Platzeck bei der Braunkohle-Lobby

10. Mai 2012

Protest beim deutschen Braunkohlentag - (c) Nico Blume / Greenpeace

Brandenburgs Ministerpräsident spricht heute in Cottbus als Festredner bei der Jahrestagung der Braunkohle-Lobby. Vor dem Tagungsort protestierten Greenpeace-Aktivisten mit 79 Ortsschildern von abgebaggerten Lausitzer Dörfern gegen die Braunkohleverstromung und neue Tagebaue. Wahrscheinlich aus Angst vor Protesten hatte der Bundesverband Braunkohle (Debriv) den Termin geheim gehalten – doch die Greenpeace-Aktivisten, darunter auch neun Aktivisten aus Russland, haben ihn herausbekommen. Um zum Tagungsort zu gelangen, mussten die Teilnehmer ihren Weg durch ein Spalier aus Ortschildern finden, die an die Abbaggerung von Horno, Lacoma und vielen weiteren Dörfern erinnerten. Mit dabei waren zahlreiche Bürger aus dem Dorf Proschim, das für den geplanten Tagebau Welzow-Süd II abgebaggert werden soll.

Der Auftritt des Ministerpräsidenten beim Deutschen Braunkohlentag in Cottbus zeigt ganz klar die politischen Prioritäten der Brandenburger Landesregierung. Platzeck hatte Gesprächseinladungen von Proschimer Bürgern, die sich geschlossen gegen ihre Abbaggerung wehren, bisher stets abgelehnt. Stattdessen hofiert der Ministerpräsident durch seine Rede bei der Braunkohle-Lobby die Bergbaukonzerne Vattenfall, RWE und Mibrag. Platzeck ignoriert damit nicht nur den Klimaschutz, sondern auch das Schicksal von 800 Proschimer Bürgern. Dabei ist Proschim ein mehr als vorbildliches Solardorf: Bürger und ein lokales Ökostromunternehmen produzieren dort erneuerbaren Strom für mehr als 5000 Menschen. Es ist unglaublich, dass solch ein fortschrittliches Dorf nun dem Braunkohlebagger zum Opfer fallen soll.

Protest beim Braunkohlentag 2012 - (c) Robin Hanschke / Greenpeace

Der Tagebau Welzow-Süd II bedroht außerdem die randbetroffenen Orte Welzow und Lieske. Weil der Tagebau bis auf 150 Meter an die Wohnbebauung herangeführt werden soll, könnte es hier in Zukunft zu gefährlichen Böschungsrutschungen kommen. Solche Rutschungen ereignen sich regelmäßig in ehemaligen oder aktiven Tagebauen, so zum Beispiel das Unglück in Nachterstedt mit 3 Toten. Anstatt die Sorgen der Bevölkerung ernst zu nehmen und sich vor Ort dem Gespräch zu stellen, trifft sich der Ministerpräsident allein mit der Braunkohle-Industrie.

Neben dem Braunkohlentag in Cottbus findet gegenwärtig mit dem Ostdeutschen Energieforum in Leipzig eine weitere Veranstaltung zur Bewerbung für Braunkohle statt. Das Energieforum wird von ostdeutschen Unternehmerverbänden organisiert. Unter anderem diskutieren EU-Energiekommissar Günter Oettinger, Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Sachsens Ministerpräsident Stanilaw Tillich mit den Vorstandsvorsitzenden von Vattenfall und Mibrag. Auch in Leipzig protestieren Greenpeace-Aktivisten, zusammen mit Bürgerinitiativen und Umweltverbänden, gegen den Klimakiller Braunkohle.

Vattenfall plant in der Lausitz ein neues Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde sowie fünf neue Tagebaue. Und bei Leipzig plant die Mibrag ein neues Braunkohlekraft in Profen, für das der neue Tagebau Lützen erschlossen werden soll. Mit diesen Tagebauen würden die klimaschädliche Braunkohleverstromung bis weit nach 2050 fortgesetzt und Deutschlands Klimaschutzziele unterminiert werden. Dennoch werden Vattenfall und Mibrag von den Landesregierungen Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt unterstützt. Am weitesten fortgeschritten sind die Planungen für den Tagebau Welzow-Süd II: bereits 2013 könnte die brandenburgische Landesregierung über den entsprechenden Braunkohleplan entscheiden. Die Genehmigung von Welzow-Süd II wäre ein vollkommen falscher Präzedenzfall und würde Brandenburg auf eine rückschrittliche Energiepolitik festlegen.

Die dunkle Schokoladenseite von VW

19. April 2012

Auf seiner Hauptversammlung im Hamburger Kongresszentrum (CCH) will sich Volkswagen heute von seiner Schokoladenseite präsentieren. Vor dem Gebäude haben sich am Morgen jedoch nicht nur Aktionäre eingefunden, sondern auch Aktivisten von Greenpeace, die allenfalls auf die Zartbitterschokoladenseite von VW aufmerksam machen. Flyer, die sie an die geladenen Gäste verteilen, führen etwas näher aus, was es mit VWs “dunkler Seite” auf sich hat:

Die pro Jahr in Europa verkauften VW-Autos stoßen während ihrer Lebenszeit mehr als 60 Millionen Tonnen CO2 aus. Das ist weit mehr als bei jedem anderen Hersteller. Volkswagen muss seine Lobbyarbeit gegen wichtige europäische Klimaschutzgesetze sofort einstellen und vorhandene Spritspartechnologien serienmäßig und ohne Aufpreis in seine Fahrzeuge einbauen.

