Indonesisches Klimacamp wiedereröffnet!

24. Juni 2010

Feier zur Wiedereröffnung des Klimacamps in Indonesien mit vielen einheimischen Besuchern.

Der Wiederaufbau des zerstörten Climate Defenders Camp in Riau ist abschlossen. Nun feierten meine indonesischen Greeenpeace-Kollegen gemeinsam mit über 600 Besuchern die Wiedereröffnung der neuen Schutzstation. Die meisten kamen aus Teluk Meranti and Teluk Binjau. In einer farbenfrohen Zerememonie weihten sie ein neues Aufforstungsprojekt ein.

Erst im März 2010 fiel das Klimaschutzcamp feiger Brandstiftung zum Opfer, nachdem Greenpeace die Station den Gemeinden eigenverantwortlich übergeben hatte. Der neue Name des Camps „Community Camp for the Kampar Protection“ (Gemeinschaftscamp für den Schutz von Kampar) symbolisiert den Zusammenhalt der Gemeinden. Sie setzen sich für den  Schutz der tiefen Moorwälder auf Kampar ein, die mehr Kohlenstoff als jedes andere Landökosystem speichern.

Greenpeace hatte 2009 das Klimacamp initiert und gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung aufgebaut. Aktivisten aus aller Welt reisten an und protestierten gewaltfrei gegen die Urwaldzerstörung der großen Zellstoff- und Papierindustrie. Berüchtigtes Beispiel ist der Zellstoff- und Papierhersteller Asia Pacific Resources International Holdings Ltd. (APRIL), der in Riau ein riesiges Zellstoffwerk betreibt.

Obwohl in Folge der gewaltfreien Greenpeace-Proteste das Forstministerium APRIL im letzten Jahr die Lizenzen entzogen hatte, wanden sie nun seit einigen Wochen im Süden der Insel wieder tiefe Torwälder zur Plantagengewinnung um – mit offizieller Genehmigung des Forstministers! Das widerspricht dem Indonesian Law No. 26/2007 und der  Government Regulation No.26/2008, die die Kampar-Insel zur geschützten Zone erklären.

Präsident Yudhoyono hat große Pläne: Mithilfe ausländischer Investoren will er bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 26 Prozent senken. Den ersten großen Deal konnte er vor kurzem an Land ziehen. Norwegen wird das Land mit einer Milliarde Dollar beim Waldschutz unterstützen; Yudhoyono kündigte daraufhin ein zweijähriges Moratorium auf zukünftige Abholzungsgenehmigungen von Regenwald  an. Allerdings wird er seine Klimaschutzziele nicht erreichen, wenn er nicht auch die bereits vergebenen Konzessionen widerruft.

Feiger Brandanschlag

12. April 2010

Sonntagmorgen erreichten mich schockierende Nachrichten aus Indonesien: Unser Wald- und Klimacamp auf Sumatra fiel einem Feuer zum Opfer. Alle Anzeichen deuten auf Brandstiftung hin – so auch die Meinung der örtlichen Polizei, die derzeit ermittelt. Ich bin froh, dass sich in dieser Nacht der Sicherheitsmann aus familiären Gründen nicht im Camp aufhielt, sodass keine Menschen durch das Feuer verletzt wurden.

Zerstörtes Klima-Camp auf Sumatra

Teil des zerstörten Klima-Camps auf Sumatra

Der gemeine und vor allem gefährliche Anschlag auf das „Climate Defenders Camp“ bedeutet für uns und die Menschen dort einen herben Verlust. Bei meinem Besuch Ende 2009 kamen unsere Bemühungen mit erfreulich großen Schritten voran: Die Menschen in Teluk Meranti verstärkten ihren Protest, zahlreiche Entscheidungsträger besuchten das Camp und wir konnten die Führung des Klima-Camps zuversichtlich in die Hände des Dorfes geben. Die Parallele zu den gesetzeswidrigen Brandrodungen auf Sumatra setzt nun ein deutliches Zeichen: Illegales Abfackeln war bisher ja vor allem ein Markenzeichen der indonesischen Palmölindustrie.

Der Haltung meines Kollegen Bustar Maitar von Greenpeace Südostasien schließe ich mich hundertprozentig an:

Wir lassen uns von dem Rückschlag nicht entmutigen, sondern werden unsere Anstrengungen umso mehr verstärken und gemeinsam mit der indonesischen Bevölkerung die Zerstörung ihres Lebensraums verhindern.

Greenpeace bleibt also am Ball und fordert weiterhin und mit Nachdruck einen Stopp der Urwaldzerstörung auf der indonesischen Halbinsel – und zwar gewaltfrei und durch Überzeugungsarbeit!

Ein Schokoriegel macht Politik in Indonesien

06. April 2010

Die Diskussion um KitKat-Schokoriegel hat inzwischen auch die indonesischen Ministerien in Jakarta erreicht. Der Grund: unsere Kampagne zum Schutz der indonesischen Urwälder und Eure Unterstützung im Internet. Der massive Druck auf den Schokoriegelhersteller Nestlé hat einen ersten klitzekleinen symbolischen Teilerfolg gebracht. Nestlé hat einen direkten Vertrag mit dem Palmölproduzenten Sinar Mas gekündigt. Klitzeklein und symbolisch deshalb, weil Nestlé über Zwischenhändler auch weiterhin Palmöl von Sinar Mas bezieht. Für die indonesischen Politiker reichte dies aber offenbar aus, um eine kontroverse Debatte über Umwelt-, Natur- und Urwaldschutz zu beginnen.

Die Diskussion verläuft hitzig. Während aus dem Umweltschutzministerium verhaltene Zustimmung signalisiert wird, denkt man im Landwirtschaftministeriums eher in Richtung Konfrontation. Konkret planen die indonesischen Nutznießer der Urwaldzerstörung und Palmölproduktion dort nun offenbar auch Gegenmaßnahmen. Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums sagte, es werde darüber nachgedacht, die Welthandelsorganisation WTO einzuschalten und eventuell überhaupt kein Palmöl mehr nach Europa zu liefern. Der Umweltminister hingegen hält es für völlig normal, dass Nestlé Verträge kündigt, wenn das Unternehmen mit den Anbaumethoden des Lieferanten nicht einverstanden ist.

Dass in Indonesien etwas in Sachen Urwaldschutz passiert, ist mehr als überfällig. Bereits 2007 haben wir im indonesischen Urwald das erste Urwaldschutzcamp, unser Forest Defenders Camp, errichtet. Zusammen mit der lokalen Bevölkerung wurden Dämme in Entwässerungsgräben errichtet, um das Trockenlegen der Torfböden zu stoppen.