichen. Wer verdient wieviel wo? Wir werden fragen, wenn wir den nächsten Pirogen begegnen.

Umzingelt von schwimmenden Fabriken

29. Februar 2012

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise ist derzeit in den Gewässern vor der westafrikanischen Küste unterwegs, um vor Ort die Praktiken der ausländischen Fischereiflotten zu dokumentieren.

Greenpeace-Aktivisten protestieren vor Mauretanien gegen Überfischung - (c) Pierre Gleizes / Greenpeace

Greenpeace-Aktivisten protestieren vor Mauretanien gegen Überfischung. Im Hintergrund: Der Supertrawler "Dirk Diederik". - (c) Pierre Gleizes / Greenpeace

Montag, der erste Tag in den Gewässern von Mauretanien: Ein neuer Abschnitt unserer Schiffstour beginnt. Hier fischt auch die Flotte der Europäischen Union. Die zu große Flotte, die nicht mehr genug Fisch in den eigenen Gewässern vorfindet und – um rentabel zu bleiben – immer häufiger auf Jagd in andere Gewässer, d.h. Nicht-EU-Gewässer, geht.

Die Trawler sind “legal” unterwegs und zum Teil Giganten. Nach nur wenigen Stunden ruft mich mein Kollege Tom von der Arctic Sunrise an. Er klingt aufgeregt: “Wir sind nahezu umzingelt von Schiffen der PFA. Die Helen Mary unter deutscher Flagge und die Dirk Diederik unter holländischer: alle sind hier. Die Helen Mary gibt gerade Gas und macht sich davon, währen die Dirk Diederik noch fischt.” PFA heißt “Pelagic Freezer Association” und ist eine Dachorganisation, in der die so genannten Schwarmfischfänger vereinigt sind. Schwarmfischfänger sind Schiffe, die pelagisch – also in der Wassersäule – fischen und es auf Fischschwärme abgesehen haben, wie zum Beispiel Hering oder hier vor Westafrika Holzmakrele und Sardinen.

Der Supertrawler Dirk Diederik, der unter holländischer Flagge in den mauretanischen Gewässern fischt - (c) Pierre Gleizes / Greenpeace

Der Supertrawler Dirk Diederik, der unter holländischer Flagge in den mauretanischen Gewässern fischt - (c) Pierre Gleizes / Greenpeace

Während die Crew der Arctic Sunrise in die Schlauchboote springt und die “Diederik” beim Fischen dokumentiert und die Aktivisten protestieren, veröffentlichen wir hier an Land europaweit einen Bericht, der sich auf genaue diese Schwarmfischfänger fokussiert. Der Ocean Inquirer #3 “Plündern um jeden Preis” ist der dritte Bericht einer Serie, die sich mit dem Versagen der Gemeinsamen Fischereipolitik in Europa beschäftigt. Die beiden bisherigen Berichte zeigten die kriminellen Machenschaften von Vertretern der spanischen Fischereiindustrie und die Subventionen an die Tiefseefischerei. “Plündern um jeden Preis” deckt auf, wie EU-Steuergelder dazu genutzt werden, diese riesigen Fabrikschiffe zu fördern und damit die Überfischung voranzutreiben, anstatt nachhaltige Lösungen umzusetzen.

Die ersten Bilder aus Westafrika kommen bei mir in der E-Mail-Box an. Riesige Schiffe, mit vollen Netzen. Die See scheint rau zu werden. Noch zwei Tage, dann geht für mich der Flieger nach Westafrika.