Privatwaldbesitzer: Keine Transparenz über den Zustand der Buchenwälder

02. Oktober 2013
Unsere Wälder in Zahlen

Unsere Wälder in Zahlen

“Die Weitergabe sensibler Daten an Greenpeace durch den niedersächsischen Landwirtschaftsminister ist ein beispielloser Kniefall vor den grünen Lobbyisten und entlarvt eine prekäre Seilschaft”,

erklärte der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), Philipp Freiherr zu Guttenberg, in Berlin. Hat da etwa jemand die Hosen voll? Oder warum interessiert sich der Präsident der privaten Waldeigentümer dafür, dass ein grüner Minister seiner Gesetzespflicht nachkommt und Daten über öffentliche Staatswälder veröffentlicht? Liebe private Waldbesitzer, mit dieser Äußerung habt ihr Euch selbst ins Knie geschossen: Die Herausgabe relevanter Umweltdaten ist nämlich laut Umweltinformationsgesetz vorgeschrieben und keineswegs ein Staatsgeheimnis. Und Gesetze macht immer noch die Regierung (in diesem Fall eine demokratische) und nicht die Umweltschützer. Das müsste sich auch bis Bayern herum gesprochen haben, oder?

Und bei der vorbildlichen Bewirtschaftung des Staatswaldes, also des öffentlichen Waldes sollte es doch wohl so dermaßen mit rechten Dingen zugehen, dass man es nicht nötig hat, beispielsweise die Lage der alten Buchenwälder zu verheimlichen oder nicht zu verraten, wie viel Holz in diesen eingeschlagen wird. Nichts anderes hat Minister Meyer getan – Auskunft darüber gegeben, wie die öffentlichen Wälder bewirtschaftet werden. Er hat eben nichts zu verheimlichen.

Passt es vielleicht einfach nicht in das Weltbild eines Herrn Guttenberg, Gesetzespflichten tatsächlich nachzukommen, das zu halten, was man verspricht oder gar mit offenen Karten zu spielen? Die sind aber auch lästig, diese Gesetze und dann noch von der CDU/CSU mitbeschlossen, peinlich. Da schieben wir es lieber mal wieder auf die Umweltschützer – eine Unverschämtheit, dass die tatsächlich nachfragen, wie die öffentlichen Wälder bewirtschaftet werden.

Was aber geht es die AGDW als Vertretung der privaten und kommunalen Waldbesitzer, also des Nichtstaatswaldes eigentlich an, wenn Daten aus dem Staatswald veröffentlicht werden? Von prekären Seilschaften wird da gesprochen, nur weil ein Minister seiner Gesetzespflicht nachkommt? Von einem Kniefall vor den „fachfremden Interessengruppen“  und „grünen Lobbyisten“? Ja, soll die Regierung nach der Pressemitteilung von Herrn Guttenberg lieber vor ihm auf die Knie gehen und bestehende Gesetze missachten?

Mit der Empörung darüber, dass Daten über den öffentlichen Wald veröffentlicht werden, stellt sich die Frage: Ist es die Angst der Bayerischen Staatsforsten, die übrigens zahlendes Mitglied des Bayerischen Waldbesitzerverbands sind, die Guttenberg antreibt? Beispielsweise haben Niedersachsen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder NRW bereits unsere Anfrage über die Bewirtschaftung der öffentlichen Wälder beantwortet, Bayern aber nicht. Bis heute gibt es also keine Transparenz von Seiten der bayerischen Landesregierung. Und diese wird von ganz oben verhindert. Als einzige Landesregierung gibt Bayern keine Auskunft über seine öffentlichen Waldflächen an Bundesprojekte. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) lehnte Angaben für eine bundesweite Bestandsaufnahme der Wälder ab. Die Begründung: Er habe dem Präsidenten der bayerischen Waldbesitzer „in die Hand versprochen“, dass Bayern keine Daten liefern werde (S. 126 Holz-Zentralblatt Ausgabe 5 vom 13.2.2012). Hier soll das Gericht entscheiden, ob Bayern Daten über seine öffentlichen Wälder liefern muss. Da ist es natürlich nicht besonders hilfreich, dass andere Bundesländer Walddaten problemlos veröffentlichen, während Bayern daraus ein Staatsgeheimnis macht. Fragt sich nur auch hier, warum Guttenberg sich als Vertreter der „Privaten“ und „Kommunalen“ so sehr in öffentliche Angelegenheiten mischt.

