Japanische Walfänger kehren zurück – 34 Minkwale getötet

07. Juni 2013

Japanische Walfänger bezeichnen ihren Walfang als wissenschaftlich.

Nachdem in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass das Fleisch isländischer Finnwale in japanischen Hundefutter landet, veröffentlichten heute japanische Medien die traurige Bilanz der diesjährigen Küstenwaljagd. Demnach wurden in der Zeit von April bis Juni 34 Minkwale im Namen der Wissenschaft getötet, 17 Walbullen und 17 Walkühe fanden den Tod. Die Menge des angefallenden Fleisches erhöht den ohnehin schon auf über 7.000 Tonnen angewachsenen tiefgefrorenen Walfleischberg, auf dem Japan sitzt.

Gleichzeitig fasst sich die Weltöffentlichkeit wieder an den Kopf und fragt sich, was das Ganze soll. Die kalten Fakten lesen sich so: Die Jagd war die am wenigsten erfolgreiche, seit Beginn des Forschungsprogramms 2003, die Wale waren hauptsächlich kleine Jungtiere und ihre Nahrung setzte sich aus Sandaalen zusammen. Eine Erkenntnis, die man spielend hätte gewinnen können, ohne die Tiere zu töten.

In den nächsten Wochen wird sich der internationale Seegerichtshof mit der Frage beschäftigen, ob der japanische Forschungswalfang als kommerzielle Jagd gewertet werden muss und somit illegal ist. Australien hatte entsprechend geklagt und sollten die Richter zustimmen, ist hoffentlich auch dieses Kapitel der menschlichen Ignoranz beendet.

Thilo Maack ist auch auf Twitter zu finden.

Leben in der Evakuierungszone

01. März 2013

Leben in der Evakuierungszone von Fukushima.

Rund 25 Kilometer hinter der 284.000 Einwohner-Stadt Fukushima City beginnt der Teil der Evakuierungszone, in den Anwohner bereits tagsüber für ein paar Stunden zurückkehren dürfen. Übernachtungen sind aber verboten. Vorbei an Geisterdörfern mit leergeräumten Supermärkten und verhängten Fenstern fahren wir mit Toru Ansai in sein Zuhause außerhalb von Iitate.

Ein kleines Häuschen am Berghang, mit Garten, Geräteschuppen und Gewächshäusern. Gleich nebenan wohnt immer noch Torus Nachbarin. Sie ist nach der Nuklearkatastrophe hier geblieben, weil sie von der Notunterkunft aus ihre Arbeitsstätte nicht erreichen konnte und begrüßt ihn erfreut. Ohne Toru und weitere Nachbarn ist es ziemlich einsam für sie geworden. Rund 100 Familien, so erfahren wir, leben trotz Verbot weiter in der hochkontaminierten Zone rund um Iitate. Niemand schickt sie weg.

Toru Ansai im Gespräch mit Cornelia Deppe-Burghardt von Greenpeace.

Als Toru Ende Juni 2011 ging, musste er seine vier Katzen zurück lassen, denn Tiere sind in den Notunterkünften nicht erlaubt. Er erzählt uns, dass drei der Katzen inzwischen gestorben sind. Woran, weiß er nicht.

Unmittelbar neben Torus Haus misst Heinz Smital mehr als 60 Mikrosievert pro Stunde (µSv/h). In rund 16 Stunden erhält der Besucher hier also die radioaktive Dosis von einem Millisievert (mSv/h), die nach der Strahlenschutzverordnung innerhalb eines Jahres nicht überschritten werden sollte.

“Die Radioaktivität rutscht den Berg herunter”, erzählt Toru. “Jedes Mal, wenn es regnet oder der Wind weht, wird es wieder ein Bisschen mehr.” Wie soll man den ganzen Berg dekontaminieren? Nach den drei Kernschmelzen in Fukushima Daiichi und der erheblichen Freisetzung von Radioaktivität wohnte Toru noch drei weitere Monate an diesem Ort. Wie die meisten Einwohner Iitates atmete er radioaktives Jod ein und aß selbst gezüchtetes Gemüse.

Radioaktivitätsmessung in Iitate.

Obwohl Iitate schon am 12. April 2011 von der Regierung zur Evakuierungszone erklärt worden war, wurden die Einwohner von ihrem Bürgermeister darüber nicht informiert. Dabei ist unbestritten, dass schon geringe Mengen radioaktiver Teilchen den Zellen des menschlichen Körpers schaden. Toru berichtet wütend, dass Bürgermeister Norio Kanno als Reaktion auf den Evakuierungsaufruf der Regierung vielmehr eine eigene Kampagne Pro-Atomkraft startete.

Ein Professor der Universität Tokio kam auch, um die Befürchtungen der Menschen zu zerstreuen. “Alles sei ganz ungefährlich hier, sagte er”, so Toru. “Wir sollten ihm vertrauen.” Nicht einmal die Kinder hat Bürgermeister Kanno evakuieren lassen. Toru ist noch immer fassungslos. “In andere Orte wurden Busse geschickt, um die Menschen abzuholen. Zu uns kam niemand.” Als im vergangenen Jahr die Bürgermeisterwahl anstand, wurde Kanno trotzdem wiedergewählt. Es gab keinen Gegenkandidaten.

Ankommen in Fukushima

22. Februar 2013

Zum zweiten Jahrestag der schrecklichen atomaren Katastrophe in Japan besuche ich mit einem Greenpeace-Strahlenmessteam Fukushima. Wir wollen die radioaktive Belastung um die havarierten Reaktoren messen und die Menschen in der Region besuchen.

Ankommen in Fukushima

Ankommen in Fukushima

Fukushima ist ein Distrikt auf der japanischen Hauptinsen Hokkaidō. Am 11. März 2011 kam es in der Atomanlage Fukushima Daiichi zur Kernschmelze, die sich auf vier der sechs Reaktorblöcke ausdehnte. Die ausgetretene Strahlung hat große Teile der Region unbewohnbar gemacht.

Strahlenmessinstrumente für Fukushima

Strahlenmessinstrumente für Fukushima

Meine Kollegen, Heinz Smital und Thomas Breuer, sind als Atom-Experten für Greenpeace bereits seit mehreren Tagen in den Städten Fukushima City, Iitate und an anderen Orten unterwegs, um sich über die aktuelle Lage zu informieren. Gemeinsam mit Daniel Müller, unserem Fotografen, habe ich mich ihnen gestern angeschlossen. Trotz Streik am Hamburger Flughafen konnten wir uns Heiz und Thomas in Fukushima City pünktlich anschließen.

Radioaktive Verstrahlung von Fukushima

Radioaktive Verstrahlung von Fukushima

Zwei Jahre nach der schweren Nuklearkatastrophe wollen wir mit den Menschen in Japan sprechen und in Deutschland das Erinnern wach halten. Gerade jetzt ist das wichtig. Die deutsche Bundesregierung scheint die hässliche Fratze der Atomkraft vergessen zu haben. Ein mehrfacher Super-GAU ist nicht in irgendeinem Land passiert, sondern im hochtechnisierten Japan. Statt die Energiewende zu beschleunigen, bläst Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) derzeit einen Frontalangriff auf den Ausbau erneuerbarer Energie.

Mein erster Eindruck aus einer Stadt nach der Nuklearkatastrophe: Die Menschen versuchen, ein normales Leben zu führen, doch die Auswirkungen der Katastrophe sind auch heute noch deutlich spürbar. Man muss nur hinschauen (wollen).