Green Storys: Rätselt mit uns!

23. Mai 2013
Green Storys (c) Hannah Fink / Greenpeace

Green Storys (c) Hannah Fink / Greenpeace

Green Storys sind kleine, gruselige Rätsel. Wir haben uns für euch zehn verschiedene Geschichten rund um unsere Buchenwälderkampagne ausgedacht, die ihr immer und überall ganz einfach spielen könnt. Dazu müsst ihr nur die Bastelvorlage zum Selbstausdrucken herunterladen und die einzelnen Karten ausschneiden und fix zusammenkleben – und schon kann es losgehen!

So geht’s:

Die Spielkarten werden als Stapel mit der Vorderseite nach oben auf den Tisch gelegt. Nun legt ihr einen Spielleiter fest. Dieser nimmt die oberste Karte des Stapels und liest euch den Fakt, der darauf steht, laut vor und fragt:

Warum wohl?

Nur der Spielleiter liest die auf der Rückseite der Karte stehende Antwort durch: die anderen müssen sie erraten. Wie das geht? Ihr stellt reihum Fragen zu dem Fakt, die nur mit Ja oder Nein zu beantworten sind. So kommt ihr Stück für Stück des Rätsels Lösung auf die Spur.

Als kleine Hilfe: Ihr dürft NICHT fragen: “Warum schwiegen sie?” – Das kann nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden. Mögliche erste  Fragen wären “Können sie nicht sprechen?”, “Würden sie lieber darüber reden als zu schweigen?” oder “Werden sie am Reden gehindert?”.

Wir wünschen euch viel Spaß dabei! Und wenn ihr nicht nur rund um den Wald rätseln, sondern euch aktiv für den Schutz der alten Buchen einsetzen wollt, könnt ihr ganz einfach Baumpate werden, euch in der Greenaction-Kampagne “Alte Buchen retten” engagieren oder gleich in einer unserer Greenpeace-Gruppen ehrenamtlich dabei sein!

Signale aus dem Spessart – Brunner weht im politischen Wind!

10. Mai 2013
Buchenwald im Solling: Zum Fällen markierter Baum © Klaus Radetzki / Greenpeace

Zum Fällen markierter Baum © Klaus Radetzki / Greenpeace

Als Anfang des Jahres der Vorsitzende des Bund Naturschutz in Bayern, Hubert Weiger, einen Runden Tisch zu weiteren Schutzgebieten und einer anderen Waldbewirtschaftung in den Spessartwäldern des Staates initiierte, war die Hoffnung auf konstruktive Verhandlungen groß. Das Main-Echo wertete am 9. April den runden Tisch als “dringend nötig”, um den “Spessart – Streit” zu Naturschutz und Holznutzung zu lösen. All das war ein wichtiges Signal für eine politische Öffnung des Prozesses durch Staatsminister Brunner.

Schon in der Einladung des Amtsleiters für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, Karlstadt am Main, war dann jedoch lediglich von einer „vermittelnden“ Rolle des Ministeriums Brunners die Rede. Sollte der Staat als Eigentümer aber nicht seine Verantwortung für die öffentlichen Wälder ernst nehmen und Teil der Verhandlungen darüber sein, wo und wie im Sinne der Nationalen Biodiversitätsstrategie zehn Prozent der öffentlichen Wälder der natürliche Waldentwicklung überlassen werden? Denn darüber zu entscheiden hat der Vorstand der BaySF  überhaupt kein Mandat.

Nur auf der Grundlage von Offenheit und Vertrauen werde dieses durchaus anspruchsvolle Unterfangen gelingen, so der Amtsleiter in seinem Einladungsschreiben. Doch während Greenpeace all seine Walddokumentationen zeitnah und vollständig veröffentlicht hat, wartet Greenpeace noch immer auf die Forstplanungsdaten und Karten der über 140 jährigen Buchen- und Laubholz-Einzelbestände als essentielle Voraussetzung für eine vernünftige und fachlich fundierte Planung. Wir sind gespannt, ob der BaySF-Vorstandsvorsitzende, Rudolph Freidhager, sich im Sinne von „Offenheit und Vertrauen“ in dieser Frage bewegen wird. Als weitere Diskussionsgrundlage sollte den Teilnehmern des Runden Tisches außerdem der nach Aussage der Bundesregierung im Entwurf bereits vorliegende Managementplan des FFH-Gebiets „Hochspessart“ und des Vogelschutzgebiets „Spessart“ vorab zur Verfügung gestellt werden. Beides wäre ein wichtiges Signal von Offenheit und Vertrauen seitens AELF und BaySF. Denn mittlerweile ist es niemandem in der Region mehr begreiflich, warum Bürgerwalddaten wie Herrschaftswissen aus längst überwundener Feudalzeit geheim gehalten werden.