Volkswagen will sich augenscheinlich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und hat große Aufsteller mit der Botschaft “Nr.1 in Sachen Umweltschutz” vor dem CCH platziert. Eine kleine rote Propellermaschine dreht emsig Schleifen um das CCH und zieht ein Werbebanner mit demselben Spruch hinter sich her. Man kann sich gar nicht entscheiden, wie man das finden soll: Lächerlich, albern, verzweifelt oder peinlich?

VW-"Gegendemo" gegen Protestaktion von Greenpeace-Aktivisten

Es gibt Menschen, die mangelnde Kompetenz in bestimmten Lebensdisziplinen kompensieren wollen, indem sie sich T-Shirts überziehen, auf denen dann z.B. steht “Weiberheld” oder weiß der Geier. VW greift heute auf diese nie besonders überzeugende Strategie zurück und vertraut ganz auf die suggestive Macht des geschriebenen Wortes. Allerdings würde auch der Satz “Schweine können fliegen” nicht deswegen wahr werden, weil er auf einem flatternden Flugzeugbanner steht.

Direkt über dem Eingang versuchen andere Greenpeace-Aktivisten ein Banner zu entrollen, vier Kletterer haben sich bereits vom Dach abgeseilt. Das große Banner (“Ehrlicher Klimaschutz jetzt!”) hängt noch auf Halbmast, da erscheinen oben auf dem Dach Sicherheitskräfte – einige von ihnen ebenfalls in Klettermontur – und zerschneiden das Banner. Währenddessen versucht ein Mann einen der Greenpeace-Kletterer aus der Luft auf einen Balkon zu ziehen. Das Vorgehen gegen die Aktivisten sieht nicht albern aus. Eher rabiat oder gefährlich. Kakaogehalt: mindestens 90 Prozent.

"Unruhestifter" (F. Piech) bei der VW-Hauptversammlung im CCH / Hamburg

Aus dem CCH strömen nun lauter Demonstranten Jubelperser bezahlte Schilderträger in blassblauen T-Shirts und gruppieren sich in kleinen Ameisenhaufen unter dem zerrissenen Banner. Sie recken wacker ihre mitgebrachten Schilder in die Höhe, auf denen irgendwelche konfusen Pro-VW-Botschaften zu lesen sind. Irgendjemand bei VW scheint tatsächlich zu glauben, dass sich auf diese Weise Begeisterung authentisch simulieren lässt.

Wie so ein Demonstranten-Casting bei VW wohl abläuft? Wie lange muss man ein Schild ohne Zittern halten können, um den Job zu kriegen? Gibt es einen Recall? Wenigstens tun sich die meisten von VW enagierten Demonstranten den Gefallen und halten sich ihre Bretter schön vor den Kopf.

Da kommt der Rausschmeißer “Unruhestifter!“, mit dem VW-Großherzog Ferdinand Piech Greenpeace-Aktivisten im Saal später vor die Tür setzen ließ, schon fast einem Kompliment gleich.

GreenBites, der Podcast von Greenpeace: #32 – Clean Our Cloud – Grüner Strom fürs Netz!

18. April 2012

Viel ist in diesen Tagen von Cloud Computing die Rede: Die Daten, die wir Internet-Nutzer Tag für Tag produzieren und verschicken, werden vielfach im Internet – bzw. in der “Cloud” – abgespeichert. Wenig überraschend: Der Anteil dieser Cloud am weltweiten Stromverbrauch nimmt derzeit immens zu und wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Deshalb ist es wichtig, dass gerade die großen IT-Unternehmen wie Microsoft, Apple und Amazon ihre Rechenzentren nicht mit Atom- und Kohlestrom betreiben. Doch genau das ist leider der Fall – wie der Report How Clean Is Your Cloud von Greenpeace zeigt.

Zu dem Thema hat meine Kollegin Beate Steffens einen Podcast mit dem Greenpeace-Energieexperten Gerald Neubauer gemacht: bitte reinhören! Außerdem braucht natürlich die Protest-Mail-Aktion an die Chefs von Apple, Microsoft und Amazon noch viele, viele Unterstützer: Fordert die Unternehmen auf, sich für eine grüne Stromversorgung der Cloud einzusetzen!

Kein Player zu sehen? Klickt hier!

Facebook hat übrigens im letzten Jahr angekündigt, bei der Wahl neuer Serverstandorte auf eine grüne Stromversorgung zu achten – ein Erfolg der vorangehenden Greenpeace-Kampagne. Höchste Zeit also, dass andere Netz-Riesen nachziehen.

EvoSwitch: Grünes Rechenzentrum in den Niederlanden - (c) Frank van Biemen / EvoSwitch / Greenpeace

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