Ich habe unzählige Tage meines Lebens im Wald verbracht…

21. März 2014

…ob im eiskalten Wald mit viel Schnee auf Skiern im Norden Finnlands oder völlig außer Atem aufgrund der feuchtheißen Temperatur im tropischen Regenwald Indonesiens. Am Tag des Waldes, der für heute offiziell im Kalender der Vereinten Nationen vermerkt ist, denke ich am Schreibtisch sitzend mehr an diese Aufenthalte als an anderen Tagen. Obwohl für mich als Leiter des Greenpeace-Teams Wälder/Meere eigentlich immer Tag des Waldes ist. Eine kleine Zeitreise meiner Gedanken gönne ich mir dennoch heute. Wie kam es dazu, dass für mich der Wald im Mittelpunkt steht? Wie kam es dazu, dass ich mich nun bereits seit über 20 Jahren für den Schutz der Wälder weltweit einsetze?

Oliver Salge im Great Bear Rainforest in Kanada © Oliver Salge / Greenpeace

Oliver Salge im Great Bear Rainforest in Kanada © Oliver Salge / Greenpeace

Wie bei vielen anderen Menschen fängt alles mit einer Reise an. Denn oft ist die unmittelbare Umgebung so prägend, dass man ihre Veränderungen nicht sofort merkt, man sieht den schleichenden Wandel nicht, muss dazu oft erst ganz andere, aber sehr ähnliche Eindrücke gewinnen, um dann später zu Hause mit anderen Augen die Welt zu betrachten. Ich für meinen Teil hatte Anfang der 90er-Jahre die Möglichkeit, mir in Mittelamerika im Rahmen einer Reise die Regenwaldzerstörung anzusehen. Dies war nicht geplant, ich konnte einfach nicht wegsehen. Dazu kam ein Aufenthalt in einem Land, in dem der Mensch bereits fast komplett den Wald vernichtet hatte. Diese Bilder und die sichtbaren Konsequenzen dieses menschlichen Handelns blieben bei mir tief haften und bestimmten mein Leben.

Für den Schutz des Regenwalds in Indonesien

Orang-Utan im Gunung Leuser National Park, Sumatra, Indonesien © Oliver Salge / Greenpeace

Orang-Utan im Gunung Leuser National Park, Sumatra, Indonesien © Oliver Salge / Greenpeace

Zurück in Deutschland traf ich auf eine Gruppe Greenpeace-Aktivisten, die sich für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes einsetzten und mich fragten, ob ich nicht mitmachen wolle. Das tat ich. So begann meine Beschäftigung mit dem Thema Waldschutz, die mich bis heute in zahlreiche Urwälder der Welt führte. Etwa in den Regenwald auf der indonesischen Insel Sumatra. Hier wird im großen industriellen Maßstab Palmöl hergestellt. Für den Anbau der Plantagen wurden in den letzten 25 Jahren die Regenwälder in vielen Gebieten Indonesiens komplett zerstört. Leidtragende sind einerseits die Menschen in den Dörfern, die von dem intakten Wald leben. Anderseits sind es unsere nahestehen Verwandten – die Orang-Utans.  Ich hatte die Chance, mit einem Orang-Utan-Experten den Wald aufzusuchen auf der Suche nach dem „Waldmenschen“. Und hatte Glück. Der Affe guckte mich an und schien zu fragen, was ich denn hier in seinem Wald machen würde. Und ich antwortete der Affendame, dass ich mich inspirieren lassen möchte, Kraft tanken möchte, um weiterhin für den Schutz dieses Waldes, gemeinsam mit vielen anderen Menschen zusammen, mich einzusetzen. Ich hatte das Gefühl verstanden zu werden.
Heute wird der Regenwald in Indonesien nach wie vor von einigen Palmölherstellern wie etwa Asian Agro zerstört, das sein Palmöl auch an Procter & Gamble liefert, dem Hersteller auch in Deutschland  bekannter Produkte wie Head & Shoulders, Ariel Waschmittel, Fairy Spülmittel oder Gillette Rasierschaum. (Zum Kampagnenvideo) Aktuell setzen wir uns in zahlreichen Ländern dafür ein, dass dieser große Abnehmer kein Palmöl aus Regenwaldzerstörung mehr bezieht – ich freue mich, wenn ihr uns mit einer Protestemail an Procter & Gamble unterstützt!