Ein Schreiben des AELF Karlstadt lässt jedoch erneut Zweifel aufkommen: Der Runde Tisch wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Bekommt das Ministerium Brunner die Organisation nicht gebacken? Hat der Forstminister kalte Füße oder Druck von einer der Lobbygruppen mit ihren „zusätzlichen Wünschen“ bekommen? Wir hoffen nicht, dass zum Beispiel Rudolf Freidhager seine Mitgliedschaft im bayerischen Waldbesitzerverband gegen seinen eigenen Minister ausgenutzt hat.

Das Verschieben des Waldforum-Termins auf unbestimmte Zeit ist schädlich für den Wald, für die Zukunft des Spessarts und schürt die Vermutung, dass die bevorstehenden Landtagswahlen das Regierungshandeln maßgeblich beeinflussen. Ein Runder Tisch erst nach den Wahlen, also dann wenn die Buchen- und Eichenblätter wieder herunterfallen und der Starkholzeinschlag wieder losgeht, macht eine politische Einigung unmöglich.

Eines ist jedenfalls klar: Wann auch immer der Runde Tisch stattfindet: Es geht nicht um das „ob“ sondern um das „wie“ bei der Umsetzung der wald-relevanten Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie in Bayern und im Spessart. Denn diese ist nicht beliebig, sondern verbindlich. Artikel 6 der Konvention besagt mit dem Titel „Allgemeine Maßnahmen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung“:

Jede Vertragspartei wird entsprechend ihren besonderen Umständen und Möglichkeiten a) nationale Strategien, Pläne oder Programme zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt entwickeln oder zu diesem Zweck ihre bestehenden Strategien, Pläne und Programme anpassen, in denen unter anderem die in diesem Übereinkommen vorgesehenen Maßnahmen, die für die jeweilige Vertragspartei von Belang sind, zum Ausdruck kommen.

Wir sind gespannt auf die nächsten Signale!

Bilder sagen mehr als Worte: Eine gemischte Bilanz zum Tag des Baumes

30. April 2013

Zum Tag des Baumes am 25. April vermeldete der niedersächsische Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie die frohe Botschaft, dass sich die Wälder in Niedersachsen in den letzten Jahrzehnten wieder ausgebreitet haben. Sie nehmen aktuell 21,8 Prozent der Landesfläche ein. Vor dem Hintergrund, dass Niedersachsen von Natur aus zu einem Großteil mit Wäldern bedeckt wäre, die durch Rodungen in den letzten Jahrhunderten zerstört wurden, ist dies natürlich eine positive Entwicklung. Doch sagt die reine Fläche noch nichts über die ökologische Qualität der Wälder aus: In vielen Waldgebieten Niedersachsens finden sich derzeit statt naturnahen, ökologisch wertvollen Laubwäldern maschinengerechte Nadelforste.

Aus der Luft lässt sich dies besonders gut erkennen:

In diesen Gebieten ist der Waldumbau hin zu Laubwäldern der natürlichen Waldgesellschaften das Gebot der Stunde. Dies trifft zum Beispiel auf den nördlichen Teil des Solling zu, dem zweitgrößten Waldgebiet Niedersachsens. Doch auch zusammenhängende Laubwälder kennzeichnen das Gebiet, insbesondere im südlichen Teil. Dort haben Greenpeace Aktivisten den Charakter von 305 Waldbeständen, vorrangig alte Laubwälder, auf 3.770 Hektar erfasst.