Bildband: “Deutschlands wilde Wälder”

27. August 2013

In den vergangenen Wochen hat der eine oder andere sich sicherlich einmal zu einer längeren oder auch kurzen Wanderung in einen Buchenwald aufgemacht. Mir jedenfalls ging es so. Ich beobachtete etwa junge Schwarzstörche in einem Buchenwaldgebiet in Schleswig Holstein. Die Vögel standen auf dem Nest, halb Pflaum, halb erstes Federkleid und warteten auf die Eltern mit Nahrung.


Dass ein Ausflug in, beziehungsweise eine Wanderung durch einen nah gelegenen Buchenwald sich lohnt, zeigen die vielen tollen Bilder des Naturfotografen Norbert Rosing. Er hat in den vergangenen zwei Jahren die diversen deutschen Waldlandschaften ausgiebig mit seiner Kamera besucht und die Schönheit der deutschen Wälder dokumentiert. Diese Bilder hat der Fotograf nun in seinem neuen Bildband „Deutschlands wilde Wälder“ veröffentlicht und um ausführliche Texte der Autorin Monika Rößiger ergänzt. Ich hatte die Möglichkeit, den Fotografen bei der Suche der Wälder einige Tipps zu geben und steuerte das Vorwort zu dem Bildband bei, der bei National Geographic erschienen ist.

Die Bilder von Norbert Rosing freuen mich besonders, weil die Wälder in Deutschland vor einer Zeitenwende stehen. Ohne ausgeweiteten Schutz verschwinden die letzten alten Buchenwälder endgültig. Was für Brasilien der Amazonasurwald ist, sind bei uns die alten Buchenwälder – nur das von diesen heute prozentual weit weniger existieren, als im Verhältnis der Regenwald am Amazonas.

Greenpeace setzt sich daher für den Schutz der letzten alten Buchenwälder ein und fordert die Landesregierungen auf, ihrer Verpflichtung endlich nachzukommen, die aus dem UN-Übereinkommen zum Schutz der Artenvielfalt entsteht. Die Bundesregierung hat den Schutz von 10 Prozent der öffentlichen Wälder bis 2020 festgelegt.

Vor allem diese Wälder, die allen Bürgerinnen und Bürgern gehören, stehen im Mittelpunkt der Kampagne von Greenpeace und anderer Naturschutzverbände. Denn gerade diese Wälder sind für die Erholung der zunehmend gestressten Bevölkerung und für den Klima- und Artenschutz von entscheidender Bedeutung. Aber auch als Lernflächen über das natürliche Wachstum des Waldes in unseren Breiten sind sie enorm wichtig.
Gerade die bayerische und die hessische Landesregierung kommen ihrer Verpflichtung zum Schutz des Bürgerwaldes nur ungenügend nach. Ich hoffe, dass der neue Bildband von Norbert Rosing dabei helfen wird, den Wäldern in Deutschland den Schutz zu geben, den sie verdienen.

Zwischen Wald und Bühne

19. Juli 2013

Festivalgelände und naturnahe Wälder haben zwar wenig gemeinsam – trotzdem ist Achim Gresser meist in einer von beiden Welten unterwegs. Im Winter kartierte er noch wochenlang bei Eiseskälte Bäume im Spessart. Den Sommer über tourt der ehrenamtliche Greenpeacer aus Marburg wie jedes Jahr auch diesen Sommer wieder mit dem Greenpeace Urwaldpostamt durch die deutsche Festival-Landschaft und setzt sich dort für den Schutz der deutschen Buchenwälder ein. Auf vielen Festivals, unter anderem Rock am Ring, dem Southside und gerade aktuell auf dem Deichbrand, sammelt er zusammen mit anderen Freiwilligen Baumpaten unter den feierfreudigen Musikliebhabern. Zwischen dem straffen Tourplan hat er uns ein Interview gegeben.

