260.000 Unterschriften, 30 Grad und 1 Rasensprenger

30. Juni 2011

Ohne ihn wären wir zeitweise aufgeschmissen gewesen: der Rasensprenger vorm Bundeskanzleramt in Berlin. Gestern hat er sich nicht nur um die Bewässerung des Rasens im Regierungsviertel gekümmert, sondern auch um die Abkühlung zahlreicher Greenpeace-Aktivisten. Der Wind stand perfekt und hat immer mal wieder ein paar erfrischende Tropfen zu uns herübergeweht. Bei knallendem Sonnenschein und 30 Grad haben wir dort gestern begonnen, über 260.000 Postkarten und Unterschriften für die Energiewende in einen überdimensionalen Postkasten einzuwerfen. Unsere Forderung: Die Bundesregierung soll einen kühlen Kopf bewahren und erkennen, dass ein echter Atomausstieg bis 2015 möglich ist – auch bei 30 Grad.

© Mike Schmidt/Greenpeace

© Mike Schmidt/Greenpeace

Wie das geht, zeigt Der Plan von Greenpeace. Seit Mai haben über eine Viertelmillion Menschen diesem Energiekonzept zugestimmt und die Petition offline sowie online unterschrieben – und Greenpeace sorgt jetzt dafür, dass diese Stimmen auch bei der Kanzlerin ankommen. Gestern Morgen hat das große Einwerfen begonnen: Neben dem zweieinhalb Meter hohen Briefkasten lagen ein Dutzend Postsäcke mit Unterschriften, die wir ca. 30 Aktivisten vor Ort einzeln eingeworfen haben.

Ja, ganz richtig gelesen – einzeln! Eine Viertelmillion: Das hört sich zwar nach viel an, aber wie viel das wirklich ist, das realisiert man erst, wenn man etliche davon in der Hand gehalten und Stück für Stück in den Postkasten geworfen hat. Und bei über 260.000 dauert es lange, bis jede einzelne von ihnen ihren Weg vom Postsack über eine Aktivisten-Hand in den Briefkasten zurückgelegt hat.

Zugegeben, nicht immer war es genau eine. Manchmal gelangten im Eifer des Gefechts auch mehrere Karten in die Hände der Aktivisten, die sich dann einen Spaß daraus machten: “Lasst uns Postkarten-Quartett spielen!” Die Spielregeln: Wer vier Postkarten mit dem gleichen Briefmarken-Motiv erwischt, gewinnt! Briefmarken-Sammeln reloaded – und dazu noch für einen guten Zweck. Die Stimmung bei den Greenpeacern war ohnehin so bombastisch wie das Wetter. Die kreisförmige Route an den Postsäcken und am Briefkasten vorbei sind viele von ihnen unzählige Male gelaufen – dem Rasensprenger sei Dank. Auch die ältere Generation hat Power und Durchhaltevermögen gezeigt: “Wir brauchen mehr Dynamik!” – und schon wurde die Laufrichtung geändert oder zur Abwechslung mal eine Schlange gebildet, in der die Postkarten einzeln durchgereicht wurden.

Die Schlange musste dann spontan aufgelöst werden: Segways im Anmarsch! Eine Gruppe Touristen hatte sich die modernen Einpersonen-Transportmittel gemietet, um die Hauptstadt auf zwei Rädern zu erkunden. Wir konnten ihnen eine weitere Sehenswürdigkeit, unseren großen Postaksten, bieten – und es dauerte nicht lange, bis auch die Segway-Fahrer eine Karte unterschrieben und sie persönlich auf ihrem extravaganten Gefährt zum Briefkasten kutschiert haben.

Geplant ist, dass die letzte Postkarte heute während der zweiten und dritten Lesung der Energiegesetze im Kanzleramt eingeworfen wird und dann alle Unterschriften übergeben werden. Unter den heutigen berliner Wetterbedingungen für die Aktivisten kein großes Unterfangen: 17 Grad, wolkig, leichter Regen. Der Rasensprenger von gestern hat also ausgedient – genau wie Atomkraft.

Autorin: Lena Küpper

Proteste gegen Atomstrom bei der Bahn

25. Februar 2011
Banner gegen Atomstrom bei der Bahn am Berliner Hauptbahnhof am 24.Februar 2011 - (c) Paul Langrock / Greenpeace

Banner gegen Atomstrom bei der Bahn am Berliner Hauptbahnhof am 24.Februar 2011 - (c) Paul Langrock / Greenpeace

Klirrend kalte Temperaturen konnten gestern tapfere Greenpeace-Kletterer nicht davon abhalten, über das gläserne Dach des Berliner Hauptbahnhof zwei riesige Banner zu spannen und auf diese Weise dem Chef der deutschen Bahn zu erklären:  “Atomkraft ist ein Irrweg, Herr Grube”. Denn die Bahn, ein Staatskonzern mit Vorbildfunktion, setzt auf Atom- und Kohlestrom: 25% des Bahnstroms stammt aus dem AKW-Standort Neckarwestheim, 45% aus Kohlestrom. Statt die Weichen in Richtung Erneuerbare zu stellen, bindet sich die Bahn langfristig an Projekte wie das Kohlekraftwerk Datteln IV und an überholte Meiler wie Neckarwestheim I und II (viel mehr Infos hier.)