Doch auch in Waldgebieten, die sich noch durch eine naturnahe Zusammensetzung der Baumarten mit einem hohen Buchenanteil auszeichnen, hinterlässt die Forstwirtschaft ihre Spuren und lichtet die Wälder oft unnatürlich stark auf. Auch dies trifft leider auf viele Laubwaldbestände in Niedersachsen zu. Förster Peter Wohlleben erklärt anschaulich, warum durch die intensiven Eingriffe das natürliche Gleichgewicht durcheinander gerät:

Wenn man in einem Altbestand viele Buchen fällt, geht es den verbleibenden anschließend schlecht (je mehr gefällt wurde, desto schlechter). Das Waldklima ändert sich durch die enstandenen Lücken, die Wurzelverbindungen zu den Nachbarn, durch die die Bäume Zuckerlösung und Informationen tauschten, zerreißen, es ist ein richtiger Schock.
In der Folge stirbt die vitalste Zone, die jüngsten Triebe oben in der Krone, ab. Der nächste Sturm reißt diese trockenen Zweige herunter, sodass der Baum etwas kürzer, aber wieder gesund aussieht. Natürlich sterben die Zweige weiter ab, und die Buche schrumpft allmählich immer weiter, bis die Krone irgendwann zu klein ist und den Stamm nicht mehr versorgen kann – die Buche stirbt. “Waldsterben” nennen das Forstexperten und schieben die Schuld auf Klimawandel und Luftschadstoffe. “Forstwirtschaft” sage ich und plädiere für schonende Holznutzung in Kombination mit Reservaten für solch alte Bäume.

Dazu passt die dpa-Meldung zur Warnung von NatureLife, dass ältere Bäume in Deutschland immer seltener werden. Nicht nur der Klimawandel setze ihnen zu, auch die Forstwirtschaft, so Präsident Claus-Peter Hutter. „Viel zu früh würden die betont wirtschaftlich denkenden Forstleute die Säge ansetzen lassen. (…) Eine Buche oder eine Eiche hat heute nicht mehr die Chance, wie einst 400, 500 Jahre und älter zu werden.»

Auch aus der Vogelforschung kommen erschreckende Nachrichten. Einzelnen Positiventwicklungen steht ein dramatischer Trend entgegen: Fast die Hälfte der 115 häufigsten deutschen Brutvogelarten befinden sich laut Ornithologe Dr. Martin Flade im Rückgang. Bei den Waldvögeln spiegelt sich diese negative Entwicklung ebenfalls wider. Bis vor einigen Jahren befanden sich die Bestände im Großen und Ganzen im Gleichgewicht, mittlerweile nimmt der Bestand von 21 Arten ab. Bei 13 Arten nehmen die Bestände zu, bei 20 Arten stagniert der Bestand. Als eine Ursache für die Artenabnahme wird auch die Intensivierung der Forstwirtschaft mit zunehmender Energieholznutzung genannt.

Projekte wie das kürzlich gestartete Totholz-Projekt im Saarland zeigen ebenfalls die Grenzen der Forstwirtschaft beim Erhalt der natürlichen Artenvielfalt auf. In der gemeinsamen Presseerklärung von BMU und BfN heisst es dazu: „Der natürliche Alterungs- und Zerfallsprozess des Waldes wird in der modernen Forstwirtschaft kaum berücksichtigt, weil die Bäume dann geerntet werden, wenn sie gut zu vermarkten sind. Das ist der Grund, weshalb alte und totholzreiche Wälder mit ihren Lebensgemeinschaften heute kaum noch anzutreffen sind.“

Es gibt viel zu tun….

Vor diesem Hintergrund sind auch die Aufgaben für die neue niedersächsische Landesregierung vielfältig. Zunächst einmal muss Transparenz über öffentliche Walddaten geschaffen werden. Dann muss sich endlich der Schutz der Wälder verbessern. So müssen die Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie, nämlich zehn Prozent der öffentlichen Wälder der natürlichen Entwicklung zu überlassen, konsequent und prioritär umgesetzt werden. Derzeit sind in Niedersachsen erst etwa vier Prozent geschützt, vorrangig im fichtendominierten Nationalpark Harz. Damit die ökologisch besonders wertvollen Waldlebensräume nicht geschädigt oder zerstört werden, ist es notwendig, zur nächsten Einschlagsaison für Laubholz einen befristeten Einschlagsstopp für die über 140jährigen Laubwaldbestände in Landesbesitz anweisen. Die 90 Prozent genutzter Wälder müssen konsequent ökologisch und schonend bewirtschaftet werden. Dazu ist in Niedersachsen eine Überarbeitung des derzeitigen Waldbauprogramms LÖWE dringend notwendig.

Auch im Spessart ist nicht alles so nachhaltig, wie es immer verkauft wird: Spannende Informationen und Luftbilder zum Spessart findet ihr hier: Spessart-Wald.de.