Gibt es ein Festival, das für euch besonders erfolgreich war?
Achim: Alle Festivals waren bisher erfolgreich, jedes hat seine eigene kleine oder große Erfolgsgeschichte. Rock am Ring hatte bisher mit über 700 Baumpatenschaften den größten „Flächen-Anteil“ am Spessart erreicht. Und beim Wudzdog Festival in Bayern sind New Model Army Baumpate geworden. Auf weiteren Festivals schlossen sich Vierkanttretlager, Heisskalt, Callejon, The Wombats und viele mehr noch an. Ein weiteres Highlight wird mit Sicherheit die gemeinsame Aktion mit Anti-Flag auf dem Deichbrand Fesival jetzt am Wochenende werden. Auch sie sind bereits Baumpaten geworden und wollen weiter Fans für den Schutz des Spessarts mobilisieren.

Wie reagieren die Besucher auf die Baumpatenaktion?
Achim: Die Besucher sind begeistert von der Baumpatenaktion. Vor allem, weil sie direkt einen Ausweis mit den Koordinaten ihres Patenbaumes von uns ausgestellt bekommen und sofort auch den Schutz ihres Baumes in einem Brief an Horst Seehofer einfordern können. Hier gibt es ein paar Eindrücke von Rock am Ring:

Ist den Festivalbesuchern das Problem, dass der deutsche Wald nicht genug geschützt ist, bewusst?
Achim: Auf der einen Seite reagieren die Besucher recht verwundert auf das Problem hinsichtlich des Zustandes der deutschen Wälder und dessen Auswirkungen für das Klima, aber auf der anderen Seite sind sie nicht sehr überrascht über die Profitgier und die Verantwortungslosigkeit der Landesregierungen gegenüber den Wäldern als Erholungsort für den Menschen und als Lebensraum für Tier- und Pflanzen.

Mit wie vielen Ehrenamtlichen seid ihr unterwegs, wie lange und wie viel Zeit habt ihr in die Vorbereitung gesteckt?
Achim: Pro Festival sind wir in etwa sechs bis acht Leute. In diesem Jahr begleitet uns auf einigen Festivals auch Rien Achterberg, ein Crew-Mitlglied der Besatzung des ersten Greenpeace Schiffes Rainbow Warrior. Barbara Schmenner aus Marburg macht unsere Grafiken, Thomais Anastasiades aus
Konstanz kümmert sich um die Standbesetzungen und managed die Bands vor Ort. Wir sind seit Jahren schon ein eingespieltes Team. Ein Großteil des Jahres steckt sicherlich in der Vorbereitung und Umsetzung der Festival-Tour. Aber keiner von uns rechnet das so genau nach.

Gab es besondere Erlebnisse auf der Tour, die witzig, skurril oder traurig waren?
Achim: Skurril ist es allein schon, Festival für Festival in der Situation zu sein, den Menschen erklären zu müssen, dass Landesregierungen wie Bayern und Hessen allen Ernstes den Bürgerinnen und Bürgern die Daten zu den öffentlichen Wäldern verheimlichen und Greenpeace sogar gezwungen ist, die Daten auf Berufung des Umweltinformationsgesetzes vor Gericht einzuklagen. Doch eher traurig wurde es auf dem Hessentag, als ich den Ministerpräsidenten Volker Bouffier bei der Bürgersprechstunde fragte, warum Hessen die Walddaten zu den öffentlichen Wäldern nicht offen legt – und der Ministerpräsident dann selbst keine Antwort darauf hatte. Er sagte aber zu, sich um die von Greenpeace angefragten Daten zu kümmern. Wir dürfen gespannt sein, ob er jetzt vielleicht doch alles offen legt.

Danke, Achim und noch viel Erfolg auf der weiteren Tour!
Du willst auch Baumpate werden? Dann hier entlang! Oder besuche Achim und seine Crew einfach selbst auf einem dieser noch folgenden Festivals:
Omas Teich, Wacken, Open Flair, Highfield Festival, Schandmaul Festival, Chiemsee Rocks, Chiemsee Reggae Summer Festival, Berlin Festival und Rock am See.