Interessant: Das letzte Mal war Greenpeace im November 2009 zu Gast im Hauptbahnhof – mit einem Banner, das Bundeskanzlerin Merkel zum Handeln bei der Klimakonferenz in Kopenhagen aufforderte. Damals wartete die Bahnhofsleitung ab, bis sich die Aktivisten selbst abseilten. Dieses Mal verfuhr man nach der Methode Guttenberg: Man versuchte, die peinliche Wahrheit fix von sich abzuschütteln. Nach etwa zweieinhalb Stunden begann die Polizei mit der Räumung der Aktivisten und entfernte anschließend die unliebsamen Banner vom Glasdach.

Blubbr mit Max dem Maulwurf - GreenAction / GreenpeaceBubblr mit!

Wer es den Aktivisten gleich tun und ebenfalls etwas gegen Atomstrom bei der Bahn unternehmen will, dem sei das neue Mitmach-Tool bubblr auf GreenAction ans Herz gelegt. Damit kannst du dem Bahn-Maskottchen Max Maulwurf das passende Zitat zum Atomkurs der Bahn unterjubeln: Einfach Sprechblase ausfüllen und abschicken. Alle Mitmach-Bilder werden in einer zugehörigen Gallerie ausgestellt. Außerdem kannst du Bahnchef Grube dazu auffordern, aus Neckarwestheim auszusteigen und den Bahnstrom bis 2030 auf Erneuerbare umzustellen, indem du unsere Unterschriftenliste unterschreibst.

“Wir haben es satt” – 22.000 Teilnehmer in Berlin!

24. Januar 2011

Wir haben es satt, wir haben es satt, wir haben es satt!

oder

Jeder kann was tun!

So tönte es am Samstag ab 12 Uhr bei Sonnenschein und blauem Himmel durch die Berliner Innenstadt – vom Hauptbahnhof bis zum Brandenburger Tor, quer durchs Regierungsviertel. Begleitet wurde der Sprechgesang von Trommelwirbel, Traktorenknattern, Topfdeckelgeklapper und viel guter Laune. 22 .000 Menschen waren laut Veranstalter zusammengekommen, um unter dem Motto “Wir haben es satt” gegen die industrialisierte Landwirtschaft und ihre ökologischen und gesundheitlichen Folgen zu demonstrieren. Umwelt-, Verbraucher- und Tierschützer und natürlich Landwirte machten ihrem Unmut gegen Agrarfabriken, Dumpingpreise, Massentierhaltung und Gentechnik Luft.

Kreativ und bunt ging es dabei zu: eine Vielfalt, die sich die Beteiligten auch für die Landwirtschaft sehnlichst wünschen.

  • So verkündeten zum Beispiel zwei junge Frauen auf einem aufwendig gestalteten Banner “Wir wollen nicht fremdGEN”
  • Landwirte drohten “Wir GEN Euch auf den Acker” oder “Gentechnik = Lügentechnik”.
  • Jugendliche präsentierten in Einkaufswagen, was jeden Tag von Supermärkten, Bäckereien, aber auch von jedem einzelnen Verbraucher an Lebensmittel weggeworfen wird: “Jedes zehnte Brot landet aufgrund der Überproduktion und Verschwendung im Müll.”
  • Auf einem Wagen schlug eine als Bundeskanzlerin Merkel verkleidete Aktivistin die Peitsche, während Bauernpräsident Sonnleitner hinter ihrem Rücken grinste und Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner in die Runde winkte. Geld quoll aus Säcken und die drei verkündeten “We eat the world”.

Greenpeace vor Ort

Greenpeacer aus ganz Deutschland waren angereist, um ihre ehrenamtlichen Kollegen aus Berlin zu unterstützen. Überall leuchteten die gelben Horrormaiskolben in der Menge. Ein ganzes Maisfeld erinnerte daran, dass die Mehrheit der Deutschen keine riskanten Gen-Pflanzen auf dem Acker und im Essen will.

Gift und Gentechnik: Das schmeckt uns nicht!

Das sprach vielen aus der Seele. Denn nicht nur der aktuelle Dioxin-Skandal zeigt, dass die industrialisierte Landwirtschaft, die auf Masse statt auf Klasse setzt, in einer Sackgasse steckt. Bei der Abschlusskundgebung vorm Brandenburger Tor reihte sich ein Traktor an den nächsten: FÜR eine bessere Landwirtschaft und FÜR gesündere Lebensmittel. Man möchte die verantwortlichen Politiker fragen:

Was dagegen?