Anlässlich unseres 30jährigen Geburtstags dachten wir uns, es wäre nett, wenn ihr “da draußen”, mal ein bisschen mehr über uns, die MitarbeiterInnen von Greenpeace erfahrt.
In diesem Sinne unter dem Motto 30 Jahre Greenpeace – 30 MitarbeiterInnen von Greenpeace, gibt es jetzt bis ca. Ende September eine Serie von Interviews mit KollegInnen von uns. – Heiko erzählt mir spannende und technische Details von seiner Arbeit.
1. Was machst du bei Greenpeace?

Heiko Linnemann (c) Greenpeace
Ich arbeite in der Öffentlichkeitsarbeit mit bewegten Bildern. Wir bieten Journalisten Filmmaterial fürs Fernsehen an und stellen in unserer Abteilung sowohl technisch als auch redaktionell alles selber her. Wir arbeiten primär auf Anfrage von TV-Redaktionen, versuchen darüber hinaus aber weitere Sendeplätze für unsere Themen zu finden. Kurz: wir versuchen, die bewegten Bilder sooft wie möglich ins Fernsehen und ins Internet zu kriegen. Auch unsere hauseigene Internetredaktion benötigt immer mehr Videos, die dann auf unserer youtube-Seite zu sehen sind.
Das Video-Archiv umfasst derzeit ca. 5.000 Kassetten in sendefähiger Qualität. Im Moment sind wir dabei, unsere Video-Datenbank zu erneuern und so mittelfristig das gesamte Material online recherchierbar zu machen. Davon erhoffen wir uns eine noch stärkere Verbreitung unseres Materials.
2. Was bist du von Beruf? Was hast du vor deiner Zeit bei Greenpeace gemacht?
Ich bin Dokumentationsredakteur und habe Mediendokumentation studiert. Nach meinem Studium habe ich ein Jahr freiberuflich für Greenpeace gearbeitet und jetzt bin ich seit 10 Jahren fest dabei.
3. Wie war dein Arbeitstag heute? Was hast du gemacht?
Ich habe ganz konkret an unserer neuen Datenbank gearbeitet. Wir erarbeiten derzeit das dafür notwendige Soft- und Hardare-Konzept und bereiten uns auf die Systemauswahl vor. Im April nächsten Jahres soll es bereits online sein. Ich bin sehr glücklich, dass wir das Projekt umsetzen können. Bereits in meiner Diplomarbeit vor zehn Jahren habe ich Vorschläge gemacht, wie Greenpeace so etwas angehen könnte, und heute haben wir endlich die passenden Rahmenbedingungen. Das Ziel ist, sowohl im Fernsehen als auch im Internet mehr und bessere Greenpeace-Beiträge zu sehen.
4. Was spornt dich an?
Die Greenpeacethemen, und sie werden leider immer wichtiger. In meiner Arbeit „verkaufe“ ich auch das Knowhow unserer Experten immer gleich mit. Wir haben viele tolle Leute, und ich glaube, dass wir Veränderungen erreichen können, obwohl die Politik und die Wirtschaft blockieren. All das geht aber viel zu langsam.
5. Wie gehst du mit Misserfolgen um?
Meine Freunde und die Familie müssen das aushalten. Darüber zu reden hilft meistens. Die bestimmte Sache ärgert mich dann, aber ich bleibe trotzdem dran und versuche es beim nächsten Mal besser zu machen. Einen Fehler zu machen ist nicht schlimm, denselben Fehler immer wieder zu machen dagegen schon. Beispiel Atompolitik.
6. Was war dein größter persönlicher Erfolg?
Puh, das ist schwer zu sagen. Damals als ich mit meiner Band noch Rockstar werden wollte
, haben wir eine eigene CD gemacht und vertrieben. Das ist schon länger her, aber als die dann im Laden im Regal stand, das war schon ein tolles Gefühl!
