Hooksiel

04. August 2010
Vier Wochen auf der Beluga haben die Crew zusammengeschweißt.

Vier Wochen auf der Beluga haben die Crew zusammengeschweißt.

Heute wurde ich gefragt, ob es denn nicht frustrierend sei, für Greenpeace zu arbeiten, da man oft nicht erreiche, was man sich erhofft. Ich weiß nicht, was andere antworten würden, doch für mich ist es genau das Gegenteil. Es ist wie Urlaub für den Kopf. Endlich etwas tun zu können, endlich nicht mehr nur über die Probleme auf dieser Welt zu reden, sondern einzutreten für seine Ideale. Das ist befreiend und tut einfach gut.

Diese vier Wochen auf der Beluga II sind für mich Urlaub für den Kopf. Aber sicher nicht für den Körper. Wir haben einen 14-Stunden-Tag mit nur sehr kurzen Pausen. Irgendwann macht sich das bemerkbar. Langsam merke ich, wie es mich mehr und mehr anstrengt. Ich bin leicht erkältet, und das macht es noch anstrengender.

Und man wird sensibler. Ich merke, wie ich Markos Sprüche persönlicher nehme, obwohl sie nicht so gemeint sind. Außerdem bin ich ein bisschen böse, dass sich unsere Seemänner regelmäßig am Abend für einige Stunden verabschieden. Ich weiß, sie haben dann bestimmt was zu besprechen und es ist nur verständlich, dass sie für kurze Zeit auch mal was anderes sehen möchten. Doch uns geht es nicht anders, wir verbringen auch die ganze Zeit auf diesem engen Raum. Wir würden uns freuen, abends gemeinsam mit den Seemännern auf den Tag anzustoßen und mal ganz privat und in Ruhe zu plaudern.

Wir sind heute im Alten Hafen von Hooksiel angekommen. Hooksiel ist eine kleine Stadt auf dem Festland. Wir haben jetzt also die Nordseeinseln endgültig verlassen und werden uns von hier aus auf den Weg nach Cuxhaven machen. Dort wird die Beluga für eine Woche liegen.

Danach geht es für sie weiter zum Sylter Außenriff. Daher ist diese Kleinstadt die letzte Station unserer Reise und die letzte Möglichkeit, den Menschen Greenpeace und unsere Themen näher zu bringen. Aber ich denke, wir hätten den Ort kaum besser wählen können: Dort gibt es viele aufgeschlossene, interessierte Menschen, die unsere Arbeit gut finden und unterstützen.

Viele Grüße aus Hooksiel.

Eure Mona

Ramona Reichart arbeitet in Augsburg ehrenamtlich für Greenpeace. Zurzeit unterstützt sie die Besatzung der Beluga II auf ihrer Nordseetour. Beim Open Ship informiert die Crew über Umweltprobleme, wie Tiefseebohrungen und Überfischung. Darüber berichtet Mona hier im Greenpeace Blog.

Tour-Alltag auf der „grünen“ Insel Spiekeroog

04. August 2010
Bereits Routine: die täglichen Schiffsführungen

Bereits Routine: die täglichen Schiffsführungen

Halb fünf Uhr morgens, alles schläft – nur die Mannschaft der Beluga II ist wach. Mit dem ersten Morgengrauen brechen wir in Norddeich auf. Sobald wir aus dem engen Fahrwasser heraus sind, werden die Segel gehisst. Besan, Groß und Fock gehen fix hoch und somit ist die Beluga II wieder klimafreundlich unterwegs. Mit den ersten Sonnenstrahlen gesellen sich Freizeitsegler in die morgendlich Idylle. Wir befinden uns auf Kurs 080° Richtung Spiekeroog. Die „grüne“ Insel anzulaufen, war der Tipp eines früheren Mitglieds unserer Truppe. Familien mit Kindern und „Öko“-Urlauber sollen wir hier treffen. Kaum haben wir fest gemacht nehmen auch schon die ersten kleinen und großen Besucher die Beluga II, das Schiff von Greenpeace Deutschland, wissbegierig unter die Lupe.

Die Schiffsführung ist, trotz Crew-Wechseln in den letzten Wochen, zur Routine geworden. Kapitän Uwe Linke mit seinem Seemannsgarn und Fachwissen zählt ebenso zum Programm, wie das Foto und der Verweis auf unsere in Ehren gehaltene Spenderin Ilse Vormann. Sie hat mit ihrem Nachlass dieses Schiff und somit auch unsere Tour ermöglicht.

Hören die Besucher Ilse Vormanns Geschichte, so ist das Erstaunen und die Bewunderung für ihr Engagement mindestens genau so groß, wie Uwes Erstaunen über manche Fragen der Besucher: „Isch däs ä Segelboot?“, fragt ein Schwabe. Nun gut, halten wir ihm zugute, dass er Süddeutscher ist, und einen Rumpf mit zwei Masten und vier gepackten Segeln nicht unbedingt als Segelschiff erkennen muss ;-) . Diese Tour scheint genau den Nerv der Besucher zu treffen. Mal übers Schiff tigern, mit ‘nem echten Seebären schnacken, Infos und Kino am Abend. So manch ein Besucher kam nach der Führung noch einmal mit einem kleinen Präsent oder Kuchen zurück und bedankte sich ausdrücklich bei der Mannschaft.

