Castor 2011: Nachrichten aus einer belagerten Provinz Teil 8, 18.45 Uhr

28. November 2011

Laase: das ist da, wo die beiden möglichen Transportstrecken von Dannenberg nach Gorleben zusammentreffen, sechs Kilometer vor dem Zwischenlager. Strohballen glimmen, weißer Rauch, der Wind steht in Richtung Castorstrecke, Lichtmasten der Polizei, acht Wasserwerfer rücken abwechselnd vor und halten das Dorf in Schach.

Wie ein Angriff der Klingonen: Wummernde Technobässe aus riesigen Lautsprechern und die Anfeuerungsrufe der BI-Vorsitzenden vom mobilen Musikkampfwagen heizen die Stimmung an. Die Wasserwerfer haben weniger Watt, Polizeidurchsagen flüstern. Jetzt Polizeipferde in die Menge. Erdklumpen fliegen. Tränengas aus Literpullen vom Pferd aus. Kein Sprühnebel, sondern flüssig, direkt in die Gesichter. Demosanis sind sofort da. Dann wieder Entspannung.

Seit einer Stunde sitzen die Fahrer in den Zugmaschinen vor den Castor-Tiefladern. Es soll erst losgehen, wenn die 19,3 Kilometer Strecke komplett geräumt ist. Unter den Demonstranten auch Mitglieder der Ini 60, ungläubig verfolgen sie die Szenerie, laute Bassmusik gab es früher nicht zur Demo. Aber irgendwie entspannt der Rhytmus auch die Demonstranten.

18.40 Uhr: der Castor ist losgerollt in Dannenberg. Die Wendlandfahnen werden in der Menge gehisst. Gorleben soll leben!

“Du bist Abschaum” – der Urwaldzerstörer und die Netiquette

24. August 2011

Der indonesische Papierkonzern Asia Pulp and Paper (APP) fiel bereits in der Vergangenheit durch wenig konstruktiven Umgang mit Kritik auf. Von der Tatsache, dass die Firma der größte Urwaldzerstörer auf der indonesischen Insel Sumatra ist, versucht APP gerne mit kostspieligen PR-Aktionen abzulenken. Ein neuer Fall zeigt nun aber deutlich: Eine Tochterfirma des notorischen Waldzerstörers APP braucht Nachhilfe in Sachen Netiquette… und beim Urwaldschutz!

2010 in Indonesien: Greenpeace-Aktivisten stoppen mit einem Banner Mitarbeiter von APP, die die Heimat von Tigern durch Abholzung zerstören.

2010 in Indonesien: Greenpeace-Aktivisten stoppen mit einem Banner Mitarbeiter von APP, die die Heimat von Tigern durch Abholzung zerstören.

Die Geschichte: In Australien hatte Greenpeace einen wichtigen Erfolg gegen APP verzeichnet: Einer der größten Kunden der APP-Tochter Solaris, die Supermarktkette IGA, kündigte den Vertrag. IGA sah ein, dass Regenwald in Indonesien besser aufgehoben ist als in ihrem Klopapier.

Darüber war Solaris nicht erfreut. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen beteuerten sie ihre Unschuld. Greenpeace wollten sie zu einem konstruktiven Gespräch einladen, um mit uns über den Schutz der bedrohten Tierarten Indonesiens zu sprechen. Unser Vorschlag dazu: Weitaus konstruktiver, als mit uns darüber zu sprechen, wäre es damit aufzuhören, den Lebensraum von Orang Utans und Tigern weiter abzuholzen.

Ab unter die Gürtellinie

Wie ernsthaft diese Einladung wirklich gemeint war, wurde kurz darauf jedoch in Frage gestellt. Die australische Marketingwebsite Mumbrella stolperte wenige Tage nach den Zeitungsanzeigen über diverse gegen Greenpeace und IGA gerichtete Blogkommentare. Die Kommentare kritisch zu nennen, wäre eine Untertreibung. Aber das ist schon okay – man kann es nicht jedem recht machen. Allerdings wurde die Kritik immer persönlicher und machte vor rassistischen Bemerkungen gegenüber dem IGA-Management nicht halt. Auch Greenpeace-Waldkampaigner Reece Turner bekam sein Fett weg: „Du bist Abschaum!“, fand einer der Kommentatoren mit dem Pseudonym ActResponsibly. Ich finde, der Aufforderung sich verantwortungsvoll zu verhalten, sollte eigentlich Solaris nachkommen.

Mumbrella machte sich die Mühe, die IP-Adressen der Computer zu überprüfen, von denen die Kommentare gesendet wurden. Interessanterweise gehörten einige der IP-Adressen zu… Überraschung: dem Solaris-Netzwerk. Was Solaris wohl unter einem konstruktiven Gespräch versteht? Schlammcatchen?

Bedrohter Sumatra-Tiger verendet in Falle auf APP-Einschlaggebiet

27. Juli 2011

Anmerkung der Redaktion: Dieser Blog wurde aus dem Englischen in Teilen übersetzt: “Endangered Sumatran tiger dies in trap on APP concession in Indonesia“. Original auf der Webseite von Greenpeace International. Der Tiger starb noch während des Rettungsversuchs – er lag bereits tagelang erschöpft, ohne Wasser, Essen und mit verwundeter Pfote in der Falle. Weder die Wildhüter noch der begleitende Greenpeace-Mitarbeiter hätten ihn noch retten können!
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Achtung: Das nachfolgende Videomaterial ist nicht für Kinder und Jugendliche geeignet !!!

