Pilotprojekt in Kalimantan: So will Palmölproduzent GAR seine Versprechen zum Waldschutz in der Praxis umsetzen

13. März 2013

Die Meratus Mountains in Südkalimantan.

Vor zwei Jahren gab der größte indonesische Palmölkonzern Golden Agri Ressources (GAR) dem Druck von Greenpeace und Palmölabnehmern wie Nestlé und Unilever nach und sagte zu, ab sofort keinen Regenwald mehr für neue Plantagen zu roden. Damit war GAR der erste Palmölproduzent, der sich ambitionierte Ziele steckte, um Entwaldung aus seiner Produktion zu verbannen.

Das heisst: Nicht nur vom Menschen unberührte Urwälder, auch andere Regenwälder, die für Klimaschutz und Erhalt der indonesischen Artenvielfalt ebenfalls eine große Bedeutung haben, sind für Plantagenentwicklung tabu. Denn viele Wälder in Indonesien sind bereits vom Menschen beeinflusst, zeigen Spuren von Nutzung, sind teilweise degradiert. Dennoch ist auch der Erhalt dieser sogenannten Sekundärwälder immens wichtig.

Um solche Flächen zu identifizieren entwickelte GAR, zusammen mit The Forest Trust und Greenpeace, eine Methode, die anhand der Kohlenstoffspeicherung Rückschlüsse auf die ökologische Bedeutung der Wälder zulässt.  Am 13. Februar 2013 stellte GAR am Beispiel seiner Konzession PT Kartika Prima Cipta (KPC) in West Kalimantan vor, wie die Methode in der Praxis angewendet werden soll.

Runder Tisch für Nachhaltiges Palmöl: immer noch ein Feigenblatt
Leider ist GAR mit seinem Engagement im Palmölsektor noch ziemlich allein auf weiter Flur. Denn auch die meisten sogenannten “fortschrittlichen” Palmölproduzenten (oft Mitglieder beim Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl – RSPO) gehen mit ihren Waldschutzzusagen nicht weit genug. Nach RSPO-Kriterien sollen nur Primärwälder und sogenannte High Conservation Value (HCV) Wälder nicht in Plantagen umgewandelt werden. Und noch nicht einmal dies wird von allen Firmen konsequent berücksichtigt.

Der Sembuluh See in Kalimantan.

Daher gibt der RSPO aus Sicht von Greenpeace weiterhin keine Garantie für Abnehmer, dass für zertifiziertes Palmöl kein wertvoller Wald gerodet wurde. Dennoch gibt es viele Firmen, die damit werben, sich mit der (zukünftigen) Abnahme von RSPO-zertifiziertem Palmöl aktiv für den Regenwaldschutz einzusetzen. Sich allein auf den RSPO zu stützen und seine Schwächen zu ignorieren, ist nichts anderes als Verbrauchertäuschung. Denn währenddessen geht die Regenwaldrodung in Indonesien, auch durch RSPO-Mitgliedsunternehmen, weiter.

GARs Verpflichtung müssen weitere Unternehmen folgen. Wenn GAR das einzige Palmöl-Unternehmen mit strengen Waldschutz-Auflagen bleibt, ist den verbleibenden Regenwäldern Indonesiens nicht geholfen. Was muss also passieren? Zum einen muss die indonesische Regierung aktiv werden und die Gesetzgebung aktiv so ändern, dass die verbleibenden Regenwälder Indonesiens geschützt werden – egal ob sie innerhalb oder außerhalb von Firmen-Konzessionen liegen. Dazu gehört auch, im Mai das bestehende Moratorium für Primärwälder zu verlängern und auf alle Sekundärwälder zu erweitern.

Zum anderen muss der Druck auf große Palmölproduzenten, bei denen der Waldschutz noch viel zu kurz kommt, wachsen. Dabei sind weiterhin vor allem die großen Abnehmer gefragt. Sie dürfen sich nicht nur auf einer RSPO-Mitgliedschaft und mehr oder weniger ambitionierten Aktionsplänen zur Verwendung von RSPO-zertifiziertem Palmöl ausruhen. Sie müssen genau wie Greenpeace von ihren Palmölproduzenten und -händlern fordern, sich zu einem Null-Entwaldungsziel zu verpflichten. Dazu gehört auch die Implementierung einer anspruchsvollen Waldschutzpolicy, die die verbleibenden Regen- und Torfwälder schützt.

