Eine Chance für den Meeresschutz in der Antarktis – Besuch in Berlin

25. April 2013

Pinguine in der Antarktis.

Rund vierzig Mal so groß wie Deutschland, entscheidend für das Weltklima und (fast) menschenleer: Die Antarktis zählt zu den letzten Gebieten, in die der Mensch glücklicherweise noch vergleichsmäßig wenig eingegriffen hat. Dies ermöglicht auch der Antarktisvertrag mit dem späteren Umweltschutzprotokoll, zu dem Greenpeace mit einer erfolgreichen Kampagne in den 80ern beigetragen hatte.

Das bedeutet jedoch nicht, dass dem antarktischen Ökosystem keinerlei Gefahren durch Klimawandel oder wirtschaftliche Ausbeutung drohen. So gieren große Fischereikonzerne längst danach, ihre Industrieschiffe auf die Jagd nach antarktischem Krill zu schicken.

Vor allem die antarktische Meeres-Umwelt braucht dringend einen verbrieften Schutz! Die Chance dazu bietet sich im Juli diesen Jahres in Bremerhaven! Dort wird auf dem Treffen der antarktischen Schutzkommission CCAMLR über die Einrichtung der beiden größten Meeresschutzgebiete der Welt beraten – und hoffentlich entschieden. Die Schutzgebiete hatte die Kommission bereits im vergangenen Jahr auf der Agenda, doch die Entscheidung scheiterte an den Stimmen Russlands, Chinas und Norwegens.

Genau die Botschaften dieser Länder bekamen deshalb in dieser Woche in Berlin Besuch von “Pinguinen”, die mit Petitionsbriefen Unterstützung für den Meeresschutzvorschlag einforderten. In den Kostümen steckten Aktivisten der Antarctic Oceans Alliance, kurz AOA. Das ist ein Zusammenschluss von zahlreichen Umweltorganisationen und prominenten Botschaftern wie Ed Norton oder Leonardo di Caprio, dem auch Greenpeace angehört.

Wir arbeiten gemeinsam daran, ein Netzwerk aus festgelegten Schutzzonen für Meeresressourcen im Südlichen Ozean der Antarktis zu etablieren. In diesem Jahr dürfen Russland, China und Norwegen dem Meeresschutz nicht im Weg stehen. Ihre Stimmen sind notwendig, denn die CCAMLR entscheidet einstimmig.

Ein Pinguin besucht Berlin.

Aber auch die Bundesregierung muss zu ihrem Wort stehen. Die Verantwortliche Verbraucherschutzministerium Ilse Aigner sprach sich bereits öffentlich für die Einrichtung von Schutzgebieten aus. Deshalb habe ich meine Kollegen von der AOA heute nach Berlin zu einem Besuch beim Fischereiministerium begleitet.

Dort empfing uns Staatssekretär Dr. Müller und hörte sich unsere Hauptforderungen aufmerksam an: bessere Koordination innerhalb der deutschen Delegation und internationale Kontaktaufnahme um Russland, China und Norwegen für die Schutzgebiete zu gewinnen. Frau Aigner muss alles Nötige in die Wege leiten, damit das Treffen der antarktischen Schutzkommission im Juli zu einem Erfolg für den antarktischen Meeresschutz wird.

Englisches Video: Was steht für die Antarktis auf dem Spiel?

Was können Sie tun?
Dieses Jahr entscheiden 25 Länder über das Schicksal des Antarktischen Ozeans, der zehn Prozent der Weltmeere ausmacht. Fordern Sie die Schutzkommission CCAMLR auf, sich für das einzigartige Gemeingut Antarktis einzusetzen und den größtmöglichsten Schutz für das Antarktische Meer zu beschließen. Über 190.000 Menschen weltweit haben bereits mitgemacht – das Ziel sind 300.000 Unterstützer für die Antarktis. Hier geht es zur Online-Petition der Antarctic Oceans Alliance.