Boreale Wälder Kanadas bedroht

Anderes Land, gleiches Thema. Obwohl der Frühling mit strahlend blauem Himmel und Vogelgezwitscher sich gerade hier vor der Hamburger Greenpeace-Zentrale mit Riesenschritten ankündigt, denke ich auch an die verschneiten Urwälder im Norden Kanadas (heute liegt dort noch über ein Meter Schnee). Sie sind die Heimat vieler First Nations, die den Wald seit Jahrtausenden bewohnen und der zu ihrer kulturellen Identität auch heute noch gehört, ebenso wie das Fischen oder das Jagen. Doch die Vernichtung dieser Nadelwälder für die Herstellung von Bauholz und Zeitungsdruck- bzw. Zeitschriftenpapier setzt dieser Lebensweise zu. Viele First Nations haben sich daher gegen die weitere Zerstörung des Waldes stark gemacht und mit Greenpeace zusammen dagegen protestiert (Lesetipp: Kahlschlag in Kanada). Auch in Kanada können sich die tierischen Betroffenen kaum gegen die Holzindustrie wehren, zum Beispiel die Waldkaribus. Sie sind der Vernichtung ihres Waldes schutzlos ausgeliefert. Greenpeace setzt sich daher für den Urwaldschutz in Kanada ein, denn ohne diesen werden laut Aussagen der führenden Wissenschaftler die Waldkaribus in Quebec keine Chance haben. Schon heute ist ihre Anzahl stark gesunken und es leben nur noch geschätzte 6.000 Tiere in verschiedenen kleineren Gruppen in den verbliebenen Wäldern.

Die Weißen Berge in Quebec, Kanada. © Markus Mauthe / Greenpeace

Die Weißen Berge in Quebec, Kanada. © Markus Mauthe / Greenpeace

Heute zerstört der Papierhersteller Resolute Forest Products die Wälder des Karibus, zum Beispiel im Gebiet der sogenannten Weißen Berge im Norden Quebecs, knapp 500 Km nördlich von Montreal. Aus dem Urwald wird dann Zeitungs- und Zeitschriftenpapier, das in alle Welt exportiert wird. Auch nach Deutschland. Daran muss ich dann auch denken, an so einem Tag des Waldes. Denn vermutlich haben mehr Menschen täglich mit dem Thema Wald zu tun, als ihnen bewusst ist – sei es über die erwähnte Tageszeitung oder die Shampooflasche, die mit Zerstörung wertvoller Waldflächen in Verbindung stehen.
Urwaldzerstörung hat leider viele Ursachen. Ich versuche, diese auch morgen wieder im Blick zu haben und werde weiter kämpfen. Für den Schutz der Urwälder, den Schutz der vielen Tiere und Pflanzen und jener Menschen, die den Wald am dringendsten benötigen.

Video: Greenpeace-Erfolge beim Waldschutz


PS:
Heute ist übrigens auch Tag der Poesie.

Fundbüro: Pressestatement von Procter & Gamble

12. März 2014
Screenshot vom P&G-Statement

Screenshot vom P&G-Statement

Ich bin etwas irritiert: Noch vor wenigen Tagen veröffentlichte Procter & Gamble unter diesem Link ein Statement zu einem neuen Greenpeace-Report, der dem Konzern vorwirft, Palmöl aus Regenwaldzerstörung zu verwenden.

Und nun? Ist der Link defekt? Ein zusätzlicher Blick in den internationalen P&G-Newsroom – nichts!
Wo ist das Statement geblieben? Ein Kollege mutmaßte bereits, es werde wohl gerade durch den Weichspülgang gezogen und man dürfe gespannt sein, was P&G danach aus der Trommel zieht. Oder überlegt man in der Führungsetage von Procter & Gamble tatsächlich gerade, inhaltlich nachzubessern?

Das sei natürlich erlaubt – nur bitte nicht zu lange, denn die Zeit rennt: Täglich werden vier Quadratkilometer Regenwald nur für die Produktion von Palmöl vernichtet. Vielleicht ist man bei P&G auch nur versehentlich auf die Löschtaste gekommen? Macht nichts, wir haben natürlich alles gespeichert und geben Procter & Gamble den Text gerne wieder zurück, sogar mit Anmerkungen:

Das sagt(e) P&G:

Procter & Gamble setzt auf nachhaltige Beschaffung von Palmöl.

Greenpeace merkt an: Das ist aktuell nicht korrekt. Das zeigen die Greenpeace-Recherchen der letzten zwölf Monate. Der daraus entstandene Report belegt anhand von zehn Fallbeispielen, dass Lieferanten von Procter & Gamble in Regenwaldzerstörung verwickelt sind. Eine nachhaltige Produktion von Palmöl sieht anders aus.

Das sagt(e) P&G:

Wir sind Mitglieder beim Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl (RSPO).

Greenpeace merkt an: Eine Mitgliedschaft in dieser Organisation, in der sich zum größten Teil die Palmölindustrie tummelt, ist kein Argument für eine nachhaltige Palmölpolitik. Alle Fälle von Vernichtung von Orang-Utan-Habitaten, die wir dokumentiert haben, fanden auf Plantagen von RSPO-Mitgliedern statt. Wie kann das nachhaltig sein? P&G sollte sich über die RSPO-Mitgliedschaft hinaus selbst strenge Regeln setzen, eine Null-Entwaldungs-Policy erarbeiten und einhalten. Andere große Palmölabnehmer wie Nestlé, Unilever, Mars und L’Oreal haben sich dazu bereits verpflichtet – das Gleiche sollte auch P&G tun.