Castor 2011: Nachrichten aus einer belagerten Provinz Teil 8, 18.45 Uhr

28. November 2011

Laase: das ist da, wo die beiden möglichen Transportstrecken von Dannenberg nach Gorleben zusammentreffen, sechs Kilometer vor dem Zwischenlager. Strohballen glimmen, weißer Rauch, der Wind steht in Richtung Castorstrecke, Lichtmasten der Polizei, acht Wasserwerfer rücken abwechselnd vor und halten das Dorf in Schach.

Wie ein Angriff der Klingonen: Wummernde Technobässe aus riesigen Lautsprechern und die Anfeuerungsrufe der BI-Vorsitzenden vom mobilen Musikkampfwagen heizen die Stimmung an. Die Wasserwerfer haben weniger Watt, Polizeidurchsagen flüstern. Jetzt Polizeipferde in die Menge. Erdklumpen fliegen. Tränengas aus Literpullen vom Pferd aus. Kein Sprühnebel, sondern flüssig, direkt in die Gesichter. Demosanis sind sofort da. Dann wieder Entspannung.

Seit einer Stunde sitzen die Fahrer in den Zugmaschinen vor den Castor-Tiefladern. Es soll erst losgehen, wenn die 19,3 Kilometer Strecke komplett geräumt ist. Unter den Demonstranten auch Mitglieder der Ini 60, ungläubig verfolgen sie die Szenerie, laute Bassmusik gab es früher nicht zur Demo. Aber irgendwie entspannt der Rhytmus auch die Demonstranten.

18.40 Uhr: der Castor ist losgerollt in Dannenberg. Die Wendlandfahnen werden in der Menge gehisst. Gorleben soll leben!

“Du bist Abschaum” – der Urwaldzerstörer und die Netiquette

24. August 2011

Der indonesische Papierkonzern Asia Pulp and Paper (APP) fiel bereits in der Vergangenheit durch wenig konstruktiven Umgang mit Kritik auf. Von der Tatsache, dass die Firma der größte Urwaldzerstörer auf der indonesischen Insel Sumatra ist, versucht APP gerne mit kostspieligen PR-Aktionen abzulenken. Ein neuer Fall zeigt nun aber deutlich: Eine Tochterfirma des notorischen Waldzerstörers APP braucht Nachhilfe in Sachen Netiquette… und beim Urwaldschutz!

2010 in Indonesien: Greenpeace-Aktivisten stoppen mit einem Banner Mitarbeiter von APP, die die Heimat von Tigern durch Abholzung zerstören.

2010 in Indonesien: Greenpeace-Aktivisten stoppen mit einem Banner Mitarbeiter von APP, die die Heimat von Tigern durch Abholzung zerstören.

Die Geschichte: In Australien hatte Greenpeace einen wichtigen Erfolg gegen APP verzeichnet: Einer der größten Kunden der APP-Tochter Solaris, die Supermarktkette IGA, kündigte den Vertrag. IGA sah ein, dass Regenwald in Indonesien besser aufgehoben ist als in ihrem Klopapier.

Darüber war Solaris nicht erfreut. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen beteuerten sie ihre Unschuld. Greenpeace wollten sie zu einem konstruktiven Gespräch einladen, um mit uns über den Schutz der bedrohten Tierarten Indonesiens zu sprechen. Unser Vorschlag dazu: Weitaus konstruktiver, als mit uns darüber zu sprechen, wäre es damit aufzuhören, den Lebensraum von Orang Utans und Tigern weiter abzuholzen.

Ab unter die Gürtellinie

Wie ernsthaft diese Einladung wirklich gemeint war, wurde kurz darauf jedoch in Frage gestellt. Die australische Marketingwebsite Mumbrella stolperte wenige Tage nach den Zeitungsanzeigen über diverse gegen Greenpeace und IGA gerichtete Blogkommentare. Die Kommentare kritisch zu nennen, wäre eine Untertreibung. Aber das ist schon okay – man kann es nicht jedem recht machen. Allerdings wurde die Kritik immer persönlicher und machte vor rassistischen Bemerkungen gegenüber dem IGA-Management nicht halt. Auch Greenpeace-Waldkampaigner Reece Turner bekam sein Fett weg: „Du bist Abschaum!“, fand einer der Kommentatoren mit dem Pseudonym ActResponsibly. Ich finde, der Aufforderung sich verantwortungsvoll zu verhalten, sollte eigentlich Solaris nachkommen.

Mumbrella machte sich die Mühe, die IP-Adressen der Computer zu überprüfen, von denen die Kommentare gesendet wurden. Interessanterweise gehörten einige der IP-Adressen zu… Überraschung: dem Solaris-Netzwerk. Was Solaris wohl unter einem konstruktiven Gespräch versteht? Schlammcatchen?