Europa gegen CO2

02. April 2013

Der Ausstoß von CO2 treibt den Klimawandel an. Die Abgase von Autos sind eine wesentliche Ursache. Zudem gefährdet der Durst nach Öl die letzten wilden Naturparadiese wie die Arktis. Mit sparsameren Autos ließen sich Ölverbrauch und CO2-Ausstoß verringern. Die Hersteller könnten viel mehr dafür tun, die Entwicklung dieser Autos voranzutreiben.

Bis Ende Juni will die EU die neue Vorgabe zur Verringerung der CO2-Emissionen entscheiden. Der Grenzwert für Autos soll auf 95 Gramm pro Kilometer sinken (das entspricht einem Verbrauch von knapp 4 Litern auf 100 Kilometer). Das Umweltministerium hat am 4. Februar in Brüssel der Ratspräsidentschaft einen Vorschlag vorgelegt, der diese 95 Gramm verfehlt. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) möchte Schlupflöcher einführen, die den Grenzwert auf bis zu 105 Gramm CO2 pro Kilometer verwässern.

EU-Politiker brauchen Unterstützung, um sich für Umweltschutz und gegen den Einfluss von Lobby-Interessen durchzusetzen. Sie können ihnen helfen!

Greenpeace fordert von europäischen Politikern, dass sie für eine Begrenzung von CO2-Emissionen durch Neuwagen in Europa stimmen. Diese Maßnahmen werden den Verbrauch von Fahrzeugen senken, sie werden weniger CO2 ausstoßen. Und der Druck nimmt ab, die Ölvorräte in empfindlichen Regionen wie der Arktis auszubeuten.

Europa stoppt CO2! Unterstütze Politiker auf EUvsCO2.org im Kampf gegen CO2


Sie können die Forderungen von Greenpeace unterstützen auf www.EUvsCO2.org.

Der Wald in Deutschland- „Vellus lactes Porca“?

30. November 2012

Greenpeace fordert (c) Bernadette Weikl / GreenpeaceVon Sandra Hieke, Dipl. Forstwissenschaftlerin und Waldexpertin für Greenpeace

„Der Wald steht im Spannungsfeld verschiedenster gesellschaftlicher Interessen…“ So oder ähnlich beginnen viele Beiträge zum Thema Wald. Er soll Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen gleichermaßen erfüllen, sprich Holzlieferant, Schutzwald, Lebensraum seltener Pflanzen- und Tierarten, Kohlenstoffspeicher, Ort der Ruhe und Erholung zugleich sein. Man könnte auch sagen, der Wald ist die eierlegende Wollmilchsau („Vellus lactes Porca“) schlechthin. Prima, könnte man denken – ist doch super, wenn der Wald all diesen Ansprüchen gleichzeitig gerecht wird. Doch geht das alles wirklich auf einer Fläche, wie Forst- und Holzindustrie immer wieder gerne betonen? Bang boom bang: “Mensch Andy“ (oder Klaus, oder Rudolf, oder wie sie alle heißen), „du bist doch sonst nich son Hans-guck-in-die-Luft. Jetzt sei doch mal ein bisken realistisch!”

Die Antwort ist eindeutig und überrascht nicht weiter: Nein. Leider schafft es selbst der deutsche Wald nicht, auf einer Fläche alle „gewünschten“ Produkte und Leistungen gleichermaßen bereitzustellen: Betrachtet man das Spannungsfeld zwischen den drei Funktionen genauer, wird schnell klar, dass vor allem die Nutzfunktion den Wald an seine Grenzen bringt: Dort, wo Holz genutzt wird, wird die Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes zumindest eingeschränkt.

Warum aber liegt der Fokus der Forstwirtschaft in Deutschland dann noch immer auf der Holzproduktion? Warum wird nach wie vor auf 99 Prozent der Wälder Holz gemacht? Warum steigen die Holzeinschläge in den letzten Jahren – jedes Jahr ein bisschen mehr? Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) prahlen mit „Rekordumsätzen“. Wo aber sind die Flächen, auf denen der Wald Schutz- und Erholungsfunktionen uneingeschränkt erfüllen kann? Warum sind noch immer weniger als ein Prozent der deutschen Wälder geschützt? Fragen, die unbeantwortet bleiben. Und das, obwohl die Bundesregierung unter Merkel bereits 2007 mit Verabschiedung der Nationalen Biodiversitätsstrategie beschlossen hat, bis 2020 zehn Prozent der öffentlichen Wälder aus der Nutzung zu nehmen. Warum werden diejenigen, die dafür verantwortlich sind, dass dieser Beschluss auf der Fläche – sprich im Wald – umgesetzt wird, nicht zur Rechenschaft gezogen? Warum kommt die Forstwirtschaft ungeschoren davon? Wo sind die Politiker mit Rückrat, die zu dem stehen, was sie unterschrieben haben?