Das sagt(e) P&G:

… wir unterstützen die RSPO-Kriterien für nachhaltige Palmölproduktion und nehmen an der Arbeitsgruppe zum Thema nachhaltige Palmölderivate teil.

Greenpeace merkt an: Die RSPO-Kriterien kritisieren wir generell als zu schwach. Greenpeace hat bereits zahlreiche Vergehen von RSPO-Mitgliedern nachgewiesen. Procter & Gamble nimmt jährlich rund 460.000 Tonnen Palm- und Palmkernöl ab. Weniger als zehn Prozent stammen dabei aus RSPO-Zertifizierung. Zudem setzt P&G dabei ausschließlich auf Zertifikatehandel und Massenbilanz, so dass nicht nachvollzogen werden kann, von welchen Plantagen das Palmöl stammt. Procter & Gamble kann also nicht ausschließen, dass schmutziges Palm-, Palmkernöl und dessen Derivate in seinen Produkten landen.

Das sagt(e) P&G:

Wir haben öffentlich verkündet, dass bis zum Jahr 2015 hundert Prozent aller Palmöleinkäufe, die wir machen, aus nachhaltigen Quellen kommen und wir arbeiten mit unseren Zulieferern, um sicherzustellen, dass wir dieses Versprechen erfüllen.

Greenpeace merkt an: Seit etwa sieben Jahren fordern wir von Procter & Gamble, sich mit der Herkunft des von ihnen verwendeten Palmöls auseinanderzusetzen. Doch der Konzern redet weiterhin nur davon, seine Lieferkette genauer unter die Lupe nehmen zu wollen. Auf konkrete Taten warten wir bisher vergeblich. Und bei Nachhaltigkeit allein auf den RSPO zu setzen, greift zu kurz: Greenpeace hat mehrfach nachgewiesen, dass auch RSPO Mitglieder Wald roden und Torfmoore trockenlegen. Die Verbraucher wollen keine Mitschuld an Regenwaldzerstörung tragen, nur weil sie P&G-Produkte benutzen. Auf denen für den Käufer in der Regel auch nicht zu erkennen ist, ob Palmöl enthalten ist.

Das sagt(e) P&G:

Wir sind absolut gegen die unverantwortliche Entwaldungspraxis und nehmen jeden Vorwurf unangemessenen Verhaltens unserer Zulieferer sehr ernst. Wir werden alle Vorwürfe untersuchen, um sicherzustellen, dass unsere Politik zu einer verantwortlichen und nachhaltigen Herkunft von Palmöl eingehalten wurde und weiterhin wird.

Greenpeace merkt an: Greenpeace hat Procter & Gamble klar gezeigt, dass das Problem nicht nur vereinzelte Zulieferer sind, sondern die P&G-Einkaufspolitik, die schmutziges Palmöl bisher nicht konsequent ausschließt. Daher muss der Konzern seine Definition von nachhaltigem Palmöl überarbeiten. Über 90 Prozent stammen von Zulieferern, die kaum identifizierbar sind. Auch die restlichen zehn Prozent RSPO-zertifiziertes Palmöl garantieren keine Nachhaltigkeit. P&G braucht eine umfassende Null-Entwaldungs-Strategie, die sicherstellt, dass Produkte des Konzerns nicht mit der Zerstörung von Wäldern in Verbindung stehen.

Aktion bei der Procter & Gamble Palmölgewinnung in Kalimantan © Ulet  Ifansasti / Greenpeace

Aktion bei der Procter & Gamble Palmölgewinnung in Kalimantan © Ulet Ifansasti / Greenpeace

Wir sind gespannt auf die überarbeitete Version. Dürfen wir vielleicht auf etwas mehr Einsicht hoffen und ein Bekenntnis des Konzerns, seine Lieferkette aufzuräumen und Palmöl aus Regenwaldzerstörung aus seinen Produkten zu verbannen? Wir werden sehen…

Alle Infos zur Greenpeace-Kampagne für sauberes Palmöl findet ihr hier. Wenn ihr Procter & Gamble persönlich auffordern möchtet, Waldschutz ernst zu nehmen, dann unterschreibt und teilt unsere Email-Aktion.

GreenBites #43: Palmöl in Produkten

17. Februar 2014

Es steckt in Chips und Shampoo und vielen anderen Produkten und das ist ein Problem für den Regenwald, das Klima und somit auch für uns. Denn für die Produktion von Palmöl werden Regenwälder gerodet – am schlimmsten ist die Lage in Indonesien. Diese Wälder zählen zudem zu den artenreichsten Gebieten: Der Orang-Utan, der Sumatra-Tiger und das Java-Nashorn sind vom Aussterben bedroht. Im Podcast spricht Gesche Jürgens, Waldexpertin bei Greenpeace, über Lösungen und setzt auf die Unterstützung der Verbraucher.

Kein Player zu sehen? Klickt hier!

Was die Abholzung des Regenwaldes in Indonesien für das Klima und die Artenvielfalt bedeutet, erfahrt ihr in “Ausverkauf im Paradies”.

Der Sumatra-Tiger

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