GreenBites, der Podcast von Greenpeace: #26 – In Japan: Ein Jahr nach Fukushima Teil 2

09. März 2012

“Schwangere sollen nicht geröngt werden, aber auf Straßen gehen, die zum Teil sehr hohe Strahlenwerte haben”, sagt Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace. Er ist seit knapp einer Woche in Fukushima City, um mit einem internationalen Team die radioaktive Belastung zu messen. Im aktuellen Podcast bewertet er die Ergebnisse und schätzt die Lage an der zerstörten Atomanlage Fukushima Daiichi ein. Auch Thomas Breuer, Leiter des Bereichs Klima und Energie, ist in Japan. Was er dort macht, erfahrt ihr im Podcast In Japan: Ein Jahr vor Fukushima Teil 1.

GreenBites, der Podcast von Greenpeace: #26 – In Japan: Ein Jahr nach Fukushima Teil 2 by GreenpeaceDe

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Hier erfahrt ihr noch mehr über die Menschen und die Situation in Japan.


Heinz Smital misst Radioaktivität in Fukushima City - (c) Noriko Hayashi / Greenpeace

Heinz Smital misst Radioaktivität in Fukushima City - (c) Noriko Hayashi / Greenpeace

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Walfang: Ein neuer Tiefpunkt ist erreicht

08. Dezember 2011

Es ist ein Skandal, über den Greenpeace schon im Oktober berichtet hat: Teile des von der japanischen Regierung angelegten Hilfsfonds für die Opfer der Katastrophe von Fukushima sollen in den Walfang investiert werden. Meine Kollegen in Japan sowie eine Reihe anderer NGOs protestierten daraufhin vor Ort. Sie forderten die japanische Regierung auf, die veranschlagten zusätzlichen 21 Millionen Euro für konkrete Maßnahmen zu nutzen, die den Menschen in der Region Fukushima zugute kommen, anstatt sie für die antiquierte Jagd auf Wale zu verwenden.

Diese Woche ist in Japan die Walfangflotte ausgelaufen. Sie wollen in der Antarktis Jagd auf knapp 1.000 Wale machen, darunter etwa 50 der gefährdeten Finnwale.

Das sagt eigentlich schon genug aus:  Japan hat, was den Walfang in heutigen Zeiten angeht, nichts dazu gelernt. Die Walfangflotte setzt sich damit über internationale Gesetzte hinweg. Hinzu kommt in diesem Jahr die Unterstützung der japanischen Regierung zum Schutz der Flotte aus Geldern, die eigentlich den Opfern der Katastrophe von Fukushima vorbehalten war. Die vereinigte Gruppe aus NGOs in Japan hat daher einen offenen Brief geschrieben. Darin fordert sie die Verantwortlichen der Regierung auf, die Subventionen für den Walfang einzustellen und für humanitäre Projekte zu verwenden.

Zu dieser Verschwendung von Steuergeldern drückt sich mein japanischer Greenpeace-Kollege absolut treffend aus. Er meint: „Nicht nur, dass die Walfang-Industrie ohne steigende finanzielle Hilfe der Regierung gar nicht in der Lage wäre zu überleben, es werden jetzt zudem noch Gelder von den Menschen abgezogen, die sie derzeit am dringendsten benötigen. Dies stellt einen neuen Tiefpunkt für die schamlose Walfang-Industrie dar, unterstützt von kaltschnäuzigen Verantwortlichen in der Regierung“.

Der Markt für Walfleisch in Japan ist seit Langem überschuldet und nicht mehr profitabel. Außerdem lehnt die große Mehrheit der Bevölkerung den Walfang ab. Zeitgleich sieht sich Japan mit den Folgen der Katastrophe von Fukushima konfrontiert. Wie viele Argumente gegen die Jagd auf Wale müssen eigentlich noch hervor gebracht werden, bevor die Verantwortlichen eine neue Richtung einschlagen?

(Autor: Sebastian Buschmann)

Foodwatch und IPPNW: “Kalkulierter Strahlentod”

21. September 2011

Die aktuelle Studie von Foodwatch und IPPNW (Internationale Ärzte gegen den Atomkrieg) “Kalkulierter Strahlentod” legt den Finger in eine offene Wunde: Die offiziellen Strahlenschutzgrenzwerte für Nahrungsmittel sind widersprüchlich und viel zu hoch festgelegt. Grundsätzlich gilt: Es gibt keine sicheren Radioaktivitätsgrenzwerte, sondern jede Strahlung ist möglichst zu vermeiden. Bei den derzeit geltenden Grenzwerten regiert nicht das Vorsorgeprinzip, sondern das bange Hoffen, dass Nahrungsmittel immer weit unterhalb der geltenden Grenzwerte belastet sind.

Christian Aslund/Greenpeace - Greenpeace-Strahlenexpertin Rianne Teule misst die Strahlenbelastung in einem Gemüsegarten in Fukushima CityFoodwatch und IPPNW weisen durch ihre Rechnung nach, dass Kleinkinder alleine durch Nahrungsaufnahme eine Strahlendosis von mehr als 80 Millisievert und Erwachsene bis zu 33 Millisievert pro Jahr erhalten können, bei ausschließlichem Verzehr von Nahrungsmitteln und Getränken, die mit Radionukliden in Höhe der geltenden EU-Grenzwerte belastet sind.

Die EU-weit uneinheitlichen Grenzwerte sorgen dafür, dass viele Nahrungsmittel, die in der Ukraine und Belarus nicht in den Verkauf kommen dürfen, in Deutschland problemlos abgesetzt werden können. In den genannten Ländern hat der Super-GAU von Tschernobyl dazu geführt, dass die geltenden Grenzwerte strenger gefasst wurden. Eine Konsequenz daraus, dass die dort lebenden Menschen oft nicht anders konnten als kontaminierte Lebensmittel zu essen.

Die Studie legt nahe, dass die geltenden Nahrungsmittel-Strahlenschutzgrenzwerte deutlich herabgesetzt werden müssten. Eine Verpflichtung zur Absenkung kann aus dem Lissabon-Vertrag  Art. 191 über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV)  abgeleitet werden. Da ausreichend Lebensmittel mit erheblich geringerer radioaktiver Belastung verfügbar sind, besteht keine Notwendigkeit, den Menschen so hochbelastete Produkte zuzumuten. Foodwatch und IPPNW fordern daher eine drastische Absenkung der Grenzwerte: Von bisher 370 (für Japan-Importe derzeit 200) auf 8 Becquerel Cäsium pro Kilogramm für Säuglingsnahrung und Milchprodukte sowie von 600 (für Japan-Importe derzeit 500) auf 16 Becquerel Cäsium pro Kilogramm für alle anderen Nahrungsmittel.

Greenpeace fordert:

  • Grenzwerte müssen sich am Gesundheitsschutz der Bevölkerung orientieren.
  • Wir brauchen eine Debatte um Grenzwerte. Warum darf radioaktive Nahrung, die in der Ukraine und Weißrussland nicht mehr gegessen wird, aufgrund unserer hohen Grenzwerte noch in den Handel kommen?