Herr Ministerpräsident Seehofer, haben Sie nicht selbst die Nationale Biodiversitätsstrategie mit abgesegnet? Haben Sie denn ihren Forstminister nicht unter Kontrolle?

Herr Forstminister Brunner -  interessiert Sie als Aufsichtsratsvorsitzender der BAySF gar nicht, dass im Auftrag von Herrn Freidhager die Hiebssätze höher festgelegt werden, als ein Betriebsleiter empfiehlt (so z.B. in Ebrach, Steigerwald) und die letzten alten Buchenwälder Deutschlands geplündert werden? Ach, bei Rekordumsätzen … da kann man schon mal ein Auge zudrücken.

Wir brauchen Flächen, auf denen sich der Wald ungestört entwickeln kann. Vor dem Hintergrund des Artensterbens, vor dem Hintergrund des Klimawandels, vor dem Hintergrund, dass sich die Ansprüche der Gesellschaft an den Wald unter anderem aufgrund sich ändernder Umweltbedingungen in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt haben. Zehn Prozent: Ist das wirklich unverschämt? Ja! Nimmt man Artensterben und Klimawandel ernst, so ist das sogar unverschämt wenig.

Jetzt sind wir mal ein bisschen realistisch. Die deutsche Forstwirtschaft hinkt hinterher. Sie ist nicht mehr zeitgemäß. Aus Angst vor neuem, oder vielleicht auch nur aus Stolz (?) wird den Bürgern, die den Waldschutz befürworten, von einer kleinen, aber stimmgewaltigen  Minderheit unter den Forstleuten Bange gemacht: „Die Umweltschützer wollen den Wald verschließen, da dürft ihr dann nicht mehr rein. Die wollen euch bloß sagen, wo es lang geht.” “Sollten wir icht lieber so weitermachen wie bisher? So ist der Wald doch auch ein bisschen schön. Und ein bisschen was tun wir ja auch für die Umwelt. Wir schützen sogar Einzelbäume! Wenn man die alle zusammenzählt, dann kommt insgesamt man auf ganz schön viel Schutzfläche! Und für die alten Buchenwälder, da pflanzen wir ja neue! Und die Holzindustrie, die hat sogar ganz viel davon, wenn alles so bleibt!“

Jetzt sind wir noch mal ganz realistisch: Keiner will den Wald verschließen. Keiner will der Holzindustrie ans Leder. Der Super-Rohstoff Holz soll auch weiterhin genutzt werden! In neunzig Prozent der öffentlichen Wälder Deutschlands, so hat es auch die Bundesregierung beschlossen, soll weiterhin Holz gemacht werden! Nachhaltig, ordnungsgemäß und auf eine Art und Weise, die dem Wald so wenig wie möglich schadet – damit auch unsere Kinder und Enkelkinder noch auf den Rohstoff Holz bauen können. Aber zehn Prozent der öffentlichen Waldfläche Deutschlands sollen der Natur zurückgegeben werden. Denn wenn unsere Kinder und Enkelkinder keine Luft zum Atmen (und das ist sprichwörtlich gemeint) haben, dann nützt ihnen auch der Rohstoff Holz nichts mehr.

In einer Präsentation der ForstBW stolperte ich kürzlich über folgendes Zitat von Francis Picabia: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“. Wollen wir hoffen, dass dies auch für Holzköpfe gilt.

Für weitere Infos zum Hintergrund der Kampagne zum Schutz alter Buchenwälder, schaut doch mal in unser Onlinepaper!