7. Hast du schon mal an internationalen Meetings teilgenommen? Was ist dein stärkster Eindruck?
Ich nehme regelmäßig an Skillshares teil; das ist ein fachlicher Austausch mit KollegInnen aus den Büros aus aller Welt. Dann wird mir wieder deutlich, dass wir ein „global player“ im bestmöglichen Sinne sind. So viele schlaue, ambitionierte, phantasiereiche, motivierte Typen. Der Tag ist voll mit Austausch, bis spät in den Abend.
8. Wie hat sich deine Arbeit bei Greenpeace auf dein Privatleben ausgewirkt?
Man ist immer ein bisschen Greenpeacer. Das hört nicht nach Feierabend auf. Wenn ich auf Partys erzähle, dass ich bei Greenpeace arbeite, bin ich in der Regel der Star des Abends und alle wollen viel von mir wissen. Ich wünschte mir nur, diese Gespräche würden in der Praxis mehr Veränderung bringen. Leider sind viele am Abend noch begeistert und wenn man sie Monate später wieder trifft, haben sie den Stromanbieter immer noch nicht gewechselt. Das ärgert mich dann. Deshalb habe ich als Privatperson Heiko immer Anträge für Greenpeace Energy dabei, damit die Menschen gleich was tun können, solange die Begeisterung frisch ist.
9. Was machst du um von Greenpeace/der Arbeit abzuschalten? Was machst du in deiner Freizeit am liebsten?
Musik, ich spiele immer noch in einer Band und zupfe dort den Bass. Das ist immer nett, wenn wir zusammen sind. Sport ist mir auch wichtig, damit der Körper nicht auseinanderfällt
. Und ich habe einen Lehrauftrag bei der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Fachbereich Medien und Information – bin also so eine Art Hobby-Lehrer. Die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten macht viel Spaß. Genau wie die Kinder und Jugendlichen bei den ehrenamtlichen Greenpeace-Gruppen erlebe ich sie sehr interessiert, motiviert und engagiert. Das mach Mut für die Zukunft.
10. Wo siehst du dich in 10 – 15 Jahren?
Das ist mir ein zu langer Zeitraum. In den nächsten fünf Jahren fände ich es aber spannend, unsere neue Videodatenbank anderen Greenpeace-Büros vorzustellen und bei Bedarf zu installieren, so dass auch sie von den Vorteilen profitieren können. Vielleicht bin ich dann mal ein halbes Jahr in Russland oder in China oder fahre eine Kampagne auf einem Schiff von uns mit. Wer weiß?
11. Wie würdest du entscheiden?
Freizeit: Buch oder Fernsehen: eindeutig Buch! Denn Fernsehen und in Bildschirme schaue ich den ganzen Tag.
Städtereise: London oder Paris: London
Essen: Hackbraten oder Tofu: Hackbraten, aber Bio. Ich wünschte, es gäbe mehr Biorestaurants, da ich für mein Leben gern Essen gehe.
12. Wozu kannst du nicht nein sagen?
Zu einer spannenden Projektidee. Es gibt so viele gute Ideen und so wenig Zeit! Wer hat eigentlich den Tag auf 24 Stunden begrenzt? Zu einem Projekt habe ich kürzlich „Nein“ gesagt und bin da ein bisschen stolz auf mich. Aber vielleicht mache ich es dann doch im nächsten Jahr?!
13. Was bringt dich auf die Palme oder was kannst du nicht ausstehen?
Die Untätigkeit von Wirtschaft und Politik. Wenn sie keine Verantwortung übernehmen und/oder vorhandene Lösungen verhindern, weil sie eigene Ziele verfolgen, die nicht der Gemeinschaft dienen. Beispiel Politik von Klimakonferenzen der letzten Jahre: China oder die USA (oder andere, einen gibt es immer) schicken nur Vertreter, die nichts entscheiden können und so werden Verhandlungen und Lösungen blockiert.
Im beruflichen Umfeld: Meetings, die nichts bringen.
Im privaten Umfeld: Aufstehen vor 7 Uhr morgens. Mein Wahlspruch: Der frühe Vogel kann mich mal
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