Ich muss dann mal Schluss machen, es gibt wieder Kuchen!

Es grüßt aus Spiekeroog, Mirko

Mirko Blank hat bis vor kurzem sein freiwilliges ökologisches Jahr bei Greenpeace absolviert. Zurzeit unterstützt er die Besatzung der Beluga II auf ihrer Nordseetour. Beim Open Ship informiert die Crew über Umweltprobleme, wie Tiefseebohrungen und Überfischung. Darüber berichtet Mirko hier im Greenpeace Blog.

Tosende See

31. Juli 2010
Fotoaktion mit der Beluga. Vom Schlauchboot aus will Bente das Schiff ablichten.

Fotoaktion mit der Beluga. Vom Schlauchboot aus will Bente das Schiff ablichten.

Norderney haben wir nach einer weiteren, sehr gut besuchten Open-Ship-Session am Mittag verlassen, um auf der offenen See einen Fototermin einzuhalten. Bilder von der Beluga II unter vollen Segeln zu machen, war der Plan der Hamburger Greenpeace-Zentrale. Der Aktionsbereich nutzte dabei die Gelegenheit, den neuen Zodiac in tosender See zu testen. Schnittiges Gerät und eindrucksvoll, wie die Greenpeace-Aktivisten samt der Fotografin Bente über die Wellen zu fliegen scheinen.

Kaum hatten wir uns hinter Norderney in die offene Nordsee vorgewagt, war der Wellengang allerdings so hoch, dass das Schiff mitunter mehr als 20 Grad Schieflage hatte. Da fängt es an, richtig Spaß zu machen und was dann nicht richtig festgemacht ist, fliegt unkontrollierbar umher. Ehe wir überhaupt Segel setzen konnten, entschied Kapitän Uwe die Aktion abzubrechen. Denn die Gefahrwar zu groß, dass wir die Beluga II bei Niedrigwasser nach der Fotoaktion nicht mehr unversehrt über die Sandbank, auf Seemanns-Deutsch auch Barre, zurück ins Watt bringen können. Die Naturgewalten erlebt man auf einem Segelschiff sehr intensiv und man merkt, wie klein wir Menschen im Vergleich zu den Kräften von Mutter Erde sind.

Wegen des Wellengangs wurde auch der Plan verworfen, die Beluga II im Watt trocken fallen zu lassen. Es wäre eine ziemlich unruhige „Landung“ auf der Sandbank geworden. Eigentlich wollte Bente am Samstag in aller Frühe das besondere Licht nutzen für ihre Bilder nutzen. So kam die Fotografin kurz an Bord, um noch ein paar Impressionen auf den Speicherchip zu bannen. Spontan, wie die ganze Nordsee-Tour der Beluga II, liefen wir Norddeich-Mole an. Im Osthafen liegen wir nun ganz vorne. Eigentlich ist hier nie viel los, aber zufällig ist heute die Fischerparade und so erwarten wir doch viele Besucher. Mal sehen, ob der kleine Fischführer in diesem Umfeld Freunde findet.

Netze runter, Fähnchen rauf, Leute an Bord: Der Kutterkorso.

Netze runter, Fähnchen rauf, Leute an Bord: Der Kutterkorso.

Heute kommt die neue Crew. Wir haben uns entschieden, die Übergabe im laufenden Betrieb zu machen, um an unserem letzten Tag an Bord noch möglichst viele Menschen mit unseren Themen zu erreichen. Die Nacht wird sehr kurz werden, denn morgen wird Uwe schon um fünf Uhr das Kommando „Leinen los“ geben, um mit der Tide nach Spiekeroog zu segeln.

Ich könnte noch viel über die Eindrücke schreiben, die ich als Greenpeace-Frischling bei dieser Aktion hatte. Alles überragend ist aber: Bei dem Laden kann man schnell etwas bewegen und ist sofort Mitglied einer großen Gemeinschaft. Das ist sehr motivierend, auch für die Arbeit in der Gruppe Mülheim. Meine Gedanken sind heute ohnehin ein bisschen in der Heimat, weil die zweite Stufe unserer Aktion gegen Tiefseebohrungen läuft. Die Mülheimer haben ein bisschen Bammel, dass sie überrannt werden, weil Zeitungen und die Lokalradios sehr breit auf die Aktion hingewiesen haben. Aus Norddeich daher: Toi, toi, toi, ihr schafft das!

Mit allen an Bord waren, war die Zusammenarbeit eine pure Freude. Ein großer Dank an Mona, Achim, Andreas und Thorsten. Natürlich ganz besonders auch an Kapitän Uwe und die beiden anderen Seebären, Sepp und Marko, ein dickes DANKE SCHÖN für die viele Arbeit und Mühe! Mit diesem letzten Blog von mir sage ich Tschüss und bis bald mal wieder bei einer Greenpeace-Aktion!

Euer Stefan

Stefan Bluemer arbeitet in Mülheim ehrenamtlich für Greenpeace. Zurzeit unterstützt er die Besatzung der Beluga II auf ihrer Nordseetour. Beim Open Ship informiert die Crew über Umweltprobleme, wie Tiefseebohrungen und Überfischung. Darüber berichtet Stefan hier im Greenpeace Blog.