Screenshot Video: Sumatra-Tiger

Mit Klick auf das Bild gelangen Sie zum Videomaterial. Achtung, es enthält erschütternde Bilder und ist nicht für Kinder oder Jugendliche geeignet.

Kürzlich erfuhr unser Greenpeace-Büro in Indonesien, dass ein Sumatra-Tiger in einem von Asia Pulp and Paper (APP) zur Rodung freigegebenen Gebiet in eine Wildtierfalle geraten ist. Sechs Tage ohne Essen oder Wasser saß der Tiger in der Falle.  Als die Forstbeamten den Tiger endlich erreichten, um ihn nach einer Woche des Leidens zu befreien, war es bereits zu spät. Der Tiger starb bei dem Rettungsversuch.

Der Platz, an dem der Tiger in die Falle gegangen war, liegt an der Grenze von PT Arara Abadi, eine Akazienplantage des indonesischen Papierherstellers APP. Das Videomaterial zeigt, dass ganz in der Nähe kürzlich Wald zerstört wurde und die Rodungen noch andauerten. Bäume wurden gefällt und schwere Maschinen, wie zum Beispiel Bagger, für die Rodung des Regenwaldes eingesetzt.
Nur 13 Kilometer davon entfernt hat das Tier seine letzten Tage gefangen, verletzt und hungernd verbracht.
Der Sumatra-Tiger ist bereits jetzt stark bedroht. Nur noch ungefähr 400 dieser Tiere leben in freier Wildbahn.

Dennoch zerstören die APP-Arbeiten weiter den Regenwald und damit den Lebensraum des Tigers, um  den Bedarf für die Papier- und Zellstoffproduktion APPs zu decken. Was einmal Regenwald war, wird zu allem Möglichen – wie Spielzeugverpackungen zum Wegwerfen. Einige von diesen Verpackungen werden von Spielzeughändlern wie Hasbro, Disney und Mattel verwendet.  Und die Zukunft sieht nicht besser aus. APP hat ehrgeizige Expansionspläne, die auch die Gebiete des Regenwalds – den letzten Rückzugsraum des Sumatra-Tigers -  betreffen.

Jemand hat mir einmal gesagt dass die Wege in einem Wald wie Adern sind – einmal geöffnet können sie das ganze Waldleben veröden. Wenn APP ein Gebiet im Lebensraum des Tigers rodet, zerstören sie nicht nur sein Rückzugsgebiet. Die Wege, die gebaut werden, um Holz zu transportieren, führen zu allen möglichen Störungen: Leute kommen und legen Fallen, um andere Tiere zu jagen. Auch wenn sie nicht vorhatten, den Tiger zu stören, tun sie dies trotzdem. Wenn der traditionelle Lebensraum des Tigers zerstört ist, müssen die Raubkatzen weit umherschweifen, um Futter und Unterschlupf zu finden. Dies führt sie häufig in die Nähe von Regenwaldgemeinden und das schafft Konflikte.
APP muss seine Geschäfte, die auf der Rodung von Regenwäldern basieren, beenden. Die Zerstörung des Regenwaldes in Indonesien muss gestoppt werden, um bedrohte Tiere wie den Sumatra-Tiger zu schützen, um die Folgen für die indigenen Völker im Regenwald  zu verringern. Indonesien muss seinen Kohlenstoffausstoß verringern, der immerhin größtenteils bei der Abholzung entsteht und den Klimawandel anfeuert.

Greenpeace-Aktivisten entlarven den größten Regenwaldzerstörer Indonesiens.

30.01.2011 - Am Messestand in Frankfurt: Greenpeace-Aktivisten entlarven den größten Regenwaldzerstörer Indonesiens.

Der Papier- und Zellstoffkonzern APP macht das Ganze nur noch schlimmer, indem er sich als nachhaltigen und verantwortlichen Betrieb darstellt.
Spielzeugfirmen wie Mattel, Hasbro und Disney müssen nicht nur alle APP-Produkte aus ihrer Lieferkette entfernen, sondern auch Richtlinien erstellen, die für alle ihre Papier- und Zellstoffprodukte gelten. Das ist der einzige Weg um sicherzugehen, dass sie in der Zukunft nicht zur Waldvernichtung beitragen. Die letzten Momente dieses Sumatra-Tigers sind ein aktuelles Beispiel, wie hoch der Preis für die zunehmende Zerstörung des indonesischen Regenwalds ist – wenn APP weiterhin so arbeitet, werden die Konsequenzen entsprechend sein.

Greenpeace arbeitet daran, den indonesischen Regenwald zu schützen. Wir fordern Mattel, Hasbro und Disney auf, Regenwaldzerstörung aus ihrer Lieferketten zu verbannen. Das bedeutet, auf APP-Produkte zu verzichten und neue Nachhaltigkeitsstandards für den Kauf von Zellstoff und Papier festzulegen.